DIN 1451

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Logo des Deutschen Instituts für Normung DIN 1451
Bereich Schriften
Titel Schriften, Serifenlose Linear-Antiqua, Teil 1: Allgemeines, Teil 2: Verkehrsschrift, Teil 3: Druckschriften für Beschriftungen, Teil 3 Beiblatt 1: Akzidenz-Grotesk, Teil 3 Beiblatt 2: Akzidenz-Grotesk-Buch, Teil 3 Beiblatt 3: Helvetica, Teil 3 Beiblatt 4: Druckschriften; Edel-Grotesk, Teil 4: Schablonenschrift für Gravieren und andere Verfahren
Kurzbeschreibung: DIN-Schrift
Letzte Ausgabe 1983 bis 1998
ISO -
DIN 1451 Mittelschrift: Beispiele der alten Form
DIN 1451 Mittelschrift: Figuren der 1980 veröffentlichten Form
DIN-Schrift auf einem Kfz-Kennzeichen
Aus Sperrholz gefertigte Wegweisertafel wie sie zwischen 1956 und 1971 aufgestellt wurden. Da die DIN 1451 damals noch vielfach handgemalt auf den Schildern erschien, waren deutliche Abweichungen vom Idealbild möglich.
Ortseingangstafel in der seit 1980 üblichen DIN-Mittelschrift
Eine seit 1992 eingesetzte Wegweisertafel mit DIN-Mittelschrift und DIN-Engschrift
Poststempel
DIN Eng-, Mittel- und Breitschrift

In der DIN-Norm DIN 1451 wurde 1931, zunächst als Vornorm, ab 1936 als Norm die sogenannte DIN-Schrift für die Bereiche Technik und Verkehr genormt. Sie ist der allgemeinen Öffentlichkeit von Orts-, Autobahn-, Eisenbahn- und anderen (meist offiziellen) Hinweisschildern bekannt. Viele Jahre fand sie für deutsche Kfz-Kennzeichen Verwendung, bis sie am 1. November 2000 von der FE-Schrift abgelöst wurde.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Schrift geht auf die preußische Musterzeichnung IV 44 von 1906 zurück, die von den Preußischen Staatseisenbahnen für Beschriftungen von Schienenfahrzeugen normiert wurde. Der Ingenieur Ludwig Goller (1884–1964), Angestellter der Firma Siemens, war ab 1925 als Vorsitzender des DIN-Ausschusses für Zeichnungen verantwortlich für die Entwicklung der Norm.[1] Zwar stand dabei vor allem ihre Leserlichkeit im Vordergrund, dennoch sollten alle Striche die gleiche Stärke haben, was im Widerspruch zur traditionellen Typografie steht. Die DIN 1451 umfasste zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung 1931 die Schriftarten Engschrift, Mittelschrift und Breitschrift.

Über die 1970 veröffentlichte Neufassung der Straßenverkehrs-Ordnung hinaus waren die typographischen Regeln nur relativ grob gefasst. Die Normschrift DIN 1451 in ihrer bisherigen Ausprägung blieb kontinuierlich in Gebrauch. Dies änderte sich 1980, als einige Ziffernzeichen und Figuren verändert wurden, um eine bessere Lesbarkeit zu erzielen. Zudem entwickelte man Konzepte für eine sorgfältigere Laufweitengestaltung. Auch hierbei stand der Gesichtspunkt verbesserter Lesbarkeit im Vordergrund.[2] Die Breitschrift wurde in die neue Fassung der Norm nicht mehr aufgenommen. Sie kommt heute nur noch selten vor, z. B. auf älteren Orts- und Straßenschildern mit kurzen Namen und auf Poststempeln für die Postleitzahl.

Verwendung außerhalb Deutschlands[Bearbeiten]

Im Verkehrswesen wird die Schrift – oftmals leicht abgewandelt – außer in Deutschland u. a. in Griechenland (Autobahnbeschilderung) sowie in Osteuropa und im Nahen Osten verwendet. In Österreich wurde bis 2011 eine eigene offizielle Normschrift (Eng- und Mittelschrift Austria) angewandt, die von der DIN 1451 abgewandelt ist.

Varianten[Bearbeiten]

Deutsche Bahn AG[Bearbeiten]

Die Deutsche Bahn AG verwendet heute – wie schon vorher die Deutsche Bundesbahn – für technische Anschriften an Schienenfahrzeugen die Schrift nach DIN 1451-4, wobei einige wenige Zeichen abgewandelt wurden. So wurde für eine Gewichtsangabe in Tonnen ein anderes t-Zeichen oder für Rauminhalte in Liter ein anderes l-Zeichen vorgeschrieben als im fließenden Text. Da in einer Schriftart aber immer nur eine Zeichenform pro Buchstabe möglich ist, wird allgemein nur noch das „t“ und „l“ wie bei Tonnen und Liter verwendet, wobei das „t“ von der DIN 1451-4 abweicht.

Die Schriftarten fette Eng- und Mittelschrift der DIN 1451-4 sind Schriften, die sich aus Rastern zusammensetzen. Bei der Engschrift sind die meisten Zeichen drei Raster breit und sieben Raster hoch. Bei der Mittelschrift sind fast alle Zeichen vier Raster breit und sieben Raster hoch. Die Strichstärke ist immer ein Raster; Rundungen stehen 0,1 Raster über. Somit ist zum Beispiel bei einer Schrifthöhe von 70, das „B“ 70 mm hoch und 30 mm breit. Eine „0“ (Null) ist – da sie oben und unten rund ist – 72 mm hoch und 30 mm breit. Bei der Mittelschrift beträgt die Breite 40 mm. Der Freiraum bis zum nächsten Zeichen beträgt wiederum eine Rasterbreite, und ein Leerzeichen ist ebenfalls mit drei bzw. vier Rastenbreiten zu verwenden.

Bei Loknummern in Mittelschrift gibt es noch eine Besonderheit bei der Zahl „1“, weil hier das entsprechende Zeichen der Engschrift benutzt wird.

Die Schriftarten der DIN 1451-4 sind nicht als Schriftdatei auf dem Markt erhältlich. Jegliche Schriftdateien mit dem Namen fette Engschrift und fette Mittelschrift beziehen sich eher auf die DIN 1451-3, welche den oben beschriebenen Schriftarten entspricht oder an sie angelehnt ist. Da die Schriftarten nicht verfügbar sind, werden selbst in den Zeichnungen der DB AG meist nur verwandte Schriftarten abgebildet. In den Bemerkungen zur Zeichnung wird dann auf die DIN 1451 G für Engschrift und DIN 1451 H für Mittelschrift nebst Texthöhe verwiesen. Für die meisten Anschriften werden dabei Standardschrifthöhen verwendet; diese betragen 10, 16, 20, 25, 30, 32, 35, 40, 50, 60, 63, 80, 100 und 125 mm.

Berthold-DIN[Bearbeiten]

Vom Schrifthersteller Berthold wurde 1981 unter dem künstlerischen Leiter Günther Gerhard Lange die DIN Mittelschrift und die DIN Engschrift für den Fotosatz entwickelt. Ab Ende der 1980er Jahre wurde sie von Gestaltern immer häufiger verwendet, obwohl sie nicht den klassischen typografischen Regeln entspricht.

Deutsche Post AG[Bearbeiten]

Die Deutsche Post AG verwendet heute – wie schon vorher die Deutsche Bundespost – für ihre Poststempel die Eng-, Mittel- und Breitschrift nach DIN 1451, wobei die Ziffern 3, 6 und 9 abgewandelt wurden, um Verwechslungen zu vermeiden. Für das Datum wird die Engschrift, für die Ortsbezeichnung die Mittelschrift, und für die Postleitzahl die Breitschrift verwendet.

FF DIN[Bearbeiten]

Für das Desktop-Publishing wird seit 1995 von FSI FontShop International eine vom Schriftgestalter Albert-Jan Pool um weitere Schriftschnitte ausgebaute und typografisch optimierte „FF DIN“ angeboten. Bei der „FF DIN“ sind die horizontalen Striche im Gegensatz zur bisherigen DIN-Schrift dünner als vertikale – das Prinzip der gleichbleibenden Strichstärke wurde also aufgegeben – und die Übergänge von Kreisen auf Geraden wurden harmonisiert. Es entstand bei dieser Weiterentwicklung eine Großfamilie, die erstmals sogar echte Kursivschnitte, gleichermaßen ausgebaute Condensed-Versionen sowie einen deutlich umfangreicheren Zeichenvorrat und Fremdsprachenausbau enthielt. Obwohl es unter Designern eine Diskussion über die Ästhetik der DIN 1451 gibt, wird insbesondere die FF DIN häufig in Grafik und Werbung eingesetzt, zum Beispiel von Unternehmen wie Nike, Adidas, Yello Strom, Toyota und Jaguar.

Linotype-DIN[Bearbeiten]

Vom Schrifthersteller Linotype gibt es seit einigen Jahren eine „DIN Next“.

Vergleich[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: DIN 1451 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.100besteschriften.de/20_DIN.html
  2. P. Krieg: Gestaltung und Ausführung von Verkehrszeichen und Prüfung der Haltbarkeit. In: Straße und Autobahn, 4, 1980, S. 196–200; hier: S. 196.