City-Tunnel Offenbach

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City-Tunnel Offenbach
City-Tunnel Offenbach
Station Offenbach Marktplatz
Offizieller Name S-Bahn-Tunnel Offenbach
Nutzung Eisenbahntunnel
Verkehrsverbindung Südmainische S-Bahn
Ort Offenbach am Main
Länge 3860 m
Anzahl der Röhren 1
Bau
Baubeginn 23. März 1988
Betrieb
Betreiber DB Netz
Freigabe 23. Mai 1995
Koordinaten
Westportal 50° 6′ 17,6″ N, 8° 43′ 54″ O50.1048968.73165598
Ostportal 50° 6′ 8,5″ N, 8° 46′ 47,5″ O50.1023568.77985108
Georeferenzierung Karte mit allen Koordinaten: OSM, Google oder Bing

Der City-Tunnel ist eine normalspurige unterirdische Eisenbahnstrecke in Offenbach am Main, der ausschließlich von der S-Bahn Rhein-Main genutzt wird. Er wird von allen in den östlichen Bereich verkehrenden Linien befahren (S1, S2, S8 und S9) und liegt in großen Teilen unter der Berliner Straße.

Planungsvarianten[Bearbeiten]

Im Vorfeld des Baus des City-Tunnels wurden fünf verschiedene Varianten untersucht. Drei Varianten sahen in unterschiedlicher Gestalt die Verlängerung des Frankfurter City-Tunnels vor, bei denen eine Untertunnelung von Oberrad im südlichen (Var. D), mittleren (Var. C) bzw. nördlichen (Var. B) Bereich geplant war, um dann an der westlichen Offenbacher Bebauungsgrenze wieder auf die vorhandene Trasse einzufädeln (weiter in Richtung Offenbach Hauptbahnhof und Offenbach Ost). Alle Varianten hätten aber – mindestens während der Bauzeit, möglicherweise durch Änderung in den Grundwasserströmen auch dauerhaft – einen massiven Eingriff in die landwirtschaftliche Nutzbarkeit der Flächen bedeutet, so dass viele Oberräder Betriebe ihre Existenz gefährdet sahen. Die Stadt Frankfurt zog nach entsprechenden Protesten ihre ursprüngliche Zustimmung zu den Oberräder Trassen zurück.

Eine weitere Variante (Var. A) sah vor, die Strecke weitgehend so zu bauen wie sie letztlich realisiert wurde, allerdings wäre ab Kaiserlei der Tunnel so gebaut worden, dass auch dieser an der oben beschriebenen Stelle wieder in die vorhandene Strecke eingefädelt hätte. Neben der heute realisierten Trassenführung bot auch dieser Entwurf den Vorteil, dass er die Trassenführung in Offenbach nicht präjudizierte und auch die Option beinhaltete, auf den damals geplanten Bau einer Sporthalle mit bis zu 20.000 Besuchern durch den späteren Bau einer weiteren Station reagieren zu können. Wäre eine dieser vier Varianten realisiert worden, hätte es den City-Tunnel in der Stadt Offenbach nie gegeben.

Im Herbst 1983 kam eine Kosten-Nutzen-Analyse von Prof. Gerhard Heimerl zur Trassenführung in Offenbach zu dem Ergebnis, dass die unterirdische City-Trasse trotz der Kosten den höheren Nutzen als der Ausbau der vorhandenen Strecken im Offenbacher Stadtgebiet biete.

Planungsvarianten der Offenbacher Innenstadtstrecke der S-Bahn

Damit war die Entscheidung für den City-Tunnel in Offenbach endgültig gefallen. Es ist dabei eine Ironie der Geschichte, dass die heutige Trasse weitgehend der Trasse der ehemaligen Lokalbahn zwischen Frankfurt und Offenbach folgt, die 1955 wegen mangelnder Rentabilität und Nachfrage stillgelegt wurde.

Bauphase[Bearbeiten]

Nach Abschluss der notwendigen Verhandlungen über die Finanzierung des Projekts am 4. Dezember 1986 und den notwendigen Ratifizierungen in den verschiedenen Gremien und der Schaffung des notwendigen Rechts mittels Planfeststellungsbeschlusses waren Ende 1990 die Voraussetzungen für den vollständigen Bau gegeben. Allerdings war der offizielle Baubeginn durch eine symbolische Aktion bereits am 23. März 1988 erfolgt.

Auch in Offenbach hatte man neben den „üblichen“ Problemen wie kreuzenden Ver- und Entsorgungsleitungen, Kabeltrassen und Verkehrsführung die Schwierigkeit, den Tunnel nicht überall in offener Bauweise mittels einer Baugrube erstellen zu können. Allerdings konnten 3,5 Kilometer der insgesamt 3,7 Kilometer langen Tunnelstrecke in offener Bauweise errichtet werden, besondere Probleme gab es im Bereich der Ecke Bieberer-/Friedhofstraße, wo direkt unter Kellerfundamenten gebaut werden musste, so dass eine Rohrschirmdecke erforderlich war.

Für den Entwurf einer künstlerische Ausgestaltung wurden 1992 der HfG-Professor Adam Jankowski (Station Marktplatz) und der Städelprofessor Thomas Bayrle (Station Kaiserlei) engagiert, eine Realisierung der Ergebnisse blieb jedoch aus.

Inbetriebnahme und spätere Änderungen[Bearbeiten]

Die Strecke zwischen Frankfurt Mühlberg und Offenbach Ost konnte am 23. Mai 1995 ihren Betrieb aufnehmen. Damit verbunden war die Verlängerung der S8 bis Hanau, während die S1 nur bis Offenbach Ost fuhr. Die S2, die bis dahin ihren Endpunkt am Mühlberg gehabt hatte, fuhr nun zum Frankfurter Südbahnhof.

Nach der Fertigstellung der Ausbaumaßnahmen auf der Rodgaubahn sowie der Strecke nach Dietzenbach verkehren heute die Linien S1, S2, S8 und S9 durch den Offenbacher City-Tunnel. Mangels ausreichender Kapazitäten des Frankfurter City-Tunnels verkehrte bis zum 13. Juni 2010 im Gegensatz zu den anderen Linien die S2 nur im Halbstundentakt, während die Verstärkungszüge der S2 nur zwischen Dietzenbach und Offenbach Hbf bzw. Frankfurt Hbf und Niedernhausen fuhren und den Tunnel daher nicht benutzten.

Im Verlauf des Offenbacher City-Tunnels fahren die S-Bahnen drei Stationen an: Kaiserlei, Ledermuseum und Marktplatz. Alle Stationen sind in ihrer Bauausführung sehr ähnlich und kommen ohne Stützen aus. Zugleich sind sie den geänderten Anforderungen durch das Sicherheitsbedürfnis der Fahrgäste und der Vermeidung von Graffiti-Sprayereien folgend sehr übersichtlich konzipiert, die Planung der Stationen erfolgte erstmals in der Baugeschichte der S-Bahn Rhein-Main nicht durch die Bahn selbst, sondern durch beauftragte Architekten.

Literatur[Bearbeiten]

 Eisenbahnen in der Region Frankfurt RheinMain. Hestra-Verlag, Darmstadt 2002, ISBN 3-7771-0304-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: S-Bahn Offenbach und City-Tunnel – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien