Arena (Wien)

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Außenansicht der Arena (2007)

Die Arena ist ein Veranstaltungsort in Wien-Landstraße, der sich als alternatives Kulturzentrum, speziell für Jugendkultur, Konzerte verschiedener Richtungen und andere Musikveranstaltungen versteht. Im Sommer wird sie auch als Freiluftkino genutzt. Die Arena befindet sich in einem industriell geprägten Umfeld im Stadtteil Erdberg und ist aus einem früher als Schlachthof genutzten Gelände im Stadtteil Sankt Marx entstanden. Sie wird vom Verein Forum Arena Wien betrieben, der autonom und basisdemokratisch arbeitet.

Geschichte[Bearbeiten]

Das historische Verwaltungsgebäude der Arena
Zugang zur großen Halle, dem früheren Maschinenhaus
Im Inneren des Veranstaltungsgebäudes

Ab dem Jahr 1970 gab es im Rahmen der Wiener Festwochen unter dem Intendanten Ulrich Baumgartner mit der Festwochen-Arena eine alternative Veranstaltungsschiene. Gründer, Leiter und Organisator der ersten „Arena 70“ im Museum des 20. Jahrhunderts war Wolfgang Lesowsky, der für einige Wochen die damalige Avantgarde aus Literatur, Musik und Theater versammelte, wie H. C. Artmann, Alfred Kolleritsch, Wolfgang Bauer, Gunter Falk, Gerhard Rühm, Andreas Okopenko, Erich Fried, Erwin Piplits, Ram Chandra Mistry, die New Yorker Straßentheatergruppe „La Mama“ u.v.a.

In Eigenverantwortung übernahm Lesowsky auch die Leitung der nachfolgenden „Arena 70/2“ im ehemaligen Varieté und Nachtlokal „Casanova“ [1] (Wien-Innere Stadt, Dorotheergasse 6–8). Die (unsubventioniert gebliebene) Veranstaltungsreihe, die von 10. November bis 31. Dezember 1970 laufen sollte, wurde jedoch wegen eines geringer gewordenen Publikumsinteresses und den damit einhergegangenen Schulden sowie nicht zuletzt wegen theaterpolizeilicher Beanstandungen mit 12. Dezember beendet. Für das Problem der Weiterführung des Open house als Willensäußerung des Untergrunds konnte umgehend keine Lösung gefunden werden. [2]

Im Jänner 1971 wurde für März selben Jahres von einer Auferstehung der Arena 70 mit Mitteln der Schweizer Stiftung Pro Helvetia berichtet, wobei, in Anbetracht zu erwartender Mietkosten, die neuerliche Nutzung des Nachtlokals Casanova als unwahrscheinlich darstellt wurde. Wolfgang Lesowsky, zu jener Zeit noch mit finanziellen Verbindlichkeiten der Herbstarena belastet, wurde mit Blick auf eine Nachsubventionierung ein Überbrückungskredit gewährt. [3]

1971–1974 haben die Wiener Festwochen unter dem Titel „Arena“ ein Avantgardetheater an verschiedenen Plätzen weitergeführt, seit 1975 fanden Aufführungen im ehemaligen Auslands-Schlachthof Sankt Marx statt. 1976 sollten nach dem Ende des Veranstaltungsprogramms die dortigen Gebäude abgerissen und dort ein Textilzentrum errichtet werden. Diese Pläne führten jedoch zu massiven Protesten, auch weil das kulturelle Angebot zu dieser Zeit ohnehin zu wünschen übrig ließ.

Ende Juni 1976 gipfelten diese schließlich in der Besetzung des Arena-Geländes, die mehr als drei Monate andauerte und an der sich beispielsweise auch Persönlichkeiten aus der Austropop-Szene mit Auftritten beteiligten. Die Stadt Wien reagierte zunächst abwartend. Große Teile der Wiener Bevölkerung unterstützten die Forderung, die Arena als ständiges Kulturzentrum zu erhalten. Erschwert wurde ein Kompromiss aber dadurch, dass das Areal bereits fest der Textilkette Schöps zugesichert wurde, welche schon konkrete Pläne für einen Abbruch und Neubau hatte, auch wurden die sanitären Verhältnisse zunehmend schlechter. Verschiedene Lösungsvarianten scheiterten, auch wurde die Lage zunehmend angespannter. Im Oktober 1976 wurden die Gebäude des Auslands-Schlachthofes schließlich abgerissen, wobei die Besetzung insgesamt relativ gewaltfrei und ohne große Polizeieinsätze verlief. Heute befindet sich dort das Modecenter (MGC), das als Textilgroßhandelszentrum, Bürohaus und teilweise für Veranstaltungen genutzt wird.

Seitens der Stadt bestand jedoch weiterhin das Angebot, für die Arena den benachbarten ehemaligen Inlands-Schlachthof zur Verfügung zu stellen. Dieser Vorschlag wurde von manchen Gruppierungen nun aufgegriffen, andere jedoch betrachteten jegliche Verhandlungen darüber als „Verrat“. Im Juli 1977 kam es schließlich zu einer Einigung, so dass die Arena seither auf dem dortigen Gelände untergebracht ist.

Das Gelände[Bearbeiten]

Amanda Palmer-Konzert in der Halle (2011)
„Dreiraum“
Freiluftbühne
Der weithin sichtbare alte Schornstein

Das Veranstaltungsgelände der Arena besteht im Wesentlichen aus einem Freigelände und folgenden Gebäuden:

  • Kleine Halle (mit der „Dreiraum Lounge“, auch für kleinere Film- und Theatervorführungen vorgesehen)
  • Große Halle (mit großer Tribüne, 2003-2004 umgebaut)
  • Freiluftbühne (Kapazität: 3.000 Menschen[4])
  • Durchfahrt (hinter der Freiluft-Bühne, von der Baumgasse aus für Lieferverkehr befahrbar)
  • Beisl (wienerischer Ausdruck für eine Gaststätte)[5]
  • Verwaltungsgebäude

Es gibt mehrere Bars. Speisen und Imbisse, werden in der Regel nach Bedarf an aufgebauten Ständen im Freigelände verkauft.

Die aus der früheren Industrie-Architektur stammenden kahlen Ziegelwände sind teilweise mit Graffiti versehen und machen den besonderen Charme der Arena aus. Auch ein weithin sichtbarer Schornstein ist erhalten geblieben.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Regelmäßig wiederkehrende Veranstaltungen in der Arena sind unter anderem Roadtrip To Outta Space, Therapy Sessions, Mainframe, Eyesprung und Iceberg, Badlands Massacre, der Bandwettbewerb Local Heroes sowie im Sommer die Arena Bierwoche und das Arena Sommerkino.

Einmal jährlich, jeweils im Winter, findet das FM4-Geburtstagsfest statt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Arenadokumentation. In: Wespennest. Zeitschrift für brauchbare Texte und Bilder. Nr. 23 (erschienen am 12. Juli 1976). Gruppe Wespennest, Wien 1976. [6] [7]
  • Heinz Riedler: Arena. Wien Sankt Marx. Sommer 1976. Ausstellung. S.n., Wien 1976. [8]
  • Schlachthof-Arena. Wien, St. Marx. Erscheinungsverlauf: 1976,1-5. S.n., Wien. [9]
  • Verein zur Förderung Alternativer Kommunikation: Arena-Stadtzeitung (Programm). Erscheinungsverlauf: 1978, 25. März/9. April – 19./30. Juni. S.n., Wien. [10]
  • Verein zur Förderung Alternativer Kommunikation: Arena-Stadtzeitung. Erscheinungsverlauf: 1976,6 – 1979. 5.1980 – 7.1982. Damit Erscheinen eingestellt. S.n., Wien. [11]
  • Verein Forum Wien Arena: Keine Nacht. Das Arena Veranstaltungsprogramm. Erscheinungsverlauf: 1982. Damit Erscheinen eingestellt. Verein, Wien. [12]
  • Susanna Gisch: Der Auslandsschlachthof St. Marx als dramatischer Spielort. Diplomarbeit. Universität Wien, Wien 1991. [13]
  • Verena Kövari: Die „Arena“. Alternativkultur im Wien der 1970er Jahre. Diplomarbeit. Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien, Wien 1997. [14]
  • Rosemarie Rauscher: Politik im Underground. Zur Problematik von Musikveranstaltungslokalen der Subkultur in Wien am Beispiel Arena und Flex. Diplomarbeit. Universität Wien, Wien 1998. [15]
  • Leonhard Weidinger: Arena. Die Besetzung des Auslandsschlachthofes St. Marx im Sommer 1976 als kulturelles und politisches Ereignis. Diplomarbeit. Universität Wien, Wien 1998. [16]
  • Thomas Geiblinger: Zwischen Subvention und Repression. Subkulturelle Kultureinrichtungen in Wien und die Wiener Gemeindeverwaltung am Beispiel Arena, WUK und Flex. Diplomarbeit. Universität Wien, Wien 2000. [17]
  • Robert Foltin: Und wir bewegen uns doch. Soziale Bewegungen in Österreich. edition grundrisse, Wien 2004, ISBN 3-9501925-0-6.
  • Besetzt! Kampf um Freiräume seit den 70ern. Ausstellungskatalog des Wien Museums, Czernin Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-7076-0413-9

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Open house für die Avantgarde. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 4. November 1970, S. 8.
  2. Das Open house wird wieder geschlossen. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 12. Dezember 1970, S. 6.
  3. Neue Arena schon im März?. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 12. Jänner 1971, S. 6.
  4. arena.co.at: Bandservice, Abs. Information (zuletzt abgerufen am 23. Juni 2007)
  5. http://www.arenabeisl.at/
  6. wespennest backlist. In: wespennest.at, abgerufen am 8. November 2010.
  7. Katalogzettel Österreichische Nationalbibliothek.
  8. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund.
  9. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund.
  10. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund.
  11. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund.
  12. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund.
  13. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund.
  14. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund.
  15. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund.
  16. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund.
  17. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Arena (Wien) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.18744444444416.412916666667Koordinaten: 48° 11′ 15″ N, 16° 24′ 47″ O