Bastar (Distrikt)

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Distrikt Bastar
Lagekarte des Distrikts
Bundesstaat Chhattisgarh
Verwaltungssitz: Jagdalpur
Fläche: 10.083 km²
Einwohner: 1.411.644 (Zensus 2011)
Bevölkerungsdichte: 140 Ew./km²
Website: bastar.nic.in

Der Distrikt Bastar ist ein Distrikt des indischen Bundesstaates Chhattisgarh. Verwaltungszentrum ist die Stadt Jagdalpur.

Geographie und Landwirtschaft[Bearbeiten]

Chitrakot-Fall im Monsun

Der Distrikt Bastar liegt im Süden Chhattisgarhs an der Grenze zum Bundesstaat Orissa. Nachbardistrikte sind Dantewada im Südwesten, Narayanpur im Nordwesten, Kondagaon (alle Chhattisgarh) sowie in Orissa Nabarangpur im Nordosten und Koraput im Südosten. Vor der Abspaltung des Distrikts Kondagaon im Jahr 2012 hatte der Distrikt Bastar eine Fläche von 10.083 Quadratkilometern. Der Distrikt war in die zwölf Tehsils Keshkal, Baderajpur, Kondagaon, Makadi, Pharasgaon, Jagdalpur, Lohandiguda, Bastanar, Bastar, Bakaband, Tokapal und Darbha unterteilt.

Das Gebiet befindet sich auf einem Plateau etwa 600 bis 700 m hoch. Der Distrikt ist immer noch stark bewaldet, jedoch sind die Bäume in den felsigen Gebieten verkümmert. Dort dominieren Balanites rexburghii, Gerber-Akazie (Senegalia catechu, lokal khair genannt) sowie Bombax malabaricum (semar). Als Nutzbäume ist die Palmyrapalme (Borassua flabifeller) am häufigsten. Der Anteil an bewässerten Feldern ist gering, Nassreis, mit einem durchschnittlichen Ertrag von 984 Kilogramm/Hektar, ist jedoch die wichtigste Bodenfrucht. Es gibt praktisch keine Industrie. Eine Bahnlinie führt von der Endstation Kirandul über Jagdalpur nach Osten.

Der Indravati, der den Distrikt im Norden in westlicher Richtung durchfließt ist der einzige bedeutende Fluss. Sein knapp 30 Meter hoher Chitrakot-Wasserfall ist eine Sehenswürdigkeit des Distrikts. Von Süden her mündet der Dantewada.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Frühgeschichte der Region Bastar liegt im Dunkeln. Einige Inschriften[1] scheinen darauf hinzudeuten, dass im 11. Jahrhundert eine Nagvanshi-Dynastie, mit der Hauptstadt in Barsur herrschte. Das Reich war unter dem Namen Chakrakot bekannt. Der Staat Kanker, wurde 1192 von Bir Kanhar Deo gegründet. Das Chakrakot-Königreich verfiel unter den häufigen Angriffen aus dem Süden und wurde schließlich Teil des rajputischen Warangal-Reiches der Kakatiyas. Deren bedeutendster Herrscher war Pratap Rudra Deo, der 1492 in einer Schlacht mit Ahmad Shah Bahman fiel. Der Bruder des Getöteten Annam Deo verließ Warangal und begründete sein neues Reich in Bastar. Der Ort blieb bis 1750 Hauptstadt des Fürstenstaates Bastar. Der Herrscher Dalpat Deo verlegte seine Hauptstadt ins 18 km südöstlich gelegene Jagdalpur. Zu dieser Zeit kam es zu ersten Angriffen der Marathen. Der Staat kam dann 1853 unter britisches Protektorat. Im Jahre 1891 hatte der Staat eine Größe von 33.830 Quadratkilometern und eine Bevölkerung von 196.000, von denen 36.000 den „Stammesvölkern“ (vgl. Adivasi) zugerechnet wurden.[2] Besonders die letztere Bevölkerungsgruppe zeigte sich gegenüber dem kolonialen System renitent. Bis 1947 war der Distrikt, besonders um die Hauptstadt herum, Schauplatz etlicher Aufstände. Die bedeutendsten waren: Halba-Rebellion (1774-79), Tarapur-Aufstand (1842-54), Meria-Rebellion (1842-63), Koi-Revolte (1859), Muria-Aufstand (1876) und der Bhumkal (1910).[3]

Nach der indischen Unabhängigkeit 1947 wurden die Fürstenstaaten Bastar und Kanker als Distrikt Bastar in die Central Provinces eingegliedert, aus denen 1956 der Bundesstaat Madhya Pradesh hervorging. Der Distrikt Bastar umfasste anfangs ein weitaus größeres Gebiet als heute: Mit rund 40.000 Quadratkilometern war er einer der größten Distrikte Indiens. 1998 wurde der ursprüngliche Distrikt Bastar in die Distrikte Bastar, Kanker und Dantewada aufgeteilt. Letzterer umfasste auch die heutigen Distrikte Bijapur und Sukma. Im Jahr 2000 kam Bastar zum neugegründeten Bundesstaat Chhattisgarh, der aus dem Ostteil Madhya Pradeshs gebildet wurde. Vom verbliebenen Distrikt Bastar spalteten sich noch 2007 der Distrikt Narayanpur und 2012 der Kondagaon ab, sodass der Distrikt Bastar nur noch einen kleinen Teil der ursprünglichen Bastar-Region umfasst.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Frauen vom Stamm der Muria bei folkloristischer Darbietung

Nach der Volkszählung 2011 hat der Distrikt Bastar in seinen damaligen Grenzen (inklusive des Distrikts Kondagaon) 1.411.644 Einwohner. Dies entspricht einer Bevölkerungsdichte von 140 Einwohnern pro Quadratkilometer, was unter dem Durchschnitt Chhattisgarhs (189 Einwohner pro Quadratkilometer) liegt. Im Vergleich zur letzten Volkszählung 2001 war die Einwohnerzahl um 17,8 Prozent und damit etwas langsamer als im Mittel des Bundesstaates (22,6 Prozent) gewachsen. Bei einem Anteil der Stadtbevölkerung von nur 13,7 Prozent ist der ehemalige Distrikt Bastar deutlich ländlich geprägt. Die Alphabetisierungsquote ist deutlich unterdurchschnittlich: Nur 54,9 Prozent der Bevölkerung können lesen und Schreiben (der Durchschnitt Chhattisgarhs beträgt 71,0 Prozent).[4]

Die Mehrzahl der Einwohner des Distrikts Bastar gehört der indigenen Bevölkerung (Adivasi) an: Nach der Volkszählung 2001 wurden 66,3 Prozent der Einwohner des damaligen Distrikts Bastar (inklusive der heutigen Distrikte Kondagaon und Narayanpur) als Angehörige der Stammesbevölkerung (scheduled tribes) klassifiziert. Die größte Gruppe sind die Gond, die fast drei Viertel der Adivasi-Bevölkerung des ehemaligen Distrikts ausmachen, gefolgt von den Bhattra und Halba.

Der Distrikt Bastar ist ganz überwiegend hinduistisch: Nach der Volkszählung 2001 sind 96,9 Prozent der Einwohner des damaligen Distrikts Bastar Hindus. Christen (1,3 Prozent) Muslime (0,8 Prozent) und übrige Religionen (1,4 Prozent) stellen nur kleinere Minderheiten.[5]

Städte[Bearbeiten]

Stadt Einwohner
(2001)[6]
Frezarpur 9.630
Hatkachora 6.054
Jagdalpur 73.687
Kondagaon 26.772

Literatur[Bearbeiten]

  • S. C. Bhatt (Hrsg.): The Encyclopædic District Gazetteers of India. Volume 5: Central Zone: Madhya Pradesh. Gyan, New Delhi 1997, ISBN 81-212-0551-4, S 29–39.
  • Hira Lal Shukla: History of the People of Bastar. A Study in Tribal Insuregncy. Sharada Publishing House, Delhi 1992, ISBN 81-85616-04-3.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. abgedruckt in: Epigraghia Indica, Band IX und X
  2. Golden Book of India, 1893; S 63
  3. Details in: Shukla (1992)
  4. Census of India 2011: Provisional Population Totals. Paper 2 of 2011: Chhattisgarh.
  5. Census of India 2001: District Bastar (15), Chhattisgarh (22) (PDF; 54 kB)
  6. Census of India 2001: Population, population in the age group 0-6 and literates by sex - Cities/Towns (in alphabetic order)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bastar district – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien