Alfons von Poitiers

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Alfons von Poitiers erkennt vor den Vertretern der Stadt Agen deren kommunale Autonomie an. (Miniatur aus dem Livre des statuts et coutumes de la ville d’Agen, 13. Jahrhundert)

Alfons von Poitiers (frz. Alphonse de Poitiers; * 11. November 1220 in Poissy; † 21. August 1271 in Corneto bei Siena) war ein königlicher Prinz von Frankreich aus der Dynastie der Kapetinger. Er war ab 1241 Graf von Poitou und ab 1249 Graf von Toulouse.

Leben[Bearbeiten]

Alfons war der dritte von insgesamt vier das Erwachsenenalter erreichenden Söhnen König Ludwigs VIII. des Löwen († 1226) und dessen Ehefrau Blanka von Kastilien († 1252). Seine älteren Brüder waren der König und spätere Heilige Ludwig IX. (* 1214; † 1270) und Robert von Artois (* 1216; † 1250), sein jüngerer Bruder war Karl von Anjou (* 1226; † 1285).

Gemäß den Vereinbarungen des Vertrages von Meaux-Paris von 1229, der den Albigenserkreuzzug beendete, wurde Alfons mit der Erbin der Grafschaft Toulouse, Johanna, verlobt. Die Hochzeit fand 1241 statt und leitete den Erbgang der französischen Krone in der Region des Languedoc ein. Im selben Jahr wurde Alfons am 24. Juni von seinem älteren Bruder, gemäß dem Testament ihres Vaters, auf einem Hoftag in Saumur zum Ritter geschlagen und mit den Grafschaften Poitou, Saintonge und einem Teil der Auvergne (Terre royale d’Auvergne) belehnt. Diese Belehnung rief den Protest der Plantagenets hervor, denen diese Gebiete zuvor gehört hatten und die darauf immer noch Anspruch erhoben. Gegen Alfons und Ludwig IX. bildete sich eine Allianz unter König Heinrich III. von England und Hugo X. von Lusignan, der auch Alfons' Schwiegervater Raimund VII. von Toulouse beitrat. Zusammen mit seinem Bruder schlug Alfons die Gegenseite am 21. Juli 1242 in der Schlacht bei Taillebourg. Der König von England floh in sein Reich, Lusignan unterwarf sich Alfons und auch der Graf von Toulouse legte die Waffen nieder.

Wappen des Prinzen Alfons von Poitiers

Wie alle seine Brüder folgte Alfons dem ältesten, König Ludwig IX., auf dem sechsten Kreuzzug nach Ägypten. Er stach aber nicht mit ihnen zusammen am 25. August 1248 in Aigues-Mortes in See, weil sein Schwiegervater durch sein zögerliches Verhalten die Abreise aufhielt. Erst im Herbst 1249 einigte sich Alfons mit Raimund VII. auf eine Abreise in Marseille, doch auf dem Weg dorthin starb sein Schwiegervater. Dadurch trat die Erbregelung von 1229 in Kraft und Alfons wurde Graf von Toulouse und Markgraf von der Provence. Die Übernahme dieser Länder überließ er seiner Mutter, da er seinen Kreuzzug nicht weiter aufschieben wollte. Er erreichte das inzwischen eroberte Damiette am 24. Oktober 1249, wo er das Heer seines Bruders verstärkte. Anschließend nahm er am Vormarsch gegen Kairo teil, wo die vereinigten Heere aber am 8. Februar 1250 vor der Stadt al-Mansura aufgehalten wurden. Bei einem spontanen Angriff auf die Stadt wurde Alfons' Bruder Robert von Artois getötet. Bei einer anschließenden Schlacht vor der Stadt am 11. Februar gegen die Mameluken befehligte Alfons den rechten Flügel des Heeres. Dabei geriet er zeitweilig so sehr in Bedrängnis, dass er angeblich von Marketenderinnen verteidigt werden musste. Trotz des Sieges in der Schlacht musste die Belagerung von al-Mansura im April 1250 abgebrochen werden. Bei dem anschließenden Rückmarsch nach Damiette geriet Alfons mit seinen Brüdern am 6. April bei Fariskur in die Gefangenschaft der Mameluken.

Ein Siegel von Alfons von Poitiers

Nach seiner Freilassung kehrte Alfons mit seinem Bruder Karl von Anjou 1251 nach Frankreich zurück, wo beide an der Seite ihrer Mutter die Regentschaft für Ludwig IX. führten, der im heiligen Land blieb. 1252 starb die Mutter, worauf Alfons und Karl die Regentschaft alleine weiterführten. In dieser Zeit hatte Alfons großen Anteil an den Verhandlungen, die zum Vertrag von Paris von 1259 führten. Darin erkannte König Heinrich III. von England den Verlust großer Teile seiner Besitzungen in Frankreich zugunsten der Krone an, darunter die Normandie, Maine, Anjou und Poitou. Im Gegenzug musste Frankreich auf die Saintoge verzichten, die als ein Akt des Entgegenkommens an den König von England vergeben wurde.

Obwohl sich Alfons hauptsächlich in Paris aufhielt, erbrachte er seine Hauptleistungen auf seinen Besitztümern in Südfrankreich. Er ließ die Verwüstungen des Albigenserkreuzzugs beseitigen und organisierte die Verwaltung des Languedoc nach einem zentralisierten, nordfranzösischen Vorbild, indem er das Land in Seneschallate einteilte. Das als "Alphonsine" bekannte Dokument für die Stadt Riom wurde das Gesetzbuch der Auvergne. Trotz seines despotischen Charakters und seiner permanenten finanziellen Engpässe schützte er das Bürgertum vor den Übergriffen des Adels. Er unterstützte die Inquisition im Kampf gegen Häretiker, befahl aber auch im Jahr 1249 im Poitou die erste regionale Vertreibung von Juden. Seine Maßnahmen bereiteten die geordnete Übernahme des Südens durch die Krone vor.

Trotz seines schlechten Gesundheitszustands begleitete Alfons zusammen mit seiner Frau seinen Bruder 1270 auf dem siebten Kreuzzug gegen Tunis, wo der König in Karthago verstarb. Alfons selbst starb auf dem Rückweg in die Heimat am 21. August 1271 in Corneto bei Siena. Seine Frau folgte ihm wenige Tage später. Während er in der Basilika Saint-Denis beerdigt wurde, liegt seine Frau in der Kirche Notre-Dame-Gercy (heute Varennes-Jarcy) bestattet. Da das Paar keine Kinder hatte, wurde ihr Land als erledigtes Lehen in die Krondomäne eingegliedert. Lediglich das Comtat Venaissin, als Bestandteil der Markgrafschaft Provence, hinterließ er dem Papst, in dessen Besitz das Gebiet bis 1791 blieb.

Vorfahren[Bearbeiten]

 
 
Ludwig VII. der Jüngere
(1120–1180)
 
Adele von Champagne
(1140–1206)
 
Balduin V. von Hennegau
(1150–1195)
 
Margarete I. von Flandern
(1145–1194)
 
Sancho III. von Kastilien
(1133–1158)
 
Blanka von Navarra
(?–1157)
 
Heinrich II. Plantagenet
(1133–1189)
 
Eleonore von Aquitanien
(1122–1204)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Philipp II. August
(1165–1223)
 
 
 
 
 
Isabelle von Hennegau
(1170–1190)
 
 
 
 
 
Alfons VIII. von Kastilien
(1155–1214)
 
 
 
 
 
Eleonore Plantagenet
(1161–1214)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Ludwig VIII. der Löwe
(1187–1226)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Blanka von Kastilien
(1188–1252)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Alfons von Poitiers
(1220–1271)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


Literatur[Bearbeiten]

  • B. Ledain: Histoire d'Alphonse, frère de S. Louis et du comté de Poitou sous son administration (1241-1271) (Poitou, 1869)
  • Edgard Boutaric: Saint Louis et Alphonse de Poitiers (Paris, 1870)
  • A. Molinier: Etude sur l'administration de S. Louis et d'Alphonse de Poitiers (Toulouse, 1880)
  • A. Molinier: Correspondance administrative d'Alphonse de Poitiers in Collection de documents inédits pour servir à l'histoire de France (Paris, 1894 and 1895).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Alfons von Poitiers – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


Vorgänger Amt Nachfolger
französische Krondomäne Graf von Poitou
1241–1271
französische Krondomäne
Raimund VII. (IV.) Graf von Toulouse
(de iure uxoris, mit Johanna)

1249–1271
französische Krondomäne
Raimund VII. (IV.) Markgraf der Provence
(de iure uxoris, mit Johanna)

1249–1271
französische Krondomäne