Collegium Fridericianum

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Collegium Fridericianum bzw. Friedrichs-Kollegium
Couleurkarte (1966 gelaufen)

Das Königliche Collegium Fridericianum (später auch Friedrichs-Kollegium genannt) war eine höhere Schule im ostpreußischen Königsberg. Benannt wurde sie nach Friedrich I., dem Kurfürsten von Brandenburg und ersten König in Preußen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Schule wurde am 11. August 1698 vom kurfürstlichen Holzkämmerer Theodor Gehr[1] als Privatschule – anfangs nur mit 4 Mädchen und 2 Jungen  – mit stark pietistischer Färbung in seinem Haus auf dem Sackheim in Königsberg gegründet. Das Vorbild war zunächst das „Waisenhaus“ von August Hermann Francke in Halle (Saale) mit nach Bildungszielen verschiedenen Klassen. Noch vor dem frühen Tode ihres Gründers (1705) erhielt die neue Anstalt in dem 35-jährigen Dr. Heinrich Lysius aus Flensburg einen tatkräftigen und wissenschaftlich tüchtigen Leiter, der allen Widerständen und finanziellen Schwierigkeiten zum Trotz das Collegium Fridericianum, wie es seit 1703 hieß, erfolgreich führte. 1701 erhielt das Collegium Fridericianum vom preußischen König Friedrich I. aus Anlass seiner Krönung das Privileg „königlich“. Schnell wurde das Institut zu einer der bedeutendsten Schulen Ostdeutschlands und zum Zentrum des Pietismus in der Auseinandersetzung mit den Lutheranern in der Stadt und Universität. Die von den preußischen Königen geförderten Rektoren wurden zu prägenden Gestaltern des geistigen Lebens. Auch wurden öffentliche Prüfungen eingeführt. Das Collegium wurde die zum Studium hinführende Schule in Königsberg, auch wenn nach dem Rektor Franz Albert Schultz ein zeitweiliger Niedergang einsetzte.

Im Oktober 1810 wurde die Schule feierlich als erstes Königliches Gymnasium Preußens neu eröffnet, das nach den neuhumanistischen Reformideen Wilhelm von Humboldts organisiert wurde. Sein Königsberger Schulplan gehört zu den zentralen Quellen der deutschen Pädagogik: „Der Zweck des Schulunterrichts ist die Übung der Fähigkeiten und die Erwerbung der Kenntnisse, ohne welche wissenschaftliche Einsicht und Kunstfertigkeit unmöglich ist. Beide sollen durch ihn vorbereitet, der junge Mensch soll in Stand gesetzt werden, den Stoff, an welchen sich alles eigene Schaffen immer anschließen muss, teils schon jetzt wirklich zu sammeln, teils künftig nach Gefallen sammeln zu können und die intellektuell-mechanischen Kräfte auszubilden. Er ist auf doppelte Weise, einmal mit dem Lernen selbst, dann mit dem Lernen des Lernens beschäftigt. Aber alle seine Funktionen sind nur relativ, immer einem Höheren untergeordnet, nur Sammeln, Vergleichen, Ordnen, Prüfen u.s.f. Das Absolute wird nur angeregt.“ Der Masure und spätere Lehrer Wilhelm Herrmann schrieb im Schmiedeberg-Album: „Das Fridericianum war das Fegefeuer zum Himmel Albertinas.“

Das neue Gebäude wurde am 17. Oktober 1855 eingeweiht.[2]

In der Nacht vom 29./30. August 1944 zerstörten die britischen Luftangriffe auf Königsberg das Schulgebäude. Der Schulbetrieb ging noch bis zum 24. Januar 1945 weiter. Dem letzten Schulleiter Bruno Schumacher gelang es, bei der Flucht aus dem brennenden Königsberg eine Abschrift der Schüler-Matrikel von 1750 bis 1944 mitzunehmen und einen Ehemaligenverein zu gründen.

In Königsberg bestanden seit 1304 das Kneiphöfische Gymnasium und seit 1525 das Altstädtische Gymnasium.

Patenschaft[Bearbeiten]

Am 28. Mai 1955 wurde vom Landfermann-Gymnasium in Duisburg die Patenschaft für das ehemalige Collegium Fridericianum übernommen. Diese wird bis heute intensiv gepflegt, z. B. durch die alljährlichen Wettbewerbe der Professor-Schumacher-Stiftung.

Lehrkräfte, berühmte Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Rektoren[Bearbeiten]

In chronologischer Reihenfolge

Lehrer[Bearbeiten]

In alphabetischer Reihenfolge

Schüler[Bearbeiten]

In alphabetischer Reihenfolge

Literatur[Bearbeiten]

  • Heiner F. Klemme: Die Schule Immanuel Kants. Mit dem Text von Christian Schiffert [1741] über das Königsberger Collegium Fridericianum. Meiner, Hamburg 1994, ISBN 3-7873-1185-8 (Kant-Forschungen 6), Voransicht in der Google-Buchsuche.
  • Christian Schiffert: Zuverlässige Nachricht von den jetzigen Anstalten des Collegii Fridericiani zu Königsberg in Preußen. Königsberg 1742, Bisher nicht zugänglich in der Google-Buchsuche.
  • Gustav Zippel: Geschichte des Königlichen Friedrichs-Kollegiums zu Königsberg Pr. 1698–1898. Hartung, Königsberg 1898, Digitalisat in der Google-Buchsuche.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m Ludwig Adolf Wiese: Das höhere Schulwesen in Preußen. Historisch-statistische Darstellung. Berlin 1864, S. 53
  2. Zur öffentlichen Prüfung der Schüler des Königl. Friedrich-Collegiums m Montag den 29. und Dienstag den 30. September d .J. ladet ergebenst Dr. J. Horkel, Königl. Professor und Director., Schultzsche Hofbuchdruckerei., Königsberg in Pr. 1856., Königl. Friedrich-Collegiums. S. 32, abgerufen am 9. Juni 2014
  3. a b c d Franz Kößler: Personenlexikon von Lehrern des 19. Jahrhunderts (PDF; 7,4 MB)
  4. Emil BrenningLauson, Johann Friedrich. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 18, Duncker & Humblot, Leipzig 1883, S. 71.

54.71346944444420.526091666667Koordinaten: 54° 42′ 48″ N, 20° 31′ 34″ O