Crozetinseln

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Crozetinseln
Karte des Archipels
Karte des Archipels
Gewässer Indischer Ozean
Geographische Lage 46° 21′ S, 51° 41′ O-46.35305555555651.681111111111Koordinaten: 46° 21′ S, 51° 41′ O
Karte von Crozetinseln
Anzahl der Inseln 5 (+zahlreiche Felsen)
Hauptinsel Île de la Possession
Gesamtfläche 352 km²
Einwohner 15 (Stationspersonal
Winter)
Das Forschungsschiff Marion Dufresne verlässt die Île de la Possession, die Île de l’Est im Hintergrund
Das Forschungsschiff Marion Dufresne verlässt die Île de la Possession, die Île de l’Est im Hintergrund

Die Crozetinseln (franz. Îles Crozet) sind eine Gruppe vulkanischer Inseln im südlichen Indischen Ozean zwischen 46° und 47° südlicher Breite sowie 51° und 52° östlicher Länge. Sie umfassen eine Landfläche von 352 km² und gehören zu den Französischen Süd- und Antarktisgebieten.

Die Inselgruppe ist nur von der wechselnden 15- bis 60-köpfigen Besatzung der wissenschaftlichen Station Alfred-Faure bewohnt.

Zugehörige Inseln[Bearbeiten]

Insel Fläche
km²
Höhe (Gipfel)

Östliche Gruppe

Île de la Possession 150 934 (Pic du Mascarin)
Île de l’Est 130 1090 (Mont Marion-Dufresne)

Westliche Gruppe

Île aux Cochons 67 826 (Mont Richard-Foy)
Île des Pingouins 3 340 (Mont des Manchots)
Îlots des Apôtres 2 289 (Mont Pierre)

Geschichte[Bearbeiten]

Die Inseln wurden am 23. Januar 1772 von Marc-Joseph Marion du Fresne und seinem Ersten Offizier Jules Crozet entdeckt, nach dem sie auch benannt wurden. Sie befanden sich zu der Zeit auf einer Expedition, die sie im Weiteren nach Tasmanien und Neuseeland führte. Seither gehören die Inseln zu Frankreich.

Die Inseln liegen in den sogenannten Roaring Forties, einer Westwinddrift auf der Südhalbkugel, die mit Segelschiffen schnelles Reisen von Afrika aus nach Australien oder Südamerika ermöglicht. Daher waren Fahrtrouten nahe den Crozetinseln vor allem im 19. Jahrhundert sehr beliebt. Allerdings sorgen die starken Winde auch für äußerst unbeständiges Wetter, und mit den beschränkten Navigationstechniken jener Zeit war es schwierig, sicher um die Crozetinseln herum zu navigieren.

Die Inseln bieten kaum Vegetation, so dass die einzige Ernährungsmöglichkeit aus dem Fang von den auf den Inseln lebenden Tieren besteht. Wegen der geringen Überlebenschancen und dem Risiko, auf den Inseln Schiffbruch zu erleiden, sandte die Royal Navy in Abständen von zwei bis drei Jahren Schiffe zu den Inseln, um nach Spuren von verunglückten Schiffen und deren Besatzungen Ausschau zu halten.

Der britische Robbenfänger Princess of Wales sank dort 1821, die Überlebenden verbrachten zwei Jahre auf den Inseln.

Ebenso dramatisch liest sich das Schicksal der Besatzung des französischen Robbenfängers Aventure, welcher 1825 in den Klippen vor der Insel Chabrol sank. Die Schiffbrüchigen dezimierten sich während der Überwinterung in einem mörderischen Überlebenskampf gegenseitig. Am 5. Januar 1827 wurden die letzten Überlebenden von einem Walfänger gerettet.[1]

Im Juli 1875 verunglückte das englische Schiff Strathmore bei den Crozetinseln. 40 Menschen kamen dabei ums Leben, 49 konnten sich auf die Îlots des Apôtres retten. Sie ernährten sich von Pinguinen, Albatrossen und den dort wachsenden Gräsern. Es starben allerdings fünf weitere Menschen, bis sechs Monate später das Walfängerschiff Young Phoenix zur Rettung kam.

Weniger glücklich war die Mannschaft der französischen Tamaris, die am 6. März 1887 Schiffbruch erlitt. Die Besatzung rettete sich auf die Île aux Cochons und baute sich eine notdürftige Unterkunft. Ihr gelang es am 4. August, einen Riesensturmvogel mit einer Nachricht auszustatten, der am 18. September in der australischen Stadt Fremantle gefunden wurde. Wegen der langen Kommunikationswege erreichte das französische Schiff La Meurthe aber erst am 2. Dezember die Inseln. In der Zwischenzeit jedoch war die Situation für die Schiffbrüchigen so schwierig geworden, dass sie den Versuch unternahmen, auf die nächstgrößere Insel zu fahren. Hierbei kamen sie offenbar ums Leben; man fand lediglich einen Brief des Kapitäns.

Trotz ihrer kargen Landschaft wurde die Natur der Inseln ab Beginn des 19. Jahrhunderts ausgebeutet. Die reiche Tierwelt war für Walfänger, Robbenjäger und Fischer eine Goldgrube. Zunächst wurden die Robben gejagt, die Menschen nicht kannten und daher auch keine Angst vor ihnen hatten. Hierdurch konnten sie leicht erlegt werden, was letztendlich bis 1835 fast zur vollständigen Ausrottung führte. Danach wurde dieses Geschäft unrentabel. Die Walfänger fanden ebenfalls reichhaltige Bestände verschiedener Walarten vor. Ein Nebeneffekt dessen war auch die Reduktion von Pinguinbeständen, weil die Walfänger nicht den wertvollen Tran verfeuern wollten und stattdessen Pinguine nahmen. Der Fischfang hatte zudem verheerende Effekte auf die auf den Inseln lebenden Vögel, die die Fischköder schnappten und dann hängenblieben.

1893 bekamen die Inseln den Status einer französischen Kolonie und wurden von Madagaskar aus verwaltet.

Seit 1938 sind sie Naturschutzgebiet, was den Raubbau an der Natur etwas eingedämmt hat. Allerdings kommt illegaler Fischfang immer noch vor, da der Schwarze Seehecht hohe Marktpreise erzielt. Die Kontrolle des Fischfangs ist zudem in der Region um die Crozetinseln sehr schwer.

1955 wurde das "Territorium der Französischen Süd- und Antarktisgebiete" (TAAF) gebildet, dem die Crozetinseln angegliedert wurden.

1964 erfolgte die Errichtung der ersten wissenschaftlichen Station in Port Alfred, wie der Ort genannt wurde. Allerdings ist die Bezeichnung "Port" nicht ganz treffend, da es sich nicht um einen echten Hafen handelt, sondern alle Transporte über Boote oder Hubschrauber stattfinden müssen. Der Ort verfügt auch über ein Postamt und eine Kirche, die den Namen "Sainte-Marie du Vent" ("Heilige Maria vom Wind") trägt.

Da die Inseln seither ständig bewohnt sind, war es Frankreich auch erlaubt, eine exklusive Wirtschaftszone um sie einzurichten. Dies geschah im Jahr 1978, als eine 200-Meilen-Zone geschaffen wurde. Seither verfügt Frankreich offiziell über eine der größten Gewässerflächen weltweit.

Natur[Bearbeiten]

Klima[Bearbeiten]

Das Klima der Inseln ist wegen ihrer Lage in den Roaring Forties von den starken Winden geprägt, die an rund 100 Tagen im Jahr mit einer Windstärke von zehn und mehr wehen, und daher äußerst unbeständig. An rund 200 Tagen im Jahr regnet es.

Dieses Klima macht auch die Landung auf der Insel äußerst schwer. Selbst heute, da die Inseln zweimal jährlich von dem mit einem Helikopter ausgestatteten Schiff Marion Dufresne II versorgt werden, schlägt die Landung gelegentlich fehl. In der Vergangenheit mussten schon viele Expeditionen den Plan aufgeben, zu landen. Allein 1874 schlugen zwei Landungsversuche fehl, darunter der der USS Swatara, die Astronomen zur Beobachtung eines Venustransits absetzen sollte. Auch der Deutsche Erich von Drygalski mit seinem Schiff Gauß, der 1901 an den Inseln halt machte, konnte nicht lange bleiben, da man es nicht schaffte, einen Anker sicher zu werfen. Bill Tilman, der verschiedenste Expeditionen durchführte, darunter auch eine zu den Crozetinseln, schrieb 1960 bei seinen Planungen über die Crozetinseln: „Man möchte fast glauben, dass Schiffbruch der einzige Weg ist, nach Crozet zu gelangen.“

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Die Vegetation ist – wie für eine subantarktische Insel typisch – eher spärlich. Sie besteht hauptsächlich aus Gräsern, Flechten, Moosen und Sträuchern. Diese Vegetation wird aufgrund ihres Erscheinungsbildes zum Teil als Tundra bezeichnet, obwohl das mildere Klima und die fehlenden Permafrostböden deutlich vom typischen Tundrenklima abweichen. Die Zuordnung der Vegetation ist daher in der Literatur uneinheitlich.

Königspinguine (Aptenodytes patagonicus) auf den Crozetinseln

Die Tierwelt ist dagegen sehr reich. Es finden sich:

Alle diese Tierarten wurden direkt oder indirekt in der Vergangenheit Opfer von Ausbeutung der Natur durch den Menschen. Vor allem die Robbenarten wurden nahezu ausgerottet. Dafür beherbergen die Crozetinseln inzwischen die weltgrößte Kolonie von Königspinguinen. Ornithologen haben 300.000 Paare gezählt. Die Inseln gehören zu den sieben Brutgebieten des Königspinguins im Südmeer.

Quellen[Bearbeiten]

  1.  Richard Andree: Die Robbenschläger auf den Crozet-Inseln (1825). In: Otto Spanner (Hrsg.): Wirkliche und wahrhaftige Robinsonaden, Fahrten und Reiseerlebnisse aus allen Zonen. Otto Spanner's Jugend- und Hausbibliothek. Zweite Serie, Elfter Band, Verlag Otto Spanner, Leipzig 1868, S. 134-150. Digitalisat

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Crozetinseln – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien