Aigues-Mortes

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Aigues-Mortes
Wappen von Aigues-Mortes
Aigues-Mortes (Frankreich)
Aigues-Mortes
Region Languedoc-Roussillon
Département Gard
Arrondissement Nîmes
Kanton Aigues-Mortes
Koordinaten 43° 34′ N, 4° 12′ O43.5666666666674.19251Koordinaten: 43° 34′ N, 4° 12′ O
Höhe 0–3 m
Fläche 57,78 km²
Einwohner 8.543 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 148 Einw./km²
Postleitzahl 30220
INSEE-Code
Website www.ville-aigues-mortes.fr/

Südwestliche Stadtmauer

Aigues-Mortes [ɛgˈmɔʀt] ist eine Stadt im französischen Département Gard mit 8543 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011). Der Name bedeutet tote Wasser. Die Einwohner werden gemeinhin Aiguemortais bzw. Aiguemortaises genannt.

Geografie[Bearbeiten]

Im Mittelalter als Hafenstadt konzipiert, liegt Aigues-Mortes nach der Verlandung der Flachwasserzone heute rund sechs Kilometer vom Mittelmeer entfernt, ist aber von dort aus noch über einen Kanal erreichbar. Die Stadt liegt außerdem am Canal du Rhône à Sète, der eine schiffbare Verbindung zwischen der Rhône und der Stadt Sète ermöglicht. Von dort kann man auch zum Canal du Midi weiterfahren.

Geschichte[Bearbeiten]

Statue von Ludwig dem Heiligen in Aigues-Mortes
Tour de Constance

Gaius Marius erwähnt eine Siedlung an diesem Ort um 102 v. Chr. Der Name Ayga Mortas („Totes Wasser“) wird erstmals im 10. Jahrhundert verwendet. Die Stadt war bis zum 16. Jahrhundert einer der bedeutendsten Verkehrsknotenpunkte der französischen Mittelmeerküste. Von hier segelte Ludwig der Heilige, dem auf dem Hauptplatz eine Statue errichtet ist, zum Sechsten und Siebten Kreuzzug ab. Karl V. und Franz I. trafen sich 1538 in Aigues-Mortes, um Verhandlungen zu führen, die zum Friedensvertrag von Nizza führten.

1240 hat Ludwig der Heilige das Gebiet erworben und 1248 angefangen, die Stadt als Bastide zu errichten. Er brauchte unbedingt einen Mittelmeerhafen, der auf königlichem Gebiet lag. Bis in das 13. Jh. hinein besaß der französische König kein Land in Süd-Frankreich. Er ließ zuerst die Tour de Constance errichten, und seine Nachfolger ließen später daneben ein Festungsviereck anlegen mit einem umlaufenden Wehrgang mit 10 Stadttoren. Gegen Ende des 13. Jhs. war die Anlage vollendet. Diese Grundform ist heute noch erhalten.

Bis zum 14. Jh. blühte hier der Handel – was ja nicht lange war, denn die Stadt war Ende des 13. Jhs. erst fertig geworden –, dann begann das Meer, sich zurückzuziehen. Von da an konzentrierten sich die Bewohner statt auf den Handel auf den Weinbau und die Salinen. Salz war im Mittelalter überaus wichtig. Venedig hat stets viel Wert auf seine Monopolstellung im Salzhandel gelegt. Salz galt damals weniger als Gewürz, sondern als Konservierungsmittel von Nahrung. Noch heute wird außerhalb der Stadtmauern intensiv Salz, insbesondere Fleur de Sel, gewonnen.

Angriff auf die italienischen Salinenarbeiter 1893

1893 kam es in den Salinen zu schnell eskalierenden Auseinandersetzungen zwischen Ortsansässigen und italienischen Wanderarbeitern, die zu einem Massaker an den Italienern führten. Nach einer offiziellen Bilanz gab es 8 Tote und 50 Verletzte, während italienische Berichte von 50 Toten und 150 Schwerverletzten sprechen.[1]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Hauptsehenswürdigkeiten sind die vollständig erhaltene Stadtmauer, die Altstadt und die Tour de Constance. Der Turm diente zur Zeit der Hugenottenkriege als Gefängnis für Frauen. Die durch ihre lange Gefängnisstrafe bekannt gewordene Marie Durand war hier 38 Jahre lang eingekerkert, da sie ihrem protestantischen Glauben nicht abschwor.

Auch die Kapelle der Grauen Büßer und die Kapelle der Weißen Büßer (Chapelle des Pénitents gris und Chapelle des Pénitents blancs) sowie die Kirche Notre-Dame-des-Sablons sind sehenswert.

Der im Jahr 1346 erstmals urkundlich erwähnte Wehrturm war der letzte militärische Vorposten vor Aigues-Mortes, der zur Verteidigung der Stadt errichtet worden war. Im Mittelalter lag Aigues-Mortes inmitten von Sumpfgebiet, und der einzige Zugang zur Stadt, von der Landseite her, führte durch den Turm.

Umgebung[Bearbeiten]

Etwa zwei Kilometer nordöstlich der Stadt, auf dem Gebiet der Gemeinde Saint-Laurent-d’Aigouze, befindet sich die Tour Carbonnière (Kohleturm).

Bilder[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

The Garden of Eden (dt. Der Garten Eden), Ernest Hemingway, postum 1986 - Roman über eine Ménage à trois spielt hier und im unweiten Le Grau du Roi.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Aigues-Mortes – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Aigues-Mortes – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Frank Caestecker: Der Migrant. In: Ute Frevert, Heinz-Gerhart Haupt (Hg.): Der Mensch des 19. Jahrhunderts. Campus, Frankfurt a. M. & New York 1999, S. 256