Das Brot der frühen Jahre (Film)

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Filmdaten
Originaltitel Das Brot der frühen Jahre
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1962
Länge 89 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Herbert Vesely
Drehbuch Herbert Vesely
Leo Ti
Produktion Hansjürgen Pohland für modern art film gmbh
Musik Attila Zoller
Kamera Wolf Wirth
Schnitt Christa Pohland
Besetzung

Das Brot der frühen Jahre ist ein deutscher Spielfilm aus dem Jahre 1961 nach der gleichnamigen Erzählung von Heinrich Böll. Regisseur Herbert Vesely begründete mit dieser Inszenierung den Neuen Deutschen Film.

Handlung[Bearbeiten]

Erzählt wird die unspektakuläre Geschichte eines deutschen Durchschnittsbürgers, der es sich in der Bundesrepublik der späten Adenauer-Jahre behaglich eingerichtet hat und bislang glaubte, dass er ein zufriedenes und erfülltes Leben führen würde.

Walter Fendrich ist Elektriker und hat als Monteur von Waschmaschinen ein geregeltes Einkommen. Er besitzt, zu dieser Zeit nicht eben selbstverständlich, ein eigenes Auto und lebt in einer gutbürgerlichen Wohnung. Sein sozialer Aufstieg scheint überdies gesichert, seitdem die Tochter seines Chefs, Ulla Wickweber, seine Freundin ist. Bislang waren diese materiellen Dinge Richtschnur im Leben des Walter Fendrich, der in bitterarmen Verhältnissen aufgewachsen ist. Doch eines Tages wird mit einem Schlag alles anders, stellt er seine bisherige Existenz in Frage und alles bislang Erreichte auf den Kopf.

Denn ein Wiedersehen mit seiner Jugendfreundin Gertrud wirft ihn emotional völlig aus der Bahn. Die Liebe trifft ihn derart unvermittelt, dass er eine totale Sinnlosigkeit seines bisherigen Lebens konstatieren muss. Bislang für ihn geltende Wertmaßstäbe verlieren ihre Bedeutung, gesellschaftlich vorgegebenen Leitlinien und Konventionen mag er ab sofort nicht mehr folgen. Fendrich zieht die Konsequenzen aus diesen Erkenntnissen: Er kündigt seine Arbeit und trennt sich noch am selben Tag von Ulla, um mit Gertrud ein neues Leben beginnen zu können und eine neue Freiheit zu genießen.

Produktion[Bearbeiten]

Die Dreharbeiten erfolgten im November und Dezember 1961 in Berlin. Die Uraufführung fand während der Internationalen Filmfestspiele von Cannes 1962 am 22. Mai 1962 statt. Die deutsche Erstaufführung war einen Tag später in Köln.

Anlässlich der 25. Jahrestages des Oberhausener Manifestes wurde Das Brot der frühen Jahre am 6. Mai 1987 wiederaufgeführt.

Die Produktionskosten beliefen sich auf 400.000 DM.[1] Der Film wurde vom Land Nordrhein-Westfalen mit 100.000 DM bezuschusst.

Vesely hatte darauf bestanden, noch vor der deutschen Erstaufführung den Film in Cannes starten zu lassen, weil er von der französischen Filmkritik substantiellere Urteile als von der deutschen erwartete. Doch die französische Kritik lehnte den Film weitgehend ab.[2] Auch in Deutschland war Das Brot der frühen Jahre weder ein Kritiker- noch ein Publikumserfolg, und so gelang dem Neuen Deutschen Film erst Mitte der 60er Jahre mit Es und Der junge Törless der Durchbruch.

Die beiden Nebendarsteller Eike Siegel und Tilo von Berlepsch waren miteinander verheiratet.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Das Brot der frühen Jahre wurde am 24. Juni 1962 mit dem Zweiten Preis für einen abendfüllenden Spielfilm, Filmband in Gold, ausgezeichnet. Der Erste Preis wurde in diesem Jahr nicht vergeben.

Als Beste Hauptdarstellerin erhielt Vera Tschechowa ebenfalls das Filmband in Gold, in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin. Weitere Filmbänder in Gold gingen an den Nachwuchskameramann Wolf Wirth, der ungewöhnlich veristische, entfesselte und an die französische Nouvelle Vague-Tradition anlehnende Filmbilder vorlegte, sowie an den Komponisten Attila Zoller und an Herbert Vesely in der Kategorie Bester Nachwuchsregisseur.

Kritik[Bearbeiten]

Im Spiegel ist anlässlich der Premiere Folgendes zu lesen: "In Cannes jedoch vernahm man nur sanftes Plätschern. Wohl wurde die unkonventionelle Kamera-Arbeit Wolf Wirths, den der Berliner Kritiker Friedrich Luft für "einen der kühnsten Augenmenschen unseres Films" hält, auch von der Festival-Kritik in Cannes mit Lob bedacht ("Le Figaro": "Viele Bilder fesseln stark"). Doch die optischen Finessen - rasende Kameraschwenks oder grobkörnige Großaufnahmen, wie sie in dem wohlfeilen Photoblatt "Magnum" zu sehen sind - verdeutlichten nur die Fehlkonzeption des Films, der auf gewaltsame Art neu sein will und deshalb, wie Kritiker Luft fand, "wirr, unklar, überstilisiert, diffus und am Ende quälend" bleibt. […] Vesely hingegen zerstörte die Chronologie der Erzählung absichtsvoll. Inspiriert von der Lektüre verschiedener Hervorbringungen des französischen "nouveau roman", setzte er aus "Erinnerungen, Mutmaßungen, Reaktionen und Zeugnissen" den Handlungsablauf auf bizarre Weise neu zusammen. Zunächst kreist er durch Zeugenaussagen den äußeren Sachverhalt ein. Aus Telephongesprächen, Gesprächsfetzen, inneren Monologen und Protokollsätzen fügt sich dann, wie im Puzzle-Spiel, das Bild eines Tages im Leben des Helden zusammen. […] So freimütig Vesely im Formalen experimentierte, so scheu begegnete er dem metaphysisch-religiösen Anstrich der literarischen Vorlage. Bei Böll ist der Held seit den Hungerjahren nach dem Krieg von einer "wölfischen" Gier nach Brot besessen, die ihn in einen latenten Widerspruch zu seiner gesitteten Umgebung bringt und schließlich die Voraussetzung für seinen "Ausbruch aus dem bürgerlichen Leben" ist."[3]

Reclams Filmführer analysierte Das Brot der frühen Jahre wie folgt: Der Film „hat seine Bedeutung vor allem als radikale Absage an das damals übliche konfektionierte Mittelmaß, dem er allerdings keine rechte Alternative entgegenzustellen wußte. Das Brot der frühen Jahre ist eine Art optisches Lexikon filmischer Möglichkeiten – voll raffinierter Bildkompositionen, rasanter Schwenks, verwegener Fahrten, temporeicher Montagen. Aber diese Details gewinnen keine rechte Funktion für das Ganze, bleiben eindrucksvolle, aber gelegentlich ermüdende Stilübungen“[4]

Kay Wenigers Das große Personenlexikon des Films bezeichnete den Film als Veselys bedeutendstes Werk und nannte die Inszenierung „kühl ästhetisierend“. Ferner wird daran erinnert, dass Das Brot der frühen Jahre „erst im nachhinein als Initialzündung für den Start der Ära des ‘jungen deutschen Films‘ angesehen wurde.“[5]

Das Lexikon des Internationalen Films schrieb: „Die vielfach verschachtelte, aus verschiedenen Perspektiven entwickelte Inszenierung enthält zahlreiche Extravaganzen und Novitäten, die zwar das bundesdeutsche Kino der frühen 60er Jahre belebten, insgesamt der Vorlage jedoch wenig gerecht wurden.“[6]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. dazu Der Spiegel 10/1962 vom 7. März 1962, S. 90
  2. Vgl. dazu Der Spiegel 22/1962 vom 30. Mai 1962, S. 77
  3. Der Spiegel, 22/1962, S. 77 f.
  4. Reclams Filmführer. Von Dieter Krusche, Mitarbeit Jürgen Labenski. Stuttgart 1973, S. 245
  5. Das große Personenlexikon des Films, Band 8, S. 169, Berlin 2001
  6. Klaus Brüne (Red.): Lexikon des Films Band 1, S. 437. Reinbek bei Hamburg 1987.