Ahornblättrige Platane

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Ahornblättrige Platane
Etwa 100-jährige Ahornblättrige Platane (Platanus × hispanica) vor dem Wiesbadener Hauptbahnhof

Etwa 100-jährige Ahornblättrige Platane (Platanus × hispanica) vor dem Wiesbadener Hauptbahnhof

Systematik
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Eudikotyledonen
Ordnung: Silberbaumartige (Proteales)
Familie: Platanengewächse (Platanaceae)
Gattung: Platanen (Platanus)
Art: Ahornblättrige Platane
Wissenschaftlicher Name
Platanus × hispanica
Münchh.
Blatt
Stamm und Blätter
Blüte
Frucht

Die Ahornblättrige Platane, Bastard-Platane, Gewöhnliche Platane,[1] Gemeine Platane, Hybrid-Platane oder London-Platane (Platanus × hispanica, Synonym P. × acerifolia, Platanus × hybrida) ist eine Baumart aus der Familie der Platanengewächse (Platanaceae). Sie ist um 1650 durch eine Kreuzung aus der Amerikanischen Platane (P. occidentalis) und Morgenländischen Platane (P. orientalis) entstanden. Im Gegensatz zum morgenländischen Elternteil ist sie sehr winterhart.

Aufgrund ihrer Blattform wird die Ahornblättrige Platane oft für einen Ahorn gehalten.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Ahornblättrige Platane erreicht eine Wuchshöhe von bis zu 45 Metern. Die Baumkrone wird bei älteren Exemplaren hoch und breit. Die Borke junger Bäume ist dunkelgrau bis braun. Mit zunehmendem Alter blättert die Borke in dünnen Platten ab, die jüngere Borke darunter ist gelb-grau.

Die Blattknospen sind eiförmig, rotbraun und 6 bis 8 Millimeter lang. Der frische Blattaustrieb ist hell braun- bis graugrün und behaart, verkahlt jedoch schnell. Die Blätter sind ahornähnlich; sie sind bis 15 bis 25 Zentimeter groß und meist fünflappig. Größe und Form der Blattlappen variieren je nach Klonlinie. Der Blattstiel ist 5 bis 10 cm lang. An der Blattbasis bleiben die gezähnten, eiförmigen Nebenblätter vor allem bei jungen Bäumen länger haften.

Die Blüten erscheinen zusammen mit dem Laub im Mai. Sie stehen meist zu zweit an Blütenkätzchen mit einem 6 bis 8 Zentimeter langen Stiel. Die männlichen Blüten sind grünlichgelb und klein; die weiblichen Blüten sind karminrot. Die Blüten wachsen in ca. 1 cm großen Teilblütenständen und hängen mit zwei oder drei Blütenständen an einer gemeinsamen Blütenstandsachse. Die Sammelfrucht ist kugelig, braun und etwa 3 Zentimeter groß; sie hängt an einem langen Stiel. Die Einzelfrüchte sind kantig-zylindrische Nüßchen, die den Samen enthalten.

Die Ahornblättrige Platane hat die Chromosomenzahl 2n = 42.[2]

Es sind über 300 Jahre alte Exemplare bekannt, die noch immer wuchskräftig sind.

Ökologie[Bearbeiten]

Die Ahornblättrige Platane ist ein winterkahler, bis 45 m hoher, sympodial verzweigter Laubbaum. Seine Winterknospe hat nur eine Knospenschuppe, die vor dem Laubfall in der Blattbasis verborgen ist. Ihre Blätter sind am Anfang mit Sternhaaren besetzt, die sich beim Austrieb ablösen und die Luftwege zum „Platanenhusten“ reizen können. Die jeweils äußerste Schicht der „Schuppenborke“ wird durch ein Abtrennungsgewebe in relativ großen Platten abgesprengt. Die ausgeprägte Herzwurzel bildet eine VA-Mykorrhiza.

Die Blüten sind windblütig vom „Kätzchenblüten-Typ“ oder vom „Hängblüten-Typ“.

Der Baum blüht im Mai.

Je weiblicher Blüte entwickeln sich mehrere einsamige Nüsschen mit einem hakigen Griffelrest und einem basalen Haarbüschel. Im Winter werden die steifen Fruchtstandsachsen morsch und leicht beweglich. Danach zerfallen die kugeligen, etwa 3 cm breiten Fruchtstände. Die Einzelfrüchte werden als Schirmchenflieger bzw. bei Nässe als Adhäsionshafter sowie als Klett-, Bohr- und Tretfrüchte ausgebreitet. Daneben erfolgt Bearbeitungsausbreitung durch Kleinvögel. Die Früchte sind Wintersteher und Lichtkeimer.

Fruchtreife ist von November bis Dezember.

Für Hunde sind die Tretfrüchte sehr unangenehm da die spitzästigen Gliederhaare zu Schleimhautreitungen führen können. Beim Menschen können die beim Zerfall der Fruchtstände sich zum Teil ablösenden Haare zu Heuschnupfen ähnlichen Zuständen führen.

Nutzung[Bearbeiten]

Die Art toleriert durch Abgase verschmutzte Luft und gilt als unempfindlich gegenüber verdichteten Böden. In vielen europäischen Ländern ist sie deshalb ein sehr beliebter Straßenbaum.

Krankheiten und Schädlinge[Bearbeiten]

Die Ahornblättrige Platane wird relativ selten von Krankheiten befallen. Im Frühjahr tritt bisweilen die Pilzart Apignomonia veneta (Synonyme: Gnominia veneta, Gloeosporium nervisequum) auf; von der Pilzkrankheit befallene junge Triebe sterben ab.[3] Seit einigen Jahren tritt auch die Massariakrankheit im Bundesgebiet auf.

Zuchtformen[Bearbeiten]

  • Suttneri: Diese Form besitzt weißbunte Blätter, die im Inneren der Krone teilweise ganz weiß sind. Die Form ist sehr selten; sie kann Wuchshöhen bis 22 Meter erreichen.

Die im Handel erhältlichen sogenannten Dachplatanen haben eine ungewöhnliche Kronenform, die durch einen speziellen Formschnitt erzielt wird. Dabei wird an Jungbäumen der Leittrieb eingekürzt und die verbleibenden Seitenäste mittels eines Gerüstes (meist aus Bambusstäben) und Bindungen in eine waagerechte Wuchsform gezwungen.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Alan Mitchell: Die Wald- und Parkbäume Europas. Ein Bestimmungsbuch für Dendrologen und Naturfreunde. Paul Parey, Hamburg/Berlin 1975, ISBN 3-490-05918-2 (übersetzt und bearbeitet von Gerd Krüssmann).
  • Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korr. u. erw. Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Rolf Wisskirchen, Henning Haeupler: Standardliste der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Mit Chromosomenatlas. Herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz (= Die Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Band 1). Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1998, ISBN 3-8001-3360-1, S. 370.
  2. Jaakko Jalas, Juha Suominen, Raino Lampinen, Arto Kurtto (Hrsg.): Atlas Florae Europaeae. Distribution of Vascular Plants in Europe. 12. Resedaceae to Platanaceae. Akateeminen Kirjakauppa & Tiedekirja, The Committee for Mapping the Flora of Europe & Societas Biologica Fennica Vanamo, Helsinki 1999, ISBN 951-9108-12-2, S. 240.
  3. Grünes Blatt Berlin 06-2014 (PDF)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ahornblättrige Platane – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien