Aischa bint Abi Bakr

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Aischa bint Abi Bakr (arabisch ‏عائشة بنت أَبي بكر‎, DMG ʿĀʾiša bint Abī Bakr) (* 613 oder 614; † 678 in Medina)[1] war die dritte und jüngste der neun Frauen des islamischen Propheten Mohammed. Sie war die Tochter des Geschäftsmanns und späteren Kalifen Abu Bakr.[2] Abu Bakr stammte wie Mohammed aus dem damals vorherrschenden Stamm der Quraisch. Sie ist als Mohammeds Lieblingsfrau bekannt geworden.[3] Die in der Hadith-Literatur erhaltenen und ihr zugeschriebenen Aussagen bilden eine wichtige Grundlage zur Erforschung der islamischen Frühzeit.

Inhaltsverzeichnis

Die Eheschließung mit Mohammed[Bearbeiten]

Den islamischen Überlieferungen zufolge war Aischa beim Eheschließungsvertrag mit Mohammed sechs und beim Vollzug der Ehe neun Jahre alt.[4] Der Historiker Muhammad ibn Saʿd († 845 in Bagdad) überliefert in seinem Klassenbuch die eigene Aussage von Aischa, die gesagt haben soll: „Der Gesandte Gottes heiratete mich im Monat Schawwal im zehnten Jahr der Prophetie, drei Jahre vor der Auswanderung, als ich sechs Jahre alt war. Der Gesandte Gottes wanderte aus und kam in Medina am Montag, den 12. Rabīʿ al-awwal, an und veranstaltete mit mir die Hochzeit im Monat Schawwal, acht Monate nach seinem Auszug. Die Ehe vollzog er mit mir, als ich neun Jahre alt war.“[5] Anderen Berichten zufolge, ebenfalls als Aussagen von Aischa überliefert, war sie bei dem Eheschließungsvertrag nicht sechs, sondern sieben Jahre alt.[6] In den kanonischen Hadithsammlungen, bei Buchārī,[7] Muslim ibn al-Haddschādsch[8] und anderen sind beide Überlieferungsvarianten dokumentiert.

Der "Verleumdungsbericht" (Chabar al-ifk)[Bearbeiten]

Breiten Raum in der arabischen Überlieferung über Aischa nimmt der sogenannte "Verleumdungsbericht" (Chabar al-ifk oder Hadīth al-ifk) ein. Demnach wurde Aischa der Unzucht beschuldigt, jedoch durch eine Offenbarung (Sure 24:11-20) entlastet. Der Bericht liegt in einer großen Anzahl unterschiedlicher Versionen vor.[9]

Gemäß der Version von Ibn Ishāq, in der Aischa selbst als Berichterstatterin auftritt, ist der Ausgangspunkt des Skandals Mohammeds Feldzug gegen die Banū l-Mustaliq, der im Januar 627 stattfand und bei dem ihn Aischa in einer Kamelsänfte begleitete. Als das Heer nach einem nächtlichen Halt in der Nähe von Medina am frühen Morgen im Begriff steht, wieder aufzubrechen, entfernt sich Aischa, um ihr Bedürfnis zu verrichten. Dabei verliert sie ihre Halskette. Die Suche danach hält sie auf. Als sie sie endlich gefunden hat, ist das Heer bereits fortgezogen. Die Träger haben ihre Kamelsänfte aufgeladen, ohne zu bemerken, dass sie leer war. Aischa wird von dem Zügler Safwān ibn al-Muʿattal entdeckt. Er lädt sie auf sein Kamel und geleitet sie heim, wobei er das Kamel selbst führt. Nach der Ankunft in Medina wird sie der Unzucht verleumdet. Da Aischa nach der Ankunft erkrankt, erfährt sie nichts von der Kampagne gegen sie, nur ist sie über die Gleichgültigkeit Mohammeds ihr gegenüber erstaunt. Auch im Hause ihrer Eltern, in das sie nach ein paar Tagen wechselt, erfährt sie nichts davon. Erst mehr als zwanzig Tage später wird sie von einer anderen Frau beim nächtlichen Abortgang über den Skandal aufgeklärt. Es wird klar, dass neben anderen ʿAbdallāh ibn Ubayy, der Führer der Banu Chazradsch, und Aischas Verwandter Mistah ibn Uthātha hinter der Verleumdungskampagne stecken. Mohammed nimmt in einer Ansprache zu den Anwürfen Stellung und berät sich mit Ali und Usāma ibn Zaid über sein weiteres Vorgehen. Nachdem er bei Aischas Dienerin Barīra Erkundigungen über sie eingezogen hat, sucht er die weinende Aischa auf, die immer noch bei ihren Eltern ist. Auf seine Aufforderung zur Reue beteuert sie ihre Unschuld. Es kommt zur Offenbarung des Koranworts von Sure 24:11-20, in dem Aischas Unschuld bestätigt wird. Der Prophet hält daraufhin eine weitere Chutba, in der er die geoffenbarten Verse rezitiert, und ordnet Körperstrafen für die Verleumder an.[10]

Politische Aktivität nach Mohammeds Tod[Bearbeiten]

Während der Kalifate ihres Vaters und dessen Nachfolger hatte sich Aischa weitgehend aus der Politik herausgehalten. Erst der wachsenden Rebellion gegen den dritten Kalifen galt ihre Sympathie, und sie unterstützte die Aufrührer. Da sie jedoch genauso gegen ein von Ali geführtes Kalifat war, nutzte sie die Ermordung Uthmans als Mittel gegen Alis Herrschaft. Zusammen mit Talha ibn Ubaidallah und Abdallah ibn az-Zubair, zwei ehemaligen Gefährten Mohammeds, befürwortete sie 656 einen Aufruhr gegen den vierten Kalifen Ali, einen Vetter ihres verstorbenen Mannes. Der Kalif jedoch schlug in der sogenannten „Kamelschlacht“ bei Basra den Aufstand nieder und nahm unter anderem Aischa gefangen. Er begnadigte sie später und befahl sie nach Medina, wo sie bis zu ihrem Tod im Jahre 678 lebte.[11] Sie soll kurz vor ihrem Tode entschieden haben, neben den anderen Frauen Mohammeds beigesetzt zu werden.

Literatur[Bearbeiten]

  • D. A. Spellberg: Politics, Gender, and the Islamic Past. The Legacy of 'A'isha bint Abi Bakr. New York 1994.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Das Geburtsjahr ergibt sich aus den islamischen Quellen, die das Jahr 9 vor der Hidschra angeben. Siehe: A. J. Wensinck und J. H. Kramers (Hrsg.): Handwörterbuch des Islam. Brill. Leiden 1941. S. 29.
  2. James E. Lindsay: Daily life in the medieval Islamic world, Greenwood Publishing Group 2005. ISBN 0-313-32270-8. S. 68.
  3. Ria Kloppenborg, Wouter J. Hanegraaff: Female stereotypes in religious traditions, Verlag E.J. Brill. Leiden, New York, Berlin 1995. ISBN 978-90-04-10290-3. S. 89.
  4. Eberhard Serauky: Geschichte des Islam. Berlin 1991, S.104f, ISBN 3-326-00557-1.
  5. Ibn Saad: Das Klassenbuch. Hrsg. Carl Brockelmann, Brill, Leiden 1904, Band 8, S.39, 25-40, 4; siehe auch ebd. 40, 8-13; 40, 25-27.
  6. Ibn Saad: Das Klassenbuch. Band 8, S. 41.
  7. Hadithe zum Heiratsalter aus dem Sahīh des Buchārī: Buch 62, Nr. 64 und 65, 62, 88 (englisch)
  8. Hadithe zum Heiratsalter aus dem Sahīh des Muslim: Buch 8, Nr. 3309-3311 (englisch)
  9. Vgl. Gregor Schoeler: Charakter und Authentie der muslimischen Überlieferung über das Leben Mohammeds. Berlin 1996. S. 119-171.
  10. Vgl. Schoeler 124-126. Der arabische Text ist hier einsehbar: http://archive.org/stream/p2daslebenmuhamm01ibnhuoft#page/296/mode/2up
  11. Eberhard Serauky: Geschichte des Islam. Berlin 1991, S.146f, ISBN 3-326-00557-1.