Der arme Poet

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Carl Spitzweg - Der arme Poet (Neue Pinakothek).jpg
Der arme Poet
Carl Spitzweg, 1839
Öl, 36 cm × 45 cm
Neue Pinakothek

Der arme Poet ist das bekannteste und beliebteste Bild des deutschen Malers Carl Spitzweg.

Beschreibung[Bearbeiten]

Das Bild zeigt einen Schriftsteller in seiner ärmlichen Dachstube.

Das enge Zimmer wird links von einem kleinen Fenster beleuchtet. Rechts sind die Sparren des Hausdachs zu erkennen, an dem ein Regenschirm hängt, der die Schlafstelle vor der durch das Dach tropfenden Feuchtigkeit schützt. Am rechten Bildrand ist die Zimmertür zu erkennen. Gegenüber der Tür, am linken Bildrand, befindet sich ein grüner, nicht brennender Kachelofen.

Der dargestellte Schriftsteller besitzt kein Bett. Stattdessen liegt an der Wand eine Matratze auf dem Boden, auf der der arme Poet in einem Schlafrock, mit einer Schlafmütze auf dem Kopf liegt. Auf seinen Knien hält er mit der linken Hand einige Manuskriptseiten. Mit der rechten Hand hält er etwas zwischen Daumen und Mittelfinger fest, das er durch seine Brille hindurch fixiert.

Vor der Matratze stehen und liegen dicke Bücher sowie zwei Schachteln, auf denen ein Tintenfass steht. Auf dem Rücken des aufrecht stehenden Wälzers stehen die lateinischen Worte: „Gradus ad Parnassum“ (deutsch: „Stufen zum Parnass“), was entweder der Titel des im Jahr 1725 herausgegebenen theoretischen Hauptwerks des österreichischen Komponisten Johann Joseph Fux oder – im Kontext dieses Bildes näherliegend – der von dem Jesuiten Paul Aler in Köln 1702 veröffentlichten Anleitung zum Verfassen lateinischer Verse ist. An die Wand malte der Dichter mit roter Farbe wahrscheinlich das Versmaß des Hexameters.

Auf dem grünen Kachelofen steht eine Kerze in der Flasche, daneben die Waschschüssel, an einer Wäscheleine darüber hängt ein Handtuch. Am nicht beheizten Ofenrohr hängt ein Zylinderhut. Im Ofenloch stecken Papierblätter, die wohl zu den Papieren gehören, die vor dem Ofen liegen und die, ebenfalls lateinisch, mit „Operum meorum fasciculum III“ (deutsch: „Das dritte Bündel meiner Werke“) beschriftet sind. Vor dem Ofen liegen außerdem noch ein einzelner Stiefel und ein Stiefelknecht.

Links vom Ofen steht ein Mustopf, an der Wand daneben hängt der Ausgehrock und ganz links am Bildrand lehnt der Spazierstock an der Wand.

Durch das Fenster sieht man verschneite Dächer. Ein Hinweis darauf, dass es kalt ist. Der Dichter jedoch ist so arm, dass er im Bett liegen bleibt, um sich wenigstens ein bisschen warm zu halten. Heizen kann er nur, wenn er seine Werke verschürt.

Kommentar[Bearbeiten]

Die deutsche Sonderbriefmarke „200. Geburtstag Carl Spitzweg“ von 2008 zeigt das Gemälde „Der arme Poet“.

Lange wurde gerätselt, was der Poet mit den Fingern der rechten Hand macht. Eine naheliegende Vermutung ist, dass er einen Vers skandiert. Nach einer anderen Interpretation zerdrückt er zwischen seinen Fingern einen Floh[1] – womit Spitzweg ironisch die Diskrepanz zwischen dem Anspruch des Dichters und der Wirklichkeit darstellen würde.

Das Thema „Künstler in ärmlichem Zimmer“ wurde schon vor Spitzweg behandelt. Der britische Maler William Hogarth war der erste, der dieses Sujet im Jahr 1736 behandelte. William Turner griff das Thema im Jahr 1809 auf. Der italienische Maler Tommaso Minardi malte in dieser Manier ein Selbstporträt. Honoré Daumier hat mit “Poète dans la mansarde” (1842) und “Locataires et Proprietaires: Brigand de proprietaire” (1847), offensichtlich beeinflusst von Spitzweg, das Thema in zwei Varianten aufgegriffen.

Auch auf der Bühne gab es arme Dichter. Von August von Kotzebues Schauspiel Der arme Poet aus dem Jahr 1812 hatte Spitzweg vermutlich den Titel entlehnt.

Geschichte[Bearbeiten]

Der arme Poet war das früheste Meisterwerk Spitzwegs. Als Vorbild diente ihm – dem heutigen Stand der Forschung zufolge – der von 1722 bis 1782 in München lebende und zumeist finanzielle Not leidende Dichter Mathias Etenhueber.[2]

Die Erstfassung von 1839[3] hängt als Leihgabe aus Privatbesitz im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Eine zweite, bekanntere Fassung vollendete er im Jahr 1839. Aus dem Jahr 1839 gibt es auch eine dritte, fast identische Fassung.

Eine der zwei fast gleichen Fassungen befindet sich in der Neuen Pinakothek in München, die sie im Jahr 1887 als Schenkung vom Neffen des Künstlers bekam. Die andere befand sich bis zu ihrem Diebstahl in der Nationalgalerie Berlin. Dieses Bild wurde im Jahr 1976 vom Künstler Frank Uwe Laysiepen (auch als „Ulay“ bekannt) gestohlen[4], aber schon nach wenigen Stunden zurückgegeben. Am 3. September 1989 wurde das Berliner Bild von Kunsträubern zusammen mit Spitzwegs Werk Der Liebesbrief von der Wand gerissen und mit Gewalt aus dem Schloss Charlottenburg gebracht. Beide Bilder sind bis heute nicht wieder aufgetaucht.

Rezeption[Bearbeiten]

Spitzwegs Monogramm

Die ersten Kritiken für den armen Poeten waren so schlecht, dass Spitzweg seine Bilder fortan nicht mehr mit seinem Namen, sondern lediglich mit seinem Monogramm, einem stilisierten Spitzweck (einem rautenförmigen Brötchen) signierte.

Eine Umfrage zu Beginn des 21. Jahrhunderts ergab, dass Der arme Poet – gleich nach Leonardo da Vincis Mona Lisa – zu den beliebtesten Bildern der Deutschen zählt.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wibke von Bonin: Hundert Meisterwerke aus den großen Museen der Welt. Band 3. VGS, 1987, ISBN 3-8025-2170-6.
  • Rose-Marie Hagen und Rainer Hagen: Meisterwerke im Detail: Vom Teppich von Bayeux bis Diego Rivera. Band II. Taschen, Köln 2006, ISBN 3-8228-4787-9.
  • Lisa Schirmer: Carl Spitzweg. Seemann, Leipzig 1998, ISBN 3-363-00515-6.
  • Kristiane Müller und Eberhard Urban: Carl Spitzweg – Beliebte und unbekannte Bilder nebst Zeichnungen und Studien ergänzt durch Gedichte und Briefe, Zeugnisse und Dokumente. Unipart, 1995, ISBN 3-8122-3410-6.
  • Jens Christian Jensen: Carl Spitzweg. Prestel, München 2007, ISBN 978-3-7913-3747-0.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Der arme Poet – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellennachweis[Bearbeiten]

  1. prägefrisch: Meister des Biedermeier – 200. Geburtstag Carl Spitzweg. Ausgabe 4/2007, S. 4 f., Bundesministerium der Finanzen, Berlin
  2. Manuel Albrecht: Carl Spitzwegs Malerparadies. Schuler-Verlagsgesellschaft mbH, Herrsching am Ammersee, 1979, ISBN 3-7796-2046-4, Seite 161
  3. Germanisches Nationalmuseum, Objektkatalog
  4. http://www.medienkunstnetz.de/werke/da-ist-eine-kriminelle-beruehrung/
  5. Rose-Marie Hagen, Rainer Hagen: Meisterwerke im Detail