Sumerer

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Dioritstatue Gudeas aus Girsu, um 2120 v. Chr., heute im Louvre

Als Sumerer bezeichnet man ein Volk, welches im Gebiet von Sumer im südlichen Mesopotamien im 3. Jahrtausend v. Chr. lebte. Der Begriff Sumerer (aus dem akkadischen schumeru) kommt aus einer viel späteren Zeit, als altbabylonische Herrscher sich den Titel „König von Sumer und Akkade“ gaben und damit dem Vorvolk einen Namen in der Geschichte verliehen. Sich selber nannten die Sumerer „saggiga“, was soviel wie „die Schwarzköpfigen“ bedeutet.

Nach den heutigen Erkenntnissen herrschten die Sumerer etwa ab der Obaid Zeit bis zum Ende der Frühdynastisch III Phase, dann übernahmen Akkader die Vorherrschaft in der Akkadzeit. In der anschließenden Neusumerischen/UrIII Zeit erstarkte die Herrschaft der Sumerer noch einmal kurz, um dann endgültig in der Frühbabylonischen Zeit von akkadischen Herrschern abgelöst zu werden.

Die Sumerer gelten derzeit als erstes Volk, welches den Schritt zur Hochkultur geleistet hat. Besonders die Erfindung der Keilschrift, welche quasi als eine Urvorlage der heutigen europäischen Schriften gelten kann, gilt als hervorragende Leistung der Sumerer, die zusammen mit der Erfindung der Bürokratie und künstlicher Bewässerung hier ihren Anfang nahm.

Herkunft[Bearbeiten]

Die Herkunft der Sumerer ist bis heute nicht endgültig geklärt. Es gib in der Wissenschaft zwei Thesen zur Herkunft der Sumerer. Die Eine geht davon aus, dass die Sumerer eingewandert sind, dies wird an einer entfernten Ähnlichkeit zu agglutinierenden Sprachen wie Ungarisch, Finnisch und Türkisch festgemacht, deren Ursprung in den Uralsteppen gesehen wird und damit auch die Heimat der Sumerer wäre. Es zeigen sich jedoch außer dem ähnlichen Vorgehen die Wörter zu bilden, keine weiteren Gemeinsamkeiten weder in der Sprache noch in den Kulturhinterlassenschaften, weswegen mittlerweile viele Forscher eher zu der These tendieren, dass die Sumerer eine lokalansässige Kultur waren.

Erforschung[Bearbeiten]

Die Erforschung der sumerischen Kultur erfolgte immer zusammen mit den anderen mesopotamischen Kulturen. Das liegt an der Charakteristik der Ruinenhügel, auch Tells genannt. Die Kulturen des Vorderen Orients pflegten die Orte nach Zerstörung, nach Eroberung aber auch nach gewissen Zeiten teilweise oder auch vollständig einzuebnen und darauf eine neue Ebene zu erbauen. Weswegen es vorkommt, wie z. B. in Ninive, dass die obersten Schichten mittelalterliche Ruinen bergen und die unterste Schicht bis in die Zeit 5000 v. Chr. und weiter zurückreicht.

Ein bedeutender Durchbruch in der Erforschung der Sumerer brachte 1802 die Entzifferung der Behistun-Inschrift durch Georg Friedrich Grotefend. Dabei handelte es sich um eine dreisprachige Inschrift, in Altpersisch, Elamisch und Altbabylonisch, die fast so entscheidend für die Entzifferung der Keilschrift war, wie der Stein von Rosetta für die Hieroglyphen[1]. Die sumerische Sprache konnte an vielen weiteren zweisprachigen Texten entschlüsselt werden. Denn obwohl die sumerische Sprache noch lange nach dem Verschwinden der sumerischen Kultur im Gebrauch war, konnten bald nur noch die Gelehrten diese Sprache lesen. Daher fertigte man für das Studium dieser Sprache entsprechende Wortlisten, Übersetzungen und Übungstexte an, die den heutigen Wissenschaftler die Entzifferung des Sumerischen und damit der sumerischen Kultur ermöglichten.

Erste archäologische Erforschungen begannen durch Claudius James Rich, als er 1812 damit begann, die Ruinen von Babylon systematisch zu vermessen und teilweise auszugraben. Ihm folgten viele weitere Forscher. Teilweise sah man sich im Wettstreit mit den Entdeckungen des alten Ägypten. So dauerte es nicht lange und die Gebiete wurden unter den verschiedenen Nationen aufgeteilt. So gruben die Franzosen in Dur-Scharrukin, die Engländer in Ninive und die Deutschen in Assur und Babylon[2].

Bekannte Persönlichkeiten
Zeitstufe Name
Vordynastische Zeit AlulimDumuzi
1. Dynastie von Kisch EtanaAgga
1. Dynastie von Uruk EnmerkarLugalbandaGilgamesch
1. Dynastie von Ur MeskalamdugPuabi
1. Dynastie von Lagash Ur-NansheEannatum
2. Dynastie von Lagash Gudea
3. Dynastie von Ur Ur-NammuSchulgi

Wirtschaft[Bearbeiten]

Ein wichtiger Punkt in der Geschichte der Sumerer stellt die Wirtschaft dar. Ganz speziell die Tempelwirtschaft. So arbeitete nicht jeder für sich alleine auf seinem Feld, sondern er tat es für die Allgemeinheit bzw. für den Tempel, welcher die Ernte sammelte und verwaltete.[3] Diese Art der Vorratshaltung brachte verwaltungstechnische Probleme mit sich, für die die Sumerer am Ende die Erfindung der Schrift stand. Zu Anfang wurden die verschiedenen Waren einfach nur mit Lehmklumpen verplombt, auf denen die Anzahl der eingeschlossenen Waren stand. Später ging man dazu über Stempelsiegel von Beamten und Priestern auf die Lehmklumpen zu pressen, die mit ihrem Siegel für die Authentizität standen. Die Sumerer erfanden in diesem Zusammenhang das Rollsiegel, welches nicht nur ein spezielles Konterfei darstellte, sondern teilweise ganze Symbolkreise darstellen konnte.[4]. Eine weitere Verkomplizierung der Verwaltung ereignete sich zum Ende des 4. Jahrtausends, als der Pegel des Persischen Golfes absank und der Euphrat und Tigris ihre Fließgeschwindigkeit erhöhten. Um die Bewässerung der Felder weiterhin zu gewährleisten, wurde es nötig, ausgeklügelte Rückhaltebecken und Bewässerungssysteme anzulegen, welche entsprechend verwaltet werden mussten[5]. In diese Zeit scheint auch das Aufkommen der Schrift zu fallen, da man nicht mehr einfach nur ein Siegel aufdrücken konnte, sonder nun auch bestimmte Tage ausarbeiten musste und die Zuteilungen zu bestimmten Personen regeln musste. Dennoch blieben die Rollsiegel und Stempelsiegel weiterhin in Gebrauch.

Einige weitere Erfindung werden den Sumerern zugeschrieben, die Töpferscheibe und das Wagenrad. Auch wenn beide mittlerweile nicht mehr zu den Erfindungen der Sumerer zählen, so waren beide doch maßgeblich für die Kultur und die Wirtschaft der Sumerer. Da die Sumerer einen recht hohen Lebensstandard erreicht hatten, aber eigentlich recht arm an Rohstoffen waren, mussten sie Handel treiben. Haupthandelsgut welches sie hatten, war Lehm in Form von Tongefäßen, Getreide und domestizierte Tiere. Offenbar waren diese Waren so beliebt, dass sie es bis in das weit entfernte Indien zur Harrapa Kultur und nach Iran und Libanon schafften.

Statuette des Satam aus Uruk (um 2400 v. Chr., Louvre, Paris)

Sprache[Bearbeiten]

Hauptartikel: Sumerische Sprache

Das Sumerische ist eine isolierte Sprache, deren Gebrauch in Mesopotamien für das 3. Jahrtausend v. Chr. nachgewiesen ist. In vorausgehenden Epochen fehlt die schriftliche Aufzeichnung von Sprache, danach wurde es im Alltagsleben mehr und mehr durch das semitische Akkadisch verdrängt. Als Sprache der Gelehrten wurde es jedoch weiter bis in das 1. Jahrtausend v. Chr. tradiert. Das Sumerische wurde mithilfe der Keilschrift dargestellt, die sich im ausgehenden 4. Jahrtausend zunächst als Bilderschrift entwickelt hatte. Andere altorientalische Völker übernahmen dann später die Keilschrift und passten sie ihren Bedürfnissen an.

Schriftsystem[Bearbeiten]

Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft ist die Keilschrift der Sumerer (genauer: die Proto-Keilschrift) die erste Schrift der Menschheit. Die Ägypter entwickelten erst ca. 200 Jahre später ein eigenes Schriftsystem, die Ägyptischen Hieroglyphen. Die frühesten Formen der Keilschrift entstanden in der sogenannten Uruk IV Epoche um 3.300 vor unserer Zeitrechnung. Die Erfindung der Sumerer wurde anschließend von vielen anderen Völkern übernommen und weiterentwickelt. Insgesamt wurde die Keilschrift über mehr als 3.000 Jahre verwendet.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Ursula Seidl: Ein Monument Darius' I. aus Babylon, In: Zeitschrift für Assyriologie und Vorderasiatische Archäologie 89 (1999),S. 101–114.
  2. Harriet E. W. Crawford: Sumer and the Sumerians. Cambridge University Press, Cambridge 2004, S. 13
  3. Hrouda, Barthel: Mesopotamien: die antiken Kulturen zwischen Euphrat und Tigris. Beck, München 1997, S. 62 ff.
  4. Hrouda, Barthel: Mesopotamien: die antiken Kulturen zwischen Euphrat und Tigris. Beck, München 1997. S. 22–26
  5. Hrouda, Barthel: Mesopotamien: die antiken Kulturen zwischen Euphrat und Tigris. Beck, München 1997, S. 21