Cyrill Kistler

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Cyrill Kistler
Kistler-Bronzebüste
in Bad Kissingen
Kistler-Grabmal
Kapellenfriedhof, Bad Kissingen

Cyrill Kistler (* 12. März 1848 in Großaitingen, Schwaben; † 1. Januar 1907 in Bad Kissingen, Unterfranken) war ein deutscher Komponist, Musiktheoretiker, Musikpädagoge und Verleger.

Leben[Bearbeiten]

Kistler, der einer schwäbischen Handwerkerfamilie entstammte, besuchte von 1865 bis 1867 das Lehrerseminar in Lauingen (Schwaben). Anschließend war er zunächst Lehrer an verschiedenen Orten in Mittelschwaben. Als er dieses Dasein jedoch leid hatte, verlegte er sich ausschließlich auf das Musizieren und Komponieren. Er studierte von 1876 bis 1878 an der Königlichen Musikschule in München Orgel sowie Komposition, u.a. bei Josef Rheinberger. Danach übernahm er 1883 die Lehrstelle für Musiktheorie am fürstlichen Konservatorium in Sondershausen. 1876 lernte er Richard Wagner in Bayreuth kennen, von dessen Werk er nachhaltig kompositorisch beeinflusst wurde.

Ab 1884 in Bad Kissingen tätig, gründete er eine eigene Musikschule und gab ab 1880 die Zeitschrift „Musikalische Tagesfragen. Organ für Musiker, Musikfreunde und Freunde der Wahrheit“ heraus. Mit krankheitsbedingten Unterbrechungen bestand diese Zeitschrift zwölf Jahre. Er komponierte Opern (z.B. „Baldurs Tod“, „Die Kleinstädter“, „Kunihild“, „Der Schmied von Kochel“ und „Eulenspiegel“), weltliche und geistliche Chöre, Lieder, Orgel- und Klavierstücke. Im Jahr 1904 erschien Kistlers Harmonielehre „Der einfache Kontrapunkt und die einfache Fuge“.

Durch seine Arbeit und die Komposition von mehr als 200 Werken erlangte Kistler zu seiner Zeit einen hohen Bekanntheitsgrad. Als Kistler im Jahr 1889 in Würzburg seine „Eulenspiegel“-Oper uraufführte, fand Richard Strauss deren Text „unbeholfen“ und „erheiternd“. Er nahm Kistlers Oper zum Anlass, wenige Jahre später seine Tondichtung Till Eulenspiegels lustige Streiche zu komponieren. Richard Wagner bezeichnete seinen Freund Kistler als seinen einzig würdigen Nachfolger. Einer seiner Schüler war der Pianist Mieczysław Horszowski. Heute ist Kistlers Musik weitgehend vergessen.

Sein Grab befindet sich auf dem Kapellenfriedhof in Bad Kissingen.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Musiktheoretische Schriften, 2. Auflage, Verlag C.F. Schmidt, Heilbronn 1898-1904.
    • Band 1: Harmonielehre.
    • Band 2: Der einfache Kontrapunkt. Der Dreisatz und Zweisatz. Die einfache Fuge. (System Rheinberger-Kistler.)
    • Band 3: Der doppelte Kontrapunkt, die Doppelfuge, die dreistimmige und zweistimmige Fuge.
    • Band 4: Der drei-, vier- und fünfstimmige Kontrapunkt. Höchste Kunst der Polyphonie. Die Fuge zu drei, vier und fünf Stimmen.
  • Die Hexenküche (eine sinfonische Dichtung nach Goethes Faust) op. 130
  • Festmarsch für großes Orchester op. 41
  • Große Fantasie für Konzertharmonium oder Orgel op. 77

Ehrungen[Bearbeiten]

  • In Bad Kissingen ebenso wie in Großaitingen gibt es einen Cyrill-Kistler-Weg.
  • In Großaitingen steht gegenüber von seinem Geburtshaus ein Gedenkstein.

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas-M. Langner: Kistler, Cyrill. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 11, Duncker & Humblot, Berlin 1977, ISBN 3-428-00192-3, S. 689 f. (Digitalisat).
  • Gerhard Wulz: Der Kapellenfriedhof in Bad Kissingen. Ein Führer mit Kurzbiografien, Bad Kissingen 2001, ISBN 3-934912-04-4
  • Hanns-Helmut Schnebel: Cyrill Kistler - Tondichter und Pädagoge; in: „Bayerische Blasmusik“ 49,6 (1998), VII
  • Peter Ziegler: Der Komponist der „Rhönklänge“ Cyrill Kistler. In: „Rhön-Spiegel“, Band 24 (2007), Heft 1
  • Cyrill Kistler, Nachruf. In: „The Musical Times“, Band 48, Nr. 768 vom 1. Februar 1907, Seite 111

Weblinks[Bearbeiten]