Bemalte Kirchen im Gebiet von Troodos

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Dörfer mit Scheunendachkirchen im Troodos-Gebirge

Die Scheunendachkirchen sind im Troodos-Gebirge auf Zypern gelegene zyprisch-orthodoxe Kirchen, deren Form mit tief heruntergezogenen, gegen das regenreiche Klima schützenden Schindeldächern, meist aus Holzschindeln, ohne Glockenturm, an Scheunen erinnert. Einige Kirchen besaßen diese Dächer von Anfang an, so die Panagia Phorviotissa bei Nikitari, andere erhielten sie nachträglich, so die Kirche Agios Nikolaos tis Stegis bei Kakopetria. In ihrem grundlegenden Werk über ausgemalte Kirchen in Zypern zählen Andreas Stylianou und Judith A. Stylianou unter 61 Kirchen mindestens 29 Scheunendachkirchen.

Von außen erscheinen die Kirchen schlicht und rustikal. Damit kontrastieren innen die prächtig leuchtenden byzantinischen Fresken. Sie geben einen Überblick über die byzantinische und postbyzantinische Malkunst auf Zypern. Zehn der im Folgenden – in der Reihenfolge von Stylianou und Stylianou – beschriebenen elf Kirchen, nämlich alle außer der Ekklesia Theotokou in Galata, wurden in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

Elf Kirchen[Bearbeiten]

Agios Nikolaos tis Stegis, Kakopetria[Bearbeiten]

Die Kirche Αγίος Νικολάος της Στέγης, Agios Nikolaos tis Stegis, „Kirche des heiligen Nikolaus mit dem Dach“ liegt etwa fünf Kilometer außerhalb von Kakopetria an einem Bach. Sie wurde im frühen 11. Jahrhundert begonnen und später erweitert und mit ihrem Scheunendach versehen. Die Fresken stammen aus sechs Jahrhunderten.

Die feinen Züge eines überlebensgroßen heiligen Nikolaus von Myra, des Kirchenpatrons, aus dem 12. Jahrhundert verraten einen in Ikonen- und Freskomalerei erfahrenen Künstler. Neben seinen Schultern überreichen ihm, kleiner gemalt, Jesus eine Bibel und Maria ein Omophorion. Links unten steht ein Mönch, über ihm eine Bittinschrift. Ein heiliger Theodor und ein heiliger Georg aus dem 14. Jahrhundert, ebenfalls überlebensgroß, tragen farbenfreudige Uniformen. In einer „Geburt Jesu“ aus dem 14. Jahrhundert ist die Mutter als Maria lactans gezeigt; sie reicht dem Kind die linke Brust. In den Bergen klettern Ziegen mit Einsprengseln von Weiß in ihrem Fell. Ein junger Mann links spielt Flöte.

Panagia Podithou, Galata[Bearbeiten]

In Galata und der näheren Umgebung gibt es vier mit Fresken ausgemalte Kirchen.[1][2] Die Παναγία Ελεούσα της Ποδίθου, Panagia Eleousa tis Podithou, „Kirche der barmherzigen Gottesmutter von Podithou“, wurde laut Inschrift 1502 auf Wunsch und Kosten des französischen Adligen Demetrios de Coron und seiner Frau Helena errichtet. Sie gehörte zu einem heute verschwundenen Kloster. Sie ist von einer Mauer umgeben; auf dieser setzt das Satteldach auf, so dass zwischen Kirche und Mauer ein überdachter Gang entsteht. Die Gemälde sind aus der Erbauungszeit und zeigen deutlich den Einfluss der westlichen Renaissance.

Das gilt besonders für eine Kreuzigung im Westgiebel. „Die symbolische Behandlung in der byzantinischen Kunst hat westlichem dramatischen Erzählen Platz gemacht.“[3] Im linken Teil einer Apostelkommunion in der Apsis reicht Jesus sechs Aposteln, ihm zunächst dem Petrus, das Brot; Judas Ischariot wendet sich ab. Im rechten Teil reicht Jesus sechs Aposteln, ihm zunächst dem Paulus, den Wein. Engel begleiten Jesus.

Panagia Theotokos oder Archangelos, Galata[Bearbeiten]

Die Εκκλησία Θεοτόκου oder Εκκλησία του Αρχάγγελου Μιχαήλ, Ekklesia Theotokou oder Ekklesia tou Archangelou Michail, Kirche der Gottesmutter oder des Erzengels Michael, liegt unfern der Podithou.

Über dem Nordeingang haben sich die Stifter in einer Deësis darstellen lassen. Jesus thront, seine Mutter und Johannes den Täufer zu seinen Seiten. Die Inschrift lautet: „Diese ehrwürde Kirche der Jungfrau und Gottesmutter Maria wurde mit einer Stiftung von Herrn Stephanos Zacharias und seiner Frau Luisa errichtet. Betet für sie. Amen. Und sie wurde ausgemalt auf Kosten von Polos Zacharias und seiner Frau Madelena und ihrer Kinder. Betet für sie im Namen des Herrn. Das Gemälde wurde am 17. Januar 1514 von Symeon Axentis vollendet.“ Polos, schwarzgekleidet, wohl ein Sohn des Stephanos, hält ein Kirchenmodell in der Hand. Vor ihm kniet sein Sohn. Auf der anderen Seite des Familienwappens knien die weiblichen Familienmitglieder, Madelena und drei Töchter. Madelena hält einen Rosenkranz, vielleicht Erinnerung an ihre römisch-katholische Herkunft. Die älteste Tochter ganz rechts trägt ein griechisch geschriebenes Buch in der Hand. „Die Stifterportraits mit ihrer fein gezeichneten Kleidung bezeugen, dass Axentis ein Meister war, der auch nach der Natur arbeiten konnte – obwohl die byzantinische Malerei im Prinzip strengen, jahrhundertealten Regeln folgte, die wenig Raum für Innovation ließen.“[4] Im Weihnachtsbild ist der kahlköpfige Hirte vor Josef in ein dickes Schafsfell gekleidet.

Panagia Phorviotissa oder Panagia tis Asinou, Nikitari[Bearbeiten]

Panagia Phorviotissa

Die Kirche Παναγία Φορβιώτισσα στην Ασίνου, Panagia Phorviotissa stin Asinou, gehörte zu einem Kloster, das im 18. Jahrhundert verlassen wurde. Sie liegt etwa fünf Kilometer südlich von Nikitari. Der Name Φορβιώτισσα, Phorviotissa, leitet sich vielleicht von den Wolfsmilchgewächsen, Euphorbiaceae, ab, die hier reichlich wuchsen, der Name Ασίνου, Asinou, von einem Dorf Ἀσίνη, Asine, seinerseits benannt nach der antiken Siedlung Asine in der Argolis. Das tonnengewölbte Schiff der Kirche mit der Apsis stammt aus dem frühen, der überkuppelte Narthex mit Apsiden im Süden und Norden aus dem späten 12. Jahrhundert. Die Kirche besaß von vorneherein ein Holzdach. Das jetzige Holzdach wurde 1959 errichtet.[5] Die Wandmalereien stammen teils aus dem frühen 12., teils aus dem 14. Jahrhundert. In einer Nische der Südwand lautet eine Stifterinschrift: „Die Kirche der heiligen Theotokos wurde auf dringenden Wunsch und mit Mitteln des Magistros (Beamten) Nikolaos Ischirios ausgemalt, als Alexios der Komnene Kaiser war, im Jahr <1105/1106>.“

In der Apostelkommunion in der Ostapsis reicht Jesus dem Johannes ein goldenes Gefäß mit Wein, während Judas Ischariot sich wegwendet, um ihn zu verraten. In der westlichsten Nische der Nordwand sind die Vierzig Märtyrer von Sebaste dargestellt, die in Σεβαστή, Sebaste, dem heutigen Sivas in der Türkei, getötet wurden. Im Narthex schildert ein Jüngstes Gericht die Strafen der Verdammten, so das Heulen und ὁ βρυγμὸς τῶν ὀδόντων, Zähneklappern. Die heilige Anastasia von Sirmium trägt als Ἀναστασία Φαρμακολύτρια, Anastasia pharmakolytria, giftabwehrende Anastasia außer einem Kreuz ein Arzneigefäß in der Hand. Die Stifterin ist in die byzantinische Tracht der Zeit gekleidet.

Panagia tou Arakou, Lagoudera[Bearbeiten]

Am Rande von Lagoudera steht die überkuppelte εκκλησία της Παναγίας του Άρακος, Ekklesia tis Panagias tou Arakos aus dem späten 12. Jahrhundert. Der Name „tou arakou“ oder „tou arakos“ leitet sich ab von αρακάς, arakas, Erbse; Maria wurde oft mit dem Beinamen einer Pflanze angerufen. Weihinschriften datieren die Fresken ins Jahr 1192. Leon, Sohn eines byzantinischen Beamten, habe sie gestiftet – die vollständigste mittelyzantinische Ausmalung auf Zypern. „Da in Konstantinopel selbst keine Gemälde der Zeit erhalten sind, kommt der Betrachter hier so nah wie heute noch möglich an den Hofstil der Hauptstadt, bevor die Kreuzritter sie eroberten.“[6]

Die überlebensgroße Panagia Arakiotissa (mit einer Weihinschrift) befindet sich in einer Nische der Südwand. Maria steht vor einem Thron ohne Rückenlehne mit einem wurstförmigem Kissen. Traurig betrachtet sie das Kind, das sie trägt. Engel links und rechts halten die Leidenswerkzeuge Jesu. „Es ist die früheste byzantinische Darstellung einer Mater dolorosa.“ Vielleicht hat der Ernst der politischen Verhältnisse – die Eroberung Zyperns durch Isaak Komnenos 1185, dann durch Richard Löwenherz 1191, der Übergang an den Templerorden im selben Jahr und an das Haus Lusignan ein Jahr später – den Ernst des Gemäldes veranlasst. „Mariä Tempelgang“ befindet sich in der gegenüberliegenden Nische in der Nordwand. Nach dem Protoevangelium des Jakobus wurde die dreijährige Maria von ihren Eltern Joachim und Anna dem Dienst im Tempel zu Jerusalem übergeben. Sieben hebräische Jungfrauen mit silbernen Ohrringen und kostbar bestickten Gewändern folgen Joachim, Anna und Maria. Maria ist ein zweites Mal auf dem Dach des Tempels dargestellt, wie sie von einem Engel Brot empfängt.

Stavros tou Ayiasmati, Platanistasa[Bearbeiten]

Im östlichen Troodos, vier Kilometer von Platanistasa entfernt, steht die Εκκλησία του Τιμίου Σταυρού του Αγιασμάτι, Ekklesia tou Timiou Stavrou tou Agiasmati, Heilig-Kreuz-Kirche von Agiasmati. Der Beiname Agiasmati erinnert wohl daran, dass Flüchtlinge aus einem gleichnamigen Ort in Kleinasien nach der Eroberung von Konstantinopel 1453 hierher geflüchtet waren. Wie in der Panagia Podithou in Galata ruht das Holzdach auf einer die Kirche umgebenden Mauer, so dass ein gedeckter Umgang entsteht. Die Malereien stammen vom Ende des 15. Jahrhunderts. Darunter sind zwei Szenen der Bekehrung des Kaisers Konstantin zum Christentum und zehn Miniaturen der Auffindung des wahren Kreuzes Christi durch Konstantins Mutter Helena. Die Bilder erinnerten die Flüchtlinge an eine glücklichere Zeit.

In der „Gefangennahme Jesu“ nähert sich Judas von links. Rechts schneidet Petrus dem Malchus ein Ohr ab. Das bemerkenswerteste Detail ist der halbnackte junge Mann rechts mit einem Heiligenschein, der den Betrachter voll Sorge anblickt und dem der rechte Unterarm fehlt. Nach den Stylianous ist es Markus, der sich in seinem Evangelium selbst zum Augenzeugen gemacht habe (Mk 14,50–52 EU): Alle verließen Jesus und flohen. „Ein junger Mann aber, der nur mit einem leinenen Tuch bekleidet war, wollte ihm nachgehen. Da packten sie ihn; er aber ließ das Tuch fallen und lief nackt davon.“[7] In der „Verspottung Jesu“ tragen etliche der Spötter Musikinstrumente.

Timios Stavros, Pelendri

Timios Stavros, Pelendri[Bearbeiten]

Die Εκκλησία Τιμίου Σταυρού, Ekklesia Timiou Stavrou, Heilig-Kreuz-Kirche in Pelendri war im 13. Jahrhundert einschiffig. Später wurden ein nördliches und ein südliches Seitenschiff hinzugefügt. Aus diesen Zeiten stammen auch die Fresken. Bei Mariä Heimsuchung sind die beiden Kinder im Leib ihrer Mütter gezeigt, ein seltenes Detail in der byzantinischen Kunst.

Agia Sotira, Palaichori[Bearbeiten]

Die Εκκλησία της Μεταμορφώσεως του Σωτήρος oder Αγία Σωτήρα, Ekklesia tis Metamorphoseos tou Sotiros oder Agia Sotira, Kirche der Verklärung des Herrn in Palaichori stammt aus dem frühen 16. Jahrhundert. Sie ist mit einem der vollkommensten nach-byzantinischen Zyklen auf Zypern ausgemalt.

Bei der Apostelkommunion reicht Jesus nicht, wie meist, auf einer Seite sechs Aposteln das Brot und auf der anderen Seite sechs Aposteln den Wein. Hier sind es zwölf Apostel auf der linken und elf auf der rechten Seite – Judas, der links das Brot aus dem Mund genommen hat, fehlt rechts. „Während die Gewänder der Apostel an das 14. Jahrhunderts erinnern, zeigen die Gesichter Züge des 16. Jahrhunderts.“[8] Diffuses Licht mit aufgesetzten Glanzlichtern lässt das Gesicht Marias zwischen den Erzengeln Gabriel und Michael strahlen. Der heilige Georg legt eine Hand auf die Schulter des heiligen Demetrios von Saloniki, den die Legende zu seinem Bruder gemacht hat.[9] So erinnern sie an die antiken Dioskuren.

Agios Ionannis Lampadistis, Kalopanagiotis[Bearbeiten]

Im ehemaligen Kloster des Αγιος Ιωαννης Λαμπαδιστης, des heiligen Johannes Lampadistis, eines örtlichen Heiligen, in Kalopanagiotis sind mehrere Kirchen unter einem riesigen Schindeldach vereinigt. Die Fresken stammen aus dem 13. bis 16. Jahrhundert.

In der „Kirche des heiligen Irakleidios“, des ersten Bischofs von Tamassos, begleiten in einem Gemälde des 14. Jahrhunderts westliche Ritter Jesus auf dem Kreuzweg. In der „Lateinischen Kapelle“ wurde um 1500 der Hymnus Akathistos gemalt, ein Marienhymnus. Beim Aufbruch der μαγοι απο ανατολων, der drei Magier aus dem Osten, weist ein Engel auf einem Schimmel auf den Stern hin. Es sei ein Meisterwerk postbyzantinischer, italienisierender dreidimensionaler Malerei. Mit den beiden verwegenen Gestalten mit ihren phrygischen Mützen, die entgegengesetzt davonschreiten, werde eine perfekte Balance erzielt.[10]

Panagia tou Moutoullas

Ekklesia tis Panagias, Moutoullas[Bearbeiten]

Die Εκκλησία της Παναγίας, Ekklesia tis Panagias im Bergdorf Moutoullas enthält Wandmalereien aus dem Jahr 1280. Sie sind stark beschädigt. In der „Auferweckung des Lazarus“ an der Westwand gebietet Jesus gemäß dem Johannesevangelium (Joh 11 EU) dem Lazarus, aus dem Grab zu kommen. Ein junger Mann hält mit einer Hand das Ende einer Leinenbinde, in die Lazarus gewickelt ist, mit der anderen ein Tuch vor die Nase. Vor Jesus knien bittend Lazarus' Schwestern Maria und Martha.

Archangelos Michail, Pedoulas[Bearbeiten]

Die Εκκλησία του Αρχάγγελου Μιχαήλ, Kirche des Erzengels Michael, im Unterdorf von Pedoulas wurde laut Inschrift auf Kosten des Priesters Basil Chamados 1474 ausgemalt.

Im Stifterbild über dem Nordeingang überreicht er kniend in Priesterkleidung dem Erzengel ein Modell der Kirche. Hinter ihm stehen seine Frau und ihre zwei reich gekleideten Töchter. Innerhalb eines Zyklus von Bildern aus dem Neuen Testament zeigt die „Gefangennahme“, wie Jesus, ohne Judas zu beachten, sich Petrus zuwendet, der dem Malchus ein Ohr abgehauen hat. Die Soldaten, einige schnurrbärtig, tragen Panzerhemden, Dolche, Schwerter und Spieße. An der Westwand halten Kaiser Konstantin und seine Mutter Helena das Kreuz Jesu zwischen sich. Helena trägt juwelenbesetzte Ohrringe. Die heilige Κυριακη, Kyriaki, trägt auf ihrem Gewand Personifikationen der Heiligen Woche.

Literatur[Bearbeiten]

  • Rainer Eisenschmid (Hrsg.): Baedeker Reiseführer Zypern. 9. Auflage. Verlag Karl Baedeker 2011.
  • Andreas Stylianou und Judith A. Stylianou: The Painted Churches of Cyprus. Trigraph, London 1985. ISBN 0-9508026-1-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stylianou und Stylianou 1985, S. 84.
  2. Maria Constantoudaki-Kitromilides und Diomedes Myrianthefs: The Churches of the Virgin Podithou and of the Theotokos (or of the Archangel) in Galata. Bank of Cyprus Cultural Foundation, Nikosia 2007.
  3. Stylianou und Stylianou 1985, S. 104.
  4. Stylianou und Stylianou 1985, S. 92.
  5. Christodoulos Hadjichristodoulou und Diomedes Mirianthefs: Die Kirche Panagia tis Asinou. 2. Auflage. Bank of Cyprus Cultural Foundation, Nikosia 2011.
  6. Stylianou und Stylianou 1985, S. 180.
  7. Stylianou und Stylianou 1985, S. 194.
  8. Stylianou und Stylianou 1985, S. 269.
  9. Ökumenisches Heiligenlexikon. http://www.heiligenlexikon.de/BiographienD/Demetrios_von_Saloniki.html. Abgerufen am 10. Mai 2012.
  10. Stylianou und Stylianou 1985, S. 313.

Weblinks[Bearbeiten]