Alice Keppel

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Lady Alice Keppel, Öl auf Leinwand, um 1890/1900

Alice Keppel, genannt La Favorita (eigentlich Alice Frederica Edmonstone; * 14. Oktober 1869 auf Duntreath Castle bei Glasgow; † 11. September 1947 in Florenz) war eine schottische Kurtisane und letzte und berühmteste Mätresse des britischen König Eduard VII. Zudem ist sie die Urgroßmutter von Camilla Mountbatten-Windsor, Herzogin von Cornwall.

Leben[Bearbeiten]

Alice war die jüngste Tochter von Admiral Sir William Edmonstone, 4. Baronet Edmonstone († 1888), und seiner Frau Lady Mary Elizabeth Parsons. Sie wuchs mit ihrem Bruder und sieben Schwestern abwechselnd in Schottland und England auf.

Am 1. Juni 1891 heiratete sie in Edinburgh den Oberstleutnant Sir George Keppel (1865–1947), jüngster Sohn von William Keppel, 7. Earl of Albemarle, und Lady Sophia Mary Macnab. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor:

Violet bereitete ihren Eltern einigen Kummer, als sie eine leidenschaftliche Affäre mit der Schriftstellerin Vita Sackville-West (1892–1962) begann, die ihrerseits mit dem bisexuellen Schriftsteller und Diplomaten Harold Nicolson (1886–1968) verheiratet war und später eine Liaison mit Virginia Woolf (1882–1941) hatte. Alice und George, obwohl nicht eben konventionell, ging das letztendlich doch zu weit und sie verheirateten die Rebellin flugs mit dem Kavallerieoffizier und Kriegshelden Denys Trefusis.[1]

Alice Keppel, um 1890

Mrs. George Keppel war die letzte und größte Liebe von König Eduard VII. Sie war für ihn wichtiger als Lillie Langtry, Daisy Greville, Countess of Warwick und alle anderen Frauen in Eduards Leben, als er noch Prince of Wales und später, als er König war. Man kann sich unschwer vorstellen, was ihn anzog. Sie war damals 29 Jahre alt und intelligent genug, um sowohl Gefährtin wie auch Geliebte zu sein. Körperlich war Alice wie Bertie etwas klein geraten, doch war sie von einer auffallenden Schönheit. Darüber hinaus hatte sie den ungeheuren Vorzug, dass sie – anders als Lillie Langtry – äußerst diskret und ganz Dame war. Neben all diesen Vorzügen von Geburt, Charakter und Erscheinung zog den Prinzen an Alice Keppel ihre natürliche Fröhlichkeit und ihre ungeheure Lebensfreude am meisten an. Es gelang ihr, den König während seiner depressiven und cholerischen Phasen aufzuheitern und mäßigend auf seinen egozentrischen und leicht reizbaren Charakter einzuwirken. Dass sie verheiratet und bereits Mutter der Tochter Violet war, störte nicht weiter. Alices Gatte George, Offizier und Gentleman, nahm die Untreue seiner Frau mit stoischer Gelassenheit; für seine Dienste verlieh ihm Edward 1908 den Victoria-Orden.[2]

Alice Keppel gewann schnell großen Einfluss auf Prinz Eduard und beriet ihn auch in politischen Fragen. Dies gilt auch für die Zeit nach seiner Thronbesteigung im Jahre 1901. So war sie regelmäßig seine halboffizielle Begleiterin auf offiziellen Veranstaltungen oder bei seinen regelmäßigen Sommerreisen nach Biarritz und Monte Carlo. Auch bei Staatsbesuchen war sie präsent, wie Aufzeichnungen über ein Staatsbankett anlässlich eines Besuches von Kaiser Wilhelm II. in Großbritannien und anschließende Korrespondenz zwischen Alice Keppel und dem Deutschen Kaiser zeigen. Als Eduard VII. an einem akuten Schub einer chronisch gewordenen Bronchitis im Mai 1910 im Buckingham Palace verstarb, wurde sie noch an das Sterbelager zum Abschiednehmen aufgrund des ausdrücklichen schriftlichen Wunsches des Königs gerufen. Jedoch ist überliefert, dass in dem Moment, als der König endgültig das Bewusstsein verlor, Königin Alexandra (1844–1925) unverzüglich die anwesenden Ärzte aufgefordert haben soll, „jene Frau“ zu entfernen. Auch eine Eintragung in das offizielle Kondolenzbuch wurde ihr verweigert. Sie trat daraufhin – taktvoll, wie sie war – eine einjährige Reise nach Fernost, Ceylon und China an. Sicherlich geschah dies auch, um sich weitere Nadelstiche dieser Art zu ersparen, zumal ihr Einfluss bei Hofe mit dem Tode des Königs sofort erloschen war.[1][2][3]

Finanzielle Sorgen musste Alice Keppel nach dem Tod des Königs nicht haben. Eduard VII. hatte sie in den zwölf Jahren ihrer Verbindung großzügig mit Geschenken überhäuft. Seine Verbindungen konnten sie und ihr Ehemann für geschäftliche Beziehungen und Investitionen nutzen, so dass sie zum Zeitpunkt des Todes des Königs eine vermögende Dame war. Nach dem Ersten Weltkrieg erwarb sie in den 1920er Jahren nahe Florenz den stattlichen Landsitz Villa dell’Ombrellino und führte dort ein großzügiges und abgesichertes Leben. [2][1]

Trivia[Bearbeiten]

  • Als König Eduard VIII. 1936 wegen der geschiedenen Wallis Simpson auf den Thron verzichtete, meinte Alice Keppel in einem Interview: Zu meiner Zeit wurden diese Dinge besser geregelt. Da wusste man, wo die Geliebte hingehörte: ins Bett und nicht auf den Thron.
  • Die englische Historikerin Victoria Glendinning meinte über Alice Keppel, dass ihre sexuelle Moral wie die einer streunenden Katze wäre.

Galerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Sarah Bradford: King George VI. Weidenfeld & Nicholson, London 1989, ISBN 0-297-79667-4.
  • Gordon Brook-Sheperd: Edward VII. Ein europäischer Herrscher („Edward VII.“). Heyne Verlag, München 1980, ISBN 3-453-55075-7.
  • Raymond Lamont-Brown: Edward VII's Last Loves. Alice Keppel and Agnes Keyser. Sutton Publ., Sutton 1998, ISBN 0-7509-1822-5.
  • Marita A. Panzer: Englands Königinnen. Von den Tudors zu den Windsors. Piper, München 2008, ISBN 978-3-492-25297-3.
  • Diana Souhami: Mrs. Keppel and Her Daughter. Flamingo Books, London 1998, ISBN 0-00-638714-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Alice Keppel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. a b c Diana Souhami: Mrs. Keppel and Her Daughter.
  2. a b c Gordon Brook-Sheperd: Edward VII. Ein europäischer Herrscher.
  3. Marita A. Panzer: Englands Königinnen.