Deir ez-Zor

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arabisch ‏دير الزور‎, DMG Dair az-Zūr
Deir ez-Zor
Deir ez-Zor (Syrien)
Red pog.svg
Koordinaten 35° 20′ N, 40° 9′ O35.33333333333340.15Koordinaten: 35° 20′ N, 40° 9′ O
Basisdaten
Staat Syrien

Gouvernement

Deir ez-Zor
Höhe 210 m
Einwohner 293.916 (2010)
Historische Hängebrücke über den Euphrat aus der Zeit des französischen Mandats
Historische Hängebrücke über den Euphrat aus der Zeit des französischen Mandats
Historische Hängebrücke über den Euphrat
Besucher auf dem Weg zur Gedenkkapelle an den Völkermord an den Armeniern
Platz des 8. März

Deir ez-Zor (arabisch ‏دير الزور‎, DMG Dair az-Zūr) ist eine Stadt im Osten Syriens. Sie ist Hauptstadt des gleichnamigen Gouvernements Deir ez-Zor.

Geographie[Bearbeiten]

Die am Euphrat gelegene Stadt ist von fruchtbarem Boden umgeben, auf dem Getreide und Baumwolle angepflanzt werden. Seit Erdöl in der Region gefunden wurde, ist die Stadt ab Mitte der 1990er-Jahre zu einem Zentrum der syrischen Erdölförderung geworden. Ein weiterer Wirtschaftszweig der Stadt ist der Tourismus, da sie in 85 Kilometer Entfernung von Dura-Europos und in 120 Kilometer Entfernung von Mari liegt. [1]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Die Einwohnerzahl wurde für 2010 mit 293.916 berechnet.[1] Ein hoher Anteil der Bevölkerung ist kurdisch.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Römisches Reich[Bearbeiten]

Zur Zeit des Römischen Reiches befand sich auf dem heutigen Stadtgebiet ein bedeutender Handelsstützpunkt an der Fernverbindung entlang des Euphrats zwischen dem Mittelmeer und dem Sassanidenreich. Römische Befestigungsanlagen auf dieser Strecke waren Halabiya, 50 Kilometer nordwestlich, und das südöstlich gelegene Dura Europos. Nachdem diese Stationen von Königin Zenobia erobert wurden, gehörte die Stadt für wenige Jahre zum Herrschaftsgebiet Palmyras. Der Ort wurde im 13. Jahrhundert von den Mongolen zerstört, als diese in den Nahen Osten expandierten.

Erster Weltkrieg und Kolonialzeit[Bearbeiten]

In den Jahren 1915-1916 wurde die damals zum Osmanischen Reich gehörende Stadt im Rahmen des Völkermordes an den Armeniern Standort eines Konzentrationslagers. Dieses war Zielpunkt zahlloser Todesmärsche, mit denen die damals regierenden Jungtürken unter Innenminister Talât Bey die Vernichtung von bis zu anderthalb Millionen Armeniern bewerkstelligten.[3]

Wegen starken regionalen Widerstands konnte die Stadt erst 1921 von den Franzosen erobert werden, die nach dem Ersten Weltkrieg Syrien 1922–1941 als Mandatsgebiet kontrollierten und hier eine Garnison errichteten. Nach dem Abzug der Franzosen 1946 wurde Deir ez-Zor Teil des unabhängigen Syrien.

Unabhängigkeit[Bearbeiten]

Nach dem Auseinanderbrechen der Ägyptisch-Syrischen Union hatte es schon am 2. April 1962 einen (erfolglosen) Putschversuch arabischer Sozialisten (Nasseristen und Baathisten) in Deir ez-Zor gegeben, in den u.a. der spätere Staatschef Louai al-Atassi verwickelt war.

Angesichts des Umstandes, dass zahlreiche führende und am Putsch vom 8. März 1963 beteiligte Mitglieder der Baath-Partei und Nasseristen aus Deir ez-Zor stammten (z.B. Dschassem Alwan oder Dschalal as-Sayyid), wurde der zentrale Marktplatz der Stadt in Platz des 8. März umbenannt. Viele der aus Deir ez-Zor stammenden arabischen Sozialisten fielen jedoch in den folgenden Jahrzehnten innerbaathistischen Säuberungen zum Opfer, so z.B. 1965 eine dem Ex-Baath-Chef Akram al-Haurani wohlgesinnte Fraktion.

Bürgerkrieg ab 2011[Bearbeiten]

Im Zuge des Bürgerkriegs ab 2011 wurde die Stadt am 1. August 2011 durch Scharfschützen und Panzerverbände der Regierung besetzt. Dabei sollen laut von al-Dschasira verbreiteten Oppositionsangaben 25 Menschen umgekommen sein.[2] Schon am Tag zuvor berichtete der Sender von schweren Angriffen mit Artillerie und Luftabwehrwaffen.[4]

Auch im März 2012 kam es in Deir ez-Zor zu Kämpfen. Dabei zog sich die Freie Syrische Armee am 20. März nach mehreren Angriffen durch Regierungstruppen aus der Stadt zurück.[5] Am 22. November 2012 jedoch eroberten die Aufständischen Teile der Stadt erneut.[6] Die seit Anfang 2013 auch einen Großteil des Umlands kontrollierenden islamistischen Rebellen wollen das Gouvernement Deir ez-Zor fortan auf der Grundlage der Scharia regieren.[7]

Kultur[Bearbeiten]

Es gibt ein regionales Museum und ein großes Kulturzentrum.

Die neu gegründete al-Furat-Universität hat ihren Sitz zum Teil in der Stadt. Deren Fakultäten für Landwirtschaft, Naturwissenschaft, Künste, Sozialwissenschaft, Ausbildung, Recht, petrochemische Ingenieurwissenschaften und Medizin befinden sich in der Stadt, während andere Fakultäten in benachbarten Bezirken untergebracht sind. Darüber hinaus gibt es Berufsschulen und andere nachschulische Fortbildungseinrichtungen.

Die lokale Tageszeitung Al Furat erscheint in der Stadt.

Verkehr[Bearbeiten]

Eine bekannte Sehenswürdigkeit der Stadt war die historische Hängebrücke über den Euphrat. Sie wurde um 1930 errichtet und diente nach dem Bau der Straßenbrücke nur noch dem Fußgängerverkehr (Arabisch: الجسر المعلق). Die Hängebrücke wurde Anfang Mai 2013 bei Bürgerkriegsgefechten zerstört [8].

Die Stadt liegt an der Eisenbahnlinie AleppoQamischli der CFS und ist als Kopf für eine geplante Eisenbahnlinie in den Irak, nach Kaem über Abu Kamal vorgesehen, die aber aufgrund der politischen Situation dort bis jetzt nicht über die ersten Kilometer hinaus gebaut wurde.

Der Flughafen (IATA: DEZ) liegt im Vorort al-Dschafra.

Klimatabelle[Bearbeiten]

Deir ez-Zor
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
28
 
13
2
 
 
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15
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7
 
 
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26
12
 
 
8.5
 
32
17
 
 
0.5
 
37
22
 
 
0.4
 
40
25
 
 
0
 
40
25
 
 
0.2
 
36
20
 
 
6
 
30
14
 
 
15
 
21
7
 
 
25
 
14
3
Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: WMO; wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Deir ez-Zor
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 12,5 15,2 19,6 25,8 31,9 37,2 40,3 39,8 35,8 29,5 20,7 14,0 Ø 26,9
Min. Temperatur (°C) 2,3 3,7 6,8 12,0 17,2 22,3 25,4 24,8 20,3 14,1 7,3 3,2 Ø 13,3
Niederschlag (mm) 28,2 25,3 27,1 19,8 8,5 0,5 0,4 0,0 0,2 6,0 14,7 25,3 Σ 156
Sonnenstunden (h/d) 5,2 6,4 7,2 8,1 10,0 11,7 12,0 11,5 10,3 8,3 6,9 5,2 Ø 8,6
Regentage (d) 8 9 7 5 3 0 0 0 0 2 4 6 Σ 44
Luftfeuchtigkeit (%) 76 67 57 49 38 27 26 28 32 42 57 75 Ø 47,8
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
12,5
2,3
15,2
3,7
19,6
6,8
25,8
12,0
31,9
17,2
37,2
22,3
40,3
25,4
39,8
24,8
35,8
20,3
29,5
14,1
20,7
7,3
14,0
3,2
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
28,2
25,3
27,1
19,8
8,5
0,5
0,4
0,0
0,2
6,0
14,7
25,3
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Deir ez-Zor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/bevoelkerungsstatistik.de[3]
  2. a b Makabres Lob von al-Assad. In: Frankfurter Rundschau. 1. August 2011, abgerufen am 2. August 2011 (deutsch).
  3. Armin T. Wegener: Die Austreibung des armenischen Volkes in die Wüste. Ein Lichtbildvortrag, hrsg. von Andreas Meier, Göttingen 2011, S. 200-204
  4. Assad setzt die Offensive gegen seine Bürger fort. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 1. August 2011, abgerufen am 2. August 2011 (deutsch).
  5. Rebellenrückzug aus Deir al-Sor. In: ORF. 20. März 2012, abgerufen am 20. März 2012 (deutsch).
  6. http://de.reuters.com/article/worldNews/idDEBEE8AL03O20121122
  7. http://www.welt.de/politik/ausland/article114306468/Islamistische-Rebellen-wollen-Osten-Syriens-regieren.html
  8. Syria: Euphrates bridge destroyed, deadly raid on al-Bayda. Ansamed, 3. Mai 2013