Ballspiel

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Ballspiel im Rokoko, Kupferstich von Daniel Chodowiecki, 1774

Als Ballspiel werden Spiele mit einem Ball bezeichnet. Gilt das Spiel als Sportart, so spricht man auch von Ballsportarten. Unter Ballsportarten werden auch Kugelsportarten subsumiert.

Ballspiele sind auf der ganzen Welt vor allem als Kinderspiele beliebt und bekannt, weil sie der Funktionslust, dem Bewegungs- und Gesellungsbedürfnis der Kinder entgegenkommen.[1] Im Erziehungsbereich werden sie wegen ihrer Attraktivität gern der Schulung des Koordinationsvermögens, des körperlichen Geschicks, des Reaktionsvermögens und der Konditionssteigerung dienstbar gemacht.[2] Jedoch spielen auch Erwachsene gerne Ball.

Für die meisten Ballspiele wird heute ein elastischer, mit Luft aufgepumpter PVC-Ball verwendet, der abwaschbar ist und sich gut werfen und fangen lässt. Doch grundsätzlich lassen sich alle Arten von Bällen für Ballspiele verwenden.

Geschichte[Bearbeiten]

Beim Ballspiel, Wandmalerei Schloss Runkelstein

Ballspiele waren bereits seit dem Altertum beliebt und in Europa weit verbreitet. Bereits Homer schildert in der Odyssee, wie Nausikaa, die Tochter des Phaiaken-Königs Alkinoos, und ihre Mägde Ball spielen und dabei den in einem Gebüsch schlafenden Odysseus wecken.[3] Ballspiele wurden besonders von der Oberschicht, dem Adel, und vom Bürgertum gespielt. Auf Schloss Runkelstein bei Bozen ist auf einem Wandgemälde aus der Zeit um 1395 ein dem Völkerball ähnliches Ballspiel dargestellt.

Eine kultische Bedeutung hatte das Mesoamerikanisches Ballspiel der Azteken, das auch bei den Maya, Mixteken, Tolteken, Totonaken und Zapoteken in Mittelamerika betrieben wurde.[4]

Formen[Bearbeiten]

Spieldidaktik und Spielmethodik unterscheiden zwischen den sogenannten „Kleinen Ballspielen“ und den „Großen Sportspielen“.

Kleine Ballspiele[Bearbeiten]

Die „Kleinen Ballspiele“ werden schon von Kleinkindern praktiziert: Einen Ball rollen, werfen, fangen gehört zu den ersten Kontaktaufnahmen mit dem Spielgerät. Mit zunehmender Geschicklichkeit folgt das Spiel mit Partnern. Tretze, Jonglieren, Footbag, Wandspiele stellen erhöhte Anforderungen. Parteienspiele wie Schlagball, Faustball oder Tischtennis begleiten das Spielen dann während der gesamten Schulzeit. Prellball, Fußballtennis, Spinnenfußball oder Ball-über-die-Schnur kommen dem Grundbedürfnis nach Bewegung und einfachen Spielen in Arbeitspausen, am Strand, in Urlaubsfreizeiten entgegen.[5] Im Jugend- und Erwachsenentraining spielen die „Kleinen Ballspiele“ eine wichtige Rolle bei der Vorbereitung auf die „Großen Sportspiele“. Im Sportunterricht dienen sie als Aufwärmspiele zum Stundenbeginn oder als emotionaler Stundenausklang.[6] Auf Spielfesten bilden sie das Zentrum des Vergnügens für alle Altersstufen.[7]

Große Sportspiele[Bearbeiten]

Zu den sogenannten „Großen Sportspielen“ zählen Spiel- und Sportwissenschaft Spielformen, die unter Maßgabe eines komplizierten Regelwerks ablaufen und hohe Ansprüche an das technische Können und die Kondition der Spielenden stellen. Bei Wettspielen überwachen Schiedsrichter das Einhalten der Regeln und den fairen Spielablauf. Als solche „Großen Ballspiele“ werden etwa die Sportspiele Fußball, Volleyball, Hallenhandball, Basketball oder Tennis angesehen. Sie sind oft in Vereinen organisiert und können in ihrem Leistungsniveau bis zur Professionalität gesteigert werden.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Siegbert A. Warwitz, Anita Rudolf: Wie Spielen entsteht und warum Menschen spielen, In: Dies.: Vom Sinn des Spielens. Reflexionen und Spielideen. Baltmannsweiler 3. Auflage 2014. S. 8-17
  2. J.C.F. Guts Muths: Spiele zur Übung und Erholung des Körpers und des Geistes. Schnepfental 1796 (Berlin 1959)
  3. Homer, Odyssee 6,100-117
  4. Glyn Daniel: Enzyklopädie der Archäologie; ein Nachschlagewerk mit über 1800 Begriffen, Abbildungen, Karten und Plänen. Nikol, Hamburg 1998, ISBN 3-930656-37-X, S. 65
  5. Siegbert A. Warwitz, Anita Rudolf: Spielend sich bewegen, In: Dies.: Vom Sinn des Spielens. Reflexionen und Spielideen. 3. Auflage. Schneider, Baltmannsweiler 2014, S. 40-45
  6. Volker Döhring: Kleine Spiele zum Beginn und Ende der Sportstunde. 2. Auflage. Wiebelsheim 2014
  7. Klaus Moosmann (Hrsg.): Das große Limpert-Buch der Kleinen Spiele. Bewegungsspaß für Jung und Alt. 2. Auflage. Limpertverlag, Wiebelsheim 2011

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ballspiele – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien