Agententheorie

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Als Agententheorie bezeichnet man, meist mit negativer Konnotation, die marxistisch-leninistische Faschismustheorie, nach der im Wesentlichen Adolf Hitler und seine engsten Gefolgsleute Agenten oder Marionetten der Großindustrie bzw. des Finanzkapitals gewesen sein sollen.

Inhalt[Bearbeiten]

Zentraler Bestandteil der Agententheorie ist die Faschismusdefinition von Georgi Dimitrow, die er im Juli 1935 anlässlich des VII. Weltkongresses der Kommunistischen Internationale in Moskau vorlegte, wonach „Der Faschismus an der Macht […] die offene, terroristische Diktatur der reaktionärsten, chauvinistischsten, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals“[1] sein soll.

Ausgehend von der Theorie des Klassenkampfes als Grundlage der kapitalistischen Gesellschaft wurde der Faschismus verstanden als aggressive Antwort der herrschenden Klasse auf die Oktoberrevolution und als Waffe oder Kampfinstrument der Bourgeoisie gegen die aufstrebende Arbeiterbewegung sowie als Mittel zur Durchführung eines imperialistischen Krieges zur Vernichtung der Sowjetunion und zur Erringung der Weltherrschaft.

Fester Bestandteil ist der Vorwurf, dass das britische, französische und vor allem amerikanische Kapital, mit ihren Anleihen (Dawes-Plan) in der Zeit der Weimarer Republik und ihrer Appeasement-Politik, erst das deutsche Rüstungspotenzial aufgebaut hätten und den Faschismus gefördert hätten, um Deutschland als Speerspitze gegen die Sowjetunion zu benutzen. Für den sowjetischen Forscher A. J. Kunina waren es sogar „im wesentlichen amerikanische Mittel, mit denen Hitler finanziert wurde“.[2] Es wurde auch behauptet, dass viele dieser Firmen, die den Faschismus förderten, dem „zionistischen Kapital“ gehörten.[3]

Die wichtigsten Begründungen der Theorie sind die angebliche Finanzierung der NSDAP durch das Großkapital vor 1933 sowie die Behauptung, das Großkapital habe der NSDAP zur Macht verholfen (Industrielleneingabe, Treffen Papens mit Hitler im Haus des Bankiers Schröder).

Eine Erweiterung dieser Faschismustheorie stellt die Monopolgruppentheorie dar, nach der die sogenannte Kapitalistenklasse nicht als monolithischer Block, sondern als aus konkurrierenden Gruppen bestehend aufgefasst wird, die um den Einfluss auf die faschistische Bewegung bzw. den faschistischen Staat kämpfen.

Kritik[Bearbeiten]

Von Kritikern wie dem deutschen Historiker Gerd Koenen und dem amerikanischen Politologen Daniel Pipes wird die Agententheorie aufgrund ihrer monokausalen, personalisierenden und moralisierenden Erklärung eines komplexen Geschehens als Verschwörungstheorie bezeichnet. Nach Wolfgang Wippermann war ebenfalls das Faschismusbild des Ostens „verschwörungsideologisch aufgeladen“.[4]

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatGeorgi Dimitroff: Die Offensive des Faschismus und die Aufgaben der Kommunistischen Internationale. Abgerufen am 27. Februar 2009.
  2. A. J. Kunina: Das wahre Gesicht des amerikanischen Imperialismus. Berlin 1954, S. 73.
  3. So z.B. Andrej Gromyko: Die Außenexpansion des Kapitals. Berlin 1984, S. 153.
  4. Wolfgang Wippermann: Agenten des Bösen, Verschwörungstheorien von Luther bis heute. Berlin 2007, S. 102.