Didrik Pining

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Didrik Pining (auch Dietrich Pining und Diderik Pining; * um 1428 wohl in Hildesheim; † 1491) war ein deutscher Seefahrer, der Spekulationen zufolge auf einer Fahrt nach Grönland in den Jahren 1473-76 und damit rund 19 Jahre vor Christoph Kolumbus Amerika entdeckt haben soll.

Pining begann seine Karriere als Kaperfahrer in der Nordsee und im englischen Kanal. Er stand in Diensten des Königreichs Dänemark und erreichte die Stellung eines Kapitäns (sceppere).[1] Von 1478 bis 1490 war er Statthalter des zu Dänemark gehörenden Island. 1490 wurde er zudem Statthalter von Vardø in Nord-Norwegen. Er starb um 1491 aus ungeklärten Gründen.

Expedition 1473 – 1476[Bearbeiten]

Zusammen mit dem ebenfalls aus Norddeutschland[2] stammenden Hans Pothorst führte Pining ab 1473 im Auftrag König Christians I. von Dänemark und Norwegen und auf Bitte des portugiesischen Königs Alfons V., wohl mit dem Abgesandten und Seefahrer João Vaz Corte-Real, von Bergen in Norwegen aus eine Expedition nach Westen mit dem Ziel Grönland. Sie gelangte vermutlich bis dorthin, vielleicht auch bis Neufundland und Labrador und damit zum nordamerikanischen Festland.[3] Die Einzelheiten dieser Reise müssen aber aus verstreuten Quellen rekonstruiert werden. Als Navigator wird Johannes Scolvus (an anderer Stelle auch John Skolp) genannt.[4]

Pining heute[Bearbeiten]

In Hildesheim gibt es seit Sommer 1974 eine Didrik-Pining-Grundschule, für deren Benennung sich der Initiator dieser Schule, Rektor Heinz-Otto Ihde, eingesetzt hatte; weiterhin ist eine Straße der Stadt nach ihm benannt. Die DLRG-Ortsgruppe Hildesheim hatte bis in die 1990er Jahre ein Motorrettungsboot mit dem Namen Didrik Pining. Anfang 2007 hat der Oberbürgermeister von Hildesheim, Kurt Machens, einen Sitzungssaal im Hildesheimer Rathaus nach Didrik Pining benannt.

Literatur[Bearbeiten]

Aktuelle Literatur[Bearbeiten]

  • Norman Berdichevsky: The role of “sibling rivalry” in the “(re)discovery” of America controversy. In: Journal of Cultural Geography. 12, 1991, Nr. 1, S. 59–68 sowie Sibling Rivalry and the Discovery of America; Was Portuguese-Danish Cooperation Involved? (PDF).
    (Berdichevsky nimmt an, dass nationale Rivalitäten zwischen Spanien, Portugal, Schweden und Dänemark zu einer gemeinsamen dänisch-portugiesischen Expedition führten, an der Pothorst, Pining und Corte-Real beteiligt waren, und die das nordamerikanische Festland entdeckte.)
  • Thomas L. Hughes: The German discovery of America. A review of the controversy over Pining’s 1473 voyage of exploration. In: German studies review. 27, 2004, Nr. 3, S. 503–526.
    (Aktueller Forschungsüberblick, der die offenen Fragen der verschiedenen Interpretationen aufzählt und zu dem Fazit kommt, dass sich nicht eindeutig entscheiden lässt, wie weit Pinings Reise führte; vgl. den Bericht über ein Symposium des GHI Washington am 25. Februar 2003, PDF, 37 KB.)
  • Helge Ingstad: The Norse discovery of North America. In: Lund studies in English. 78, 1988, S. 149–155.
  • Klaus-Peter Kiedel: Eine Expedition nach Grönland im Jahre 1473. In: Deutsches Schiffahrtsarchiv. Bd. 3, 1980, S. 115–140.
  • Anton Josef Knott, Günther E. H. Baumann, Hans Schlotter: 20 Jahre vor Columbus landete der Hildesheimer Dietrich Pining in Amerika. Hildesheim 1992 (Publikationen des Hildesheimer Heimat- und Geschichtsvereins).
  • Uta LindgrenPining, Dietrich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 20, Duncker & Humblot, Berlin 2001, ISBN 3-428-00201-6, S. 451 (Digitalisat).
  • Robert McGhee: Northern Approaches. Before Columbus: Early European Visitors to the Shores of the "New World". In: Beaver. 72, 1992, S. 6–23.
  • The Dansk Biografisk Leksikon. Bd. XI, S. 381, 459.
  • Wolfgang Wegner: Das Amerika-Rätsel in: Helga Lippert: Terra X: Von den Oasen Ägyptens zum Fluch des Inka-Goldes. 2001, S. 166-215.

Ältere Literatur[Bearbeiten]

  • Johannes Heinrich Gebauer: Der Hildesheimer Dietrich Pining als nordischer Seeheld und Entdecker. In: Alt-Hildesheim. 12, 1933, S. 3–18.
  • Gunnar Gunnarson: Das Rätsel um Didrik Pining: Ein Bericht. Stuttgart 1939.
  • Dietrich Kohl: Dietrich Pining und Hans Pothorst. Zwei Schiffsführer aus den Tagen der Hanse und der großen Entdeckungen. In: Hansische Geschichtsblätter. 57, 1932, S. 152ff.
  • Sophus Larsen: The Discovery of North America Twenty years Before Columbus. 1925.
  • Paul Pini: Der Hildesheimer Didrik Pining als Entdecker Amerikas, als Admiral und als Gouverneur von Island im Dienste der Könige von Dänemark, Norwegen und Schweden. Hildesheim 1971.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schreiben des Lübecker Buchhändlers und Bürgermeisters Hans Grip aus dem Jahre 1551 an den dänischen König Christian III., der ihn mit dem Ankauf von Landkarten und Büchern beauftragt hatte, abgedruckt in: Meddelelser om Grønland Bd. 55, Diplomatarium Grönlandica 1492 - 1814, Nr. 4, zusammengestellt von Louis Bobé
  2. Klaus-Peter Kiedel, Eine Expedition nach Grönland im Jahre 1473, in: Deutsches Schiffahrtsarchiv 3/1980, S. 122
  3. Thomas L. Hughes: The German discovery of America. A review of the controversy over Pining’s 1473 voyage of exploration. In: German studies review. 27, 2004, Nr. 3, S. 503–526.
  4. Die von dem Peruaner Louis Ulloa 1934 aufgestellte Behauptung, dass es sich bei John Scolvus um den jungen Christoph Kolumbus gehandelt habe, kann man nicht ernst nehmen.

Weblinks[Bearbeiten]