Borsch (Geisa)

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50.7330555555569.9644444444444277Koordinaten: 50° 43′ 59″ N, 9° 57′ 52″ O

Borsch
Stadt Geisa
Wappen von Borsch
Höhe: 270–285 m
Einwohner: 669 (31. Dez. 2007)
Eingemeindung: 8. März 1994
Postleitzahl: 36419
Vorwahl: 036967
Karte

Stadtteil Borsch

Ansicht von Norden

Ansicht von Norden

Borsch ist ein Ortsteil der Stadt Geisa im Wartburgkreis in Thüringen.

Geografie[Bearbeiten]

Borsch liegt an der hessisch-thüringischen Landesgrenze, etwa 20 Kilometer (Luftlinie) westsüdwestlich der Kreisstadt Bad Salzungen, in der Thüringischen Rhön, im Ulstertal. Zum Ort Borsch gehört der Ortsteil Lützenbachshof.

Geschichte[Bearbeiten]

Mit der Borscher Schnabelkanne - einem bedeutenden Bodenfund vom Flurstück „Borscher Aue“ kann die Besiedlung des Ortes weit vor Christi Geburt belegt werden. Erstmals taucht Borsch am 27. März 815 in der Schreibweise „Borseo“ in einer Urkunde auf, Kaiser Ludwig der Fromme vermachte den Ort (Villa Borsaha) dem Benedektinerkloster Fulda als Schenkung. Die erste, noch als gotische Kapelle erbaute Kirche wurde teilweise zerstört, der Turm blieb erhalten. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde das beschädigte Bauwerk noch benutzt, 1692 erfolgte ein Umbau zur Saalkirche. In den 1730er Jahren wurde ein Neubau beraten. Der Bau begann um 1740 und wurde vom Fuldaer Fürstabt Adolf von Dalberg als Maria-Magdalenenkirche geweiht. Im Jahr 1691 entstand die Andachtskapelle Maria Heimsuchung am Ortsrand, deren Errichtung nach der Sage auf die Stiftung eines Ortsadeligen aus dem Geschlecht der Boyneburger zurückgeht, dessen Tochter an dieser Stelle vom Blitz erschlagen worden sein soll.

Der berühmteste Sohn des Dorfes ist Johannes Koch, der zur Zeit der Französischen Revolution Professor für Metaphysik und Direktor der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg wurde. Im Jahr 1955 lebten im Ort 1079 Einwohner.[1]

Politik[Bearbeiten]

Beitritt zur Einheitsgemeinde Geisa[Bearbeiten]

Borsch schloss sich am 8. März 1994 durch gemeinsamen Vertrag mit den Orten Bremen, Geisa (mit Wiesenfeld) und Otzbach (mit Geblar) zur neuen Einheitsgemeinde Geisa zusammen und verlor damit die politische Selbstständigkeit.[2] In Borsch gibt es einen von der katholischen Pfarrgemeinde eingerichteten Kindergarten und einen Saal der Pfarrgemeinde als öffentliche Gebäude.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „Gespalten; vorn in Rot eine silberne Butte mit goldenen Riemen; hinten von Silber und Schwarz geviert.“[3] Das Wappen wurde am 14. Januar 1994 genehmigt. Es symbolisiert zwei einflussreiche Adelsgeschlechter der Rhön im Wappen. Die silberne Butte in Rot ist das Wappen derer von Buttlar und kann auch als Hinweis auf den Einfluss des Fürstbistums Fulda verstanden werden. Constantin von Buttlar war 1714-1726 Fürstabt in Fulda. Ein schwarz-silbern gevierter Wappenschild ist das Symbol derer von Boyneburg. Die Gemeinde führt die Motive ihres Wappens seit Beginn dieses Jahrhunderts im Ortssiegel. Das Wappen wurde vom Heraldiker Uwe Reipert gestaltet.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Baudenkmale[Bearbeiten]

  • Die katholische Pfarrkirche St. Maria-Magdalena wurde 1738 vom italienischen Baumeister Andrea Gallasini errichtet. Borschs Dorfkirche ist neben einer Reihe weiterer Barockkirchen der Rhön ein Zeuge der starken Aktivität Fuldischer Kirchenfürsten in jener Zeit. An der Westseite der Kirche verweist ein Wappenstein auf den Bauherrn - Fürstabt Adolf von Dalberg.[4]
  • Die Kapelle Maria Heimsuchung befindet sich Ortsrand, die festliche Einweihung nahm Fürstabt Placidus von Droste im Jahr 1695 vor.[4]

Naturdenkmale[Bearbeiten]

Das Naturschutzgebiet Auewäldchen liegt etwa einen Kilometer nördlich der Ortslage in Richtung der Nachbargemeinde Buttlar und hat eine Gesamtfläche von 27 Hektar, es wurde bereits am 11. September 1967 ausgewiesen.[5]

Sport[Bearbeiten]

Überregional bekannt ist der Fußballverein des Ortes, der SV Borsch 1925, welcher von 2008 bis 2012 in der Thüringenliga spielte. Seit der Saison 2012/13 spielt man in der Landesklasse Süd und verpasste den direkten Wiederaufstieg nur knapp. Aber bereits in der darauffolgenden Saison gelang dem SV Borsch mit einem souveränen 1. Platz der Wiederaufstieg in Thüringens Oberhaus. Die Heimspiele werden im Sportpark "An der Ulster" ausgetragen.[6]

Blaskapelle / Musikverein[Bearbeiten]

Im Oktober 1980 gründeten sieben Musiker der Gemeinde einen Musikverein. Initiator der Gründung war der damalige katholische Ortspfarrer, Engelbert Dietrich. Im Laufe der folgenden Jahre konnten weitere aktive Musiker aus den benachbarten Gemeinden im thüringischen Ulstertal wie Motzlar, Schleid, Geisa, Buttlar und Wenigentaft hinzugewonnen werden. Es war der Grundstein für die Blaskapelle aus Borsch in der Rhön gelegt, die fortan unter dem Namen "Ulstertaler Musikanten" aktiv musizieren. Mit anfänglichem Schwerpunkt auf dem Gebiet der Kirchenmusik wurde nach und nach das Repertoire stetig erweitert. Neben der regelmäßigen Probearbeit gab es in der Vergangenheit Auftritte bei zahlreichen Musikwettbewerben und Leistungsvergleichen, Kirchenkonzerte, Prozessionen, Märsche und Umzüge. Heute ist das Programm stark ausgerichtet auf volkstümliche Blasmusik sowie böhmische Polkas und Walzer. [7] Natürlich nehmen die Ulstertaler Musikanten immer auch gern Bezug auf ihre Heimat, die Rhön und lassen das regionale Liedgut nicht zu kurz kommen.

Sonstige Vereine[Bearbeiten]

Das kulturelle Leben der Gemeinde Borsch ist stark geprägt durch eine abwechslungsreiche Vielfalt. Hierbei sind neben den bereits erwähnten Sportverein und der örtlichen Blaskapelle, der Männergesangsverein Concordia, die Landfrauen, der Geschichtsverein, der Backhausverein und die Freiwillige Feuerwehr zu nennen.

Kirmes[Bearbeiten]

Seit langer Tradition findet am ersten Wochenende im Oktober in Borsch die Kirmes (Kirchweih) statt. Die Jugendlichen der Gemeinde Borsch arrangieren sich jährlich zu einer Kirmesgesellschaft und bereiten jedes Jahr ein entsprechendes Fest unter Mitwirkung aller anderen Vereine.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Borsch (Geisa) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Paul Luther, Rat des Kreises Bad Salzungen, Abt. Volksbildung (Hrsg.): Materialien für den Heimatkundeunterricht - Kreis Bad Salzungen, Bezirk Suhl. Bad Salzungen 1959, Struktur vom Bezirk Suhl (Übersicht der Orte und Einwohnerzahlen der Landkreise), S. 5–11.
  2.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7.
  3. Neues Thüringer Wappenbuch Band 3 Seite 96; Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft Thüringen e.V. 1998 ISBN 3-9804487-3-8
  4. a b Georg Voss (Hrsg.): Borsch. In: Bau- und Kunst-Denkmäler Thüringens. Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach. Amtsgerichtsbezirk Geisa. Heft XXXVII. Verlag=Gustav Fischer Verlag. Jena 1911 S. 90–95
  5.  Klaus Schmidt: Der Wartburgkreis. Natur und Landschaft. In: Wartburgkreis (Hrsg.): Naturschutz im Wartburgkreis. 7, Druck und Verlagshaus Frisch, Eisenach und Bad Salzungen 1999, S. 87.
  6. Homepage des SV Borsch, aufgerufen am 22. Mai 2012
  7. Chronik der Ulstertaler Musikanten, Blaskapelle aus Borsch in der Rhön