Zella-Mehlis

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Zella-Mehlis
Zella-Mehlis
Deutschlandkarte, Position der Stadt Zella-Mehlis hervorgehoben
50.6610.652777777778500Koordinaten: 50° 40′ N, 10° 39′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Schmalkalden-Meiningen
Höhe: 500 m ü. NHN
Fläche: 28,09 km²
Einwohner: 10.785 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 384 Einwohner je km²
Postleitzahl: 98544
Vorwahl: 03682
Kfz-Kennzeichen: SM, MGN
Gemeindeschlüssel: 16 0 66 092
Adresse der
Stadtverwaltung:
Rathausstraße 4
98544 Zella-Mehlis
Webpräsenz: www.zella-mehlis.de
Bürgermeister: Richard Rossel (parteilos)
Lage der Stadt Zella-Mehlis im Landkreis Schmalkalden-Meiningen
Altersbach Aschenhausen Belrieth Benshausen Bermbach Birx Breitungen Brotterode-Trusetal Christes Dillstädt Einhausen (Thüringen) Ellingshausen Erbenhausen Fambach Floh-Seligenthal Frankenheim/Rhön Friedelshausen Grabfeld (Gemeinde) Grabfeld Henneberg (Thüringen) Hümpfershausen Kaltensundheim Kaltenwestheim Kühndorf Leutersdorf Mehmels Meiningen Meiningen Melpers Metzels Neubrunn Oberhof Oberkatz Obermaßfeld-Grimmenthal Oberschönau Oberweid Oepfershausen Rhönblick Rippershausen Ritschenhausen Rohr Rosa Roßdorf (Thüringen) Rotterode Schmalkalden Schwallungen Schwarza Springstille Steinbach-Hallenberg Stepfershausen Sülzfeld Unterkatz Untermaßfeld Unterschönau Unterweid Utendorf Vachdorf Viernau Wahns Wallbach Walldorf (Werra) Wasungen Wölfershausen Zella-Mehlis ThüringenKarte
Über dieses Bild
Blick über Zella-Mehlis und Suhl-Nord
Verkehrskreisel am Ortseingang
Blick auf den Ortsteil Zella mit Kirche St. Blasii
Blick auf Zella-Mehlis, OT Mehlis
Marcel-Callo-Platz Zella-Mehlis mit katholischer Kirche auf der rechten Seite
Blick Richtung Ski-und Rodelwiese Stachelsrain
Kleiner Park am alten Friedhof Zella

Zella-Mehlis ist eine 1919 aus der Zusammenlegung von Zella St. Blasii und Mehlis entstandene Stadt im Landkreis Schmalkalden-Meiningen, Deutschland. Gemeinsam mit der kreisfreien Stadt Suhl bildet sie ein Mittelzentrum mit Teilfunktion eines Oberzentrums.

Geographie[Bearbeiten]

Zella-Mehlis liegt am Südhang des Thüringer Waldes auf einer Höhe von 450–580 m.ü.NN. (Stadtgebiet). Der Sommerbachskopf, der höchste Berg von Zella-Mehlis hat eine Höhe von 941 m. Die nächstgelegenen Großstädte sind Erfurt (62 km), Jena (106 km), Würzburg (134 km), Gera (137 km), Erlangen (147 km) und Nürnberg (171 km).

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Angrenzende Gemeinden sind Benshausen, Bermbach, Oberhof, Steinbach-Hallenberg und die kreisfreie Stadt Suhl.

Dialekt[Bearbeiten]

In Zella-Mehlis wird Hennebergisch, eine mainfränkische Mundart, gesprochen. Der nahegelegene Rennsteig fungiert als Sprachgrenze zwischen dem Thüringischen und dem Fränkischen und stellt in der Sprachgeographie die natürliche Grenze zwischen Mittel- und Süddeutschland dar. Das in Mehlis gesprochene „Mehlser Platt“ unterscheidet sich dabei nur unwesentlich vom „Zeller Platt“, beispielsweise gehen Zellaer „inn Waald“ um spazieren zu gehen, die Mehliser dahingegen „inn Bährch (Berg)“.

Geschichte[Bearbeiten]

Früher nutzten die Vorfahren die günstige Lage des Ruppberges aus, um den Verkehr aus Südthüringen zum Oberhofer Pass zu kontrollieren und zu sichern. Deshalb wird angenommen, dass auf dem Ruppberg bei Zella-Mehlis schon Mitte des 10. Jahrhunderts eine Burg stand. Im 11. Jahrhundert saß der Edelfreie Timo von Nordeck auf dem Berg, ohne eine Veste zu nennen. Außerdem sind keine Reste von der Burg erkennbar.[2] Es konnten aber frühzeitliche Wallanlagenreste nachgewiesen werden.

Während des Deutschen Bauernkriegs 1525 beteiligten sich örtliche Bauern am Bildhäuser Haufen bei Meiningen.

Zella-Mehlis wurde am 1. April 1919 durch den Zusammenschluss der seit 1640 zu Sachsen-Gotha (Amt Schwarzwald, Justizamt Zella, Landratsamt Ohrdruf) gehörenden Stadt Zella St. Blasii und der Gemeinde Mehlis gebildet. Von 1920 bis 1952 gehörte Zella-Mehlis zu Thüringen, wo es bis 1936 einen eigenen Stadtkreis bildete, anschließend gehörte es zum Landkreis Meiningen. Dies lag einerseits daran, dass die Stadt direkt an der preußischen sowie der kurhessischen Grenze lag und andererseits daran, dass die Stadt zu den ökonomisch bedeutendsten und reichsten Gemeinden Thüringens zählte.

Am 15. März 1920 zogen fünf Hundertschaften bewaffneter Arbeiter in die Nachbarstadt Suhl, um dort gemeinsam mit Suhlern und anderen Arbeitern aus der Umgebung eine 80-köpfige Einheit Reichswehrsoldaten im Rahmen des Kapp-Putsches zu bekämpfen. Nach mehreren Stunden Gefecht wurden die Putschisten von den Arbeitern besiegt, die anschließend über Oberhof und Ohrdruf nach Gotha zogen um den Widerstand gegen die Putschisten dort erfolgreich zu unterstützen. Auf dem ehemaligen Mehliser Friedhof erinnert ein Denkmal an die sieben Arbeiter, die bei diesen Kämpfen ihr Leben verloren.

Nach dem Ersten Weltkrieg, der Novemberrevolution und in der Zeit der Weimarer Republik gab es in Zella-Mehlis eine starke Arbeiterbewegung. Nachdem im November 1923 die Reichswehr im Auftrag von Reichspräsident Friedrich Ebert gewaltsam die erst drei Wochen alte Arbeiterregierung in Thüringen aus Sozialdemokraten und Kommunisten absetzte, wurde die Situation auch in Zella-Mehlis angespannter. Ein Denkmal in der Heinrich-Heine-Straße erinnert noch heute an den von reaktionärer Polizei vor der Gastwirtschaft „Wilhelmstal“ erschossenen Matrosen August Aschenbach. Die Inschrift lautet: Zum Gedenken! August Aschenbach am 1. Januar 1924 von der Reaktion ermordet.

In den 1920er und 1930er Jahren gab es in Zella-Mehlis auch eine Ortsgruppe der FAUD sowie der aus ihr hervorgegangenen Gilde freiheitlicher Bücherfreunde.[3][4] Letztere veranstaltete hier u. a. im Jahr 1932 eine Vortragsveranstaltung mit der als gefährlichste Frau der Welt bezeichneten Emma Goldmann.[5]

Zu Beginn des Nationalsozialismus und der damit einsetzenden Verfolgung von Bürgern anderer Überzeugung und anderen Glaubens formierte sich sofort Widerstand. Zella-Mehlis und die Nachbarstadt Suhl wurden zu jener Zeit als die „roten Städte“ bezeichnet. Zu den letzten „freien Wahlen“ am 6. März 1933 erhielten die beiden Arbeiterparteien, SPD und KPD, zusammen noch 4044 von 9213 Stimmen.[6] Widerstand kam vor allem aus den zahlreichen Arbeiterorganisationen, wie dem Roten Frontkämpferbund, den Roten Sporteinheiten, der Roten Hilfe und besonders aus betrieblichen Organisationen. Speziell von Arbeitern aus den großen Fabriken wie der Mercedes-Bureau-Maschinengesellschaft mbH, wobei die Eheleute Hans und Else Raßmann sowie Fritz Wolf, die Verbindung zur Widerstandsgruppe Neubauer-Poser in Jena hatten, eine besondere Rolle spielten. Deren Namen tragen zwei Straßen der Stadt. Mehrere Verhaftungswellen, die auch durch Denunzianten ausgelöst wurden, brachten Zella-Mehliser Antifaschisten hinter Gitter. Dennoch gab es fast über die gesamten zwölf Jahren NS-Herrschaft hinweg illegal agierenden Widerstand gegen die Nationalsozialisten, auch über Weltanschauungsgrenzen hinweg. So z. B. von einer ca. 60 Personen starken, illegalen kommunistischen Parteigruppe oder auch dem Kommunistischen Jugendverband aber auch von Sozialdemokraten, Anarchosyndikalisten und Freidenkern. Geldsammlungen und Transporte für den organisierten Widerstand, Flugblätter herstellen und verteilen, Kontakt zwischen den einzelnen Aktionsgruppen halten, Sabotage in den (Rüstungs)betrieben sowie Unterstützung für in Not geratene Familien waren die Aufgaben der selbstorganisierten Einheiten. Ein Zentrum des Widerstandes bildete die illegale KPD-Leitung im Unterbezirk Suhl, die ihren Sitz in Zella-Mehlis hatte. Erst die im August 1944 einsetzenden Massenverhaftungen der Aktion Gitter, unterbrach auch die Widerstandsarbeit der illegalen KPD-Unterbezirksleitung Suhl. Zu den in jener Zeit verhafteten Antifaschisten zählte auch der ehemalige Reichstagsabgeordnete Nikolaus Pfaff. Eine weitere Straße in Zella-Mehlis erinnert an den 1940 in Berlin-Plötzensee hingerichteten Karl Zink. An den französischen katholischen Widerstandskämpfer erinnert der Marcel-Callo-Platz und eine zu seinen Ehren errichtete Statue in der Christ-König-Kirche.

Von den 30 jüdischen Bürgern, die in die Vernichtungslager deportiert wurden oder flohen, überlebte nur eine Frau. Nach der Pogromnacht vom 9. zum 10. November 1938 wurden sechs jüdische Bürger in „Schutzhaft“ genommen und in das KZ Buchenwald überführt.[6]

Mit Inkrafttreten des Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses wurden 34 Menschen im Zella-Mehliser Stadtkreis für die Zwangssterilisation angezeigt. Etwa 20 Personen wurden Opfer der Zwangssterilisation im Landeskrankenhaus Meiningen.

1940–1945 lebten insgesamt etwa 8000 Kriegsgefangene und Zwangsarbeit verrichtende Frauen und Männer in Zella-Mehlis, die an mehr als 110 Arbeitsstellen eingesetzt wurden. 34 Opfer der Zwangsarbeit (dazu sowjetische Opfer aus Benshausen) ruhen auf dem Alten Friedhof, der heute Stadtpark ist.[7] Im größten Zwangsarbeiterlager Beckerwiese, in der Talstraße, und im gegenüberliegenden Kriegsgefangenenlager befanden sich am 8. März 1945 8219 Menschen.[6] An dieses Lager erinnert seit dem 1. September 2003 eine Gedenktafel an der Kreuzung Sommerauweg/Talstraße.

Im Fall der Walther-Waffenwerke Zella-Mehlis, die Karabiner direkt im KZ Buchenwald montieren ließen, profitierte auch die Zella-Mehliser Wirtschaft direkt von der NS-Zwangsarbeit.[6] Vor den angloamerikanischen Luftangriffen suchten weit über tausend Rheinländer in Zella-Mehlis und im Kreis Schleusingen Schutz. Ein ganzer Eisenbahnzug mit evakuierten Greisen, Frauen und Kindern aus Liegnitz in Schlesien lief im Februar 1945 in Zella-Mehlis ein. Am 4. April 1945 wurde der Naziherrschaft in Zella-Mehlis mit dem Einmarsch der US-Armee ein Ende gesetzt. Die Rote Armee traf am Morgen des 3. Juli 1945 ein.

Nach Bildung der Bezirke in der DDR lag Zella-Mehlis im Bezirk Suhl. Zella-Mehlis war von 1967 bis zur Reform der Landkreise 1994 der Verwaltungssitz des Kreises Suhl-Land.

Geschichte des Ortsteils Mehlis[Bearbeiten]

Markt Mehlis

Die erste urkundliche Erwähnung findet sich, auf 1250 datiert, in Johann Georg Brückners Sammlung verschiedener Nachrichten zu einer Beschreibung des Kirchen- und Schulenstaats im Hertzogthum Gotha.[8] Die teilweise genannte Ersterwähnung von 841 ist nicht belegt. Die Jahreszahl resultiert aus der Annahme eines Heimatforscher in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, der aus der Ersterwähnungen der übrigen Dörfer im Grund der Lichtenau schloss, dass auch Mehlis eben 841 erwähnt sei. Aufgrund dieser Angabe wurde 1991 die 1150-Jahr-Feier zelebriert, was diese unbelegte Jahreszahl weiter als gegeben verfestigte. Ein Teil von Mehlis kam 1357 durch einen Tauschvertrag von der Propstei Zella St. Blasii an die wettinischen Landgrafen von Thüringen und somit in der Folgezeit an das Amt Schwarzwald.[9] Die andere Hälfte von Mehlis gehörte bis 1583 zum hennebergischen und danach sächsischen Amt Hallenberg und kam 1619 im Rahmen des Benshäuser Tauschvertrages an das Amt Schwarzwald.[10] Herzog Ernst I. von Sachsen-Gotha erhandelte endgültig 1661 im Rahmen der auf den Kahlaer Vertrag basierenden Teilung der Grafschaft Henneberg von Sachsen-Zeitz die ehemals hennebergischen Rechte in Mehlis und beendete damit die jahrhundertelange Zweiteilung des Ortes.

Mehlis war 1603-1651 von Hexenverfolgung betroffen. In elf Hexenprozessen wurden vier Frauen verbrannt, eine Frau starb unter der Folter. Als letzte wurde 1651 unter dem Vorwurf des Viehsterbens durch Hexerei Kunigunde, Melchior Bechers Frau, "die schwarze Könn" genannt, in Mehlis "in der Alten Straß" verbrannt. Mehr als 3000 Menschen waren zugegen.[11]

Am 27. März 1894 erhielt Mehlis das Stadtrecht.

Geschichte des Ortsteils Zella[Bearbeiten]

Markt Zella mit Lerchenberg
Alter Friedhof Zella, erstmals 1665 urkundlich erwähnt

Zella St. Blasii (lat. für: Klosterzelle dem hl. Blasius geweiht) wurde im Jahre 1111 von Timo von Nordeck gegründet und dem Kloster Reinhardsbrunn unterstellt. Zwar gehören die Ersterwähnungsurkunden von 1111 und 1112 zu den Reinhardsbrunner Fälschungen, doch gilt der Inhalt als wissenschaftlich anerkannt. Der Ort war bis 1357 Sitz einer Propstei und blieb bis zum Deutschen Bauernkrieg 1525 Besitz des Klosters Reinhardsbrunn. Nach 1525 gehörte Zella St. Blasii zu verschiedenen Ernestinischen Herzogtümern. 1645 wurde der Ort durch Herzog Ernst I. von Sachsen-Gotha zum Marktflecken erhoben. Bereits 1642 wurde er Amtssitz des Amts Schwarzwald.[12]

Zella war 1603 von Hexenverfolgung betroffen. Wolf Musäns geriet in einen Hexenprozess und wurde verbrannt.[13]

Seit dem 16. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt zu einem der größten Zentren des waffenproduzierenden Gewerbes in der mitteldeutschen Region. Dies war bis 1945 der Haupterwerbszweig der Mehrzahl der Einwohner.

Religionen[Bearbeiten]

Magdalenenkirche Mehlis, Gesamtansicht
Kirche Zella Hauptansicht

Die Bevölkerung Zellas und Mehlis' vollzog während der Reformationszeit frühzeitig die Abkehr vom Katholizismus zum lutherischen Bekenntnis. Die historischen Barockkirchen mitsamt ihren Gemeinden gehören zur Evangelische Kirche in Mitteldeutschland.

Buddeus Denkmal an der Kirche Zella

In Zella-Mehlis gibt es weiterhin ein Gotteshaus der römisch-katholischen Christen, die dem Bistum Erfurt angehören.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl:

1946 bis 1984

  • 1946: 17.352 1
  • 1950: 16.914 2
  • 1960: 16.370
  • 1981: 14.444
  • 1984: 13.921

1994 bis 1998

  • 1994: 13.401
  • 1995: 13.100
  • 1996: 12.990
  • 1997: 12.941
  • 1998: 12.933

1999 bis 2003

  • 1999: 13.206
  • 2000: 13.036
  • 2001: 12.961
  • 2002: 12.726
  • 2003: 12.544

2004 bis 2008

  • 2004: 12.495
  • 2005: 12.245
  • 2006: 12.095
  • 2007: 11.951
  • 2008: 11.910

2009 bis 2013

  • 2009: 11.743
  • 2010: 11.747
  • 2011: 11.075
  • 2012: 10.855
  • 2013: 10.785
Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik

1 29. Oktober
2 31. August

Politik[Bearbeiten]

Rathaus der Stadt, eingeweiht am 22. August 1925

Stadtrat[Bearbeiten]

Bei den Stadtratswahlen am 25. Mai 2014 ergaben sich folgende Ergebnisse (in Klammern: Veränderung im Vergleich zu 2009):


Der Stadtrat besteht aktuell aus 24 Ratsherren und -frauen (sowie dem Bürgermeister) und setzt sich wie folgt zusammen:[14]

  • FWG ZM: 11 Sitze (-1)
  • CDU: 6 Sitze (unv.)
  • Die Linke: 5 Sitze (+1)
  • SPD: 2 Sitze (unv.)*

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der hauptamtliche Bürgermeister Richard Rossel (parteilos) wurde am 6. Mai 2012 mit 54,9 % der Stimmen in der Stichwahl gewählt.[15]

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „Geviert von Silber und Blau; in 1 ein wachsender nimbierter goldhaariger Bischof in rotem Messgewand mit silbernem Pallium, darauf ein schwarzes Kreuz, und rotem Mantel mit rot-silberner Mitra, in der rechten Hand einen goldenen Bischofsstab und in der linken zwei gekreuzte brennende goldene Kerzen, in 2 eine schräg rechts gelegte gespannte silberne Armbrust, in 3 ein gekreuztes silbernes Paar Schlägel und Eisen, in 4 eine wachsende nimbierte goldhaarige rotgekleidete Heilige mit weißem Gürtel, vor der Brust in beiden nach oben gerichteten Händen einen goldenen Deckelkelch haltend.“

Das Wappen symbolisiert im oberen rechten Teil den Schutzheiligen von Zella St. Blasii, den Hl. Blasius sowie die Armbrust als Sinnbild für die jahrhundertelange Waffenherstellung. Im unteren rechten Teil des Wappens stehen die gekreuzten Bergeisen für die lange Tradition des Bergbaus, das vierte Feld zeigt die Hl. Magdalena, die Schutzheilige von Mehlis.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Zella-Mehlis pflegt seit 1990 eine Städtepartnerschaft zum rheinland-pfälzischen Andernach und eine Städtefreundschaft zu Gemünden am Main in Bayern. Bereits seit 1967 verbindet ein Freundschaftsvertrag Zella-Mehlis mit Saint-Martin-d’Hères im französischen Département Isère.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Die wichtigsten der jährlich stattfindenden Feste sind die Walpurgisnacht am 30. April, die die größte ihrer Art im südthüringischen Raum ist, und das Stadtfest am zweiten Septemberwochenende, das jedes Jahr über 15.000 Besucher anzieht.

Museen[Bearbeiten]

Technisches Museum Gesenkschmiede im Lubenbachtal
Erlebnispark Meeresmuseum
  • Historische Gesenkschmiede am Lubenbach (Technisches Museum): Das ursprünglich über zwei Wasserräder verfügende Gebäude wurde 1850 als Sägewerk errichtet. Später übernahm eine seit 1843 ortsansässige Schmiede das Gebäude. 1918 wurde es zu einer Gesenkschmiede umgebaut. Heute steht das Anwesen unter Denkmalschutz.
  • Das heutige Stadtmuseum ging aus der Herzoglich Sächsischen, ab 1920 Thüringischen Beschußanstalt hervor und behandelt auch das in der Region bedeutende Büchsenmacherhandwerk.
  • Der Erlebnispark Meeresaquarium Zella-Mehlis zeigt auf 6650 m² Ausstellungsfläche mehr als 4000 Tiere (etwa 200 Arten in über 60 Aquarien und Terrarien); die Anlage besitzt ein Krokodilhaus, den Koi-Park und das Haifischbecken.

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Die evangelisch-lutherische Kirche St. Blasii, 1768–1774 an Stelle der niedergebrannten St. Blasii-Kapelle von Johann David Weidner errichtet, historisch wertvolle Barockorgel von Johann Caspar Rommel aus den Jahren 1778/1779.
  • Bereits im 13. Jahrhundert erhielt der Ort Mehlis eine Kapelle, die im 14. Jahrhundert durch die Magdalenenkirche ersetzt wurde. Ein Blitzschlag setzte das Gebäude in Brand. Der Neubau wurde ebenfalls ein Raub der Flammen. Die heutige Magdalenenkirche wurde 1741 am Palmsonntag geweiht und besitzt noch den steinernen Turm der ursprünglichen Kirche.
  • Mit dem Bau der A 71 wurde in unmittelbarer Umgebung der Stadt mit dem 7916 m langen Tunnel Rennsteig, dem längsten Autobahntunnel Deutschlands, ein herausragendes Verkehrsbauwerk errichtet. Zella-Mehlis befindet sich an dessen Südportal.
  • Seit 2007 befindet sich im Süden des Stadtgebiets eine Müllverbrennungsanlage. Ihre Errichtung war stark umstritten, sogar die Stadtverwaltung prozessierte gegen sie.
  • Auf dem Lerchenberg erinnert ein Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges.

Landschaft[Bearbeiten]

Hauptstrasse mit Blick auf den Ruppberg
Rastplatz am Ortseingang mit Info-Punkt zur Stadt und Naturpark Thüringer Wald

Der Hausberg von Mehlis ist der als Wanderziel und beliebter Aussichtspunkt bekannte 866 m hohe Ruppberg, der über die Kreisstraße nach Oberschönau erreicht werden kann. Der 882 m hohe Spitz'ge Berg gilt als der Hausberg von Zella. Der höchste Punkt auf dem Gebiet der Stadt ist der 941 m hoch gelegene Sommerbachskopf, ein Nebengipfel des Großen Beerbergs. Durch den Ort führen der Rhön-Rennsteig-Radweg und Haseltal-Radweg.

Sportvereine[Bearbeiten]

Traditionell spielt der Wintersport in Zella-Mehlis, wie im gesamten Thüringer Wald, eine herausragende Rolle. Von der Nähe zum Wintersportzentrum Oberhof profitieren auch die Vereine aus Zella-Mehlis. Berühmtheit über die Grenzen der Stadt und des Landes hinaus erlangen vor allem die Sportler des SC Motor Zella-Mehlis, die besonders in den Disziplinen Langlauf, Biathlon und Nordische Kombination erfolgreich sind.

Eine große Tradition hat in der Stadt auch das Ringen. Die erste Mannschaft des AV Jugendkraft/Concordia ringt aktuell in der Regionalliga Mitteldeutschland. Für den Breitensport in der Stadt ist der TSV Zella-Mehlis mit seinen 22 Unterabteilungen zuständig. Der Verein ist der fünftgrößte Sportverein Thüringens und der größte seiner Art im Süden des Freistaats. Die Fußballer des TSV wurden mit denen der WSG zusammengeschlossen. Die WSG „Thüringer Wald“ Zella-Mehlis, deren erste Mannschaft aktuell in der Regionalklasse Staffel 8 spielt, wurde für ihre Nachwuchsleistung mit dem „Stern des Sports“ ausgezeichnet.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Übersicht[Bearbeiten]

Nach der politischen Wende 1989/1990 und dem Wegfall großer Industriebetriebe war die Zella-Mehliser Wirtschaft einem enormen Strukturwandel unterworfen. Heute ist das wirtschaftliche Bild der Stadt durch eine große Anzahl an kleinen und mittelständischen Betrieben gekennzeichnet. Eine besondere Rolle spielen dabei die Metallverarbeitung, die Kfz- Zulieferbranche und traditionelle Handwerksbetriebe. Insgesamt sind heute etwa 1000 Gewerbe in der Stadt angemeldet.

Tourismus[Bearbeiten]

Zella-Mehlis ist ein „Staatlich anerkannter Erholungsort“. Im Bürgerhaus der Stadt (Ortsteil Mehlis) befindet sich die Tourist-Information. Touristisch ist der Ort geprägt durch Wandertourismus im Sommer (ca. 60 km Wanderwege) und Skilanglauf im Winter. In Zella-Mehlis befinden sich das Thüringer Meeresaquarium sowie die beiden Museen Gesenkschmiede und Beschussanstalt.

Öffentliche Infrastruktur[Bearbeiten]

Autobahnmeisterei Zella-Mehlis

Aufgrund der ehemaligen Funktion als Kreisstadt des Landkreises Suhl-Land ist die öffentliche Infrastruktur der Stadt Zella-Mehlis besser ausgebaut als in anderen Gemeinden mit vergleichbarer Größe. Das Städtische Krankenhaus wurde zwar zum 30. Juni 2006 geschlossen, allerdings fungieren die Gebäude heute als überregionales Ärztezentrum und Seniorenpflegeheim. Es gibt in Zella-Mehlis weiterhin eine Außenstelle des Landratsamts Schmalkalden- Meiningen und alle Elemente eines dreigliedrigen Schulsystems. Die Freiwillige Feuerwehr Zella-Mehlis besitzt den Status einer Stützpunktfeuerwehr und nimmt unter anderem auf dem Gebiet der ABC- Abwehr führende Aufgaben im Landkreis wahr. Im Bereich des Industriegebietes „Ost“ befindet sich das Gefahrenabwehrzentrum von Feuerwehr und Katastrophenschutz für die Tunnelkette der A 71 sowie die Dienststelle der Autobahnpolizeistation Süd. Außerdem hat das Straßenbauamt Südwestthüringen seinen Sitz in Zella-Mehlis.

Bildung[Bearbeiten]

Heinrich-Ehrhardt-Gymnasium Zella-Mehlis
Staatliche Regelschule Thüringen - Lutherschule Zella-Mehlis

In Zella-Mehlis existieren alle Elemente des dreigliedrigen Schulsystems. Die beiden GrundschulenMartin Luther“ und „Friedrich Schiller“ bereiten die Schüler auf weiterführende Schulen vor. Es existieren weiterhin die Regelschule „Lutherschule“ und das Gymnasium „Heinrich Ehrhardt“. Außerdem gibt es in Zella-Mehlis eine Berufsschule im Gewerbegebiet „Ost“ und das Bildungscenter Südthüringen, ein Kompetenzzentrum für die Ausbildung und Förderung behinderter und benachteiligter Jugendlicher.

Gewerbegebiete[Bearbeiten]

Zella-Mehlis verfügt über fünf ausgewiesene Gewerbegebiete. Das mit Abstand größte ist das Industrie- und Gewerbegebiet „Zella-Mehlis Ost“, direkt an der A 71. Mit einer Fläche von etwa 120 ha gehört es zu den größten im Landkreis.

Handel und Dienstleistung[Bearbeiten]

Am Stadtrand, im Bereich des Industriegebietes „Ost“ entstand Mitte der 1990er Jahre ein Einkaufszentrum, das heute den Namen „A71-Center“ trägt. Im Dezember 2012 wurde in der Talstraße ein neues Einkaufszentrum eröffnet.

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnhof

Öffentlicher Verkehr[Bearbeiten]

Der Bahnhof Zella-Mehlis, gelegen im OT Zella, ist ein Eisenbahnknotenpunkt. Dort zweigt von der Bahnstrecke Erfurt–Schweinfurt die Nebenbahn nach Wernshausen (dort Anschluss zur Werrabahn) ab. An dieser wird außerdem der Bahnhof Zella-Mehlis West im Stadtteil Mehlis bedient. Auf der Hauptstrecke verkehren jeweils im Zweistundentakt abwechselnd der Regionalexpress Erfurt – Würzburg (Mainfranken-Thüringen-Express) der DB Regio AG und die Nahverkehrszüge Erfurt – Meiningen der SüdThüringenBahn, so dass sich zwischen Erfurt und Grimmenthal insgesamt in etwa ein Stundentakt ergibt. Auf der Nebenstrecke nach Schmalkalden und Wernshausen verkehren wochentags stündlich und am Wochenende zweistündlich Züge der SüdThüringenBahn.

Seit Ende 2012 gibt es ab Bahnhof Zella-Mehlis zudem Fernbusverbindungen von MeinFernbus:[16]


Darüber hinaus fahren in Zella-Mehlis mehrere Überlandbuslinien der Meininger Busbetriebe sowie die Linien B, H und I (Stadtlinie Zella-Mehlis) der Städtischen Nahverkehrsgesellschaft Suhl/Zella-Mehlis. 1989 sollte in der Stadt außerdem eine Oberleitungsbuslinie in die Nachbarstadt Suhl in Betrieb gehen, das Projekt konnte jedoch in Zeiten des politischen Umbruchs nicht verwirklicht werden.

Die nächstgelegenen Verkehrsflughäfen sind Erfurt (60 km) und Nürnberg (160 km).

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Autobahnanschluss mit Tunnelportal Rennsteigtunnel

Zella-Mehlis ist mit den Anschlussstellen Suhl/Zella-Mehlis und Oberhof direkt an die A 71 Erfurt – Schweinfurt angebunden. Weiterhin verläuft die bedeutende Landesstraße 3247 Ohrdruf – Schleusingen (ehemals B 247) durch die Stadt. Die B 280 Meiningen – Zella-Mehlis hat wegen der parallelen Autobahn ihre Bedeutung für den überregionalen Verkehr verloren und wurde aufgehoben. Der Abschnitt von Benshausen bis Zella-Mehlis und weiterführend zur A 71 wurde dagegen zur Bundesstraße 62 umbenannt. Nach dem Ausbau von vorhandenen Landstraßen führt die B 62 später von Benshausen weiter über Steinbach-Hallenberg, Schmalkalden und Wernshausen nach Barchfeld, wo sie an die bestehende B 62 Richtung Bad Salzungen angeschlossen wird.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • Helmut Recknagel (* 1937), erster deutscher Olympiasieger im Skispringen und Weltmeister, startete für den SC Motor Zella-Mehlis

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Mit Zella-Mehlis verbundene Personen[Bearbeiten]

  • Nikolaus Pfaff (1892–1951), Lehrer und Politiker (KPD), starb in Zella-Mehlis
  • Marcel Callo (1921–1945), Seliger der römisch-katholischen Kirche, nach dem hier ein Platz benannt wurde
  • Herbert Albrecht (1925–1997), Ringer vom SC Motor Zella-Mehlis
  • Horst Jäger (1928–2009), Schriftsteller, Lehrer an der Betriebsschule des VEB Robotron Elektronik Zella-Mehlis
  • Peter Lesser (* 1941), Skispringer vom SC Motor Zella-Mehlis
  • Horst Queck (* 1943), Skispringer vom SC Motor Zella-Mehlis
  • Reinhard Heß (1945–2007), Skisprungtrainer in Zella-Mehlis, Bundestrainer
  • Fredi Albrecht (* 1947), Ringer und Kampfrichter, besuchte hier die Kinder- und Jugendsportschule
  • Klaus-Peter Göpfert (* 1948), Ringer, besuchte die Kinder- und Sportschule in Zella-Mehlis
  • Rainer Schmidt (* 1948), Skispringer, Gesamtsieger der Vierschanzentournee, lebt in Zella-Mehlis
  • Christoph Matschie (* 1961), Politiker, SPD-Vorsitzender Thüringens, Parlamentarischer Staatssekretär, erhielt Berufsausbildung mit Abitur zum Mechaniker in Zella-Mehlis
  • Kati Wilhelm (* 1976), Biathletin vom SC Motor Zella-Mehlis
  • Sebastian Haseney (* 1978), Nordischer Kombinierer vom SC Motor Zella-Mehlis
  • Franz Göring (* 1984), Skilangläufer, wohnt in Zella-Mehlis
  • Andi Langenhan (* 1984), Rennrodler vom RRC Zella-Mehlis
  • Frank Rommel (* 1984), Skeletonpilot
  • Robert Wick (* 1984), Biathlet vom SC Motor Zella-Mehlis
  • Thomas Wick (* 1991), Skilangläufer vom SC Motor Zella-Mehlis
  • Tino Edelmann (* 1985), Nordischer Kombinierer vom SC Motor Zella-Mehlis

Musikgruppen aus Zella-Mehlis[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zella-Mehlis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Zella-Mehlis – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag, 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 216
  3. oocities.org (PDF; 381 kB)
  4. Rübner, Hartmut (1994): Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus. Libertad Verlag Berlin/Köln, S. 202, 218. In: Archiv für Sozial- und Kulturgeschichte, Band 5.
  5. deu.anarchopedia.org
  6. a b c d geschichte-zella-mehlis.de
  7. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945. Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 263ff.
  8. Kahl, Wolfgang (2010): Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza.
  9. Geschichte der Stadt Zella-Mehlis
  10. Peter Heckert, „Steinbach unter Hallenberg – Geschichte einer hessisch-türingischen Stadt“; 1990 (pdf)
  11. Kai Lehmann: Ausstellung „Luther und die Hexen“, Bereich Mehlis, Bibliothek Museum Schloss Wilhelmsburg Schmalkalden, 2012; Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 236f
  12. Geschichte der Stadt Zella-Mehlis
  13. Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S.240-244.
  14. [1], insuedthueringen.de vom 26. Mai 2014
  15. CDU lässt bei Stichwahlen Federn, insuedthueringen.de vom 6. Mai 2012
  16. Fahrpläne von MeinFernbus. Abgerufen am 13. Juni 2014.