Anna Elisabeth Rosmus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Anna Rosmus, US-Veteran Mickey Dorsey (2006)

Anna Elisabeth Rosmus (* 1960 in Passau) ist eine deutsche Schriftstellerin.

Leben[Bearbeiten]

Anlässlich des Aufsatzwettbewerbs Alltag im Dritten Reich befasste sich Anna Rosmus als 20-Jährige mit der Rolle ihrer Heimatstadt Passau während dieser Zeit und dem Schicksal der Passauer Juden. Bei ihren Nachforschungen stieß sie auf Widerstände. Drei Jahre lang bekam sie keine Einsicht in die Personalakte des NSDAP-Oberbürgermeisters Max Moosbauer, bis sie sich die Akteneinsicht vor Gericht erstritt. Dabei kam zum Vorschein, dass zahlreiche führende Passauer Persönlichkeiten aktive Nationalsozialisten gewesen waren.

Die Ergebnisse ihrer Recherchen fasste sie 1983 in dem Buch Widerstand und Verfolgung am Beispiel Passaus 1933–1939 zusammen. Sie setzt sich außerdem für die Errichtung passender Denkmäler für die Opfer des Nationalsozialismus ein, so zum Beispiel in Passau, wo dieses Bestreben von offizieller Seite jedoch damals nicht unterstützt wurde. Im Jahr 1996 wurde schließlich das Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus direkt am Fluss Inn errichtet.

Die Anfeindungen und Bedrohungen (bis zu Morddrohungen) durch Bürger ihrer Heimat, die sie als Nestbeschmutzerin ansahen, veranlassten sie, 1994 ihre Heimatstadt zu verlassen und in die Vereinigten Staaten zu emigrieren.

Seit mehr als 15 Jahren unternimmt Anna Rosmus regelmäßig mit US-Veteranen des Zweiten Weltkriegs Reisen in den Vereinigten Staaten. Jährlich organisiert sie auch Wiedersehenstreffen zwischen Veteranen und Einheimischen in Deutschland und Österreich. Besonders umfangreich beschäftigt sie sich mit der 65. Infanteriedivision[1] und General Stanley Eric Reinhart.[2] 1945, dem Jahr der Befreiung Deutschlands und Österreichs, widmete sie mit ihrem Buch „Walhalla Finale“ einen umfangreichen Bildband.[3] Ein Register der im Bildband vertretenen bayerischen und oberösterreichischen Orte ist online.[4]

Heute lebt Anna E. Rosmus nahe Chesapeake Bay in Maryland an der US-amerikanischen Ostküste. Sie ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

  • Widerstand und Verfolgung am Beispiel Passaus 1933–1939, Haller, Passau 1983, ISBN 3-88849-011-1.
  • Exodus – im Schatten der Gnade. Über das Schicksal der Passauer Juden. Dorfmeister, Tittling 1988, ISBN 3-927454-01-X.
  • Robert Klein: Ein Jude schaut zurück [Unter Mitwirkung von Anna Elisabeth Rosmus], Selbstverlag A. E. Rosmus, Passau [Söldenpeterweg 19c] 1991 (ohne ISBN), parallele Ausgabe: A German Jew Looks Back (englisch).
  • Wintergrün. Verdrängte Morde [über Morde an russischen Kriegsgefangenen in Passau unter dem Nationalsozialismus], Labhard, Konstanz 1993, ISBN 3-926937-11-4 (Mit einem Vorwort von Ignatz Bubis).
  • Pocking. Ende und Anfang. Jüdische Zeitzeugen über Besiegte und Befreite. In: Reihe Geschichte, Band 4. Labhard, Konstanz 1995, ISBN 3-926937-15-7.
  • Was ich denke [Autobiographie 1979–1995]. In: Goldmann-Tschenbuch. Band 12616 Quer-denken! Goldmann, München 1995, ISBN 3-442-12616-9[5] (Englische Ausgabe: Against the Stream. Growing up where Hitler used to live. Übersetzt von Imogen von Tannenberg, University of South Carolina Press, Columbia, SC 2002, ISBN 1-57003-490-7).
  • Out of Passau. Von einer, die auszog, die Heimat zu finden [Autobiographie]. In: Herder Spektrum, Herder, Freiburg im Breisgau / Basel / Wien 1999, ISBN 3-451-26756-X (Englische Ausgabe: Out of Passau. Leaving a city Hitler called home. Übersetzt von Imogen von Tannenberg, University of South Carolina Press, Columbia, SC 2004, ISBN 1-57003-508-3).
  • Valhalla Finale, Das Ende des II. Weltkrieges – Von der Normandie nach Linz und Prag. Mit vielen bisher unveröffentlichten Bildern von 1945. Verlag Doris Dorfmeister, Tittling 2009, ISBN 978-3-9810084-7-0 (deutsch und englisch).[6]
  • Ragnarök. Verlag Doris Dorfmeister, Tittling 2010, ISBN 978-3-9810084-8-7 (deutsch und englisch).

Das schreckliche Mädchen[Bearbeiten]

  • 1986 strahlte ARD Felix Kuballas 45-minütige WDR-Dokumentation Von deutscher Toleranz aus.
  • 1988 zeigte ARD Henning Stegmüllers 90-minütige Dokumentation von Radio Bremen Gegen den Strom über Anna Rosmus.
  • 1990 strahlte das ZDF Michael Verhoevens Dokumentation Das Mädchen und die Stadt über Anna Rosmus aus.

Ihre Lebensgeschichte diente Michael Verhoeven 1990 als Vorbild für seinen Film Das schreckliche Mädchen und brachte ihm 1992 eine Oscar-Nominierung für den besten fremdsprachigen Film.

  • 1994/95 produzierte Felix Kuballa (WDR) den Dokumentarfilm Das Schreckliche Mädchen in Amerika. ARD zeigte eine 60-minütige und eine 45-minütige Variante.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 65. Infanteriedivision
  2. Anna Rosmus und die unermüdliche Aufbauarbeit des Generalmajor Stanley Eric Reinhart (nachrichten.at)
  3. Anna Rosmus: Zum Schluss in die Walhalla
  4. Ortsregister des Bildbandes Walhalla Finale
  5. Personenregister von Anna Rosmus, Was ich denke.
  6. Von der Befreiung, den Veteranen und der verdienten Anerkennung