Argentinischer Film

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

Der Argentinische Film hat eine lange Tradition, die bis ins späte 19. Jahrhundert zurückreicht und wichtiger Bestandteil der Landeskultur ist. Die Filmindustrie des 20. Jahrhunderts brachte viele Schauspieler und Regisseure hervor, die den argentinischen Film zu einem der wichtigsten in der spanischsprachigen Welt machten.[1]

Stummfilmzeit[Bearbeiten]

Nur ein Jahr nach dem Debüt in Paris wurde am 18. Juli 1896 im Teatro Odeón in Buenos Aires das „Lumière Cinématographe“ gezeigt. Nur vier Monate später wurden die ersten argentinischen Filme gezeigt, es handelte sich um drei Kurzfilme, die Sehenswürdigkeiten in Buenos Aires zeigten. Aus patriotischen Gründen wird heute jedoch La bandera argentina angesehen, von dem man ausgeht, er wurde damals Anfang 1897 als vierter Kurzfilm produziert. 1900 entstand der erste Dokumentarfilm („Viaje del Doctor Campos Salles a Buenos Aires”, auf deutsch: Die Reise des Dr. Campos Salles nach Buenos Aires). 1901 eröffneten die ersten Kinos in Argentinien.

In der Folgezeit experimentierten viele Künstler mit diesem neuen Medium. Themen wurden aus der argentinischen Geschichte und Literatur genommen. Dazu gehört „Nobleza Gaucha“ von 1915, der von Martín Fierro inspiriert war. 1917 spielte der Tangomusiker Carlos Gardel im Film „Flor de durazno“ mit. Ein bekannter Regisseur der 1920 Jahre war José A. Ferreyra. In vielen seiner Werke traten zwei der damals populärsten Stars (Alvaro Escobar und Elena Guido) auf. Gegen Ende der 1920 Jahre wurde oft auch der Tango eingebunden. Mit der Erfindung des Tonfilms nahmen solche Filme noch zu.

1930er bis 1950er[Bearbeiten]

Die Einbindung von Ton in Filme hatte große Auswirkungen auf das argentinische Kino. Der erste Tonfilm wurde 1930 produziert, 1931 wurde der erste Film, der „Vitaphone“ benutzte, hergestellt. José A. Ferreyra inspirierte damit andere Regisseure, ebenfalls Tonfilme zu schaffen. 1933 kam das „Movietone Sound System” nach Argentinien, dieses erlaubte sowohl Sprache als auch Musik im Film. Auch die ersten kinematographischen Studios wurden gegründet. Populäre Schauspieler der 1930er Jahre waren u. a. Amelia Bence, Tito Lusiardo, Aida Alberti, Armando Bo, Floren Delbene, Arturo García Buhr und Tita Merello, die in „Casamiento en Buenos Aires“ die Hauptrolle innehatte. Manuel Romero war ab ca. 1935 einer der berühmtesten Regisseure des Landes und arbeitete oft mit Luis Sandrini zusammen.

In den 1930ern und 1940ern schufen 5000 Künstler durchschnittlich 42 Filme pro Jahr und machten Argentinien zu einer der führenden Filmindustrien weltweit. Der Schwerpunkt lag auf populären und politischen Themen mit sozialkritischem Anstrich.

Die zunehmende Beliebtheit US-amerikanischer Filme, Druck durch die katholische Kirche und die Zunahme von Zensur durch die Regierung Peróns begrenzte das Wachstum der argentinischen Filmindustrie. Nicht zuletzt führte die Schikane zum Exil einer Reihe bekannter Schauspieler. Das abnehmende Interesse an einheimischen Filmen führte 1957 zur Gründung des „Instituto Nacional de Cinematografía“, dessen Aufgabe es u. a. war, Filme zu finanzieren. Die Erfindung des Fernsehens, in Argentinien mit dem „Canale 13“ 1951 eingeführt, übte weiteren Druck auf die Filmindustrie aus.

Das Genre Horrorfilm, insgesamt eher weniger beachtet im argentinischen Kino, wurde von Narciso Ibáñez Menta mit seinen „Dracula“-Verfilmungen abgedeckt, die sowohl Kinogänger als auch Fernsehschauende wach hielten.

1960er und 1970er[Bearbeiten]

Fernando Pino Solanas, 2008

Ab den späten 1950er Jahren entwickelte sich eine neue Generation von Filmemachern sowohl technisch als auch ästhetisch so weit, dass argentinische Werke auch auf internationalen Festivals gezeigt wurden. Zu ihnen gehörte u. a. Fernando "Pino" Solanas, der die Unruhen Ende der 1960er Jahre zeigte. Andere Regisseure begnügten sich nicht mehr ausschließlich mit dem Drehen von Filmen, sondern schrieben auch selber die Drehbücher dazu. „Alias Gardelito von 1961 befasste sich mit der Problematik, trotz Armut ein ehrliches Leben zu führen. Der Titel des Films spielt auf Carlos Gardel an, der musikalisches Vorbild für die Hauptfigur war. Oft wurden Filme auch in Zusammenarbeit mit Spanien produziert und es traten sowohl argentinische als auch spanische Künstler in ihnen auf. Ein populäres Genre der Zeit waren auch Slapstick-Filme.

Die Innovation des „Ciné Vérité“ in Frankreich beeinflusste auch argentinische Filmemacher wie Sergio Renán. Sein erster Film, „La tregua”, wurde gleich für einen Oscar nominiert.

Die schwierigen, wechselhaften Zeiten führten auch zur Nostalgie. Klassiker der Literatur wurden erneut verfilmt, darunter wieder das Nationalepos „Martín Fierro“ (1968). Ab ca. 1965 bis Anfang der 1970er wurden auch viele Sex-Komödien produziert und schockierten das Publikum mit einer bisher nicht gezeigten Menge nackter Haut.

Die Militärdiktatur ab 1976 führte erneut zu Zensur, weshalb argentinische Filmemacher sich auf unbeschwerte, fröhliche Themen verlegten. Eines der bekanntesten Werke dieser Zeit ist „La nona“ (Die Großmutter).

Ein weiterer Film, der die Aufmerksamkeit des argentinischen Publikums erreichte, war der Phantastische Film "Nazareno Cruz y el lobo" von Regisseur Leonardo Favio. In diesem Film verarbeitete Leonardo Favio eine Legende, die ein Teil der Guarani-Mythologie ist und Parallelen zu europäischen Werwolfsagen ausweist. "Nazareno Cruz y el lobo" lockte mehr als 3,4 Millionen Menschen in die Kinos und galt bis dato als erfolgreichster Film Argentiniens.

1980er und 1990er[Bearbeiten]

Eine Lockerung der Zensur Anfang der 1980er führte zum “Schlammschlachten-Kino“, in dem Themen wie Korruption und Straflosigkeit angeprangert wurden, ohne direkt die derzeitigen Machthaber zu nennen. Andere Werke befassten sich mit der Verletzung der Rechte von Arbeitern. Mit der Rückkehr zur Demokratie nahm auch die Beliebtheit von Slapstick- und Komödien-Filmen ab und ernstere Themen wurden bevorzugt. Auch die gerade erst überwundene Vergangenheit der Diktatur und des „Schmutzigen Kriegs“ wurde filmisch aufgearbeitet. Zu den bekanntesten Werken gehören Die offizielle Geschichte von Luis Puenzo und Sur von Solanas. Eine zweite Gruppe von Filmen beschäftigte sich mit Exil und Heimweh, z. B. Fischermanns „Los dias de junio“ von 1985. Auch kontroverse Literatur und Geschichte des 19. Jahrhunderts wurde verfilmt, darunter auch „Hombre mirando al sudeste“, eine Kurzgeschichte von Adolfo Bioy Casares, die 2001 als K-Pax in den USA ein Remake erlebte.

1987 wurde das „INCAA”, das Nationale Institut für Kino und Audiovisuelle Kunst, gegründet, das seitdem 130 „Art House“-Filme in Spielfilmlänge produziert hat.

Die 1990er erlebten eine Zeit des „Neuen Kinos“, geprägt u. a. von unabhängigen Produktionen. Themen wie Kriminalität, Existenzangst, Überleben, Entfremdung, Identitätssuche und unterdrückte Sexualität wurden Inhalt von Produktionen wie Adolfo Aristarains „Un lugar en el mundo“ (Ein Platz in der Welt) von 1992, der auch für einen Oscar nominiert wurde, „Rapado“ von Martín Rejtman, aus dem gleichen Jahr oder Pizza, Bira, Faso (von Adrián Caetano und Bruno Stagnaro) und Mundo Grúa (Regie Pablo Trapero). Von Trapero stammen auch El Bonaerense und Nacido y Criado. Aber auch das reiche kulturelle Erbe des Landes inspirierte die Filmemacher, so wurde z. B. die Lebensgeschichte der Bildhauerin Lola Mora verfilmt. Auch die politische Geschichte blieb Gegenstand, darunter „Eva Perón”, eine Antwort auf Evita von Alan Parker.

2000 bis heute[Bearbeiten]

Buenos Aires ist nach wie vor das Zentrum der argentinischen Filmindustrie. Das neue Jahrtausend begann jedoch mit der größten Wirtschaftskrise der Geschichte Argentiniens. Diese und ihre Auswirkungen auf die Menschen wurden in einer Anzahl von Filmen thematisiert. Ab 2004 ging es wieder aufwärts, als Präsident Kirchner verkündete, ausstehende Filmförderungen der letzten drei Jahre nachzahlen zu wollen und keine Zollabgaben mehr für Filmmaterial zu verlangen.

Als Argentiniens Antwort auf Woody Allen wird Daniel Burman angesehen, der u.a. Esperando al Mesíah, El Abrazo Partido und Derecho de Familia gedreht hat. Fabián Bielinsky, von dem einer der bekanntesten argentinischen Filme, Nine Queens, stammt, hat auch Regie geführt bei El Aura, dem offiziellen Beitrag Argentiniens für den Academy Award 2006. Ebenfalls für den Oscar nominiert war Der Sohn der Braut von 2001. Im Jahr 2010 gewann "El Secreto de sus ojos" ("In ihren Augen") von Juán José Campanella den Oscar zum Besten fremdsprachigen Film. In der Hauptrolle spielte Ricardo Darín.

Bekannte Regisseurinnen der letzten Zeit sind Lucrecia Martel und Sandra Gugliotta. Von Martel stammen u.a. La Ciénaga und La Nina Santa, Gugliotta drehte Un Día de Suerte. Lucía Puenzo, Tochter von Luis Puenzo, erhielt 2007 einen Preis in Cannes für ihr Werk XXY.

Seit den Anfängen des argentinischen Films wurden mehr als 2500 Werke produziert, die anteilig meisten in den Jahren 2004 und 2005 mit 66 bzw. 63 Filmen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jorge Finkielman: The film industry in Argentina. An illustrated cultural history. McFarland, Jefferson, N.C. 2004, ISBN 0-7864-1628-9.
  • Daniela Ingruber (Hrsg.): Filme in Argentinien (Lateinamerikanistik; Bd. 10). Lit-Verlag, Münster 2012, ISBN 978-3-643-50415-9.
  • John King, Nissa Torrents (Hrsg.): The garden of forking paths. Argentine cinema. British Film Institute, London 1988, ISBN 0-8517-0220-1.
  • Joaquin Manzi: Aux armes, cinémas! Argentine 1966–1976. CNED, Paris 2013, ISBN 978-2-13-060727-4.

Siehe auch[Bearbeiten]

Cóndor de Plata

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Neue Zürcher Zeitung: In einem kinoverrückten Land. Bericht über das Filmfestival BaFiCi in Buenos Aires mit Informationen über das Argentinische Kino, online-Artikel vom 29. April 2010; abgerufen am 3. Dezember 2013.