Schloss Runkelstein

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Schloss Runkelstein
Schloss Runkelstein

Schloss Runkelstein

Alternativname(n): Castel Roncolo
Entstehungszeit: 1237
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: erhalten
Ort: Ritten
Geographische Lage 46° 31′ 3,2″ N, 11° 21′ 32,4″ O46.51754311.358997Koordinaten: 46° 31′ 3,2″ N, 11° 21′ 32,4″ O
Schloss Runkelstein (Südtirol)
Schloss Runkelstein

Schloss Runkelstein (italienisch Castel Roncolo) ist eine mittelalterliche Burg in Südtirol, die wegen ihres umfangreichen profanen Freskenzyklus bekannt ist.

Lage[Bearbeiten]

Das Schloss liegt unweit von Bozen auf einem fast allseits geschützten Felsen hoch über der Talfer, am Eingang zum Sarntal auf Rittner Gemeindegebiet. Die Anlage besteht aus der eigentlichen Burganlage und einer weitläufigen Vorburg. Anders als viele Burganlagen Südtirols, die in der Neuzeit stark umgebaut wurden, hat Runkelstein seinen mittelalterlichen Charakter bewahrt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Anlage wurde mit einiger Sicherheit 1237 durch die Brüder Friedrich und Beral von Wangen (vgl. Burg Wangen-Bellermont) neu erbaut. Schon 1274 wurde sie bei einer Belagerung durch Meinhard II., Graf von Tirol, stark beschädigt und verfiel. Bereits im 14. Jahrhundert wurde sie wieder instand gesetzt. 1385 erwarben die Brüder Franz und Niklaus Vintler die Burg und begannen 1388 mit dem Umbau und der Ausmalung. 1390 wurde die Burgkapelle eingeweiht. 1520 wurde das „Gewölbe an der Porten“ durch eine Pulverexplosion zerstört, die Ringmauer aber bereits 1531 wiederhergestellt. 1574 wurde die Burg unter den Herren von Liechtenstein erneut umgebaut, die auch im Mezzaningeschoss ihre Wappen hinterließen. 1672 zerstörte ein Brand den Ostpalas. Im 18. Jahrhundert kam die Burg wieder an die Mensa der Trientner Fürstbischöfe.

Schloss Runkelstein nach der Sanierung um 1898

1833 besuchte König Ludwig I. von Bayern die Burg und trug sich als erste Person in das noch erhaltene Gästebuch ein. Ein Teil des Sommerhauses stürzte 1868 durch einen Felssturz in die Tiefe der Schlucht. Um 1880 schließlich wurde die Anlage von Erzherzog Johann Salvator gekauft und Kaiser Franz Joseph von Habsburg geschenkt. In der Folge wurde die Burg durch den Wiener Dombaumeister Friedrich von Schmidt von 1884 bis 1888 wiederhergestellt und 1893 an die Gemeinde Bozen verschenkt, die sie noch heute besitzt.

Anlage[Bearbeiten]

Innenhof von Schloss Runkelstein

Die Anlage gliedert sich in mehrere Bauteile, die um den Burghof angeordnet sind. Im Westen liegt der viergeschossige Westpalas mit der „Badestube“, einem Raum mit sehr gut erhaltenen Fresken aus der Zeit der Vintler. Im Norden schließt sich das ab 1390 errichtete Sommerhaus an, das nach Osten hin in den ehemaligen Küchentrakt übergeht. Die Ostseite der Burganlage wird vom Ostpalas mit der angeschlossenen, ursprünglich zweigeschossigen, Burgkapelle eingenommen. In der Südostecke steht der von 1884 bis 1888 wieder errichtete Bergfried. Das Wirtschaftsgebäude im Süden ist ebenfalls ein Zubau des 19. Jahrhunderts. Im Inneren der Burg hat sich von der originalen Einrichtung sehr wenig erhalten.

Freskenzyklus[Bearbeiten]

Eingang des Schlosses Runkelstein, 1898

Die Anlage weist den größten profanen Freskenzyklus des Mittelalters, der von 1388 bis ca. 1410 entstanden ist, auf. Zu den ältesten Teilen gehören die Wandmalereien in der 1390 geweihten Burgkapelle. Die Bilder zeigen in der noch romanischen Apsis eine Kreuzigungsgruppe und am Triumphbogen das Opfer von Kain und Abel. Rechts der Kapellentür beginnen Szenen aus der Vita des Hl. Christophorus, die sich an der Nordwand fortsetzen. Die Westwand wird von Szenen aus dem Leben der Hl. Katharina von Alexandrien eingenommen und an der Südwand sind die Reste der Legende des Hl. Antonius Abbas zu erkennen. Im westlichen Palas finden sich im Mezzanin des ersten Obergeschosses 1995 freigelegte höfische Szenen und im Stockwerk darüber ritterliche Spiele sowie die bekannte Badestube mit einer sehr gut erhaltenen Ausmalung von etwa 1400. Die Wände werden von roten gemalten Wandbehängen bedeckt, über welche sich gemalte Arkadengänge ausdehnen. In den einzelnen Arkaden stehen männliche und weibliche Figuren in höfischer Kleidung, sowie an der Südwand Tierdarstellungen. Im dritten Obergeschoss des westlichen Palas finden sich Jagddarstellungen und das Lanzenturnier, das vor 1402 gemalt wurde. Im angrenzenden Zimmer der Liebespaare sind miteinander kommunizierende Paare sowie die Darstellung eines Kolbenturniers zu erkennen. Bekannt sind auch die Terraverdemalereien von Tristan und Isolde im Sommerhaus (um 1410), sowie der seltene Zyklus des Artusritters Garel vom blühenden Tal. An der Außenseite des Sommerhauses finden sich neun Triaden, Dreiergruppen von Personen, die untereinander in einem Zusammenhang stehen. Die Malerei an den Triaden entstand kurz nach 1393. Es finden sich Gestalten aus der Antike wie Hektor, Alexander der Große und Julius Caesar, biblische Personen wie Josua, König David und Judas Makkabäus, weiters König Artus, Karl der Große und Gottfried von Bouillon, Margarethe Maultasch,[1] Sagengestalten wie Dietrich von Bern, Siegfried und Dietleib von Steier sowie Riesen und Zwerge. Die große Bedeutung der Runkelsteiner Fresken liegt auch darin, dass sie eine einzigartige Quelle für die Bekleidungsgeschichte des späten Mittelalters, insbesondere des 14. Jahrhunderts darstellen. Es ist möglich, verschiedene Einflüsse aus unterschiedlichen Gegenden auf die dargestellte Gewandung abzulesen.

Schloss Runkelstein kann besichtigt werden und beherbergt wechselnde Ausstellungen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Walter Haug, Joachim Heinzle, Dietrich Huschenbett, Norbert H. Ott: Runkelstein. Die Wandmalereien des Sommerhauses, Wiesbaden: L. Reichert 1982. ISBN 3-88226-132-3
  • Schloss Runkelstein: die Bilderburg, Bozen: Athesia 2000. ISBN 88-8266-093-1
  • Anja Grebe u. a.: Schloss Runkelstein, Regensburg: Schnell & Steiner 2005. ISBN 3-7954-1740-6

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Runkelstein Castle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Restaurierung und Ausbau (PDF; 2,2 MB), Im Centralblatt der Bauverwaltung, Nr. 43, 25. Oktober 1884, S. 441 und 442, abgerufen am 1. Januar 2013