Heiner Goebbels
Heiner Goebbels (* 17. August 1952 in Neustadt an der Weinstraße) ist ein deutscher Musiker, Komponist, Hörspielautor, Regisseur und Professor für Angewandte Theaterwissenschaft.
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Leben[Bearbeiten]
Goebbels studierte Soziologie und Musik in Freiburg im Breisgau und Frankfurt am Main, war Mitbegründer des „Sogenannten Linksradikalen Blasorchesters“ und spielte als Musiker im „Duo Goebbels/Harth“ (1975–1988) und der experimentellen Rockgruppe „Cassiber“; er veröffentlichte ca. 20 CDs.
Nach zahlreichen Kompositionen für Theater und Film begann er Mitte der 1980er Jahre „Hörstücke“, meist nach Texten von Heiner Müller, zu komponieren. Seit Ende der 1980er Jahre folgten Kompositionen für Ensemble und „szenische Konzerte“ (z. B. Der Mann im Fahrstuhl, Die Befreiung des Prometheus). Seit Anfang der 1990er Jahre begann er mit Orchesterkompositionen (Junge Deutsche Philharmonie, Berliner Philharmoniker, composer-in-residence beim Lucerne Festival, composer-in-residence bei den Bochumer Symphonikern u. a.).
Seit Mitte der 1990er Jahre liegt der Schwerpunkt seiner Arbeit auf Musiktheater-Stücken (z.B. mit dem Ensemble Modern), die in einem Team von Dramaturgen, Bühnenbildnern, Lichtgestaltern, Kostümbildnern und Sounddesignern entwickelt werden und die weltweit zu vielen Theater- und Musik-Festivals eingeladen werden. In ihnen stehen Text, Bild, Musik, Licht, Bewegung und Szene in einem schwebenden, gleichwertigen Verhältnis.
Unter seinen Arbeiten finden sich auch Soundinstallationen (z. B. für das Centre Pompidou, Paris) und zahlreiche Kollaborationen mit Videokünstlern und Choreographen.
Goebbels ist seit 1999 Professor am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität in Gießen, das er seit 2003 leitet. Goebbels ist Mitglied der Akademie der Künste, Berlin, der Akademie der darstellenden Künste sowie der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste. Seit Herbst 2006 ist Goebbels Präsident der Hessischen Theaterakademie als Verbund von vier Hochschulen und neun Theatern der Region Rhein-Main.
Goebbels wurde 2010 zum Intendanten und künstlerischen Leiter der Ruhrtriennale 2012-2014 berufen.
Er lebt in Frankfurt am Main.
Auszeichnungen[Bearbeiten]
Mehrfach wurde Heiner Goebbels für seine Hörspiele mit nationalen und internationalen Hörspielpreisen ausgezeichnet (Prix Italia 1986, 1992, 1996; Karl-Sczuka-Preis 1984, 1990, 1992; Hörspielpreis der Kriegsblinden 1985; Hörspielpreis der Akademie der Künste 1989; World Silvermedal of the New York Festival; Radio Ostankino Prize Moscow etc.).
Im Jahr 2003 wurde ihm der Deutsche Kritikerpreis „Musik“ verliehen. Die Stadt Frankfurt ehrte ihn 2002 mit der Goetheplakette, das Land Hessen 1993 mit dem Hessischen Kulturpreis. 2008 wurde er mit dem Binding-Kulturpreis ausgezeichnet. Im Jahr 2010 erhält er den Kunstpreis des Landes Rheinland-Pfalz.
Neben zwei Grammy-Nominierungen (für „Surrogate Cities“ und „Eislermaterial“) wurden ihm viele internationale Theaterpreise zuerkannt, darunter 2001 der „Europäische Theaterpreis – Neue Realitäten“, 2006 der Preis des Internationalen Theaterinstituts (ITI) zum Welttheatertag.
2011 wurde er mit dem Hessischen Preis „Exzellenz in der Lehre“ ausgezeichnet. Für seine Lebenswerk verlieh ihm das Birmingham Conservatoire der Birmingham City University im Jahr 2012 die Ehrendoktorwürde.
Als vierter Preisträger erhält Goebbels 2012 den Internationalen Ibsen-Preis.[1]
Werke[Bearbeiten]
- When the mountain changed its clothing (Musiktheater) 2012
- Europeras 1 & 2 (John Cage, Ruhrtriennale) 2012
- I went to the house but did not enter (szenisches Konzert in 3 Bildern) 2008
- Stifters Dinge (performative Installation) 2007
- Songs of Wars I have seen (szenisches Konzert) 2007
- Eraritjaritjaka - museé des phrases (Musiktheater), 2004
- Aus einem Tagebuch (für großes Orchester), 2003
- Landschaft mit entfernten Verwandten (Oper), 2002
- Hashirigaki (Musiktheater), 2000
- ...meme soir. (Szen. Konzert), 2000
- Eislermaterial (szenisches Konzert), 1998
- Max Black (Musiktheater), 1998
- Walden (für großes Orchester), 1998
- landscape with man being killed by a snake (Theaterskizze, documents x), 1997
- Schwarz auf Weiss / Black on White (Musiktheater für Ensemble), 1996
- Industry and Idleness (für Orchester), 1996
- Die Wiederholung / The Repetition (Musiktheater), 1995
- Surrogate Cities (für großes Orchester, Stimme, Mezzosopran und Sampler), 1994
- Ou bien le débarquement désastreux (Musiktheater), 1993
- La Jalousie (für Ensemble), 1992
- Herakles 2 (für Ensemble), 1991
- Roemische Hunde (Musiktheater), 1991
- Die Befreiung des Prometheus (Hörstücke (1985), szenisches Konzert (1991))
- Wolokolamsker Chaussee I-V (Hörstücke), 1989
- Befreiung (für Ensemble und Sprecher), 1989
- Red Run (für Ensemble), 1988
- Der Mann im Fahrstuhl (szenisches Konzert), 1987
- Verkommenes Ufer (Hörstück), 1984
- Cassiber (mit Chris Cutler & Alfred Harth Man or Monkey (1982)/ Beauty & the beast (1984) / Perfect worlds (1986)
- Berlin Q-Damm 12.4.81 / Jakob Apfelböck (Klangcollage/ Hörstück), 1981 (Riskant, Eigelstein Musikproduktion)
- Bertolt Brecht: Zeit wird knapp (1981, mit Dagmar Krause & Alfred Harth)
- Der durchdrungene Mensch / Indianer für Morgen (1981, mit Dagmar Krause & Alfred Harth)
- Vom Sprengen des Gartens (1979 mit Alfred Harth
- Vier Fäuste für Hanns Eisler (1977 mit Alfred Harth
- Sogenanntes linksradikales Blasorchester (mit Alfred Harth: Hört hört, 1977 / Mit gelben Birnen 1980
Literatur[Bearbeiten]
- Nikolaus Müller-Schöll und Heiner Goebbels (Hrsg.): Heiner Müller sprechen. Verlag Theater der Zeit, Berlin 2009, ISBN 978-3-940737-38-0
- Wolfgang Sandner (Hrsg.): Heiner Goebbels. Komposition als Inszenierung. Henschel Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-88661-282-1.
- Holger Schulze: Heiner Goebbels: Wolokolamsker Chaussee. In: Das aleatorische Spiel, Wilhelm Fink Verlag, München 2000, ISBN 3-7705-3472-7, S. 301–307.
Dokumentarfilme[Bearbeiten]
- Heiner Goebbels - Musiker und Komponist. Musikalische Spurensuche im Lärm des Alltags. Dokumentarfilm, BR Deutschland, 1985, 43 Min., Buch und Regie: Peter Kemper, Produktion: Hessischer Rundfunk, Film-Informationen von ARD.
- Heiner Goebbels: Schwarz auf Weiss. Musiktheater für 18 Musiker des Ensemble Modern (1996). Konzertausschnitt und Gespräch, Deutschland, 2006, 15 Min., Buch und Regie: Peider A. Defilla, Produktion: BR-alpha, Reihe: musica viva. forum der gegenwartsmusik, Film-Informationen von ARD.
Weblinks[Bearbeiten]
- Literatur von und über Heiner Goebbels im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Literatur über Heiner Goebbels in der Hessischen Bibliographie
- heinergoebbels.com, Heiner Goebbels eigene Internetpräsenz
- Heiner Goebbels bei der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste
- Institut für Angewandte Theaterwissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen: Lehrende - Heiner Goebbels
Einzelnachweise[Bearbeiten]
- ↑ The International Ibsen Award: Winners of the International Ibsen Award: 2012 - Heiner Goebbels, abgerufen am 30. April 2012
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Goebbels, Heiner |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Komponist, Regisseur und Hörspielmacher |
| GEBURTSDATUM | 17. August 1952 |
| GEBURTSORT | Neustadt/Weinstraße |
- Deutscher Komponist
- Komponist (20. Jahrhundert)
- Regisseur
- Hörspielautor
- Hochschullehrer (Justus-Liebig-Universität Gießen)
- Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur
- Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften
- Ehrendoktor der Birmingham City University
- Person (Neustadt an der Weinstraße)
- Geboren 1952
- Mann