Domus Aurea

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Die Domus Aurea liegt unter den Ruinen der Trajansthermen und des umgebenden Parks.

Die Domus Aurea (lateinisch für das Goldene Haus) war ein riesiger Palast in Rom, den der römische Kaiser Nero nach dem Brand der Stadt (64 n. Chr.) auf dem Gelände eines früheren Palastes, der Domus Transitoria, errichten ließ. Er glich eher einem Landgut als einem Palast, die gesamte Anlage umfasste ca. 80 ha.

Die Wände wurden von dem römischen Maler Fabullus bemalt. Die Deckenmalerei war wichtiger als die Wandmalerei. Kleine Zimmer und Korridore sind vollständig ausgemalt, sonst sind die Wände mit Marmorplatten verkleidet oder vergoldet. Figurenbilder sind eher schlecht erhalten. Die Malereien fallen in den 4. Stil/Phantasiestil der römischen Wandmalerei.

Der Speisesaal ist der erste Kuppelbau, dessen Grundriss ein Oktogon beschreibt, und der früheste in der Palastarchitektur überhaupt.[1]

Heute weist das Haus schwere Feuchtigkeitsschäden an den Gemälden auf und ist nach einigen Jahren der Zugänglichkeit um das Jahr 2000[2] derzeit wieder für den Publikumsverkehr geschlossen.

Sueton über die Domus Aurea[Bearbeiten]

Sueton beschreibt den Palast in seiner Biographie Neros:

„In der Eingangshalle des Hauses hatte eine 120 Fuß hohe Kolossalstatue mit dem Porträt Neros Platz. Die ganze Anlage war so groß, dass sie drei Portiken von einer Meile Länge und einen künstlichen See umfasste, der fast ein Meer war, umgeben von Häusern, so groß wie Städte. Dazu kamen Villen mit Feldern, Weinbergen und Weiden, Wälder voller wilder und zahmer Tiere aller Arten. Einige Teile des Hauses waren vollständig vergoldet und mit Gemmen und Muscheln geschmückt. In den Speisesälen gab es bewegliche Decken aus Elfenbein, durch die Blumen herabgeworfen und Parfüm versprengt werden konnte. Der wichtigste von ihnen war kreisrund und bewegte sich bei Tag und bei Nacht ständig, wie die Erde. Die Bäder wurden mit Meer- und Schwefelwasser gespeist. Als Nero nach Abschluss der Bauarbeiten das Haus einweihte, zeigte er sich sehr zufrieden und sagte, dass er jetzt endlich in einem Haus wohne, das eines Menschen würdig sei.“

Sueton, Nero, 31

Passend zu den Zeilen von Sueton gingen zur Zeit Neros in Rom Spottverse um, welche die Römer aufforderten, in das nahegelegende Veji auszuwandern, da Rom zu einem einzigen Haus geworden sei, wenn denn nicht Veji auch schon dazugehöre: Roma domus fiet: Veios migrate Quirites - si non et Veios occupat ista domus.[3]

Lage und weitere Verwendung[Bearbeiten]

Die Domus Aurea sollte der neue Palast Neros werden, nachdem der Vorgängerbau, die in Neros ersten Regierungsjahren begonnene Domus Transitoria, noch vor der Fertigstellung beim Stadtbrand des Jahres 64 zerstört worden war.

Das Areal der Domus Aurea umfasste auf ca. 100 Hektar[4] große Teile der römischen Hügel: Auf dem Palatin wurde das Vestibulum errichtet, auf dem Esquilin wurden die noch bestehenden Teile der Villa des Maecenas einbezogen und auf dem Caelius wurde der Tempel des Claudius umgestaltet zu einem Nymphäum und in den Gesamtkomplex einbezogen.[5] In dem zentral dazwischen liegenden Tal, in dem heute das Kolosseum steht, wurde ein See angelegt.[6] Die Römer sparten nicht mit Spott über den Größenwahn ihres Herrschers.

Die nachfolgenden Kaiser gaben dem römischen Volk Teile der Domus Aurea zurück. Vespasian und Titus errichten das Amphitheatrum Flavium (Kolosseum). Im Jahr 80 waren die Titusthermen fertiggestellt. Nach dem Brand der Domus Aurea im Jahr 104 begann man mit dem Bau der im Jahr 109 eröffneten Trajansthermen. Der Palatin blieb, was er seit der Zeit des Kaisers Augustus war, Palast-Areal.

Heute ist nur noch auf dem Oppius, einem Hügel am Rand des Esquilin, ein kleiner Rest des ehemals riesigen Komplexes erhalten. Wegen seiner Architektur sowie seiner Stuck- und Wandmalereidekoration kommt ihm große kunstgeschichtliche Bedeutung zu, doch vermittelt er einen völlig anderen Eindruck als der ursprüngliche Bau. Denn während dieser dem Typ einer großzügig angelegten Aussichtsvilla entsprach, sind die heutigen Überreste zu fensterlosen Kellerräumen geworden, weil das Gelände nach Nero aufgefüllt wurde, um als Substruktion für die Titus- und Trajansthermen zu dienen.

Bei ihren Arbeiten entdeckten die Restauratoren zugleich einen unterirdischen Gang, der bis zum nahe gelegenen Kolosseum führt. Zeitungsberichten zufolge erwägen die Experten, diesen Tunnel zu erweitern und als einen neuen Ausgang der Domus Aurea zu nutzen.

Nero hatte die Decken und die oberen Hälften der Wände ausmalen lassen. Von diesen Fresken existieren heute noch rund 30.000 m², 1200 davon sind restauriert. Die Bildthemen sind mythologische Szenen, ein Stillleben mit Schinken, Brot und Fisch, Landschaftsdarstellungen und dekorative Grotesken.

An einigen Stellen der Wand sind Signaturen berühmter Renaissance-Maler eingeschrieben. Der Kaiserpalast war damals gerade wiederentdeckt worden; die Künstler mussten sich durch Deckenöffnungen in den Untergrund abseilen, um dort Fresken zu kopieren. Was sie sahen, nutzten sie für eigene Arbeiten – etwa für die Bogengänge des Vatikans, die unter Raffaels Aufsicht entstanden.

Aktuelle Situation[Bearbeiten]

Nachdem das Bauwerk nach umfangreichen, jahrzehntelangen Restaurierungsarbeiten erst seit 1999 in Teilen wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden war, musste es Ende 2005 erneut gesperrt werden, nachdem schwere Schäden durch aus dem Boden in die Konstruktion eindringende Feuchtigkeit festgestellt worden waren.

Nach einjährigen, erneuten Renovierungsarbeiten wurde das Haus Ende Januar 2007 wieder eröffnet.[7] Am Vormittag des 30. März 2010 stürzte ein Gewölbegang aus der Zeit Trajans nach anhaltenden Regenfällen ein,[8][9] worauf die Domus Aurea wieder für Besucher geschlossen wurde.[10] Zurzeit (Frühjahr 2012) findet zwischen städtischen und staatlichen Stellen eine Diskussion statt, in welcher Form eine Restaurierung und anschließende Präsentation für die Öffentlichkeit stattfinden könnte.[11]

Kuppelbau[Bearbeiten]

Einer der Speisesäle der Domus Aurea ist der erste Kuppelbau, der über einem achteckigen Grundriss errichtet wurde, und der früheste in der Palastarchitektur. Das Klostergewölbe besaß einen Inkreis-Durchmesser von 13,48 m und wurde von einem 5,99 m weiten Opaion durchbrochen. Die Kuppelschale bestand aus Opus caementitium.[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Jürgen Rasch: Die Kuppel in der römischen Architektur. Entwicklung, Formgebung, Konstruktion, in: Architectura, Bd. 15 (1985), S. 117–139 (118f., 122, 136)
  2. Der Katalog von Irene Iacopi, der anlässlich dieser Wiedereröffnung erschien, ist im Literaturverzeichnis aufgeführt.
  3. Sueton, Nero 39,2.
  4. Staccioli: Guida. S. 93.
  5. Staccioli: Guida. S. 92 f.
  6. Filippo Coarelli: Rom. Ein archäologischer Führer. Zabern, Mainz 2000, ISBN 3-8053-2685-8, S. 220–221.
  7. Berthold Seewald: Kaiser Neros Goldenes Haus ist fertig. Die Welt, 30. Januar 2007, abgerufen am 24. März 2012.
  8. Financial Times Deutschland,, 30. März 2010, abgerufen am 14. Juni 2010Vorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter
  9. Corriere della Sera, 30. März 2010, abgerufen am 14. Juni 2010
  10. Thomas Migge: Einsturz im "goldenen Haus" Neros in Rom. Deutschlandradio, 7. April 2010, abgerufen am 24. März 2012.
  11. Carlo Alberto Bucci und Laura Larcan: Domus Aurea, scontro sul restauro. La Repubblica, 4. Dezember 2011, abgerufen am 24. März 2012 (italienisch).

Literatur[Bearbeiten]

  • Larry F. Ball: The Domus Aurea and the Roman architectural revolution. Cambridge University Press, Cambridge 2003, ISBN 0-521-82251-3.
  • Marianne Bergmann: Der Koloß Neros, die Domus Aurea und der Mentalitätswandel im Rom der frühen Kaiserzeit. Mainz 1994, ISBN 3-8053-1781-6.
  • Nicole Dacos: La découverte de la Domus Aurea et la formation des grotesques a la Renaissance (= Studies of the Warburg Institute. 31). London, Warburg Institute 1969.
  • Carel C. van Essen: La Topographie de la Domus Aurea Neronis (= Mededelingen. N.R., 17,12). Noord-Hollandsche uitg. maatschappij, Amsterdam 1954.
  • Irene Iacopi: Domus aurea. Electa, Mailand 2001, ISBN 88-435-7175-3.
  • Roberto Luciani, Leandro Sperduti: Domus aurea Neronis (= Itinerari dei musei, gallerie, scavi e monumenti d'Italia. 20). Ist. Poligrafico, Rom 1993, ISBN 88-240-0426-1.
  • Romolo A. Staccioli: Guida di Roma antica. Milano 1994, ISBN 88-17-16585-9.
  • Fritz Weege: Das goldene Haus des Nero. Neue Funde und Forschungen. In: Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts 28 (1913), S. 127–244 (online).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Domus aurea – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

41.89138888888912.495277777778Koordinaten: 41° 53′ 29″ N, 12° 29′ 43″ O