Alfons Dopsch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Alfons Dopsch (* 14. Juni 1868 in Lobositz; † 1. September 1953 in Wien) war ein österreichischer Historiker (Mediävist) und Diplomatiker.

Alfons Dopsch studierte ab 1886 an der Universität Wien, wo er 1890 promoviert wurde. Seine Dissertation Das Treffen von Lobositz (1756), deren Thema offenbar aufgrund des lokalhistorischen Bezuges gewählt ist, bleibt einer der wenigen Beiträge von Dopsch zur Geschichte der Neuzeit.

Von 1889 bis 1891 war er am Institut für Österreichische Geschichtsforschung tätig. Ab Mai 1892 gehörte Dopsch als Mitarbeiter der Diplomata-Abteilung der Monumenta Germaniae Historica an, die sich die Herausgabe der Karolinger-Diplome zur Aufgabe gestellt hatte. Dabei erwarb er sich eine ungeheure Vertrautheit mit der Urkundenforschung. In rascher Folge erschienen einige Urkundeneditionen, die als vorbildlich gelten (u.a. Ausgewählte Urkunden zur Verfassungsgeschichte der österreichischen Erblande, 1895; Landesfürstliche Urbare Österreichs, 1904/10).

1893 habilitierte sich Dopsch mit 25 Jahren an der Universität Wien. 1898 erfolgte die Ernennung zum außerordentlichen, ab 1900 bis 1937 zum ordentlichen Professor für Geschichte in Wien. Eine Berufung nach Berlin lehnte er ab. Von 1908 bis 1951 war er Mitglied der Historischen Landeskommission für Steiermark. Seit 1909 war Dopsch Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Er erhielt die Ehrendoktorwürde der Universitäten Prag und Oxford und wurde 1949 Ehrenmitglied (Honorary Foreign Member) der American Historical Association in Washington, D.C.. Sein Hauptarbeitsgebiet war das Frühmittelalter, vornehmlich die österreichische Territorialgeschichte. Ausgehend von der territorialen Wirtschaftsgeschichte versuchte Dopsch eine Kontinuität zwischen Antike und Mittelalter nachzuweisen. Seine Darstellung über „Wirtschaftliche und soziale Grundlagen der europäischen Kulturentwicklung“ (1918/20) gilt heutzutage als Klassiker.

In seinem Todesjahr erhielt er den Ehrenring der Stadt Wien. Im Jahr 1954 wurde in Wien Floridsdorf (21. Bezirk) die Dopschstraße nach ihm benannt.

Schriften[Bearbeiten]

  • Die Wirtschaftsentwicklung der Karolingerzeit (1912/13)
  • Wirtschaftliche und soziale Grundlagen der europäischen Kulturentwicklung von Cäsar bis auf Karl den Großen (1918/20)
  • Die historische Stellung der Deutschen in Böhmen , in: Rudolph Lodgman, Deutschböhmen, Ullstein & Co, Berlin (1919).
  • Naturalwirtschaft und Geldwirtschaft in der Weltgeschichte (1930)
  • Herrschaft und Bauer in der deutschen Kaiserzeit (1934)

Literatur[Bearbeiten]

  • Hanna Vollrath: Alfons Dopsch. In: Hans-Ulrich Wehler (Hrsg.): Deutsche Historiker. Band 7, Göttingen 1980, S. 39–54.
  • Thomas Buchner: Alfons Dopsch (1868–1953). Die „Mannigfaltigkeit der Verhältnisse“. In: Karel Hruza (Hrsg.): Österreichische Historiker 1900–1945. Lebensläufe und Karrieren in Österreich, Deutschland und der Tschechoslowakei in wissenschaftsgeschichtlichen Porträts. Böhlau, Wien 2008, ISBN 978-3-205-77813-4, S. 155–190.

Weblinks[Bearbeiten]