Altnowgoroder Dialekt

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Als Altnowgoroder Dialekt (russisch Древненовгородский диалект/ Drewnenowgorodski dialekt) wird der slawische Dialekt bezeichnet, in dem die in der Nowgoroder Region Russlands entdeckten Birkenrindenurkunden verfasst wurden. Eingeführt wurde der Begriff von Andrei Salisnjak. Der Altnowgoroder Dialekt steht im Gegensatz zu Altrussisch, weil die in den Dokumenten verwendete Sprache viele Züge aufweist, die für andere ostslawische Dialekte (und zum Teil auch für andere slawische Sprachen) untypisch sind. Bisweilen wird der verwendete Dialekt mit den Ilmenslawen in Verbindung gebracht. Einen Einfluss hatten vermutlich die ostbaltischen Sprachen oder die Sprache der Dniepr-Balten. Man vermutet, dass die Sprecher dieser Mundart für offizielle Texte die russische Variante des Kirchenslawischen gebrauchten, während Alltagstexte in einer Sprachform, die dem gesprochenem Dialekt ähnelte, schriftlich festgehalten wurden.

Interessant ist die Existenz des Modus relativus, der sonst nur in der südöstlichen Gruppe des Südslawischen vorkommt.

Der Begriff Naugardismus bezeichnet die sprachlichen Eigentümlichkeiten des Altnowgoroder Dialekts, wie z. B. das Cokanje, den sprachökonomischen Gebrauch von Auxiliarien oder das Possessivperfekt. Zahlreiche Naugardismen existieren nach wie vor im Nordwestrussischen.

Sprachliche Merkmale[Bearbeiten]

In diesem Abschnitt sind einige Merkmale angeführt, die für das Ostslawische meist untypisch sind:

  • Der Nominativ Singular der o-Stämme endet auf -e (im Gegensatz zu ), der Akkusativ Singular auf '-ъ', z. B. brate „der Bruder“ und bratъ „den Bruder" (vgl. russisch. brat – brata);
  • Die allen übrigen slawischen Sprachen gemeinsame Palatalisierung von /x/ hat nicht stattgefunden, z. B. vьx- „all“ gegenüber vs- im modernen Russisch, Ukrainisch, Bulgarisch, Slowenisch, Polnisch (ws-), im Serbischen und Kroatischen gedreht zu sv-, Tschechisch und Slowakisch vš-, ebenso in den sorbischen Sprachen wš-.
  • Die zweite Palatalisierung, ein allgemeinslawisches Merkmal (obschon im Ostslawischen sekundär teilweise neutralisiert) hat nicht stattgefunden, z. B. Dativ Sg. rěkě „Fluss“ (nicht rěcě).
  • Wie im Westslawischen ist die Palatalisierung von *kv, *gv zu cv, zv unterblieben, z. B. květ „Farbe“, gvězda „Stern“, vgl. polnisch kwiat („Blüte“), gwiazda (russisch cvet, zvezda).
  • Es gibt keinen phonologischen Unterschied zwischen c und č.
  • Das Ziel einer Bewegung kann ohne Präposition mittels Dativ dargestellt werden, z. B. idi Pliskovu „geh nach Pskow (Pleskau)“.

Die Orthographie weicht in der Verwendung des Jer ab, ъ und ь werden synonymisch mit o bzw. e gebraucht, analog der Verwendung des ъ im modernen Bulgarisch (z. B. България)

Quellen[Bearbeiten]

Wissenschaftliche Literatur über den Altnowgoroder Dialekt gibt es bisher nur auf Russisch:

  • Andrej Anatol’evič Zaliznjak: Drevnenovgorodskij dialekt. 1. Aufl., Moskva 1995, 720 S., ISBN 5-88766-002-3; 2. Aufl. unter Berücksichtigung der Funde aus den Jahren 1995–2003, Moskva 2004, 867 S., ISBN 5-94457-165-9.
  • ders., „Posleslovie lingvista“. In: Valentin L. Janin: Ja poslal tebe berestu…. 3. Aufl., Moskva 1998 [1. Aufl. 1965], S. 425–449.
  • Zep Honselaar: „Sledy okončanija -e m. ed. muž. o-sklonenija“. In: Russian Linguistics 21, S. 271–274.