Bombardierung Algiers (1816)

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Bombardierung Algiers
Beschuss Algiers durch britische und niederländische Schiffe(Gemälde von Martinus Schouman)
Beschuss Algiers durch britische und niederländische Schiffe
(Gemälde von Martinus Schouman)
Datum 27. August 1816 bis 28. August 1816
Ort Algier, Algerien
Ausgang Alliierter Sieg
Folgen Befreiung von 1211 Gefangenen
Konfliktparteien
Osmanischer Vasallenstaat Algerien Osmanischer Vasallenstaat Algerien Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Großbritannien
NiederlandeNiederlande Niederlande
Befehlshaber
Osmanischer Vasallenstaat Algerien Dey Omar Agha Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Admiral Exmouth
NiederlandeNiederlande Vizeadmiral van Capellen
Truppenstärke
türkische Janitscharen,
algerische Milizen,
9 Fregatten und Korvetten, weitere kleinere Schiffe
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich 22 Linienschiffe und Fregatten
NiederlandeNiederlande 5 Fregatten, 1 Korvette
Verluste
5000 tote und verwundete Janitscharen,
6000 tote und verwundete Algerier
141 Tote (davon 13 Niederländer), 743 Verwundete (davon 52 Niederländer)
An Bord des britischen Flaggschiffs "Queen Charlotte" hielten die Admirale Exmouth und van Capellen Kriegsrat

Die Bombardierung der Stadt und des Hafens Algier durch eine vereinte britisch-niederländische Flotte im August 1816 war Teil der Kriege gegen die Piraterie in Nordwestafrika.

Ausgangssituation[Bearbeiten]

Mit Ende der Kriege gegen das napoleonische Frankreich im Mittelmeer war die britische Royal Navy nicht mehr auf die Neutralität der nordafrikanischen Barbareskenstaaten angewiesen und entschlossen, härter gegen Piratenübergriffe durchzugreifen. Vor allem die italienischen Teilstaaten hatten sich 1815 auf dem Wiener Kongress darüber beklagt, dass die britische Flotte italienische Schiffe und die italienischen Küsten schlechter vor maghrebinischen Piraten beschütze als Napoleon. Stärker als in den Kriegsjahren zuvor kaperten vor allem algerische, aber auch tripolitanische und tunesische Piraten die Besatzungen von Handelsschiffen und Fischerbooten, um Tribut und Lösegeld von den betroffenen Staaten zu erpressen.

Während eine US-amerikanische Flotte im Juni 1815 eine algerische Flotte vor der spanischen Hafenstadt Cartagena vernichtet und im Juli 1815 Algier beschossen hatte und nachdem kurz darauf eine tunesische Piratenflotte Sardinien heimgesucht hatte, zwang die Kanonenbootpolitik eines britischen Geschwaders unter Lord Exmouth Tunis und Tripolis zu Abkommen über die Respektierung der britischen Flagge und zur europäischen Sichtweise des Völkerrechts bzgl. der gefangenen Schiffsbesatzungen. Allein Omar Agha, der Dey von Algier, jedoch weigerte sich, ohne Zustimmung seines osmanischen Großherrn ein ähnliches Abkommen mit den Briten zu schließen. Stattdessen ließ er im Mai 1816 die Besatzungen von unter britischer Flagge im Hafen Bone liegenden italienischen Fischerbooten festnehmen und hinrichten.

Großbritannien entsandte eine Flotte von 22 Kriegsschiffen mit 702 Kanonen unter dem Befehl Admiral Exmouth’ nach Algier. Ihnen schlossen sich sechs niederländische Fregatten unter dem Kommando von Vizeadmiral Theodorus Frederik van Capellen an, die bereits im Juni 1816 den Hafen ausgekundschaftet hatten.

Verlauf der Schlacht[Bearbeiten]

Die vereinte Flotte drang in den Hafen ein und forderte die Freilassung aller in algerischen Kerkern befindlichen europäisch-christlichen Geiseln und die Rückgabe diverser Lösegelder.

Als der Dey auf Exmouths Forderungen mit Kanonen antwortete, begann die britisch-niederländische Flotte am 27. August mit dem Beschuss der Festung, des Hafens und der Stadt. Algerische Batterien feuerten anfangs heftig zurück. Durch den sechsstündigen Beschuss wurden aber die Festungsartillerie und die im Hafen liegende algerische Flotte vernichtet und fast die halbe Stadt mitsamt ihren Vorratsspeichern zerstört. Die Stadtbevölkerung wehrte sich verzweifelt, die Janitscharen jedoch drängten den Dey zum Nachgeben.

Folgen[Bearbeiten]

Zahlreiche algerische Zivilisten waren der Bombardierung zum Opfer gefallen. Am 28. August 1816 kam es zu einer Übereinkunft, durch die 1211 (nach anderen Angaben 1642) vorwiegend italienische Christensklaven freigelassen wurden und der Dey versprach, die Sklaverei an sich ebenso wie die Piraterie für immer aufzugeben.

Die Bombardierung Algiers beendete die Piraterie jedoch nicht. Omar Agha wurde von den Janitscharen gestürzt und schon 1817 überfielen algerische Piraten wieder Schiffe im Mittelmeer und auch im Atlantik sowie sogar in der Nordsee. Spanien und die italienischen Staaten mussten weiterhin Tribute an Algier entrichten. 1824 beschoss ein britisches Geschwader unter Admiral Neale erneut Algier.

Literatur[Bearbeiten]

  • Brockhaus Conversations-Lexikon, 1. Band, S. 305f. Leipzig 1851
  • Burchard Brentjes: Die Mauren - Der Islam in Nordafrika und Spanien, S. 280. Koehler & Amelang, Leipzig 1989
  • Franz Ansprenger: Geschichte Afrikas, S. 49. Beck, München 2002
  • Robin Leonard Bidwell: Dictionary of Modern Arab History, Seite 22f. London/New York 1998
  • William James: Naval History of Great Britain, Bd. VI, S. 397–410 online Version

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bombardierung Algiers (1816) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien