Schlagball

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Schlagball ist eine Mannschaftssportart mit zwölf Spielern pro Team, die als Ursprung des Baseball gilt. Ähnliche Spiele sind das russische Lapta, polnische Palant und das rumänische Oina.

Spielgedanke[Bearbeiten]

Das Schlagballspiel ist ein Spiel, bei dem sich 2 Parteien von je 12 oder auch 6 Spielern gegenüberstehen. Gekämpft wird um das Schlagrecht und die höhere Punktzahl nach einer festen Spieldauer. Die Schlagpartei (nach Guthsmuths die herrschende Partei) verteidigt das Schlagrecht und die Feld- oder Fangpartei (nach Guthsmuths die dienende Partei) versucht es zu erringen. Die Schlagpartei mit dem wechselnden Schläger besetzt das Schlagmal und versucht durch Schläge ihre Läufe zum Laufmal hin- und herzubringen.

Die Feldpartei (mit den Fängern) besetzt das Lauffeld und den Schrägraum in beliebigen Verteilungen. Die Fänger versuchen, die geschlagenen Bälle zu fangen oder aufzunehmen, durch Zuspiel die laufenden Schläger einzukreisen und abzuwerfen oder zu treffen, über die Grenzen des Lauffeldes zu treiben oder den Ball zurück ins Schlagmal zu werfen, um den Gegner am Gewinn weiterer Punkte zu hindern.

Bei erfolgreichem Feldspiel der Feldpartei und mit jedem Wechselpunkt erhält die Feldpartei das Schlagrecht, sie wird zur neuen Schlagpartei. Verbunden mit dem Malwechsel zum Schlagmal können die Spieler der neuen Schlagpartei sofort wieder von der neuen Fangpartei abgeworfen werden.

Gerätschaften[Bearbeiten]

Spielgerät ist ein Lederball, der Schlagball. Das Gewicht des Balles soll vor dem Spiel mindestens 70 g, höchstens 85 g betragen, der Umfang 19 cm bis 21 cm. Das Leder soll wegen der Blendung im Sonnenschein nicht hell gefärbt sein. Der Regelball sei rot, jedoch ist mit Zustimmung beider Teams jede Farbe erlaubt.

Das Schlagholz, auch Klippe genannt, darf unbegrenzt lang sein; es muss aus einheitlichem Naturholz und kreisrund sein und darf am unteren Ende im Durchmesser bis zu 3 cm dick sein. Das Griffende und der Schaft des Holzes können dünner und mit Handschlinge oder Endknauf versehen sein. Das Schlagende darf nicht künstlich beschwert werden. Ein Umwickeln mit Draht, Leder und dergleichen ist verboten. Jeder Spieler darf sein eigenes Schlagholz benutzen, falls es den obigen Bestimmungen entspricht. Alle in das Spiel gebrachten Geräte sind Gemeingut.

Die Tickstangen stecken 10 m vor dem Ende des Schlagfeldes in 4 m Abstand im Boden.

Spielfeld[Bearbeiten]

Das rechteckige Spielfeld ist 70 m x 25 m mit einem sich anschließenden Weitschlagfeld, das sich aus einer Verlängerung der Diagonalen durch das Spielfeld ergibt. Die Grundlinie ist das Schlagmal, die gegenüber liegende Linie ist das Fangmal. 10 m vor dem Fangmal stehen zwei Tickstangen mit einem Abstand von 4 m. Laufmale sind die Tickstangen. Hinter dem Spielfeld schließt sich in Verlängerung der Diagonalen des Spielfeldes das Weitschlagfeld an.

Das Fangmal ist in den Spielregeln nach Guthsmuths das Laufziel, in den neueren Spielregeln sind lediglich die Tickstangen das Laufziel.[1]

Spielverlauf[Bearbeiten]

Ein Spiel dauert eine Stunde, es gibt keine Pause.

Schlagmannschaft[Bearbeiten]

Die Spieler der Schlagmannschaft bringen in der Reihenfolge ihrer Nummern den Ball ins Spiel, indem sie ihn sich selber vorwerfen und mit dem Schlagholz zu treffen versuchen. Gelingt das, hat der betreffende Spieler das Laufrecht. Gelaufen werden darf allerdings nur, wenn der Ball gültig ins Spiel gebracht wurde; also wenn der Ball in das Spielfeld oder darüber hinaus in das Weitschlagfeld geschlagen wurde.

Kommt der Ball außerhalb dieses Bereiches wieder zu Boden oder rollt er nach Bodenberührung in der vorderen Hälfte des Spielfeldes ins Aus, so ist er 'tot' und es darf nicht gelaufen werden. Ist er jedoch gültig ins Spiel gebracht, so dürfen alle Spieler der Schlagmannschaft, die das Laufrecht erworben haben, laufen. Ziel des Laufens ist es, quer durch das Spielfeld zu einer der Tickstangen und wieder zurück ins Schlagmal zu laufen. Hin- und Rücklauf müssen nicht auf einmal geschehen, man kann sie auch auf mehrere Schläge verteilen. Nach erfolgtem Lauf erhält der Spieler erneut das Schlagrecht.

Feldmannschaft[Bearbeiten]

Die Feldmannschaft versucht den geschlagenen Ball zu fangen oder vom Boden aufzunehmen und damit einen Läufer der Schlagmannschaft abzuwerfen. Im Schlagmal, an der Grundlinie und an den Tickstangen kann ein Spieler nicht abgeworfen werden.

Wechsel[Bearbeiten]

Gelingt das Abwerfen, so findet sofort ein Wechsel statt. Das heißt, dass die bisherige Schlagmannschaft umgehend zur neuen Feldmannschaft wird und umgekehrt. Während die neue Feldmannschaft sich nunmehr über das Spielfeld verteilt, müssen die Spieler der neuen Schlagmannschaft schnellstmöglich ins Schlagmal oder an die Tickstangen eilen, da sie ansonsten sofort abgeworfen werden können, was einen erneuten Wechsel zur Folge hätte.

Wechselbedingungen[Bearbeiten]

Trifft der Ball eines Feldspielers einen Spieler der Schlagmannschaft, wird sofort gewechselt. Verlässt ein Spieler der Schlagmannschaft beim Laufen das Spielfeld, wird dies mit einem Strafwechsel geahndet.

Punkteregeln[Bearbeiten]

Für bestimmte Leistungen werden einzelne Punkte vergeben. Es gibt vier verschiedene Möglichkeiten Punkte zu erhalten, diese sind gleichwertig und werden zum Punktestand addiert.

Laufpunkt[Bearbeiten]

Schafft es ein Spieler der Schlagmannschaft nach Erwerb des Laufrechts zu einer der Tickstangen und zurück ins Schlagmal zu laufen, ohne das zwischenzeitlich ein Wechsel stattgefunden hat, so erhält die Schlagmannschaft einen Laufpunkt.

Weitschlagpunkt[Bearbeiten]

Schlägt ein Spieler den Ball über das Spielfeld hinaus in das dahinter liegende Weitschlagfeld, also weiter als 70 m, so erhält die Schlagmannschaft einen Weitschlagpunkt.

Wechselpunkt[Bearbeiten]

Wird ein Läufer von einem Spieler der Feldmannschaft abgeworfen, so erhält die Feldmannschaft einen Wechselpunkt. Erzwingt die Feldpartei durch Abdrängen eines Läufers der Schlagmannschaft aus dem Spielfeld hinaus den Wechsel des Schlagrechts, erhält sie ebenfalls einen Wechselpunkt.

Fangpunkt[Bearbeiten]

Wird der geschlagene Ball von einem Spieler der Feldmannschaft direkt aus der Luft, mit einer Hand und ohne Nachgreifen gefangen, so erhält die Feldmannschaft einen Fangpunkt. Fangpunkte werden auch bei ins Aus geschlagenen, ungültigen Schlägen der Schlagmannschaft durch Fangen des Balls gemacht.

Organisation[Bearbeiten]

Schlagball ist eine alte Sportart, die sich bis in Nachkriegszeiten in Deutschland größter Beliebtheit erfreute. Seither ist es etwas ruhiger geworden, aber noch lange nicht ganz still. Der Schlagballsport lebt noch. Bis in die 1950er Jahre wurde Schlagball als Turnspiel im Deutschen Turner-Bund wettkampfmäßig betrieben, danach noch einige Jahre im Sportunterricht an Schulen gelehrt.

Ursprünge[Bearbeiten]

Der Ursprung der heute noch bekannten Schlagballspiele geht weit in die Geschichte zurück. Es gilt als historisch belegt, dass bereits Maya, Inka und Chinesen Spiele hatten, bei denen der Ball mit keulenförmigen Schlägern vorangetrieben wurde. Die Parallelen zum Schlagballsport sollten nicht überbewertet werden.

Schlagball in Deutschland[Bearbeiten]

Ende des 18. / Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelten sich in Europa mehrere verwandte Sportarten, so in England Rounders und Cricket (Criquet), Pelota im Baskenland sowie Schlagball in Deutschland (in Österreich auch bekannt als Kaiserball). Die wirkliche Entstehungsgeschichte bleibt im Dunkeln. Interessant ist die Quelle von J.C.F. Guthsmuths (1796).[2]

Baseball ein Kind des Schlagballs[Bearbeiten]

Es waren europäische Auswanderer, die aus der Heimat die Spiele mitbrachten, aus denen sich in Nordamerika Mitte des 19. Jahrhunderts dann der heute so populäre Baseballsport entwickelte. Paradoxerweise waren es amerikanische Soldaten, die nach dem Zweiten Weltkrieg Baseball mit nach Deutschland brachten (quasi als Re-Import) und die Sportart vor allem in Süddeutschland bekannt machten.

Schlagball als Meisterschaftsturnier[Bearbeiten]

Schlagball ist aus der Mode gekommen. Die letzte offizielle Deutsche Meisterschaft errang 1954 der TV Arbergen aus Bremen.[3]

Schlagball heute[Bearbeiten]

Heute ist Schlagball nur noch selten zu sehen. Gespielt wird unter anderem in Kiel, Köln, Berlin, Hamburg und Osnabrück. In Kiel finden zweimal im Jahr große Turniere statt, an denen sich alle Mannschaften beteiligen können. In den Sommerferien findet auf den Inseln Langeoog und Spiekeroog ein Wettkampf zwischen den beiden Inselteams statt. Während früher Langeoog dominierte, hat jetzt Spiekeroog die Oberhand. Außerdem findet auf Spiekeroog jedes Jahr zu Himmelfahrt ein großes Jugendturnier auf Einladung der Hermann-Lietz-Schule Spiekeroog statt. Die Kreisjugendfeuerwehr des Landkreises Diepholz führt in ihrem Zeltlager jedes Jahr ein Schlagball-Turnier durch. Die Dorfjugend Luttum veranstaltet jedes Jahr ein traditionelles Schlagballspiel.

Rudimente[Bearbeiten]

Von dem einst verbreiteten Wettkampf ist heute der Schlagballweitwurf in der Kinderleichtathletik und bei Bundesjugendspielen übrig geblieben.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Spielregeln heute
  2. J.C.F. Guthsmuths: Bewegungsspiele - Das deutsche Ballspiel
  3. Ein Klub mit zwei Besonderheiten. Auf: weser-kurier.de, 23. August 2011. Abgerufen am 4. November 2011

Weblinks[Bearbeiten]