Archäologisches Museum Istanbul

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Hauptgebäude vom Hof aus gesehen
Griechische Antikensammlung
Archäologisches Museum Istanbul - Sarkophag

Das Archäologische Museum Istanbul (türkisch İstanbul Arkeoloji Müzesi) wurde 1891 in Istanbul eröffnet. Es erhielt 1991 den Museumspreis des Europarates.

Seine Sammlungen umfassen rund 15.000 archäologische Stücke aus Mesopotamien, aus der assyrischen, sumerischen, akkadischen, babylonischen und ägyptischen Antike, dem prä- und früh-griechischen Anatolien, sowie der vor-islamischen und islamischen arabischen Kultur.

Gliederung[Bearbeiten]

Das Istanbuler Archäologie-Museum gliedert sich in drei Teile:

  1. Das eigentliche archäologische Museum,
  2. das Museum für altorientalische Kunst,
  3. das Museum für islamische Kunst (auch „Fayencenmuseum“ oder „Fayenceschlösschen“, englisch „Tiled Kiosk“, türkisch „Çinili Köşk“)

Lage[Bearbeiten]

Lageplan

Das archäologische Museum liegt in der Istanbuler Altstadt, im Stadtteil Eminönü im äußersten Südosten des europäischen Teils Istanbuls – auf einer wie ein Horn hervorragenden Halbinsel, innerhalb der äußeren Ummauerung des Topkapı-Palastes, umgeben vom Gülhane-Park – unterhalb der Hagia Sophia.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Museum wurde 1891 unter Sultan Abdülhamid II. durch den Maler und Archäologen Osman Hamdi Bey als Müze-i Humayun („Museum des Imperiums“) als zentrales archäologisches Museum des Osmanischen Reiches gegründet. Der Architekt Alexandre Vallaury errichtete das Gebäude im neoklassizistischen Stil (Baubeginn 1881).

Sammlungen[Bearbeiten]

Die Funde stammen vorwiegend aus dem Gebiet der heutigen Türkei oder den bis 1918 türkischen Gebieten im Vorderen Orient. Das Gebäude ist zweistöckig. Im Erdgeschoss umfasst es 20 Ausstellungsräume, im Obergeschoss sind in weiteren 16 Räumen kleinere Objekte und Plastiken aus Mittelalter und Neuzeit ausgestellt. Ein neues sechsstöckiges Nebengebäude befindet sich südöstlich des Hauptgebäudes.

Archäologisches Museum[Bearbeiten]

„Alexandersarkophag“[Bearbeiten]

(Saal 8 - links vom Eingang) Vom Museumsgründer Osman Hamdi Bey wurde 1887 in Sidon (Libanon) der sogenannte Alexandersarkophag aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. gefunden.

Weitere wichtige Objekte[Bearbeiten]

  • (Obergeschoss) Bronzewaren aus Zypern, griechische Vasen und Münzen, chinesisches und japanisches Porzellan

Kleinkunst[Bearbeiten]

(Obergeschoss) Unter anderem Objekte aus Troja VII b (zum Beispiel Trinkbecher mit einem waagerechten und einem senkrechten Henkel)

Nebengebäude[Bearbeiten]

Es enthält je Ebene Ausstellungsräume zum Beispiel zu den Themen „Istanbul im Laufe der Zeiten“, „Anatolien und Troja im Laufe der Zeiten“, „Kulturen in der Umgebung von Anatolien (Zypern, Syrien, Palästina)“ und ein Kindermuseum.

Das altorientalische Museum[Bearbeiten]

Verschiedene Tierskulpturen vom Ischtar-Tor, Altorientalisches Museum Istanbul
Die circa 4.500 Jahre alte Nippur-Elle

Schräg gegenüber dem archäologischen Museum befindet sich als dessen Ergänzung das Altorientalische Museum mit Funden aus Gebieten des Alten Orients, die zum osmanischen Reich gehört haben, vor allem aus Mesopotamien (Kulturen der Sumerer, Babylonier, Assyrer etc.) und Kleinasien, hier zum Beispiel aus dem Reich der Hethiter. Weitere Ausstellungsstücke kommen aus dem Raum Syrien/Libanon/Palästina, aus dem Jemen (Altes Südarabien) sowie aus dem pharaonischen Ägypten.

Das Gebäude wurde 1883 als Kunstschule errichtet und 1935 in dieses Museum umgewidmet.[1]

Friedensvertrag nach der Schlacht von Kadesh

Zu den international sehr bekannten Exponaten gehören hethitische Keilschrifttafeln aus Boğazkale, darunter eine der drei erhaltenen hethitischen Ausfertigungen des Friedensvertrags nach der Schlacht bei Kadesch zwischen Hattušili III. (Hethitisches Reich) und Ramses II. (Ägypten). Diese Tafeln wurden von der UNESCO in das Weltdokumentenerbe aufgenommen, da sie den ältesten erhaltenen schriftlichen Friedensvertrag der Menschheitsgeschichte beinhalten.

Das altorientalische Museum in Istanbul beherbergt ebenfalls das Spezimen der Nippur-Elle, das Urmaß der vormetrischen Längenmaße.

Der Fayencen-Pavillon (Çinili Köşk)[Bearbeiten]

Das Innere des Fayencemuseums

Das Fayencenmuseum ist in einem eigenen Gebäude (Fayencen-Pavillon) untergebracht und zeigt seldschukische und osmanische Keramik vom 12. bis zum 19. Jahrhundert aus verschiedenen Herkunftsorten (Kütahya, Çanakkale). Einen besonderen Raum nehmen verschiedene Kunstwerke aus Fayencefliesen aus den Werkstätten von Iznik ein. Bedeutendstes Ausstellungsstück ist ein Mihrab aus der Ibrahim-Bey-Moschee in Karaman (Zentralanatolien) sowie zwei Bogenfelder aus der Medrese der Haseki-Hürrem-Moschee in Istanbul.

Das Gebäude wurde im Jahre 1472 von Sultan Mehmed dem Eroberer außerhalb des Topkapi-Palastbezirkes als Lustschlösschen errichtet und innen und außen mit Mosaiken aus grünen und blauen Iznik-Fliesen ausgestattet. Die repräsentative Säulenvorhalle ersetzte nach einem Brand 1737 einen hölzernen Vorbau.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gustave Mendel: Catalogue des sculptures grecques, romaines et byzantines. Musées Impériaux Ottomans. 3 Bände. Konstantinopel 1908-1914, OCLC 489938917 (bis heute unentbehrlicher Standardkatalog).
  • An illustrated guide to the Greek, Roman and Byzantine architectural and sculptural collections in The Archaeological Museum of Istanbul. Istanbul 1968, OCLC 117856.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Archäologisches Museum Istanbul – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. 1965 bis 1974 war es wegen Restaurierungsarbeiten geschlossen.

41.01138888888928.981388888889Koordinaten: 41° 0′ 41″ N, 28° 58′ 53″ O