Billie Sol Estes

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Billie Sol Estes (* 10. Januar 1925 bei Clyde, Texas; † 14. Mai 2013 in Granbury, Texas) war ein US-amerikanischer Geschäftsmann und Bankier, der um 1960 eng mit dem späteren US-Präsidenten Lyndon B. Johnson befreundet war. Er gilt einigen Forschern als Schlüsselfigur beim Attentat auf John F. Kennedy.

Leben[Bearbeiten]

Estes wurde am 10. Januar 1925 als Kind von John und Lillian Estes auf einem Bauernhof in der Nähe von Clyde in Texas geboren. Er war eines von sechs Kindern des Ehepaars.

Um 1955 war er bereits einer der weltweit größten Händler von flüssigem Ammoniak-Dünger und unterstützte nebenbei die Demokratische Partei mit großzügigen Spenden. Er deutete auch verschiedentlich an, einzelne Politiker bestochen zu haben. Ende der 1950er Jahre begann er in großem Stil mit Hypotheken-Betrug, der 1962 schließlich aufgedeckt wurde. Die Anklage gegen ihn entwickelte sich zu einem der größten Korruptions-Skandale der USA, und Estes wurde zu 24 Jahren Gefängnis verurteilt. Später wurde das Urteil durch den Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten aufgehoben und Estes 1971 auf Bewährung entlassen. Der Journalist Oscar Griffin, Jr., der den Skandal aufgedeckt hatte, erhielt für seine Recherchen 1963 den Pulitzer-Preis.

Acht Jahre später kam Estes wegen eines anderen betrügerischen Delikts erneut vor Gericht und musste diesmal vier Jahre im Gefängnis verbringen. Im November 1983 wurde er entlassen.

Estes' Hinweise zum Kennedy-Mord[Bearbeiten]

Am 9. August 1984 richtete Estes’ Anwalt Douglas Caddy einen Brief an Stephen S. Trott vom Justizministerium der Vereinigten Staaten.[1] Darin bezichtigte er Lyndon B. Johnson, an der Ermordung von John F. Kennedy beteiligt gewesen zu sein. Eine Schlüsselrolle komme dabei Malcolm Wallace zu, einem Freund Johnsons, der einer der Attentäter gewesen sei. Zugleich bot Estes an, detaillierte Informationen über sieben weitere unaufgeklärte Morde aus dem Umfeld von Johnson zur Verfügung zu stellen, wenn ihm dafür Straffreiheit gewährt würde, zumal er an keinem dieser Verbrechen unmittelbar beteiligt gewesen sei. Der Deal kam nicht zustande, da Trott in seinem Antwortschreiben vom 13. September darauf bestand, dass Estes dem FBI wirklich sämtliche ihm bekannten Informationen zu den genannten Morden zur Verfügung stelle und keine darunter sind, die gegen ihn verwendet werden können.[2]

Im Mai 1998 gab jedoch der Forensiker A. Nathan Darby auf einer Pressekonferenz in Dallas bekannt, dass ein bisher nicht identifizierter Fingerabdruck im Texas School Book Depository von Wallace stamme.[3] Er war dort kurz nach dem 22. November 1963 von der Warren-Kommission sichergestellt worden und konnte 1998 durch Darby, den langjährigen Direktor der forensischen Abteilung der Polizei von Austin, Wallace zugeschrieben werden. Am 15. April 1998 wurde Darbys Gutachten durch E. Harold Hoffmeister, einen weiteren Experten für Fingerabdrücke, bestätigt.[4] Damit erschienen die von Estes geäußerten Beschuldigungen – zumindest im Kern – durchaus glaubhaft.

In seinem im November 2013 veröffentlichten Buch über den Kennedy-Mord berief sich auch der Politikberater Roger Stone auf Gespräche mit Estes und klagte Johnson posthum des Mordes an Kennedy an. Es ist zugleich das erste Buch, in dem ein Autor aus dem „inneren Zirkel der Macht“ und enger Freund mehrerer US-Präsidenten die Tat als Verschwörung bezeichnet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Pam Estes, Billie Sol: King of Texas Wheeler-Dealers, Noble Craft Books, 1984
  • Glen Sample & Mark Collom, The Men on the Sixth Floor, Garden Grove 1996
  • Barr McClellan, Blood, Money & Power: How L.B.J. Killed J.F.K., New York 2011
  • Philipp F. Nelson, LBJ: The Mastermind of the JFK Assassination, New York 2013
  • Roger Stone (mit Mike Colapietro), The Man Who Killed Kennedy: The Case Against LBJ, New York 2013, ISBN 978-1-62636-313-7

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Sample & Collom (1996), S. 150f.; Nelson (2013), S. 245–247; Stone (2013), S. 208
  2. Ebenda
  3. Vgl. McClellan (2011), Anhang, Exhibit G und I, mit Abbildungen und Darbys Gutachten vom 9. März 1998; Stone (2013), S. 212
  4. Ebenda, Exhibit H

Weblinks[Bearbeiten]