Die zwölf Jäger

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Die zwölf Jäger ist ein Märchen (ATU 884, 313). Es steht in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm an Stelle 67 (KHM 67). In der Erstauflage hieß es Der König mit dem Löwen.

Inhalt[Bearbeiten]

Ein Königssohn gibt seiner Braut einen Ring zum Andenken, als er zu seinem sterbenden Vater reiten muss. Der nimmt ihm das Versprechen ab, eine andere zu heiraten. Die erste Braut lässt sich von ihrem Vater elf Jungfrauen zur Seite stellen, die ihr völlig gleichen, und reitet mit ihnen in Jägerkleidern zu ihrem Geliebten. Er nimmt sie in Dienst, weil sie ihm gefallen. Sein weiser Löwe durchschaut die Verkleidung und lässt ihn zum Beweis einmal Erbsen ins Vorzimmer ausstreuen und einmal zwölf Spinnräder aufstellen. Aber ein Diener verrät es der Braut, und sie weist die Mädchen an, fest auf die Erbsen zu treten und die Spinnräder nicht anzusehen, so dass der König dem Löwen nicht mehr glaubt. Als sie zusammen jagen und es heißt, die Braut des Königs käme, fällt die rechte Braut ohnmächtig vom Pferd. Der König will helfen, zieht ihr den Handschuh aus, sieht den Ring, erkennt sie, küsst sie und verspricht ihr Treue: „Du bist mein und ich bin dein, und kein Mensch auf der Welt kann das ändern.“ Der anderen Braut lässt er ausrichten, er habe schon eine Gemahlin, und wer einen alten Schlüssel wiedergefunden habe, brauche den neuen nicht.

Herkunft[Bearbeiten]

In der Erstauflage von 1812 hieß das Märchen Der König mit dem Löwen, ab der zweiten Auflage von 1819 steht es mit wenigen Veränderungen unter dem jetzigen Titel. Man nimmt an, dass es von Jeanette Hassenpflug stammt.

Grimms Anmerkung notiert zur Herkunft aus Hessen, und erwähnt zum Motiv der vergessenen ersten Braut, für dessen häufiges Vorkommen in Sagen der Grund tief liegt, die Kinder- und Hausmärchen Der Liebste Roland und Das singende springende Löweneckerchen. Weitere Beispiele wären De beiden Künigeskinner, Der Eisenofen, Der Trommler, Die wahre Braut, Prinz Schwan, ferner Die Nixe im Teich. Vgl. Siebenschön in Ludwig Bechsteins Deutsches Märchenbuch.

Symbolik[Bearbeiten]

Der Ring als ewiges Eheversprechen oder Erkennungszeichen kommt auch vor in Die sieben Raben, Die Rabe, Der Bärenhäuter, ferner indirekt in Der Räuberbräutigam, Die drei Federn, Jorinde und Joringel, Die Alte im Wald. Der Jäger ist tiefenpsychologisch sexuell deutbar (wie in Der gelernte Jäger, Die Nixe im Teich). Ausgestreute Erbsen sind Symbol für Fruchtbarkeit. Das Spinnrad, vielleicht Zeichen von Häuslichkeit, wird von der anthroposophischen Märchendeuterin Friedel Lenz als Hinweis auf einen Denkprozess gedeutet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Grimm, Brüder: Kinder- und Hausmärchen. Vollständige Ausgabe. Mit 184 Illustrationen zeitgenössischer Künstler und einem Nachwort von Heinz Rölleke. S. 377–380. Düsseldorf und Zürich, 19. Auflage 1999. (Artemis & Winkler Verlag; Patmos Verlag; ISBN 3-538-06943-3)
  • Grimm, Brüder: Kinder- und Hausmärchen. Ausgabe letzter Hand mit den Originalanmerkungen der Brüder Grimm. Mit einem Anhang sämtlicher, nicht in allen Auflagen veröffentlichter Märchen und Herkunftsnachweisen herausgegeben von Heinz Rölleke. Band 3: Originalanmerkungen, Herkunftsnachweise, Nachwort. Durchgesehene und bibliographisch ergänzte Ausgabe, Stuttgart 1994. S. 129, S. 472. (Reclam-Verlag; ISBN 3-15-003193-1)
  • Lenz, Friedel: Bildsprache der Märchen. 8. Auflage. S. 253. Stuttgart 1997. (Verlag Freies Geistesleben und Urachhaus GmbH; ISBN 3-87838-148-4)

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Die zwölf Jäger – Quellen und Volltexte