Der dunkle Schirm

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Dieser Artikel behandelt den Roman von Philip K. Dick. Für die gleichnamige Verfilmung von Richard Linklater siehe A Scanner Darkly – Der dunkle Schirm.

Der dunkle Schirm (engl. A Scanner Darkly) ist ein Science-Fiction-Roman von Philip K. Dick aus dem Jahr 1977.

Das Hauptthema des in Teilen autobiografischen Romans ist der Drogenkonsum und die dadurch bewirkten Zerstörungen der Persönlichkeit. In einem dystopisch geschilderten Orange County (Kalifornien) des Jahres 1994 überwacht der Protagonist Bob Arctor als verdeckter Ermittler einen Konsumenten und Dealer der extrem süchtig machenden Droge „Substanz T“, der er, ohne es zu wissen, selber ist. Am Ende kommt heraus, dass die Organisation, die die Entzugskliniken leitet, dieselbe ist, die die „Substanz T“ produziert und vermarktet.

Der dunkle Schirm ist einer der bekanntesten Romane Dicks und wurde 2006 von Richard Linklater verfilmt.

Titel[Bearbeiten]

Der Originaltitel ist, wie auch im Roman erläutert wird, eine Anspielung auf eine Bibelstelle aus dem 1. Brief des Paulus an die Korinther, nämlich 1 Kor 13,12 Luth: „Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild“ (in der King-James-Bibel: „For now we see through a glass, darkly“). Der Protagonist des Romans sieht aber nicht mehr durch einen Spiegel, sondern durch das holographische Aufnahmesystem, den Scanner. Außerdem sind die Anfangsbuchstaben SD (für scanner darkly) dieselben wie die von Substance D, der fiktiven Droge, der im Roman eine besondere Rolle zukommt.

Inhalt[Bearbeiten]

Die Hauptperson des Romans ist Bob Arctor, der sich unter dem Decknamen „Fred“ als verdeckter Ermittler in der Drogenszene von Orange County bewegt. Um die Ermittler vor Enttarnung zu schützen, treten sie der Polizei gegenüber anonym auf. Zu diesem Zweck tragen sie einen sogenannten „Jedermanns-Anzug“, der die Gestalt und das Gesicht des Trägers hinter einer ständig wechselnden Folge von Gestalten und Gesichtern verbirgt – dieser Anzug und die Droge „Substanz T“ („T“ für „Tod“, im englischen Original „Substance D“ für „Death“) gehören zu den wenigen Science-Fiction-Elementen des Romans.

Dick schildert ausführlich den Alltag in einer Drogen-Subkultur und die Folgen des Drogenmissbrauchs, beispielsweise den bei Kokain-Konsumenten verbreiteten Epizoonosen-Wahn, die Vorstellung, dass Käfer unter der eigenen Haut leben.

Der Agent Fred erhält den Auftrag, den des Drogenhandels verdächtigten Bob Arctor zu überwachen, wobei der Polizei die Identität Freds und Bob Arctors natürlich nicht bekannt ist. In Arctors Haus werden Überwachungskameras installiert und Bob sitzt als Fred im Jedermanns-Anzug vor dem Bildschirm und beobachtet sein eigenes Leben. Er wird selbst abhängig von der Substanz T, verliert schließlich den Überblick über seine Identitäten und landet als psychisches Wrack in einer Entzugsklinik der Organisation „Der neue Pfad“. Dort erhält er den Decknamen „Bruce“ – seine dritte Identität. Gegen Ende des Romans wird klar, dass diese Organisation selbst die Substanz T herstellt und vertreibt, was Bruce/Fred/Bob kaum mehr bewusst wahrnimmt. Eine Blüte der Substanz-T-Pflanzen schiebt er sich in den Schuh, um sie bei einem Zusammentreffen mit anderen Patienten der Klinik „Der neue Pfad“ zu übergeben. Dies kann man als ein kleines Happy End betrachten, da es unter diesen Freunden einen Undercover-Agenten gibt, der so die Behörden von den Aktivitäten des „neuen Pfads“ unterrichten könnte.

In einem Nachwort und Nachruf nimmt Philip K. Dick Stellung zu Drogenkonsum und Drogen-Subkultur, der er selbst angehörte. Er listet die vielen Freunde und Bekannten auf, die durch Drogen gestorben sind oder in ihrer Gesundheit schwer geschädigt wurden.

Paranoia[Bearbeiten]

Wie in vielen anderen Geschichten Dicks spielen Verschwörungen und Verschwörungstheorien eine zentrale Rolle im Roman. Einerseits wird die typische Paranoia Suchtkranker karikiert, wenn Arctor/Freds etwa Freund Barris im Rausch von möglichen Manipulationen durch posthypnotischen Suggestionen und induzierte Amnesie schwafelt. Andererseits ist seine Verfolgungsangst nur zu begründet, denn er wird von seinem eigenen Freund ohne dessen Wissen polizeilich überwacht. Und schließlich wird die Hilfsorganisation des „Neuen Pfades“ als kriminelle Vereinigung dargestellt, die mit Hilfe der Suchtkranken die toxische Substanz produziert, von der sie sie befreien zu wollen vorgibt.[1]

Verfilmung[Bearbeiten]

Von Richard Linklater wurde der Roman 2006 mit den Darstellern Keanu Reeves, Robert Downey junior, Woody Harrelson und Winona Ryder verfilmt. Der Film A Scanner Darkly arbeitet mit der Rotoskopie, einer besonderen Tricktechnik, die Zeichentricktexturen und Realfilm überlagert.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. David Brottman: Dick, Philip K. In: Peter Knight (Hrsg.): Conspiracy Theories in American History. An Encyclopedia. ABC Clio, Santa Barbara, Denver und London 2003, Bd. 1, S. 222.

Deutschsprachige Ausgaben[Bearbeiten]