Andreas Okopenko

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Andreas Okopenko (1974)

Andreas Okopenko (* 15. März 1930 in Košice (Tschechoslowakei); † 27. Juni 2010 in Wien) war ein österreichischer Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Andreas Okopenko wurde als Sohn eines ukrainischen Arztes und dessen österreichischer Gattin geboren. Seit 1939 lebte die Familie in Wien. Nach einem krankheitshalber abgebrochenen Studium der Chemie an der Universität Wien war Okopenko bis 1970 in der Industrie, unter anderem in einer Papierfabrik, tätig. Ab 1950 widmete er sich zunehmend der Literatur. Von 1951 bis 1953 gab er die Literaturzeitschrift „publikationen“ (voller Name: publikationen einer wiener gruppe junger autoren) heraus, in der zahlreiche Angehörige der österreichischen Avantgarde jener Zeit veröffentlichten. Von 1968 bis 2010 lebte er, zuletzt als freier Schriftsteller, in Wien.

Okopenko trat sowohl mit Gedichten als auch mit Prosawerken hervor, in denen realistische Schilderung subjektiver Eindrücke und Empfindungen und Sprachexperimente eine eigenwillige Mischung eingehen. In seinen Romanen verzichtete er teilweise gänzlich auf eine herkömmliche Chronologie oder logische Abfolge zugunsten der Aufsplitterung und Reihung des Textes nach einer Art Zufallsprinzip. Vor allem mit seinem alphabetisch angelegten Lexikon-Roman von 1970 kann Okopenko als ein früher Vorläufer der Hypertext-Literatur angesehen werden. Dieser wurde 1998 in Zusammenarbeit zwischen dem Autor, dem Kollektiv Libraries of the Mind und dem Komponisten Karlheinz Essl als ELEX – Elektronischer Lexikon-Roman auf CD-ROM veröffentlicht. Einige seiner „Spleengesänge“ (1969) hat der Liedermacher Ulrich Roski vertont und auf seiner LP „So hat es die Natur gewollt“ (TELDEC 6.23548, 1978) veröffentlicht.

Okopenko war von 1973 bis 1985 Mitglied der Grazer Autorenversammlung; seit 1999 gehörte er dem Österreichischen Kunstsenat an.

Er wurde in einem ehrenhalber gewidmeten Grab am Grinzinger Friedhof (Gruppe 24, Reihe 8, Nummer 5) in Wien bestattet. Andreas Okopenkos Nachlass wird im Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek aufbewahrt.

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Grüner November, München 1957
  • Seltsame Tage, München u. a. 1963
  • Die Belege des Michael Cetus, Salzburg 1967
  • Warum sind die Latrinen so traurig?, Spleengesänge, Salzburg 1969
  • Lexikon einer sentimentalen Reise zum Exporteurtreffen in Druden, Salzburg 1970
  • Orte wechselnden Unbehagens, Salzburg 1971
  • Der Akazienfresser, Salzburg 1973
  • Sterbebett mit Pappendeckeln, Wien u. a. 1974
  • Warnung vor Ypsilon, Salzburg 1974
  • Meteoriten, Salzburg 1976
  • Vier Aufsätze, Salzburg u. a. 1979
  • Gesammelte Lyrik, Wien u. a. 1980
  • Graben Sie nicht eigenmächtig!, Linz 1980
  • Johanna, Baden 1982
  • Lockergedichte, Wien 1983
  • Kindernazi, Salzburg u. a. 1984
  • Gemeinschaftsarbeit, Siegen 1989 (zusammen mit Ernst Jandl und Friederike Mayröcker)
  • Schwänzellieder, Wien 1991
  • Immer wenn ich heftig regne, Wien 1992
  • Traumberichte, Linz u. a. 1998
  • Affenzucker, Wien u. a. 1999
  • Gesammelte Aufsätze und andere Meinungsausbrüche aus fünf Jahrzehnten, Klagenfurt u. a.
    1. In der Szene, 2000
    2. Konfrontationen, 2001
  • Streichelchaos - Spontangedichte, Klagenfurt u.a. 2004
  • Erinnerung an die Hoffnung - Gesammelte autobiographische Aufsätze, Wien 2008

Herausgebertätigkeit[Bearbeiten]

  • Publikationen einer Wiener Gruppe junger Autoren, Wien, H. 1.1951 – 8.1953
  • Hertha Kräftner: Warum hier? Warum heute?, Graz 1963 (zusammen mit Otto Breicha)
  • Ernst Kein: Straße des Odysseus, Wien 1994

Literatur[Bearbeiten]

  • Andreas Okopenko. Texte und Materialien, hrsg. v. Klaus Kastberger. Wien: Sonderzahl 1998. (= Forschung/Österreichisches Literaturarchiv; 2) ISBN 3-85449-130-1.
  • Andreas Okopenko, hrsg. von Konstanze Fliedl und Christa Gürtler (= Dossier Nr. 23). Graz - Wien: Literaturverlag Droschl 2004. ISBN 3-85420-673-9

Weblinks[Bearbeiten]