Américo Castro

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Américo Castro y Quesada (* 4. Mai 1885 in Cantagalo, Brasilien; † 25. Juli 1972 in Lloret de Mar, Spanien) war ein spanischer Kulturhistoriker, Philologe, Literaturkritiker und Diplomat, der durch seine Studie España en su historia − Cristianos, moros y judíos 1938 den größten Historikerstreit während der Ära Francisco Francos auslöste.

Biografie[Bearbeiten]

Castro wurde als Sohn spanischer Eltern in Brasilien geboren und wuchs nach deren Rückkehr 1890 in Spanien auf, wo er nach dem Schulbesuch an der Universität Granada studierte. Nach Beendigung dieses Studiums 1904 absolvierte er zwischen 1905 und 1907 ein postgraduales Studium an der Sorbonne.

Nach seiner Rückkehr nach Spanien wurde er 1910 Mitarbeiter des neugegründeten Zentrums für historische Studien (Centro de Estudios Históricos) und war dort Leiter der Abteilung für Lexikografie.

1915 nahm er einen Ruf als Professor an der Universität Complutense Madrid und lehrte dort bis 1931.

Nach der Ausrufung der Zweiten Spanischen Republik wurde er 1931 deren erster Botschafter im Deutschen Reich und behielt diesen Posten bis zu seiner Ablösung durch Luis Araquistáin im Jahr 1932.

Nach dem Ausbruch des Spanischen Bürgerkrieges 1936 begab er sich ins Exil in die Vereinigten Staaten. Dort wurde er zunächst 1937 Professor für Literatur an der University of Wisconsin-Madison, ehe er zwischen 1939 und 1940 in dieser Funktion an der University of Texas at Austin lehrte. Zuletzt war er von 1940 bis zu seiner Emeritierung 1953 Literaturprofessor an der Princeton University.

Kontroversen und Rezeption[Bearbeiten]

Mit seiner 1938 erschienen Studie España en su historia - Cristianos, moros y judíos erregte er heftige Kontroversen durch seine historischen Schlussfolgerungen, dass die Kastilier nicht zu einer eigenen Volksgruppe geworden wären, wenn es nicht 711 zur Eroberung Spaniens durch die Moslems gekommen wäre, einem Ereignis, dass sie in eine neben dem Islam und dem Judentum bestehende christliche Gruppe wandelte. Eine zweite, ebenfalls heftig kritisierte Schlussfolgerung war, dass die Geschichte Spaniens und Portugals negativ belastet war durch die Erfolge der vom 11. bis zum 15. Jahrhundert dauernden, Reconquista genannten Rückeroberung der iberischen Halbinsel sowie der Vertreibung der Juden aus Spanien im Jahr 1492.[1][2][3]

Der spanische Historiker des Mittelalters Eduardo Manzano Moreno äußerte sich kritisch über Castros geschichtliche Werke. Hinsichtlich der angeblichen Eintracht zwischen Mauren, Juden und Christen im Kalifat Cordoba schrieb Manzano, dass sich Castro nicht an den Bräuchen der Geschichtsschreibung gehalten habe, und dass er für diesen Begriff Convivencia keine geschichtlichen Zeugnisse vorweisen konnte.[4]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Castro war darüber hinaus Autor zahlreicher weiterer Fachaufsätze und -bücher. Zu seinen bedeutendsten Veröffentlichungen gehören:

  • Vida de Lope de Vega, 1919
  • El elemento extraño en el lenguaje, 1921
  • La enseñanza del español en España, 1922
  • Juan de Mal Lara y su "Filosofía vulgar", 1923
  • Lengua, enseñanza y literatura, 1924
  • Don Juan en la literatura española, 1924
  • El pensamiento de Cervantes, 1925
  • El nuevo Diccionario de la Academia Española, 1925
  • Santa Teresa y otros ensayos, 1932
  • Los prólogos al Quijote, 1941
  • Lo hispánico y el erasmismo, 1942
  • Antonio de Guevara, 1945
  • La realidad histórica de España, 1954
  • Semblanzas y estudios españoles, 1956
  • Hacia Cervantes, 1958
  • Origen, ser y existir de los españoles, 1959
  • De la edad conflictiva, 1961
  • La peculiaridad lingüística rioplatense, 1961

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Cristianos, moros y judíos – Américo Castro und das Spanien der drei Kulturen heute
  2. Hommage an Américo Castro
  3. Américo Castro und das Spanien der drei Kulturen
  4. Eduardo Manzano Moreno: Qurtuba: Algunas reflexiones críticas sobre el califato de Córdoba y el mito de la convivencia [Qurtuba: Kritische Überlegungen zum Kalifat Cordoba und dem Mythos der Convivencia]. In: Awraq n.° 7. 2013, S. 225-246 (Online, PDF, 179 KB)