Wilhelm von Humboldt

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Wilhelm von Humboldt

Friedrich Wilhelm Christian Carl Ferdinand von Humboldt (* 22. Juni 1767 in Potsdam; † 8. April 1835 in Tegel) war ein preußischer Gelehrter, Staatsmann und Mitgründer der Berliner Universität (heute: Humboldt-Universität).

Er zählt zu den großen, fortwirkend einflussreichen Persönlichkeiten in der deutschen Kulturgeschichte. Betrachtet man ihn in der Gemeinschaft mit seinem Bruder Alexander von Humboldt, so wird man kaum ein zweites Geschwisterpaar finden, das die eigene geschichtliche Epoche mit solchem Forscherdrang und mit solch universeller Gelehrsamkeit durchdrungen und bereichert hat wie diese beiden. Während Alexander dabei vor allem – aber keineswegs nur – der naturwissenschaftlichen Forschung neue Horizonte erschlossen hat, lagen die Schwerpunkte für Wilhelm in der Beschäftigung mit kulturwissenschaftlichen Zusammenhängen wie der Bildungsproblematik, der Staatstheorie, der analytischen Betrachtung von Sprache, Literatur und Kunst sowie in aktiver politischer Mitgestaltung als Reformmotor im Schul- und Universitätswesen und als preußischer Diplomat.

Biographie[Bearbeiten]

Herkunft und Jugend[Bearbeiten]

Gedenkstein für Gottlob Johann Christian Kunth, Erzieher der Humboldt-Brüder

In der väterlichen Linie waren die Humboldt-Brüder Sprösslinge pommerscher Vorfahren aus dem Bürgertum. Ihr Großvater wurde Offizier im preußischen Militär und wegen seiner Verdienste 1738 auf eigenes Ersuchen in den Adelsstand erhoben. Dessen Sohn Alexander Georg (1720–1779) wurde nach seinem Ausscheiden aus dem Heeresdienst auf Geheiß Friedrichs des Großen Kammerherr bei der Gemahlin des Thronfolgers bis zum Scheitern dieser Ehe 1769. Bereits 1766 hatte Alexander Georg die vermögende Witwe hugenottischer Herkunft Elisabeth von Holwede, geb. Colomb, geheiratet und war durch sie in den Besitz von Schloss Tegel gelangt. An der Ausbildung der Söhne Wilhelm und Alexander auf dem Tegeler Gut – winters in der Berliner Stadtwohnung, da das Schloss nur schwer beheizbar war – wurde nicht gespart.

Als Hauslehrer engagierten die Eltern unter anderem so renommierte Persönlichkeiten wie Joachim Heinrich Campe und Johann Jacob Engel, ab 1777 für mehr als zehn Jahre Gottlob Johann Christian Kunth, der den Erziehungsplan koordinierte und den Unterricht der verschiedenen Fachlehrer beaufsichtigte. In Vorbereitung auf die Universitätsstudien wurden den Brüdern Privatvorlesungen beispielsweise in Nationalökonomie und Statistik, Naturrecht und Philosophie gehalten. Kunth, der sich auch hinsichtlich der Gutsverwaltung eine Vertrauensstellung bei den Humboldts erworben hatte, wurde nach dem Tod seines Brotherrn 1779 zum unentbehrlichen Berater der erneut verwitweten Frau von Humboldt und dann auch zum Vermögensverwalter seiner Schützlinge. Wilhelm von Humboldt wiederum förderte später Kunths Aufstieg zum Mitarbeiter des Freiherrn vom Stein in der preußischen Reformära und erfüllte ihm nach seinem Tode 1829 den Wunsch, im Familiengrab der Humboldts in Tegel beigesetzt zu werden.

Schon als 13-Jähriger sprach Wilhelm fließend Griechisch, Latein und Französisch und war mit wichtigen Autoren der jeweiligen Literatur vertraut. Sein enormer Studienfleiß weckte nicht selten Besorgnis bei ihm Nahestehenden. Ab 1785 verkehrten die Humboldt-Brüder in Kreisen der Berliner Aufklärung. Im Zuge der von Kunth arrangierten Studien gelangten sie auch in das Haus des vielseitig interessierten Arztes Marcus Herz, der dort philosophische und physikalische Vorlesungen hielt, und in den Salon seiner Frau Henriette Herz, zu der Wilhelm zeitweise eine schwärmerische Zuneigung fasste. Dort lernten die Brüder unter anderem Moses Mendelssohn kennen, studierten gemeinsam die Schriften von Immanuel Kant und diskutieren über die Frage: Was ist Aufklärung? In den folgenden Jahren erhielten sie Privatunterricht von Christian Wilhelm von Dohm über Welthandel. Wilhelm lernte von Ernst Ferdinand Klein die Grundzüge des Naturrechts und bei Johann Jakob Engel diejenigen der Begriffs- und Urteilslogik. Auch mit den Schriften von John Locke und David Hume wurde er von Engel bekannt gemacht.[1]

Als Mitglied in ihrem „Bund der Freunde“, einem von vielen damals existierenden Tugendbünden, zu dem sowohl eine Satzung als auch eine Geheimschrift gehörte, kam Wilhelm späterhin in Kontakt mit Caroline von Dacheröden, die dem Bund als auswärtiges Mitglied gleichfalls angehörte.

Das Ziel der anspruchsvollen Ausbildung ihrer Söhne lag für die Mutter darin, sie für einflussreiche Staatsämter zu qualifizieren. Wilhelm war für ein Studium der Rechtswissenschaften vorgesehen, Alexander für Staatswirtschaftslehre, die als Kameralia firmierten. Noch unter Kunths Obhut begannen die Brüder ihr jeweiliges Studium an der Universität Frankfurt (Oder) (heute: Europa-Universität Viadrina), die Wilhelm aber nach einem Semester verließ, um sich im Frühjahr 1788 in Göttingen zu immatrikulieren.

Im Bund mit den Weimarer Klassikern[Bearbeiten]

Wilhelm von Humboldt, Kreidezeichnung von Johann Joseph Schmeller

In Göttingen löste sich Humboldt aus den vorgegebenen Bahnen und folgte fortan eigenen Impulsen, Interessen und Einsichten. Im Studium widmete er sich weniger der Jurisprudenz und mehr der Philosophie, der Geschichte und den alten Sprachen und hatte dabei mit Kapazitäten wie Lichtenberg und Heyne zu tun. Er befasste sich unter anderem mit Naturgeschichte und Experimentalphysik und setzte sich mit Immanuel Kants Kritik der Urteilskraft auseinander.[2]

1788 war auch das Jahr, in dem er Caroline von Dacheröden kennenlernte, die er 1791 in Erfurt heiratete. Mit ihrem überlieferten Briefwechsel, für den ein von beiden Eheleuten gepflegter Ton wechselseitiger Idealisierung bezeichnend ist, schufen Caroline und Wilhelm von Humboldt ein Orientierungsmuster des Geschlechterverhältnisses für das deutsche Bürgertum im 19. und noch im 20. Jahrhundert.[3]

Von seinem Göttinger Studienort aus unternahm Humboldt noch gegen Ende des Jahres 1788 eine Reise in die Rhein/Main-Gegend, bei der er Bekanntschaft mit dem Weltumsegler Georg Forster und mit Goethes Jugendfreund Friedrich Heinrich Jacobi schloss. Im Sommer 1789 brach er zu einer weiteren Reise auf, die ihn gemeinsam mit seinem vormaligen Lehrer Campe in das revolutionäre Paris führte. Begeistert von dem Freiheitssinn der Franzosen, muss er aber auch die Gewalt, den Zwang zum Mitmachen und das Machtstreben feststellen. Neben dem eigentlichen Revolutionsgeschehen interessierte ihn auch die Lage der Pariser Waisenkinder, die er in einem Findelhaus aufsuchte. Über die Weihnachtstage 1789 hielt sich Humboldt mit seiner Verlobten in Weimar auf und hatte dort erste Begegnungen mit Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe.

Anfang 1790 trat er nach Beendigung des viersemestrigen Studiums in den Staatsdienst und erhielt eine Anstellung im Justizdepartement, wo er für die Richterlaufbahn ausgebildet wurde, zugleich aber die Zusatzqualifikation für den diplomatischen Dienst erwarb. Schon im Mai 1791 suchte er mit Hinweis auf Familienumstände um seine Entlassung nach, sei es, dass ihm die Ausübung des Richteramts zuwider war, sei es, dass seine anderweitig entwickelten Neigungen den Ausschlag gaben oder dass er die Anstellung nur betrieben hatte, um vor seiner Mutter und vor seinem Schwiegervater in spe, dem Kammerpräsidenten von Dacheröden, zu bestehen. Nach der Hochzeit in Erfurt am 29. Juni 1791 lebte das junge Paar während der darauffolgenden zweieinhalb Jahre auf den Dacheröden’schen Gütern in Thüringen, wo Humboldt nun mit Caroline seine Studien der altgriechischen Sprache, Kultur, Kunst und Philosophie fortsetzte und in regem Gedankenaustausch mit dem Hallenser Altphilologen Friedrich August Wolf vertiefte. Die Beschäftigung mit der Antike diente ihm zu dem Zweck „der philosophischen Kenntnis des Menschen überhaupt“. Den griechischen Geist begriff er „als Ideal desselben, was wir selbst sein und hervorbringen möchten“. 1793 entstand die Schrift Über das Studium des Altertums und des Griechischen insbesondere, die seinen betonten Philhellenismus zeigt, gegen dessen Alleingültigkeitsanspruch selbst Schiller Vorbehalte hatte.

Mit seiner für die geistesgeschichtliche Epoche des Neuhumanismus charakteristischen Hochschätzung des antiken Griechentums und mit seiner weitreichenden Kenntnis kam Humboldt bereits als „‚Juniorpartner‘ der deutschen Klassik“ (Berglar), als er 1794 mit der jungen Familie an Schillers damalige Wirkungsstätte nach Jena umzog. Die Rolle, die er fortan zunächst Schiller, dann auch Goethe gegenüber spielen sollte, war die des scharfen Analytikers, konstruktiven Kritikers und versierten Ratgebers, der unter anderem auf Schillers Balladen und sein Wallenstein-Drama ebenso kunstverständig einging wie auf Goethes Herrmann und Dorothea.

Wilhelm (2. v. l.) mit Schiller, seinem Bruder Alexander und Goethe in Jena

Über Humboldts idealisierendes Bekenntnis zum antiken Griechenland und seinen nachfolgenden Einfluss auf das deutsche Bildungswesen urteilt Berglar: „Obwohl Humboldt sich an Tiefe nicht mit Goethe, an Dynamik nicht mit Schiller und an Schöpferkraft mit beiden nicht von Ferne messen konnte, hat doch gerade er vielleicht den stärksten, sicher aber den längsten Einfluß auf die deutsche Entwicklung genommen.“ Bis 1797 währte das enge Miteinander Humboldts mit Schiller in Jena. Es wurde 1795/96 unterbrochen und endete im Zusammenhang mit dem Tode Elisabeths von Humboldt, deren Vermögen auf die Söhne überging und diese materiell unabhängig machte. Während Wilhelm Schloss Tegel übernahm, kam Alexander nun zu dem Kapital, mit dem er seine amerikanische Forschungsreise finanzierte.

Preußens Gesandter in Rom[Bearbeiten]

Nicht nach Tegel auf das elterliche Erbgut zog es Wilhelm und seine Familie jedoch nach dem Tode der Mutter, sondern zunächst, nachdem durch Napoleons Italien-Feldzug das eigentliche Wunschziel aus Sicherheitsgründen entfallen war, für vier Jahre in das noch immer von der Revolution bewegte Paris. Dort machte Humboldt eine Reihe teils intensiver und anregender Bekanntschaften, wie beispielsweise die des Abbé Sieyès, von Mme. de Staël und des Revolutionsmalers David. Von Paris aus unternahm er dann 1799 und 1801 noch zwei längere Reisen nach Spanien, die sich vor allem hinsichtlich der sprachwissenschaftlichen Studien des Baskischen als ertragreich erwiesen.

Im Sommer 1801 kehrte Humboldt mit Frau und Kindern nach Tegel zurück, allerdings nur für gut ein Jahr. Denn bereits im folgenden Frühjahr eröffnete sich für ihn die Chance, auf bequeme und einträgliche Weise nach Italien zu kommen: als preußischer Resident am päpstlichen Stuhl. Nun zahlte sich aus, dass er während seiner Anstellung im Justizbereich zugleich eine Qualifikation für den diplomatischen Dienst und den Titel des Legationsrats erworben hatte. Als Mann von Welt aus dem Adelsstand empfahl er sich für diesen Posten, der möglichen Konkurrenten für nicht sehr attraktiv galt, nachdem der Kirchenstaat unter französischer Vorherrschaft zusammengeschrumpft und der Inhaber des Heiligen Stuhls von Napoleons Gnaden abhängig war. Mit der Aufgabe der konsularischen Vertretung preußischer Untertanen in Rom war Humboldt zeitlich nicht gefordert, so dass er genug Gelegenheit hatte, sein repräsentatives Haus, den Palazzo Tomati nahe der Spanischen Treppe, gemeinsam mit Caroline zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkt Roms zu machen. Hier verkehrten neben Kurienangehörigen als Gäste beispielsweise Lucien Bonaparte, noch als Kronprinz der spätere Ludwig I. von Bayern, die Bildhauer Bertel Thorvaldsen und Christian Daniel Rauch sowie der junge Karl Friedrich Schinkel, Carl Ludwig Fernow, Friedrich Tieck und August Wilhelm Schlegel in Begleitung der Frau von Staël.

Die Faszination, die Rom auf Wilhelm von Humboldt ausübte und die sein sechsjähriges Wirken als preußischer Gesandter dort begründete, erschließt sein Brief vom 23. August 1804 an Goethe:

„Rom ist der Ort, in dem sich für unsere Ansicht das ganze Altertum zusammenzieht […] Es ist allerdings also das meiste an diesem Eindruck subjektiv, aber es ist nicht bloß der empfindelnde Gedanke, zu stehen, wo jener oder dieser große Mann stand. Es ist ein gewaltsames Hinreißen in eine von uns nun einmal, sei es durch notwendige Täuschung, als edler und erhabener angesehene Vergangenheit, eine Gewalt, der selbst, wer wollte, nicht widerstehen kann, weil die Öde, in der die jetzigen Bewohner das Land lassen, und die unglaubliche Masse der Trümmer selbst das Auge dahin führen […] Aber es ist auch nur eine Täuschung, wenn wir selbst Bewohner Athens oder Roms zu sein wünschten. Nur aus der Ferne, nur von allem Gemeinen getrennt, nur als vergangen muß das Altertum uns erscheinen.“

Im Sommer 1805 besuchte der von seiner Amerika-Expedition zurückgekehrte und schon damals als „zweiter Kolumbus“ gefeierte Alexander von Humboldt für mehr als drei Monate den Bruder und die Schwägerin in Rom, bevor er sich in Paris an die umfassende wissenschaftliche Auswertung des gesammelten Forschungsmaterials machte. Dies darf als Zeichen einer intensiven Kommunikation und herzlichen Verbundenheit der mitunter in starken Kontrast zueinander gesetzten Brüder genommen werden. Ihr Verhältnis und komplementäres Wirken wird gelegentlich mit dem Bild von den „preußischen Dioskuren“ wiedergegeben.

Der Bildungsreformer[Bearbeiten]

Denkmal Wilhelm von Humboldts vor der Humboldt-Universität in Berlin
Gedenktafel im Haus Unter den Linden 6 in Berlin-Mitte

Die Liquidierung des Heiligen Römischen Reiches, den Zusammenbruch Preußens nach der Niederlage bei Jena und Auerstedt sowie die französische Besetzung Berlins 1806 hat Humboldt auf seinem Posten in Rom betroffen, aber aus der Distanz mitverfolgt. An Staatsminister Karl August Fürst von Hardenberg, der auch die Geschäfte des Außenministers ausübte, schrieb er im Herbst 1806: „Ich war niemals ehrgeizig oder interessiert und zufrieden mit dem Posten in dem Lande, das ich bewohne und das ich liebe und habe weder gesucht noch gewünscht, in eine andere Lage zu kommen, aber jetzt ist es mir peinlich, hier müßig zu sein und nichts für das bedrängte Vaterland tun zu können.“

Anderweitige Verwendung hatte man aber in Berlin offenbar nicht für ihn, und so blieb er noch bis zum Oktober 1808 in Rom. Erst ein Urlaubsgesuch zur Regelung von Vermögensangelegenheiten und zur Schadensaufnahme im geplünderten Schloss Tegel bot ihm Gelegenheit zur Rückkehr nach Deutschland. Dort angekommen erfuhr er jedoch, dass er im Zuge der von Stein auf den Weg gebrachten Preußischen Reformen die Leitung der „Sektion des Kultus und des öffentlichen Unterrichts“ übernehmen sollte. Es hatte seinen guten Grund, dass der Freiherr vom Stein unbeirrbar daran festhielt, Humboldt sei der zu dieser Zeit an dieser Stelle nötige Mann. Denn der preußische Militärstaat, wie er von Friedrich Wilhelm I. geschaffen und von Friedrich II. auf Expansionskurs gesetzt worden war, hatte vorerst abgewirtschaftet und befand sich Napoleon gegenüber in einer demütigenden Abhängigkeit. Um aus dieser Lage heraus wieder zu Kräften zu kommen, bedurfte es im Sinne Steins und seiner Mitstreiter umfassender Reformen mit dem Ziel, dem mit der Französischen Revolution erwachten Freiheitsstreben der Bürger Raum zu geben, ihre Eigenverantwortung zu fördern und auf diese Weise dem Staat und der Nation neue Ressourcen zu erschließen.

Humboldts staatstheoretische Vorstellungen lagen seit langem schon auf dieser Linie. Er gilt als Stammvater des deutschen Liberalismus und geriet mit seinem Ansatz in Gegensatz zu den monarchisch-konservativen Kräften in Preußen und darüber hinaus. So hatte er in seiner 1792 verfassten Abhandlung „Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen“ geschrieben:

„Der wahre Zweck des Menschen, nicht der, welchen die wechselnde Neigung, sondern welche die ewig unveränderliche Vernunft ihm vorschreibt, ist die höchste und proportionierlichste Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen. Zu dieser Bildung ist Freiheit die erste und unerläßliche Bedingung. […] Gerade die aus der Vereinigung Mehrerer entstehende Mannigfaltigkeit ist das höchste Gut, welches die Gesellschaft gibt, und diese Mannigfaltigkeit geht gewiß immer in dem Grade der Einmischung des Staates verloren. Es sind nicht mehr eigentlich die Mitglieder einer Nation, die mit sich in Gemeinschaft leben, sondern einzelne Untertanen, welche mit dem Staat, d. h. dem Geiste, welcher in seiner Regierung herrscht, in Verhältnis kommen, und zwar in ein Verhältnis, in welchem schon die überlegene Macht des Staats das freie Spiel der Kräfte hemmt. Gleichförmige Ursachen haben gleichförmige Wirkungen. Je mehr also der Staat mitwirkt, desto ähnlicher ist nicht bloß alles Wirkende, sondern auch alles Gewirkte. […] Wer aber für andere so räsoniert, den hat man, und nicht mit Unrecht, in Verdacht, daß er die Menschheit mißkennt und aus Menschen Maschinen machen will.“

Für Humboldts Nominierung in dieser Umbruchsituation sprach seine Hochschätzung von Bildung für ein menschenwürdiges Dasein: „Was verlangt man von einer Nation, einem Zeitalter, von dem ganzen Menschengeschlecht, wenn man ihm seine Achtung und seine Bewunderung schenken soll? Man verlangt, dass Bildung, Weisheit und Tugend so mächtig und allgemein verbreitet, als möglich, unter ihm herrschen, dass es seinen inneren Wert so hoch steigern, dass der Begriff der Menschheit, wenn man ihn von ihm, als dem einzigen Beispiel, abziehen müsste, einen großen und würdigen Gehalt gewönne.“[4]

Diese Ansprüche an das Innere des Menschen, an das Ich, bezieht Humboldt wenige Zeilen später auf das Äußere, die Welt, um das Ganze der Bildung in dialektischer Beziehung darzustellen: "Beschränken sich indess auch alle diese Forderungen nur auf das innere Wesen des Menschen, so drängt doch seine Natur beständig von sich aus zu den Gegenstände ausser ihm überzugehen, und hier kommt es nun darauf an, dass er in dieser Entfremdung nicht sich selbst verliere, sondern vielmehr von allem, was er ausser sich vornimmt, immer das erhellende Licht und die wohltätige Wärme in sein Innres zurückstrahle. Zu dieser Absicht aber muss er die Masse der Gegenstände sich selbst näher bringen, diesem Stoff die Gestalt seines Geistes aufdrücken und beide einander ähnlicher machen. In ihm ist vollkommene Einheit und durchgängige Wechselwirkung, beide muss er also auch auf die Natur übertragen; in ihm sind mehrere Fähigkeiten, ihm denselben Gegenstand in verschiedenen Gestalten, bald als Begriff des Verstandes, bald als bild der einbildungskraft, bald als Anschauung der Sinne vor seine Betrachtung zu führen."[5]

Als Humboldt nun mit der Berufung in das Amt konfrontiert war, zögerte er, es anzunehmen. Das lag wohl teils daran, dass er nicht als Minister und damit nur dem König verantwortlich, sondern als Sektionschef unter Innenminister Friedrich zu Dohna-Schlobitten tätig werden sollte. Er mag gefürchtet haben, dass ihm angesichts der Bedeutung der Aufgabe nicht genügend freie Hand bliebe zur Neuordnung des Unterrichtswesens. Seiner Frau Caroline schrieb er von „traurigen Dingen“ und von einer Krise, in der er darob sei. Das Berufungsschreiben auf den neuen Posten ließ Humboldt im Januar 1809 zwei Wochen liegen, lehnte dann ab und bat den König, seinen diplomatischen Dienst in Rom fortsetzen zu dürfen. Das aber wurde ihm verwehrt; am 10. Februar wurde er zum Geheimen Staatsrat und Direktor der Sektion für Kultus und Unterricht im Ministerium des Inneren ernannt.[6] Nachdem er sich schließlich in die Umstände gefügt hatte, setzte Humboldt in seiner Amtsführung in Königsberg eine erstaunliche Dynamik frei und reformierte, unterstützt von seinen Mitarbeitern Nicolovius, Süvern und Uhden, sowohl temporeich wie umsichtig Lehrpläne, Lehrerausbildung und Prüfungswesen an Elementar- und Volksschulen, Gymnasien und im universitären Bereich, obwohl er das öffentliche Schulwesen aus eigener Erfahrung weder als Schüler noch als Lehrer kennengelernt hatte.

Man hat mit Blick auf wirtschaftliche Zwänge und gesellschaftliche Realitäten kritisiert, dass Humboldts Bildungsideal zu eng gebunden war an seine aristokratisch privilegierte Existenz. Humboldt selbst zielte aber auf eine allgemeine Bildungsreform; Belege dafür – wie auch Anregungen für die Schaffung einer Bürgergesellschaft, in der lebenslanges Lernen möglich werden könnte – enthält sein Bericht an den König vom Dezember 1809: „Es gibt schlechterdings gewisse Kenntnisse, die allgemein sein müssen, und noch mehr eine gewisse Bildung der Gesinnungen und des Charakters, die keinem fehlen darf. Jeder ist offenbar nur dann ein guter Handwerker, Kaufmann, Soldat und Geschäftsmann, wenn er an sich und ohne Hinsicht auf seinen besonderen Beruf ein guter, anständiger, seinem Stande nach aufgeklärter Mensch und Bürger ist. Gibt ihm der Schulunterricht, was hierzu erforderlich ist, so erwirbt er die besondere Fähigkeit seines Berufs nachher sehr leicht und behält immer die Freiheit, wie im Leben so oft geschieht, von einem zum andern überzugehen.“[7]

Wilhelm von Humboldt, Porträtstatue von Bertel Thorvaldsen, 1808

Humboldt wollte ein dreistufiges Einheitsschulsystem mit dem Elementarunterricht, dem Schulunterricht und dem Universitätsunterricht. Nach jeder Unterrichtsstufe war die Möglichkeit vorgesehen, in den Beruf einzutreten. Im Herbst 1809 legte er zwei Entwürfe für das Schulwesen vor, den „Königsberger Schulplan“ und den „Litauischen Schulplan“, zwei zentrale Dokumente der deutschen Schulgeschichte. Sie richteten sich gegen bloße Standesbildung und sollten „nur allgemeine Menschenbildung“ bezwecken. Das war gegen Ritterakademien, Kadettenschulen und bürgerliche Realschulen gerichtet, die vielfach eine berufsbildende Ausrichtung hatten. Für die dreijährige Elementarschule schlug er die Übernahme der Methoden Pestalozzis vor: „Es ist also der Hauptgrundsatz der ganzen Methode, dass das Kind immer das volle und deutliche Bewusstsein haben muss, was es in jedem Augenblick hört, sagt und tut, und warum so und nicht anders gehandelt wird.“ Für das Gymnasium formulierte Humboldt die leitenden Ideen zum humanistischen Gymnasium, das er als Vorbereitung zum Studium verstand. Er drang im Geist des Neuhumanismus auf die Vorherrschaft der alten Sprachen Griechisch und Latein als Geistesschulung.

Nachwirkende Maßnahmen Humboldts oder seiner Mitarbeiter waren

  • die Einführung des Lehramtsexamens 1810 (examen pro facultate docendi), mit dem der Stand des Gymnasiallehrers geschaffen wurde, der Kenntnisse nachweisen musste in den alten Sprachen, in Geschichte und Mathematik,
  • die Vereinheitlichung und Verpflichtung der Abiturprüfung 1812 (die erst 1834 ohne Ausnahmen durchgesetzt wurde),
  • der „Plan der Unterrichtsverfassung“ eines 10-jährigen Gymnasialkurses 1816 (Curriculum, das nur ein Vorschlag blieb, aber wirkungsvoll war).[8]

Den krönenden Abschluss des Reformwerks bildete die Gründung der Berliner Universität 1809, von der Berglar sagt: „Niemals wieder hatte ein deutscher Unterrichtsminister eine stolzere Berufungsliste vorzuweisen.“ Zu den glanzvollsten Lehrstuhlbesetzungen gehörten in den Anfängen Schleiermacher, Friedrich Carl von Savigny, Johann Gottlieb Fichte und Barthold Georg Niebuhr. Kein leichtes Geschäft allerdings für den Organisator, wie der seiner Frau Caroline gegenüber brieflich klagte: Es handle sich bei den Fachgelehrten um „die unbändigste und am schwersten zu befriedigende Menschenklasse – mit ihren sich ewig durchkreuzenden Interessen, ihrer Eifersucht, ihrem Neid, ihrer Lust zu regieren, ihren einseitigen Ansichten, wo jeder meint, daß nur sein Fach Unterstützung und Beförderung verdiene.“[9]

Humboldts Universitätsidee sah für den Universitätsbetrieb und das Verhältnis zwischen Dozenten und ihren Studenten die Einheit von Forschung und Lehre vor. Beide sollten auch von staatlichen Forderungen und Auflagen einengender Art freigehalten werden. Humboldt ging davon aus, dass die Universitäten in verantwortlicher Selbststeuerung auch die staatlichen Zwecke erfüllen, nur sozusagen von einer höheren Warte aus und mit Mitteln, die der Staat aus eigenem Vermögen nicht hervorbringen kann. Zum Muster der deutschen Universität wurde die Humboldtsche jedoch erst zu Anfang des 20. Jahrhunderts auf der Grundlage des 1903 veröffentlichten Manuskripts „Über die innere und äußere Organisation der höheren wissenschaftlichen Anstalten“ erhoben.[10]

Den Vorsatz, seine Stellung im Staatsrat aufwerten zu lassen, um unabhängig und gleichberechtigt unter Kabinettskollegen wirken zu können, hatte Humboldt zu keiner Zeit aufgegeben und sich Hoffnungen gemacht, den König von den Vorstellungen des Freiherrn vom Stein überzeugen zu können. Als er erkannte, dass er nichts ausgerichtet hatte, reichte er nach gut einjähriger Tätigkeit im Amt sein Rücktrittsgesuch ein. Es dauerte zweieinhalb Monate, in denen er sowohl für die Leitung des Innen- wie des Außenministeriums im Gespräch war, bis seine Entlassung bewilligt wurde. Da er die Übernahme der Sektionsleitung für Kultus bereits mit der Bitte verknüpft hatte, später in den diplomatischen Dienst zurückkehren zu können, sollte die mit der Entlassung zugleich verbundene Ernennung zum „außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister in Wien“ seine Enttäuschung wohl abmildern.

Humboldt ist für sein jeweiliges Ausscheiden aus den Staatsämtern, die er innegehabt hatte, angegriffen worden. Eigenliebe, Genusssucht, Bequemlichkeit und Selbstüberschätzung gehören zu den angenommenen Motiven seiner Rückzüge. Dagegen stehen der enorme Einsatz und der unermüdliche Arbeitseifer, den er, wenn es darauf ankam, auch im Staatsdienst an den Tag legte. Bedingungslos galt seine Bereitschaft zum Dienst am Gemeinwesen aber nicht. Wenn die politischen Umstände ihn übermäßig zu fesseln und seinem Selbstbild zu entfremden drohten, wenn er für ein den eigenen Überzeugungen entsprechendes Wirken keine Perspektive mehr sah, dann endete für ihn jegliche Verpflichtung.[11]

Diplomat für Freiheit und Frieden[Bearbeiten]

Caroline von Humboldt war in Rom geblieben, während ihr Mann als Bildungsminister amtierte. Im Herbst 1810 traf sie mit den Kindern in Wien ein, um wieder mit ihm zusammenzuleben und in dem Haus am Minoritenplatz ein repräsentatives Gesellschaftsleben zu pflegen. Über seinen in habsburgische Dienste getretenen Jugendfreund Friedrich Gentz gelang es Humboldt, die Leitvorstellungen des damaligen österreichischen Außenministers Metternich kennenzulernen. So konnte er Hardenberg die österreichische Haltung im Konflikt Napoleons mit Russland und im beginnenden Befreiungskrieg gegen Napoleon zuverlässig vorhersagen und den österreichischen Beitritt zur Koalition im Hintergrund fördern. Für seinen Biographen Scurla war es der Höhepunkt in Humboldts diplomatischer Laufbahn. Im Sommer 1813 vertrat er Preußen auf dem Friedenskongress von Prag.

Auf dem Wiener Kongress und bei den Verhandlungen über den Deutschen Bund fungierte Humboldt als Hardenbergs rechte Hand und trug mit zahlreichen Memoranden zur inhaltlichen Ausgestaltung der Bundesakte bei. Das in dieser wichtigen Phase der Neuordnung Europas bestehende Einvernehmen mit Hardenberg hielt jedoch nicht dauerhaft vor. Denn in dem zunehmend von Metternichs restaurativen Strebungen geprägten Klima gerieten Humboldts liberale Grundsätze und Impulse mehr und mehr ins Abseits, während Hardenberg sich in die Entwicklung schickte. Nach Abschluss der Verhandlungen war aufgrund des deutlich gewordenen Gegensatzes zwischen Metternich und Humboldt dessen Rolle in Wien ausgespielt. Er wurde zunächst für das ganze Jahr 1816 zu Anschlussverhandlungen über offene Territorialfragen im Deutschen Bund nach Frankfurt/Main geschickt, danach auf den Botschafterposten in London kaltgestellt. Humboldt war von Hardenberg selbst wiederholt ein Ministeramt in Aussicht gestellt worden und hatte diesem – quasi als Voraussetzung für die Bereitschaft zur Übernahme eines Ministeriums – eine Reform des Staatsrats empfohlen, die auf kollegiale Entscheidungsstrukturen hinauslief. Hardenberg fühlte sich in seiner Autorität und Leitungsfunktion durch Humboldt angegriffen und forderte darauf die zügige Abreise des 1817 während mehrerer Monate als Mitglied des Staatsrats im Berliner politischen Geschäft mitmischenden Humboldt nach London.

Nur gut ein halbes Jahr fügte sich Humboldt dieser Abschiebung, dann bat er angeblich aus familiären Gründen um seine Abberufung. Hardenberg kassierte das Gesuch, um ihn von Berlin fernzuhalten, und erst ein zweites, direkt an den König gerichtetes brachte einen halben Erfolg: Humboldt sollte erneut die preußischen Interessen beim Deutschen Bund in Frankfurt a.M. wahren. Im Januar 1819 schließlich wurde er doch noch in ein Ministeramt berufen, und zwar in das für ständische Angelegenheiten. Unter anderen Voraussetzungen hätte sich hier die Chance bieten können, liberale Grundlagen für eine konstitutionelle Monarchie zu schaffen und so das Verfassungsversprechen Friedrich Wilhelms III. im Geiste Humboldts zu verwirklichen. Die Aussicht auf diese Möglichkeit bewog ihn, seine erneut vorgebrachte Forderung nach einer Reform des Staatsrats auf sich beruhen zu lassen und das angebotene Ministerium zu übernehmen – trotz Hardenbergs anhaltender Reserviertheit und ungeachtet dessen eigener Verfassungspläne. Die interessierte Öffentlichkeit, deren Erwartungen wohl bereits für die Offerte an Humboldt den Ausschlag gegeben hatten, reagierte entsprechend erfreut auf seine Zusage. Hardenberg jedoch, der die Weichen in der Verfassungsfrage bereits vor Humboldts Eintreffen in Berlin gestellt haben wollte, hielt diesen bis in den Sommer hinein mit seinen Frankfurter Aufgaben befasst, ehe er ihn nach Berlin einbestellte.

In dem für seine Verfassungsvorstellungen denkbar ungünstigsten Moment musste Humboldt nun das Amt antreten. Parallel zu seiner Amtseinführung wurden zwischen den preußischen und österreichischen Regierungsspitzen die Karlsbader Beschlüsse verhandelt und verabschiedet, die die Unterdrückung und Verfolgung der liberalen Bestrebungen an den Universitäten und im öffentlichen Leben vorsahen. Zwar kam es auch danach noch zur Vorstellung der Verfassungsentwürfe Hardenbergs und Humboldts in der vom König unter anderen Vorzeichen berufenen Verfassungskommission, doch waren die Würfel gegen eine konstitutionelle Entwicklung in Preußen mit der Karlsbader Übereinkunft bereits gefallen. Humboldts Kampf, für den er zeitweise sogar noch eine Reihe seiner Kollegen gewinnen konnte, fand auf längst verlorenem Posten statt. Sein energisches Eintreten gegen polizeiliche Willkürmaßnahmen im Zuge von „Demagogen“-Verfolgungen führten zu seiner Entlassung am 31. Dezember 1819, die er gelassen hin nahm.

Bau- und Schlossherr in Tegel[Bearbeiten]

In seinem 51. Lebensjahr bestimmte Humboldt Ort und Inhalt des eigenen Daseins neu. Er entschied sich für das elterliche Erbe in Tegel als künftigen Lebensmittelpunkt, allerdings in einer Gestalt, die seinen Neigungen und ästhetischen Vorstellungen ganz anders entsprach, als dies für das „Schloss Langweil“ aus Kindertagen galt. Antike Kunst und Kultur waren in seinem Bildungsweg wichtigster Maßstab geworden: Nun sollten sie auch das Haus prägen. Dazu war ein weitreichender Um- und Ausbau des bestehenden Komplexes nötig, mit dem Humboldt den seit römischen Tagen geschätzten Karl Friedrich Schinkel betraute. Den vorhandenen Baubestand erweiterte Schinkel in einem architektonischen Bravourstück um eine viertürmige klassizistische Fassade und schuf einen Innenraum, der dann in stilvoller Weise mit den von Wilhelm und Caroline im Laufe der Jahrzehnte getätigten Erwerbungen an Marmorplastiken und Gipsabgüssen ausgestattet wurde. So entstand hier nicht nur eine einzigartige Wohnanlage, sondern zugleich ein erstes preußisches Antikenmuseum.

Das kongeniale Zusammenwirken Humboldts und Schinkels – die Einweihung des Umbaus fand im Oktober 1824 in Anwesenheit des preußischen Kronprinzenpaares und anderer illustrer Gäste statt – sollte wenige Jahre später bei der Entstehung des Alten Museums am Lustgarten – Baumeister: Schinkel, Objektausstattung: Wilhelm von Humboldt – erneut zum Tragen kommen. In seiner Eigenschaft als Vorsitzender des 1825 gegründeten Vereins der Kunstfreunde, der die Förderung von Kunst und Künstlern betrieb, war Humboldt mit seiner umfassenden Kenntnis der alten Welt auch bei der Einrichtung des Alten Museums zweifellos höchst nützlich. Und so erfreute er sich im Zuge der Museumseröffnung 1830 auch von Seiten des Königs neuerlich großer Wertschätzung sowie ehrender Auszeichnungen und war gebeten, fortan wieder an den Sitzungen des Staatsrats teilzunehmen. Dabei war an ernsthaftes politisches Engagement nicht mehr gedacht, und Humboldt hat seinen Ehrensitz dann auch nur noch zurückhaltend wahrgenommen.

1829 setzte nach dem Tod Carolines, die ihn in allen Lebenslagen ermutigt und gestärkt hatte, ein beschleunigter Alterungsprozess ein, begleitet von den Symptomen der Parkinson-Krankheit.[12] Doch allabendlich diktierte der verwitwete Humboldt, der auch ansonsten in seinem Tegeler Domizil an einem klar gegliederten Tagesablauf festhielt, quasi aus dem Stegreif ein Sonett. Das vom 26. Dezember 1834 enthält die Zeilen:

Ich lieb‘ euch, meiner Wohnung stille Mauern,
und habe euch mit Liebe aufgebauet;
wenn man des Wohners Sinn im Hause schauet,
wird lang nach mir in euch noch meiner dauern.

Seine Nachkommen haben – über alle geschichtlichen Wechsellagen des 19. Und 20. Jahrhunderts hinweg – an der Einlösung dieser Vision mitgewirkt und die Doppelnutzung von Schloss Tegel als Familienwohnsitz und Museum, das interessierten Besuchern in Teilen zugänglich ist, bis in die Gegenwart fortgeführt.

Theodor Fontane würdigte in den Wanderungen durch die Mark Brandenburg das Familiengrab im Schlosspark: „Das berühmte Brüderpaar, das diesem Flecken märkischen Sandes auf Jahrhunderte hin eine Bedeutung leihen und es zur Pilgerstätte für Tausende machen sollte, ruht dort gemeinschaftlich zu Füßen einer granitenen Säule, von deren Höhe die Gestalt der ‚Hoffnung‘ auf die Gräber beider herniederblickt.“

Begründer der vergleichenden Sprachforschung und -wissenschaft[Bearbeiten]

Während der eineinhalb Jahrzehnte in seinem Tegeler Reich beschäftigte Humboldt sich vorrangig mit Sprachstudien. Das Material dafür hatte er auf seinen Reisen teils selbst gesammelt, teils in seiner ausgedehnten Briefkorrespondenz erschlossen, teils auch aus dem Fundus der Forschungsreisen seines Bruders Alexander bezogen. Ab 1827 war der Bruder wieder in Berlin und häufig zu Besuch in Tegel. Brieflich urteilte er nach dem Tode Wilhelms, den er mehr als zwei Jahrzehnte überlebte:

„Er hat neben sich entstehen sehen und mächtig gefördert eine neue allgemeine Sprachwissenschaft, ein Zurückführen des Mannigfaltigen im Sprachbau auf Typen, die in geistigen Anlagen der Menschheit gegründet sind: Den ganzen Erdkreis in dieser Mannigfaltigkeit umfassend, jede Sprache in ihrer Struktur ergründend, als wäre sie der einzige Gegenstand seiner Forschungen gewesen, […] war der Verewigte nicht nur unter seinen Zeitgenossen derjenige, welcher die meisten Sprachen grammatikalisch studiert hatte; er war auch der, welcher den Zusammenhang aller Sprachformen und ihren Einfluss auf die geistige Bildung der Menschheit am tiefsten und sinnigsten ergründete.“

Neben den schon in jungen Jahren erlernten Fremdsprachen erstreckte sich die Sprachbeherrschung Humboldts auf Englisch, Italienisch, Spanisch, Baskisch, Ungarisch, Tschechisch, Litauisch; seine wissenschaftlichen Untersuchungen galten den Eingeborenensprachen Amerikas, dem Koptischen, dem Altägyptischen, dem Chinesischen, dem Japanischen, dem indischen Sanskrit, dem Birmanischen, der hawaiischen Sprache[13] und dem Altjavanischen. Quell dieses umfassenden sprachlichen Forschungsdrangs war Humboldts Menschenbild, in dem Sprache die Schlüsselrolle schlechthin innehatte: „Denn da das menschliche Gemüt die Wiege, Heimat und Wohnung der Sprache ist, so gehen unvermerkt, und ihm selbst verborgen, alle ihre Eigenschaften auf dasselbe über.“ Und in einer Abhandlung über den Nationalcharakter der Sprachen schreibt Humboldt: „Insofern aber die Sprache, indem sie bezeichnet, eigentlich schafft, dem unbestimmten Denken ein Gepräge verleiht, dringt der Geist, durch das Wirken mehrerer unterstützt, auch auf neuen Wegen in das Wesen der Dinge selbst ein. […] Einige Nationen begnügen sich gleichsam mehr an dem Gemälde, das ihre Sprache ihnen von der Welt entwirft, und suchen nur in sie mehr Licht, Zusammenhang und Ebenmaß zu bringen. Andre graben sich gleichsam mühseliger in den Gedanken ein, glauben nie genug in den Ausdruck legen zu können, ihn anpassend zu machen, und vernachlässigen darüber das in sich Vollendete der Form. Die Sprachen beider tragen dann das Gepräge davon an sich.“

Zwischenmenschliches Verstehen in entwickelter Form setzt eine gemeinsame Sprache voraus; und das ist nach Humboldt Triebfeder und Medium auch des wissenschaftlichen Fortschritts: „Denn das Verstehen ist kein Zusammentreffen der Vorstellungsweisen in einem unteilbaren Punkt, sondern ein Zusammentreffen von Gedankensphären, von welchen der allgemeine Teil sich deckt, der individuelle überragt. Dadurch wird das geistige Fortschreiten des Menschengeschlechts möglich, indem jede gewonnene Erweiterung des Denkens in den Besitz anderer übergehen kann, ohne in ihnen der Freiheit Fesseln anzulegen, welche zur Aneignung und zu neuer Erweiterung notwendig ist.“

Ein in diesem Sinne besonders fruchtbares Zusammentreffen von Gedankensphären hat das Tegeler Brüderpaar miteinander erlebt – und die Nachwelt davon profitieren lassen. Wilhelm entwickelte aufgrund seiner politischen Ämter mehr preußischen Patriotismus und vermisste diesen bei dem lange Zeit in Paris weilenden Alexander gelegentlich. Doch im Grunde ging beiden jegliche vaterländische Borniertheit ab, und bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit einte sie ihr kosmopolitischer Ansatz. Herbert Scurla sah in den nachstehenden Sätzen Wilhelm von Humboldts, auf die Alexander im „Kosmos“ ausdrücklich verwiesen hat, ein gemeinsames Vermächtnis der Humboldt-Brüder:

„Wenn wir eine Idee bezeichnen wollen, die durch die ganze Geschichte hindurch in immer mehr erweiterter Geltung sichtbar ist; wenn irgendeine die vielfach bestrittene, aber noch vielfacher missverstandene Vervollkommnung des ganzen Geschlechtes beweist: so ist es die Idee der Menschheit, das Bestreben, die Grenzen, welche Vorurteile und einseitige Ansichten aller Art feindselig zwischen die Menschen gestellt, aufzuheben; und die gesamte Menschheit ohne Rücksicht auf Religion, Nation und Farbe als einen großen, nahe verbrüderten Stamm, als ein zur Erreichung eines Zweckes, der freien Entwicklung innerer Kraft, bestehendes Ganzes zu behandeln. Es ist dies das letzte, äußere Ziel der Geselligkeit und zugleich die durch seine Natur selbst in ihn gelegte Richtung des Menschen auf unbestimmte Erweiterung seines Daseins.“

Nachkommen[Bearbeiten]

Caroline und Wilhelm von Humboldt hatten acht Kinder:

  • Caroline von Humboldt (1792–1837)
  • Wilhelm von Humboldt (1794–1803)
  • Theodor von Humboldt-Dacheroeden (1797–1871) ∞ Mathilde von Heineken (1800-1881)
  • Aurora Raffaele Adelheid von Humboldt (* 17. Mai 1800 in Paris; † 14. Dezember 1856 in Berlin) ∞ August von Hedemann (1785-1859)
  • Gabriele von Humboldt (1802–1887) ∞ Heinrich von Bülow (1791-1846)
  • Louise von Humboldt(1804-1804)
  • Gustav von Humboldt (1806–1807)
  • Hermann von Humboldt (1809–1870)

Ehrungen[Bearbeiten]

Der Schwarze Adlerorden wurde Humboldt vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. am 15. September 1830 verliehen.[14]

Der Mondkrater Humboldt wurde 1935 von der Internationalen Astronomischen Union offiziell nach Wilhelm von Humboldt benannt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

  • Sokrates und Platon über die Gottheit. 1787–1790
  • Ideen zu einem Versuch, die Gränzen der Wirksamkeit des Staats zu bestimmen. (Geschrieben 1792; der gesamte Text wurde erst postum, 1851, aus dem Nachlass publiziert) Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv
  • Über den Geschlechtsunterschied. 1794
  • Über männliche und weibliche Form. 1795
  • Plan einer vergleichenden Anthropologie. 1797
  • Das achtzehnte Jahrhundert. 1797
  • Latium und Hellas. 1806
  • Geschichte des Verfalls und Untergangs der griechischen Freistaaten. 1807–1808
  • Über den zukünftigen Zustand Deutschlands. 1813 (Denkschrift)
  • Pindars „Olympische Oden“. Übersetzung aus dem Griechischen, 1816
  • Aischylos’ „Agamemnon“. Übersetzung aus dem Griechischen, 1816
  • Über das vergleichende Sprachstudium in Beziehung auf die verschiedenen Epochen der Sprachentwicklung. 1820
  • Über die Aufgabe des Geschichtsschreibers. 1821
  • Über die Entstehung der grammatischen Formen und ihren Einfluss auf die Ideenentwicklung. 1822
  • Über die Buchstabenschrift und ihren Zusammenhang mit dem Sprachbau. 1824
  • Bhagavad-Gitá. 1826
  • Über den Dualis. 1827
  • Über die Sprache der Südseeinseln. 1828
  • Über Schiller und den Gang seiner Geistesentwicklung. 1830
  • Rezension von Goethes Zweitem römischem Aufenthalt. 1830
  • Über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaus und ihren Einfluss auf die geistige Entwicklung des Menschengeschlechts. 1836
  • Sonette, Gedichtesammlung, mit Vorwort von Alexander v. Humboldt, mit der Bemerkung „ursprünglich nicht zu Veröffentlichung bestimmt“; gestochenes Porträt als Vorsatz, Erste Auflage postum, Berlin, bei Georg Reimer, 1853, 352 S.

Werkausgaben

  • Gesammelte Schriften. Ausgabe der Preußischen Akademie der Wissenschaften, hrsg. von Albert Leitzmann, Berlin 1903–1936, Nachdruck 1968.
  • Wilhelm von Humboldt. Werke in fünf Bänden. Hrsg. v. Andreas Flitner und Klaus Giel. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt (Bd. I: Schriften zur Anthropologie und Geschichte, 3., gegenüber der 2. unveränd. Aufl. 1980), (Bd. II: Schriften zur Altertumskunde und Ästhetik. Die Vasken, 3., gegenüber der 2. unveränd. Aufl. 1979), (Bd. III: Schriften zur Sprachphilosophie, 4. unveränd. Aufl. 1963), (Bd. IV: Schriften zur Politik und zum Bildungswesen, 2., durchges. Aufl. 1964), (Bd. V: Kleine Schriften, Autobiographisches, Dichtungen, Briefe, Kommentare und Anmerkungen zu Band I-V, Anhang).
  • Werke in fünf Bänden. Studienausgabe, Darmstadt 2002

Einzelausgaben

  • Über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaues und ihren Einfluß auf die geistige Entwicklung des Menschengeschlechts. Paderborn 1998
  • Über die Sprache. Reden vor der Akademie. Tübingen 1994
  • Bildung und Sprache. 5. durchges. Auflage, Paderborn 1997
  • Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staats zu bestimmen. Stuttgart 1986

Literatur[Bearbeiten]

Briefmarke (1952) der Serie Männer aus der Geschichte Berlins
Briefmarke (1985) zum 150. Todestag

Lexikoneinträge

Einführungen

Ausführliche Biographien

Bildung

  • Dietrich Benner: Wilhelm von Humboldts Bildungstheorie. 3. Auflage. Juventa, Weinheim 2003.
  • Clemens Menze: Die Bildungsreform Wilhelm von Humboldts. Schroedel, Hannover 1975.
  • Clemens Menze: Grundzüge der Bildungsphilosophie Wilhelm von Humboldts. In Hans Steffen (Hrsg.): Bildung und Gesellschaft. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1972, S. 5–27.

Sprache

  • Matthias Aumüller: Innere Form und Poetizität. Die Theorie Aleksandr Potebnjas in ihrem begriffsgeschichtlichen Kontext. Peter Lang, Frankfurt/M. 2005.
  • Tilman Borsche: Sprachanansichten. Der Begriff der menschlichen Rede in der Sprachphilosophie Wilhelm von Humboldts. Klett-Cotta, Stuttgart 1981.
  • Jürgen Trabant: Apeliotes oder Der Sinn der Sprache: Wilhelm von Humboldts Sprach-Bild. Fink, München 1986, ISBN 3-7705-2381-4.
  • Jürgen Trabant: Weltansichten. Wilhelm von Humboldts Sprachprojekt. Verlag C. H. Beck, München, ISBN 978-3-406-64021-6.
  • Frank Schneider: Der Typus der Sprache. Eine Rekonstruktion des Sprachbegriffs Wilhelm von Humboldts auf der Grundlage der Sprachursprungsfrage. Nodus, Münster 1995, ISBN 3-89323-124-2.
  • Elke Slomma: Wilhelm von Humboldt und die Indonesistik in Berlin. In: Ingrid Wessel (Hrsg.): Indonesien am Ende des 20. Jahrhunderts. 2. Auflage. Abera, Hamburg 1998, ISBN 3-934376-07-X.
  • James W. Underhill: Humboldt, Worldview and Language., Edinburgh University Press, Edinburgh 2009.

Sonstige

  • Cord-Friedrich Berghahn: "Das Wagnis der Autonomie. Studien zu Karl Philipp Moritz, Wilhelm von Humboldt, Heinrich Gentz, Friedrich Gilly und Ludwig Tieck". Heidelberg: Universitätsverlag Winter, 2012. ISBN 978-3-8253-5988-1
  • Joxe Azurmendi: Ein Denkmal der Achtung und Liebe. Humboldt über die baskische Landschaft, RIEV, 48-1: 125-142 Eusko Ikaskuntza 2003, ISSN 0212-7016
  • Siegfried August Kaehler: Wilhelm von Humboldt und der Staat. München, Berlin 1927.
  • Eberhard Kessel: Wilhelm von Humboldt: Idee und Wirklichkeit. Stuttgart 1967.
  • Ulrich Kinzel: Ethische Projekte. Literatur und Selbstgestaltung im Kontext des Regierungsdenkens. Humboldt, Goethe, Stifter, Raabe. Frankfurt am Main 2000, ISBN 978-3-465-03064-5.
  • Martina G. Lüke: Zwischen Tradition und Aufbruch. Deutschunterricht und Lesebuch im Deutschen Kaiserreich. Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-631-56408-0.
  • Paul Ortwin Rave: Wilhelm von Humboldt und das Schloß zu Tegel. Berlin 1952.
  • Marc Schalenberg: Humboldt auf Reisen? Die Rezeption des „deutschen Universitätsmodells“ in den französischen und britischen Reformdiskursen (1810–1870). Basel 2002.
  • Hazel Rosenstrauch: Wahlverwandt und ebenbürtig. Caroline und Wilhelm von Humboldt. Eichborn 2009.[15]
  • Antoine Berman: L'épreuve de l'étranger. Culture et traduction dans l'Allemagne romantique: Herder, Goethe, Schlegel, Novalis, Humboldt, Schleiermacher, Hölderlin. Paris, Gallimard 1984. ISBN 978-2070700769.
  • Iñaki Zabaleta Gorrotxategi: W. von Humboldts Forschungen über die baskische Nation und Sprache und ihre Bedeutung für seine Anthropologie. Köln, 1998. (Dissertation)

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Wilhelm von Humboldt – Quellen und Volltexte
 Commons: Wilhelm von Humboldt – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Manfred Geyer:Aufklärung. Das europäische Projekt. Reinbek b. Hamburg 2012. S. 338ff.
  2. Manfred Geyer:Aufklärung. Das europäische Projekt. Reinbek b. Hamburg 2012. S. 338, 342
  3. Beide führten später eine „offene Ehe“; Humboldt hatte ein Verhältnis mit der Arztfrau Johanna Motherby in Königsberg, Carolines mehrjähriger Hausfreund in Jena war Wilhelm von Burgsdorff (1772–1822).
  4. W.v. Humboldt, Werke in fünf Bänden (Hrsg. v. Flitner/Giel), Bd. I (3. Aufl. 1980), S. 236.
  5. A.a.O., S. 237.
  6. Manfred Geier: Die Brüder Humboldt. Reinbek bei Hamburg 2009, S. 261f.
  7. W.v. Humboldt, Werke in fünf Bänden (Hrsg. v. Flitner/Giel), Bd. IV (2. Aufl. 1964), S. 218.
  8. Zum Humboldt’schen Bildungsideal und seinem Bestehen in den folgenden Jahrzehnten siehe grundlegend: Martina G. Lüke: Zwischen Tradition und Aufbruch. Deutschunterricht und Lesebuch im Deutschen Kaiserreich. Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-631-56408-0, S. 49–81 und S. 287–296.
  9. Zit. n. Manfred Geier, Die Brüder Humboldt, Reinbek bei Hamburg 2009, S. 267
  10. Sylvia Paletschek: Zurück in die Zukunft? Universitätsreformen im 19. Jahrhundert. (PDF; 1,54 MB)
  11. „Humboldt braucht den preußischen König und staatliche Instanzen, um seinen Ideen der Bildung, der reinen Wissenschaft und der Sprache, Literatur und Kultur einen produktiven Freiraum zu verschaffen. Deshalb fällt es ihm auch nicht schwer, von sich aus den Staatsdienst zu verlassen, wenn ihm nicht gelingt, was er anstrebt. […] Seit dem 31. März 1810 aber ist durch Kabinettsorder seine ‚Wirksamkeit als Sections-Chef vernichtet’ worden […] So aber kann und will Humboldt nicht arbeiten. Die dienstrechtliche Herabsetzung hat ihn persönlich ‚tief gekränkt’. Für ihn ist es eine Frage der Ehre und Pflicht, unter diesen Bedingungen von seinem Posten zurückzutreten.“(Manfred Geier, Die Brüder Humboldt, Reinbek bei Hamburg 2009, S. 269f.)
  12. eine kurze medizinische Analyse der Erkrankung Humboldts findet sich bei Akribischer Erstbeschreiber – Wie Humboldt seinen Parkinson (er)lebte, CME 2008; 5 (2): 45; Springer-Verlag
  13. 1827 sprach er mit Harry Maitey, dem ersten Hawaiier in Preußen, und stellte die Ergebnisse 1828 in der Berliner Akademie der Wissenschaften vor (Moore, Anneliese: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History 11 (1977): 125–161, S. 138-139).
  14. Louis Schneider: Das Buch vom Schwarzen Adler. Seite 208(32), Duncker, Berlin 1870
  15. Rezension in: Frankfurter Rundschau
Dies ist ein als lesenswert ausgezeichneter Artikel.
Dieser Artikel wurde am 11. Dezember 2005 in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen. Vorlage:Lesenswert/Wartung/ohne Version