Almosen

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Dieser Artikel behandelt die „Almosen“, für den gleichnamigen Ort Allmosen in Brandenburg siehe Großräschen, für die Katastralgemeinde in Niederösterreich siehe Almosen (Gemeinde Göpfritz an der Wild).

Ein Almosen (von griech.: ἐλεημοσύνη (eleēmosýnē) „Mitleid, Mildtätigkeit“) ist eine materielle Gabe an einen bedürftigen Empfänger ohne Erwartung einer materiellen Gegenleistung dieses Empfängers. Es unterscheidet sich von einer Spende durch den Beweggrund des Mitleids mit dem Empfänger. Je nach Kultur oder Religion kann sich mit einem Almosen die Erwartung eines spirituellen Vorteils, im römisch-katholischen und orthodoxen Christentum besonders die Erwartung der Sündenvergebung, verbinden.

Almosengabe vor dem Tempel

In den Religionen[Bearbeiten]

Die Gabe von Almosen gilt in vielen Religionen als religiöse Pflicht.

Im Theravada-Buddhismus erhalten die Mönche ihren Lebensunterhalt nur durch Almosen. Die Schenkenden bedanken sich bei den Beschenkten, denn dass sie selbst schenken dürfen und vermögen, das betrachten sie als glückbringende Gunst.

Im Judentum ist die Almosengabe als Ausdruck der Nächstenliebe die Erfüllung des Glaubens. Auch das Christentum praktiziert diese Form der Gabe. Allerdings steht im Christentum die persönliche Zuwendung und Verbindung zu dem Empfänger und die Lösung von eigenem Reichtum im Vordergrund. Die Vorstellung sich durch die bloße Gabe eine Belohnung im Jenseits verdienen zu können, ist nicht nur im Protestantismus immer wieder auf scharfe Ablehnung gestoßen. Von Beginn an gab es im Christentum neben der Unterstützung von Gemeindegliedern Sammlungen für die Gemeinde in Jerusalem. Die weit über das gewöhnliche Almosen hinausgehende Sorge für die Bedürftigen war schon ein grundlegender Zug der frühesten Gemeinden. Durch den Wandel zur Reichskirche im 4. Jh. kommen allerdings ganz neue Herausforderungen in diesem Bereich auf die Kirche zu. Eine der vier ursprünglichen Vermögensmassen der Kirchen ist der Versorgung der Armen gewidmet.

Konsequenz der dargestellten Grundhaltung, dass die Gabe nur Teil der christlichen Liebe ist, sind dann z. B. bei Chrysostomos Forderungen wie, nicht einfach Sklaven freizukaufen und sich selbst zu überlassen, sondern ihnen erst das Erlernen eines Handwerks zu finanzieren, damit sie auch in Würde die Freiheit leben und ihre Familien versorgen können. Diese wechselseitige Verbindung und Verantwortung ist es, was christlichen Liebesdienst wesentlich von dem reinen Almosengeben unterscheidet.

Almosenkasten in Blütenform (in Shravanabelgola/Indien)

Dennoch wird daneben auch das "unverbindliche" Geben als Einzelakt schon lange praktiziert. Befürworter für die Spendung von Almosen und damit auch der Entsagung des Reichtums gibt es auch im Christentum schon lange. Johannes Chrysostomos trat im 4. Jahrhundert dafür ein, in der katholischen Kirche waren vor allem in der Zeit vor dem 2. Vatikanischen Konzil Almosen wie auch Gebete und Pilgerfahrten wichtige Instrumente, um den Ablass (den Nachlass der durch die - auch bereits vergebene - Sünde verdiente Strafe) zu erlangen. Siehe auch Panisbrief.

Im Islam ist das Almosen (Zakat) eine der fünf Säulen des gottgefälligen Lebens, also eine Pflicht. Außerdem lebten in der Vergangenheit einige Sufis (islamische Mystiker) ausschließlich von Almosen, in deren Augen es die Selbstsucht und den Geiz besiegt und die Zusammengehörigkeit aller Geschöpfe vergegenwärtigt. Es ist ein Fasten der Seele, so wie das eigentliche Fasten ein Almosen des Körpers ist.

In der indianischen Kultur des Potlachs sind Gaben mehr als ein (meist an Anonyme vergebenes) Almosen, sondern auch ein wichtiges Machtinstrument, das nur durch Gegengaben begrenzt wird. In der polynesischen Tradition sind auch entsprechende Feste mit der üppigen Verpflegung zahlreicher Gäste aus dem eigenen Stamm, aber auch geladener Gäste von anderen Inseln Höhepunkte im Jahreskalender.

Ähnliche Feste mit Einladungen und Geschenkaustauschritualen mit oft ganz unbeteiligten Personen gibt es in fast allen Gesellschaften, besonders bei Hochzeiten oder Begräbnissen. Hier ist die mittelbare oder auch unmittelbare Gegenseitigkeit der Gabe oft besonders wichtig und gilt als friedenstiftend. Die letztgenannten Formen der Gabe unterscheiden sich aber von der klassischen Definition des Almosens dadurch, dass hier nicht aus "Mildtätigkeit" Bedürftigen eine Gabe gespendet wird.

Zitate[Bearbeiten]

  • Es heißt, dass die Armen fünfhundert Jahre vor den Reichen ins Paradies eingehen werden. Durch Almosen kauft man den Armen etwas vom Paradies ab.Elias Canetti (Die Stimmen von Marrakesch)
  • Almosen verderben die Seele des Gebers wie des Nehmers und verfehlen zu alledem ihren Zweck, denn sie verschlimmern die Armut.Fjodor Dostojewski

Siehe auch[Bearbeiten]

 Wikiquote: Almosen – Zitate
 Wiktionary: Almosen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Alms – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]