Algebraische Varietät
In der klassischen algebraischen Geometrie, einem Teilgebiet der Mathematik, ist eine algebraische Varietät ein geometrisches Objekt, das durch Polynomgleichungen beschrieben werden kann.
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Definitionen [Bearbeiten]
Affine Varietäten [Bearbeiten]
Es sei
ein fester, algebraisch abgeschlossener Körper.
Eine affine algebraische Menge ist eine Teilmenge eines affinen Raums
, die die Form
für eine (endliche) Menge
von Polynomen in
hat. (Hilberts Basissatz sagt aus, dass man jedes unendliche System von Polynomgleichungen durch ein dazu äquivalentes mit endlich vielen Gleichungen ersetzen kann.)
Eine affine Varietät ist eine irreduzible affine algebraische Menge, d. h. eine nichtleere algebraische Menge, die nicht die Vereinigung zweier echter algebraischer Teilmengen ist.[1]
Die algebraischen Teilmengen einer affinen Varietät können als abgeschlossene Mengen einer Topologie aufgefasst werden, der Zariski-Topologie. Eine quasi-affine Varietät ist eine offene Teilmenge einer affinen Varietät.
Für eine Menge
sei
das Ideal aller Polynome, die auf ganz
verschwinden:
Der Koordinatenring einer affinen Varietät
ist der Quotientenring
.
Es werden also solche Polynome miteinander identifiziert, die als Funktion auf
übereinstimmen.
Der Quotientenkörper von
ist der Körper der rationalen Funktionen
.
Die Strukturgarbe
ist definiert durch
.
Hierbei ist für eine durch
mit
definierte offene Menge der Ring
ein lokaler Ring.
Projektive Varietäten [Bearbeiten]
In manchen Zusammenhängen zeigen affine Varietäten kein gutes Verhalten, da „Punkte im Unendlichen“ fehlen. Projektive Varietäten sind hingegen vollständig. Diese Tatsache spiegelt sich zum Beispiel im Satz von Bézout wider, der für die Anzahl der Schnittpunkte projektiver ebener Kurven eine exakte Formel liefert, für affine ebene Kurven hingegen nur eine Abschätzung.
Es sei
der
-dimensionale projektive Raum über dem Körper
. Für ein homogenes Polynom
und einen Punkt
ist die Bedingung
unabhängig von den gewählten homogenen Koordinaten von
.
Eine projektive algebraische Menge ist eine Teilmenge des projektiven Raumes, die die Form
für homogene Polynome
in
hat.
Eine projektive Varietät ist eine irreduzible projektive algebraische Menge.
Auch auf projektiven Varietäten wird die Zariski-Topologie so definiert, dass die abgeschlossenen Mengen genau die algebraischen Teilmengen sind. Eine quasi-projektive Varietät ist eine offene Teilmenge einer projektiven Varietät.
Für eine projektive algebraische Menge
sei
das Ideal, das durch die homogenen Polynome, die auf ganz
verschwinden, erzeugt wird. Der homogene Koordinatenring einer projektiven Varietät
ist der Quotientenring
.
Abbildungen zwischen Varietäten [Bearbeiten]
Seien
affine Varietäten, dann heißt eine Abbildung
regulär, wenn es eine polynomielle Abbildung
mit
gibt.
Eine reguläre Abbildung
ist ein Isomorphismus, wenn es eine reguläre Abbildung
mit
gibt.
Eine reguläre Abbildung
ist birational, wenn sie ein Isomorphismus zwischen offenen, dichten Teilmengen (bzgl. der Zariski-Topologie) ist. Eine birationale Abbildung induziert einen Isomorphismus der Funktionenkörper
.
Dimension [Bearbeiten]
Die Krulldimension einer algebraischen Varietät
ist die größte Zahl
, so dass eine Kette
irreduzibler abgeschlossener Teilmengen von
existiert.
Die Dimension einer affinen Varietät ist gleich der Dimension ihres Koordinatenringes. Die Dimension einer projektiven Varietät ist um Eins kleiner als die Dimension ihres homogenen Koordinatenringes.
Singularitäten [Bearbeiten]
Anschaulich, insbesondere bei Kurven und Flächen, sind Singularitäten Punkte, an denen keine Tangente existiert, zum Beispiel die Spitze beim Doppelkegel. Generell heißt ein Punkt
einer algebraischen Varietät oder allgemeiner eines Schemas singulär oder eine Singularität, wenn der zugehörige lokale Ring nicht regulär ist. Für abgeschlossene Punkte algebraischer Varietäten ist dies äquivalent dazu, dass die Dimension des Zariski-Tangentialraumes größer als die Dimension der Varietät ist.
Als Auflösung der Singularitäten einer Varietät
bezeichnet man eine nicht-singuläre Varietät
mit einer eigentlichen birationalen Abbildung
.
Literatur [Bearbeiten]
- Klaus Hulek: Elementare Algebraische Geometrie. Vieweg, Braunschweig/Wiesbaden 2000, ISBN 3-528-03156-5.
- Robin Hartshorne: Algebraic Geometry. Springer-Verlag, New York 1977, ISBN 0-387-90244-9.
Verweise [Bearbeiten]
- ↑ Definition z.B. bei Hartshorne Algebraic Geometry. Von manchen Autoren wird aber auch auf das irreduzibel in der Definition verzichtet, z.B. in Hazewinkel Encyclopedia of Mathematics, Springer Online Reference. Vergleiche auch Eisenbud Commutative Algebra with applications to algebraic geometry, Springer, S.32

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