Arbeitssucht

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Der Begriff Arbeitssucht oder Workaholism (von englisch work ‚Arbeit‘ und alcoholism ‚Alkoholismus‘) bezeichnet das Krankheitsbild eines arbeitssüchtigen Menschen. Arbeitssucht ist eine stoffungebundene Sucht, bei der eine zwanghafte Haltung zu Leistung und Arbeit entwickelt wird. Für einen Arbeitssüchtigen haben Familie und soziale Kontakte kaum mehr Bedeutung, er lebt für seine Arbeit. Bei der Arbeit steht zumeist Qualität und Quantität nicht jedoch die Bedeutung der zu erledigenden Arbeit im Vordergrund. Es wird eine perfektionistische Grundhaltung umgesetzt.[1]

Merkmale[Bearbeiten]

Der von Arbeitssucht Betroffene zeichnet sich in erster Linie durch überdurchschnittlichen Arbeitseinsatz aus, der mehr und mehr zu einem krankhaften Suchtverhalten führt. Arbeitssucht tritt meist bei Menschen in Führungspositionen und selbstständigen Tätigkeiten auf. Ein Großteil oder das komplette Selbstvertrauen ist an die Arbeitsleistung gekoppelt. Durch das Erreichen einer vermeintlich höheren Arbeitsleistung wird das Selbstvertrauen gestärkt. Wie bei jeder Suchtform muss aber die Dosis ständig erhöht werden. Arbeiter mit festen Dienstzeiten sind selten betroffen.

Im täglichen Gebrauch verwendet man das Wort Workaholic oft für Menschen, die zwar viel arbeiten, aber noch weit davon entfernt sind, das Verhalten eines Süchtigen aufzuweisen. Richtige Workaholics sind krank und müssen möglichst frühzeitig betreut werden. In Japan gibt es bereits 350 Behandlungszentren für Karōshi.

Stadien[Bearbeiten]

Die Krankheit wird in vier Stadien eingeteilt:[1]

  1. Einleitung: Die Arbeit nimmt den Workaholic mehr und mehr ein, sie versuchen heimlich zu arbeiten. Auch in seiner Freizeit denkt er an seinen Job und private Interessen und Pflichten werden zunehmend vernachlässigt. Auch der Partner und Kinder kommen oftmals zu kurz.
  2. Kritische Phase: Der Süchtige beginnt nach Ausflüchten für seinen übertriebenen Arbeitseinsatz zu suchen. Alle privaten Bereiche werden der Arbeit untergeordnet. Arbeit wird gehortet und erste Erschöpfungszustände stellen sich ein.
  3. Chronische Phase: Der Süchtige übernimmt immer mehr Aufgaben, belastet sich mit allem, was es zu tun gibt. In seinem Perfektionismus hält er sich stets für die ideale Person für die Bearbeitung. Das gesamte Privatleben hat keine Bedeutung mehr. Schwere Depressionen, Angstzustände und Herz-Kreislauf-Störungen können auftreten.
  4. Endphase: Krankhafte Folgeerscheinungen treten auf. Es kommt zu einem massiven Knick in der Leistungsfähigkeit. Workaholics gehen oft schon Mitte 50 in Rente oder sterben sehr früh.

Tatsächlich kann man an Überarbeitung sterben. Meist ist die direkte Todesursache als Folge der Überarbeitung Herzversagen, Herzinfarkt oder Schlaganfall. In Japan wird dieser Tod als Karōshi bezeichnet.

Muster der Arbeitssucht[Bearbeiten]

Das süchtige Arbeiten ist häufig von zwei scheinbar gegensätzlichen Mustern geprägt: Einmal das zwanghafte Arbeiten, zum anderen das Aufschieben oder Vermeiden von Arbeit.

Betroffene rechnen sich oft einem dieser beiden Typen zu, die in enger Verbindung stehen: Durch die pausenlose Arbeit gehen Prioritäten verloren. Pausenloses Arbeiten hat oft Perfektionismus in der Arbeit als Ursache. Aufgaben sollen möglichst perfekt erledigt werden und nehmen daher mehr Zeit ein. Durch den Drang nach Perfektion geht oft der Fokus für wichtige Aufgaben verloren. Selbst Aufgaben mit geringer Priorität nehmen einen großen Raum ein. Das Unerledigte wird immer mehr und muss aufgeschoben werden. Umgekehrt steigt der Druck durch viele vor sich her geschobene Aufgaben und verhindert Ruhe und Entspannung. Bei Arbeiten mit Projektcharakter sind extreme Gefühlshochs mit Beendigung des Projektes und anschließende starke Gefühlstiefs bis zum Start eines neuen Projektes typisch.

Auswirkungen von Arbeitssucht[Bearbeiten]

Die Flucht aus Unsicherheit, Partnerproblemen etc. in die Arbeit hat Folgen: Beziehungen flachen ab, werden gar zerstört. Körperliche Beschwerden können sich einstellen. Depressionen, Angstzustände, Suizid oder -versuche, Frühverrentung und vorzeitiger Tod sind häufiger als im Durchschnitt bei Arbeitssüchtigen anzutreffen. Arbeitssucht ist öfter verbunden mit Alkohol-, Tabletten- und Nikotinmissbrauch.

Mag der Betrieb die beginnende Sucht zunächst noch schätzen und fördern, so kommt es im späteren Stadium zu häufigen Störungen: Nichteinhaltung von Terminen, Fehlentscheidungen, erhöhte krankheitsbedingte Ausfälle sowie Leistungseinbußen die durch Alkohol und Tabletten verschärft werden.

Wie häufig bei Süchten, ist zunächst noch eine Deckung durch die Kollegen zu beobachten, die sich in den späteren Phasen aber zunehmend abwenden, den vermeintlichen Leistungsträger ablehnen. Das Team ist gestört, Teamarbeit beeinträchtigt.

Die Gesellschaft fördert indirekt die Arbeitssucht durch das Paradigma, dass Leistung und mehr noch Erfolg Voraussetzung für soziale Anerkennung ist. Angst vor Arbeitsplatzverlust kann begünstigend hinzukommen.[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Holger Heide (Hrsg.): Massenphänomen Arbeitssucht – historische Hintergründe und aktuelle Entwicklung einer neuen Volkskrankheit. Atlantik, Bremen 2002, ISBN 3-926529-36-9.
  • Ulrike Emma Meißner: Die „Droge“ Arbeit. Unternehmen als „Dealer“ und als Risikoträger – Personalwirtschaftliche Risiken der Arbeitssucht. Lang, Frankfurt am Main 2005, ISBN 978-3-631-53701-5 (Zugleich Dissertation an der Universität Bremen 2005).
  • Stefan Poppelreuter: Arbeitssucht. Beltz, Weinheim 1997, ISBN 3-621-27378-6.
  • Byran E. Robinson: Wenn der Job zur Droge wird. Ein Leitfaden für Workaholics, ihre Partner, Kinder und Therapeuten. Walter, Düsseldorf / Zürich 2000, ISBN 3-530-30058-6.
  • Yen Sandjaja: Wenn aus dem Job eine Sucht wird. Ein wissenschaftlicher Diskurs zum Thema Arbeitssucht, VDM, Saarbrücken 2007, ISBN 978-3-8364-0388-7.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Fritzi Wiessmann: Arbeitssucht. In: Kurt Landau (Hrsg.): Lexikon Arbeitsgestaltung: Best Practise im Arbeitsprozess. Genter, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-87247-655-5, S. 191f.
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