C. G. Haenel

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C. G. Haenel
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Rechtsform GmbH
Gründung 1840
Auflösung 1945, Wiedergründung 2008
Sitz Wappen Suhl.svg Suhl
Branche Waffenhersteller
Website cg-haenel.de

Die historische Gesellschaft C. G. Haenel (ursprünglich: C. G. Haenel Waffen- u. Fahrradfabrik Suhl) befasste sich mit Fahrrad- und Leichtmaschinenbau sowie mit der Waffenfertigung und gehört damit zu den ältesten Unternehmen in der Region Suhl, die sich der Konstruktion und Herstellung von Militär- und Zivilwaffen widmeten. Das Unternehmen wurde 1840 in Suhl gegründet und 1945 im Zuge der sowjetischen Besatzung als eigenständiges Unternehmen aufgelöst bzw. in die VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk „Ernst Thälmann“ überführt. Im Jahre 2008 nahm die C. G. Haenel GmbH, Suhl, ausgestattet mit Haenel-Lizenz- und -Markenrechten, ihren Betrieb wieder auf und stellt in Suhl wieder Jagdgewehre her.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Alte Schmiede, erstes Fabrikgebäude in der Suhler Bahnhofstraße

Der preußische Gewehrfabrikskommissar Carl Gottlieb Haenel begann 1840 mit der Produktion von Fahrrädern und Waffen – einer Sortimentskombination, die in dieser Zeit nicht unüblich war, weil sie vergleichbare Produktionsmittel und Fertigkeiten erforderte. Auch Simson (Suhl) stellte sowohl Zweiräder als auch Waffen her. Im Jahr 1887 trat der Suhler Waffenkonstrukteur C. W. Aydt in das Unternehmen ein, um in einer eigens dafür gegründeten Sportwaffen-Abteilung seine Aydt-Scheibenbüchse + später mit gleichem System die Aydt-Scheibenpistole zu produzieren.[2] Als die Deutsche Reichswehr 1879 den Reichsrevolver M1879 und später M1883 einführte, verband sich Haenel für einige Zeit mit dem Sportwaffenfabrikanten V. Ch. Schilling als „Suhl Consortium“ und gewann einen Fertigungsanteil an dieser Auftrags-Produktion (Kennzeichnung: „VCS CGH Suhl“) des Reichsrevolvers. Haenel produzierte Jagdwaffen und auch Bajonette für das Deutsche Heer. Während des Ersten Weltkrieges stellte C. G. Haenel auch große Mengen des Mauser Karabiners (System 98) her.

1920 bis 1934[Bearbeiten]

Mit dem Eintritt des Ingenieurs Hugo Schmeisser 1921 wurden zunächst Taschenpistolen nach Schmeisser Patenten gefertigt.[3] Gleichzeitig begann damit die Ära der automatischen Waffen bei Haenel: Trotz des Verbotes durch den Versailler Vertrag arbeitete Hugo Schmeisser an der Entwicklung von Maschinenpistolen. Hugo Schmeisser war der Sohn des berühmten Waffenkonstrukteurs Louis Schmeisser, der bei Bergmann in Suhl Maschinengewehre entwickelt hatte. Hugo Schmeisser hatte bei Bergmann gelernt und dabei viel Wissen über automatische Waffen angesammelt – er wurde später auch als „Vater des automatischen Karabiners“ bezeichnet.[4] Über die Lizenzvergabe der Entwicklungen von Hugo Schmeisser an ausländische Waffenhersteller kam es 1919 zum Bruch zwischen ihm und der Familie Bergmann. Gemeinsam mit seinem Bruder Hans Schmeisser hatte Hugo Schmeisser 1919 das Unternehmen „Industriewerk Auhammer Koch und Co.“ in Suhl gegründet. In diese Zeit fiel der erste Kontakt zu Haenel. Das war der Beginn einer 20 Jahre währenden Zusammenarbeit. Zur Absicherung seiner Patentrechte gründete Hugo Schmeisser im Sommer 1922 ein zweites Unternehmen unter der Firma „Gebrüder Schmeisser“ in Suhl. Dieser Schachzug sollte verhindern, dass Schmeisser im Konkursfall des Unternehmens Auhammer sämtliche Patente verloren gingen. Da auch Haenel in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckte, traten im Frühjahr 1925 die Brüder Schmeisser als Prokuristen ein. Haenel übernahm Auhammer mit sämtlichen Aktiva und Passiva womit ein Konkurs des Unternehmens verhindert werden konnte. Die Brüder Schmeisser blieben Prokuristen von Haenel, obwohl sie Anteilseigner und faktisch geschäftsführende Gesellschafter des Unternehmens waren.

Trotz der Bestimmungen des Versailler Vertrages liefen die Entwicklung und der Test von Maschinenpistolen bei Haenel weiter. Im Jahr 1928 wurde die weiter entwickelte MP18 als MP28 vorgestellt. Die MP28 benutzte ein 32-schüssiges Stangenmagazin. Die MP28 war wieder ein zuschießender Rückstoßlader mit Masseverschluß. Die Waffe kam nach 1928 bei der deutschen Polizei zum Einsatz. Über einen Lizenzvertrag mit dem belgischen Unternehmen Bayard erfolgten Lieferungen nach Südafrika, Spanien, China und Japan. Noch fast zehn Jahre später kam die MP28 im spanischen Bürgerkrieg zum Einsatz. Trotz der konstruktiven Erfolge von Hugo Schmeisser geriet Haenel in den Jahren 1929 bis 1934 mehrmals in Konkursgefahr.[5]

1935 bis 1944[Bearbeiten]

Um an den zu erwartenden staatlichen Rüstungsaufträgen nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten von 1933 entscheidend Anteil zu haben, schlossen sich 1934 die zehn Suhler und Zella-Mehlisser Waffenbetriebe zu einer Vereinigung unter dem Namen „Vereinigte Suhl-Zella-Mehlisser Waffenfabriken“ zusammen. Diese Vereinigung organisierte die direkten Beziehungen zu den Dienststellen der Heeresverwaltung. Die einzelnen Waffenfabriken aus Suhl errichteten darüber hinaus eigene Büros in Berlin.[5] Die Heereszeugämter kennzeichneten Haenel-Produkte mit dem Abnahmestempel (fxo).[6]

Nach 1935 erlebte Haenel in der Waffenproduktion einen enormen Aufschwung. Im Gegensatz zu vielen anderen Konstrukteuren partizipierten die Brüder Schmeisser über Lizenzgebühren und Anteile persönlich am Geschäft.

Ab 1938 wurde bei Haenel eine neue automatische Waffe mit einem ebenfalls neuen Kaliber entwickelt. Diese neue automatische Waffe hatte eine Kurzpatrone, Kaliber 7,92 x 33 mm. Die Waffe sollte sich durch höhere Leistung von der MP38/40 absetzen und unter sparsamer Verwendung von Material in hoher Stückzahl produziert werden. Es entstand im spanlosen Blechformverfahren, die so genannte Blechprägetechnik und mit ihrer Hilfe der erste Maschinenkarabiner der Welt. Diese Waffe wurde zuerst unter der Bezeichnung Mkb42 bekannt, in der Folge unter MP43. Bereits 1943 wurden 10.000 Stück für die Front produziert, doch Hitler verbot im gleichen Jahr Weiterentwicklung und Produktion. Erst 1944, als die neue Waffe im Truppenversuch einen durchschlagenden Erfolgt hatte, genehmigte Hitler die Massenproduktion des inzwischen in MP44 umbenannten Gewehrs. Im April 1944 erhielt die neue Waffe die Bezeichnung „Sturmgewehr 44“.

1945[Bearbeiten]

Am 3. April 1945 besetzten amerikanische Truppen die Stadt Suhl und verhängten für alle Waffenfabriken ein Produktionsverbot. Ende Juni 1945 räumten die Amerikaner Thüringen, und die Rote Armee besetzte das Werk. Im August 1945 wurden 50 Haenel Sturmgewehre 44 aus vorhandenen Montageteilen zusammengebaut und von der Roten Armee zur technischen Auswertung in die Sowjetunion überstellt, außerdem 10.785 Blatt technische Zeichnungen zur Fertigung von Militärwaffen.[5]

Haenel in der Zeit der DDR[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Haenel Werke von den Alliierten als Rüstungsbetrieb eingestuft, das Werk 1946 weitgehend demontiert und als Reparationszahlung in die Sowjetunion transportiert. Mit VEB Fahrzeug und Jagdwaffenwerk Suhl „Ernst Thälmann“ begann Ende der 1940er-Jahre wieder die Waffenproduktion in Suhl. Unter der Marke Haenel Suhl wurden nach dem Krieg unter anderem Luftdruckgewehre und Jagdkarabiner hergestellt.

Repetierbüchse Jaeger.10 (2010)

Haenel heute[Bearbeiten]

Seit 2008 gibt es in Suhl wieder Gewehre der Marke Haenel. Die C. G. Haenel GmbH, Suhl, stellt diese Waffen im Verbund mit der Suhl Arms Alliance her, zu der auch die Jagdgewehrmanufaktur Merkel gehört. Erstes Produkt des Unternehmens war 2008 das Präzisionsgewehr-System RS8, 2009 die größere Variante RS9 im Kaliber .338 Lapua. 2009 wurde ein Sortiment von Kipplauf-Jagdgewehren der Serie Jaeger.8 präsentiert. 2010 zeigt Haenel auf der Internationalen Waffenausstellung IWA in Nürnberg den Repetierer Jaeger.10, die ursprünglich von Heckler & Koch entwickelte Selbstladebüchse SLB 2000+, die Kipplaufbüchse Jaeger.9 und die Bockflinte Jaeger.11 und ist damit Komplettsortimenter für Jagdgewehre.

Produkte[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Norbert Moczarski: Die Ära der Gebrüder Schmeisser in der Waffenfabrik Fa. C. G. Haenel Suhl 1921–1948. Ein weitgehend unbekanntes Kapitel Suhler Industriegeschichte. In: Jahrbuch des Hennebergisch-Fränkischen Geschichtsvereins 1999, Hildburghausen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Offizielle Website
  2. [1]
  3. [2]
  4. [3]
  5. a b c Norbert Moczarski: Die Ära der Gebrüder Schmeisser in der Waffenfabrik C. G. Haenel Suhl 1921–1948. Ein weitgehend unbekanntes Kapitel Suhler Industriegeschichte. In: Jahrbuch des Hennebergisch-Fränkischen Geschichtsvereins 1999, Hildburghausen, S. 237–268.
  6. [4]