Wendezug

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Doppelstock-Wendezug in Calau

Als Wendezüge (Schweiz: Pendelzüge) bezeichnet man Züge, bei denen beim Richtungswechsel das Triebfahrzeug (die Lokomotive oder der Triebwagen) nicht umgesetzt werden muss.

  • Entweder es befindet sich an beiden Zugenden ein Triebfahrzeug (auch Sandwich genannt), und beide können vom jeweils vorderen Triebfahrzeug aus gesteuert werden,
  • oder es befindet sich am Zugende ein Triebfahrzeug und am vorderen Ende ein Steuerwagen, mit dem das Triebfahrzeug ferngesteuert werden kann. Der Zug wird dann in der einen Richtung mit dem Steuerwagen voraus geschoben.

Mit Wendezügen kann der Einsatz von Reisezügen effizienter und schneller gestaltet werden, da die Lokomotive am jeweiligen Zugende verbleiben kann, wenn der Zug in Kopf- oder Wendebahnhöfen die Fahrtrichtung ändert.

Für die Fernsteuerung mit einem Steuerwagen muss das Triebfahrzeug entsprechend ausgerüstet sein, außerdem muss die gleiche Wendezugsteuerung beziehungsweise Vielfachsteuerung verwendet werden.

Vorteil des Wendezugs bzw. Pendelzugs gegenüber dem Triebzug ist die Möglichkeit, normale Wagen als Zwischenwagen zu verwenden, wenn sie mit den erforderlichen Leitungen ausgerüstet sind. Umgekehrt können die meisten Zwischenwagen auch als normale Wagen in herkömmlichen Zuggarnituren verwendet werden.

Waren früher vorwiegend Nahverkehrszüge Wendezüge, so sind heute auch Züge im Fernverkehr als Wendezüge verbreitet, denn der Wegfall des Umsetzens bedeutet eine Zeitersparnis an den Wendepunkten (Endbahnhöfe, Kopfbahnhöfe, andere Bahnhöfe mit notwendigem Richtungswechsel). Es kann so mit weniger Zügen eine höhere Fahrtenanzahl erreicht werden. Des Weiteren entfällt das Vorhalten eines Rangiergleises sowie zusätzlichen Personals (Rangierer).

Geschichte[Bearbeiten]

CityShuttle-Wendezug der ÖBB

Pendelzüge und die dazu benötigte Vielfachsteuerung haben vor allem in der Schweiz eine lange Tradition.

Die ersten Steuerwagen für Pendelzüge in der Schweiz beschaffte die Martigny–Châtelard-Bahn (MC, heute TMR) 1906. Die SBB bestellte 1921 die ersten Triebwagen Ce 4/6 mit der Absicht, diese zu zweit oder zusammen mit einem Steuerwagen als Pendelzüge einzusetzen. Nach erfolgreichen Versuchen nach der Ablieferung 1923, wurden ab 1927 zusätzlich Gepäcktriebwagen Fe 4/4 mit identischer Vielfachsteuerung in Betrieb genommen. Heute sind in der Schweiz fast alle Reisezüge Pendelzüge oder Triebzüge.

In Deutschland wurden spezielle Wendezüge vermutlich erstmals bei der Lübeck-Büchener Eisenbahn im Mai 1936 als Städteschnellverkehrszüge mit Doppelstockwagen eingesetzt. Die speziell für diesen Zug gebauten Dampflokomotiven waren Tender-Dampflokomotiven mit Stromlinienverkleidung, die vom anderen Zugende aus vom Lokführer ferngesteuert werden konnte.

Die Elektrolokomotive E 04 23 wurde 1939 für den Wendezugbetrieb ausgerüstet und bis 1945 auf den Münchener Vorortbahnen erprobt.

In den 1950er Jahren baute die Deutsche Bundesbahn mehrere Dampflokomotiven der Baureihe 78 für den Wendezugverkehr z. B. zwischen Frankfurt und Wiesbaden um. Der Lokomotivführer hatte direkt nur Zugriff zur Bremse. Die Befehle zum Beschleunigen oder Beibehalten der Geschwindigkeit gab er an einen besonders geschulten Heizer weiter, der den Regler und die Steuerung bediente (indirekte Wendezugsteuerung).

Details zur Geschichte der ersten Wendezüge in Deutschland siehe Doppelstockwagen.

Siehe auch[Bearbeiten]