Alexander Konstantinowitsch Nikitin

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Alexander Konstantinowitsch Nikitin (russisch Александр Константинович Никитин; * 16. Mai 1952 in Achtyrka, Ukrainische SSR) ist ein russischer Ingenieur-Mechaniker und ehemaliger Offizier der russischen Nordflotte als U-Boot-Kapitän und Inspektor für Atomsicherheit.

Er begann im Jahre 1994 mit der internationalen norwegischen Umweltstiftung Bellona Foundation und später auch mit westlichen Journalisten zusammenzuarbeiten. Im Februar 1996 wurde er daraufhin durch den russischen Inlandsgeheimdienst FSB verhaftet und wegen Landesverrats und Spionage angeklagt. Unmittelbarer Anlass dazu war sein Beitrag zu einem international veröffentlichten Bericht von Bellona über die Gefahren durch unzureichende atomare Sicherheit bei der russischen Nordflotte.[1] In Russland wurde der Bericht umgehend verboten und den Autoren, insbesondere Nikitin, drohte im Falle einer Verurteilung im Sinne der Anklage sogar die Todesstrafe.

Nach zehn Monaten in Untersuchungshaft wurde Nikitin auf Befehl von Michail Katuschew, damals Stellvertretender Generalstaatsanwalt Russlands, im Dezember 1996 aus der Haft entlassen. Mit der Entlassung aus der Untersuchungshaft war das Verfahren jedoch nicht eingestellt und die Anklage noch nicht aufgehoben. Erstmals stand Nikitin im Oktober 1998 in der Sache vor Gericht, dabei wies das Stadtgericht von Sankt Petersburg die gegen ihn von der Anklage vorgelegten Beweise ab. Statt Nikitin allerdings freizusprechen, übergab das Gericht den Fall für weitere Untersuchungen zurück an den FSB. Das Berufungsgericht bestätigte im Februar 1999 diese Entscheidung und der FSB erhob im Juli 1999 eine neue Anklage.

Die zweite Verhandlungsrunde begann im November 1999 ebenfalls vor dem Stadtgericht in Sankt Petersburg und endete am 29. Dezember 1999 schließlich mit einem kompletten Freispruch. Die Anklage ging dagegen in Berufung, doch wurde sie durch die nächsthöhere Instanz abgelehnt. Der Freispruch wurde mit Wirkung zum 17. April 2000 rechtskräftig.

Die Anklagebehörde war jedoch nicht bereit, diesen Freispruch einfach hinzunehmen. Am 30. Mai 2000 verlangte der russische Generalstaatsanwalt vom Präsidium des höchsten russischen Gerichts, den Fall erneut aufzunehmen. Das Präsidium des obersten russischen Gerichts lehnte diesen Wiederaufnahmeantrag am 13. September 2000 ab. Der Fall erfuhr insofern ganz grundlegende Bedeutung, als erstmals in Russland eine vom bislang nahezu allmächtigen russischen Inlandsgeheimdienst FSB vor Gericht erhobene Anklage in letzter Instanz zurückgewiesen und der Beschuldigte vollständig freigesprochen wurde.

Alexander Nikitin ist auch heute weiterhin aktiv für Umweltprobleme und Menschenrechtsangelegenheiten in Russland engagiert. Inzwischen ist er der Leiter des Büros für Umweltrecht von Bellona in Sankt Petersburg geworden und beschäftigt sich dort sowohl mit Umweltproblemen sowie Fragen der atomaren Sicherheit als auch mit Menschenrechtsfällen. 1997 wurde ihm der Goldman-Umweltpreis verliehen. Er war allerdings infolge des gegen ihn laufenden Verfahrens daran gehindert, an der Verleihungszeremonie selbst teilzunehmen. 1999 wurde er als erster Preisträger mit dem Whistleblower-Preis ausgezeichnet.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Report erschien unter dem (hier ins Deutsche übersetzten) Titel „Die russische Nordflotte - Quellen für radioaktive Verunreinigung“ in mehreren Sprachen. Er steht in englischer, norwegischer und russischer Sprache auf der Homepage von Bellona zum Nachlesen zur Verfügung unter diesem Link, abgerufen am 5. April 2009.