Thomas Bayrle

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Thomas Bayrle, Aufnahme aus dem Film The Future of Art (2010)

Thomas Bayrle (* 7. November 1937 in Berlin) ist ein deutscher Maler, Grafiker und Video-Künstler und Sohn des Künstlers Alf Bayrle.

Leben[Bearbeiten]

Thomas Bayrle wurde in der kurzen Berliner Epoche seines Vaters Alf Bayrle (1900–1982) geboren und zog mit der Familie nach Frankfurt.

Nach einer Ausbildung zum Weber von 1956 bis 1958 studierte Bayrle von 1958 bis 1961 an der Werkkunstschule Offenbach. Zunächst hatte er das Studienziel Gebrauchsgrafik, er wandte sich aber der Druckgrafik zu und erlernte bei Eberhard Behr die Technik der Lithografie und der Radierung. 1961 gründete er zusammen mit Bernhard Jäger die Gulliver-Presse und machte sich auch als Drucker und Verleger von Künstlerbüchern einen Namen. In der Gulliver-Presse erschien unter anderem eines der ersten Bücher von Ernst Jandl (Hosi-Anna!, 1965) – illustriert von Thomas Bayrle und Bernhard Jäger. 1964 nahm er an der documenta III und 1977 an der documenta 6 in Kassel teil. Von 1972 bis 2002 war er Professor an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste – Städelschule in Frankfurt am Main. Zu seinen Studenten gehörten unter anderem Martin Liebscher, Marko Lehanka, Georg Peez, Manfred Stumpf und Stefan Müller. 1995 hatte er in Japan eine Gastprofessur an der Tohoku University inne.

Er ist mit der Künstlerin Helke Bayrle (* 1941) verheiratet. Thomas Bayrle lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.

Werk[Bearbeiten]

Bayrles Arbeiten basieren in der Regel auf einem grafischen Grundprinzip. Ausgehend von traditionellen Techniken gehörte er zu den ersten deutschen Künstlern, die computergenerierte und animierte Kunst produzierten. Wesentliches ästhetisches Element seiner Arbeit ist das Prinzip des Seriellen. In der US-amerikanischen Tradition von Andy Warhol oder Roy Lichtenstein, aber auch des deutschen Künstlers Sigmar Polke befindet sich Bayrle, indem er seine bildnerischen Themen vielfach aus der Welt der Konsumgüter entnimmt. Mit der Reflexion auf eine Warenwelt als Anhäufung von multiplizierbaren, wiederholbaren Formen und Piktogrammen liefert Bayrle nicht nur einen Kommentar zur Gesellschaft, sondern verweist auf seine eigenen künstlerischen Mittel.

Die Motoren welche während der Documenta 13 gezeigt wurden, sind von dem Feinmechanikbetrieb Anton Schwinghammers zusammengesetzt worden.

Ausstellungen[Bearbeiten]

In den letzten Jahren fanden wichtige Einzelausstellungen und Beteiligungen in Galerien und Museen in Düsseldorf, Montréal, Köln, Graz, Frankfurt am Main, Wien, Venedig, Auckland, Berlin, Duisburg, Genf, Karlsruhe, New York, Zürich und Austin/Texas statt. Bayrle ist mit seinen Arbeiten in Museen, öffentlichen und privaten Sammlungen im deutschsprachigen und angelsächsischen Raum vertreten. 1984 beteiligte er sich bei Von hier aus – Zwei Monate neue deutsche Kunst in Düsseldorf. 2002 hatte er eine Ausstellung im Städel.

2005 und 2006 nahm Bayrle unter anderen an Ausstellungen im Zentrum für Kunst und Medientechnologie, Karlsruhe, im Kunstmuseum Thun, im Kunsthaus Zürich, im Museum für Moderne Kunst (MMK), Frankfurt/Main, in der Kunsthalle Fridericianum, Kassel teil. 2007 stellte Bayrle im Fonds Régional d’Art Contemporain Limousin (FRAC), Limoges und im Office for Contemporary Art, Oslo aus. 2008 war er Teilnehmer an der Biennale of Sydney (Art Gallery of New South Wales). 2009 fand eine große retrospektive Ausstellung im Museu d’Art Contemporani de Barcelona (MACBA) in Barcelona statt. Im Jahr 2012 war er Teilnehmer an der dOCUMENTA (13) in Kassel.

Für die Saison 2003/2004 in der Wiener Staatsoper gestaltete er im Rahmen der von museum in progress konzipierten Ausstellungsreihe „Eiserner Vorhang“ ein riesiges Großbild (176 m²).

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Bayrle & Jäger: Gulliver-Presse 1961–1966, Galerie Bernd Slutzky, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-9802923-1-2.
  • Bayrle, Edition Unida, Den Haag 1970.
  • Feuer im Weizen, März, Frankfurt am Main 1970.
  • Thomas Bayrle: Druckgrafik 1960–1983, Ausstellungskatalog, Städtische Galerie Wolfsburg 1981.
  • Bayrle Big Book, Verlag der Buchhandlung Walter König, Köln 1990, ISBN 3-88375-170-7.
  • Thomas Bayrle: works 1967–1995, China Youth Press, Beijing/Unak, Tokyo, 1997, ISBN 7-5006-2483-2 (chinesisch/japanisch).
  • Thomas Bayrle, Ausstellungskatalog, Städelsches Kunstinstitut und Revolver, Archiv für Aktuelle Kunst, Frankfurt am Main 2002, 3-934823-89-0.
  • Daniel Birnbaum u. a. (Hrsg.): Thomas Bayrle. 40 Years Chinese Rock’n’Roll. Buch zur Ausstellung in Frankfurt: 40 Years of Chinese Rock’n’Roll, 2006, ISBN 978-3-86560-100-1.
  • Cuz Martínez u. a.: I’ve a feeling we’re not in Kansas anymore, Museu d’arte Contemporani de Barcelona, 2009, ISBN 978-8-49250502-9 (englisch).

Weblinks[Bearbeiten]