Drehscheibe Unterburg

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Die Drehscheibe und das Antriebshäuschen im Jahr 2005
Lage der Drehscheibe Unterburg

Die Drehscheibe Unterburg ist eine planmäßig nicht mehr betriebene Oberleitungsbus-Drehscheibe im Solinger Stadtteil Burg an der Wupper. Betreibergesellschaft sind die Stadtwerke Solingen (SWS). Die Anlage wurde bis zum 15. November 2009 von der Linie 683 benutzt, welche bis zu diesem Tag planmäßig dort endete.

Die Drehscheibe gilt als weit bekannte Kuriosität des Solinger Oberleitungsbusses, sie ist die letzte von weltweit nur vier Anlagen dieser Art. Zwei weitere befanden sich in Großbritannien. Die eine war die Drehscheibe Christchurch (1936 bis 1969), die andere war die Drehscheibe Longwood bei Huddersfield (1939 bis 1940).[1][2] Die vierte Obus-Drehscheibe wurde von 1982 bis 1983 und von 1985 bis 1988 im mexikanischen Guadalajara betrieben.[3]

Beschreibung[Bearbeiten]

Der Drehvorgang dauert 45 Sekunden und wird vom Fahrer von außen ferngesteuert. Er wird stets ohne Fahrgäste durchgeführt. Der Antrieb der Scheibe ist im benachbarten Häuschen untergebracht. Bei den Obussen werden vor Beginn der Drehung die Stromabnehmerstangen von Hand abgezogen. Das Anlegen der Stangen nach der Drehung erfolgt wiederum manuell mit Hilfe von sogenannten Einfädelungstrichtern.

Geschichte[Bearbeiten]

Die bis 1975 selbstständige Gemeinde Burg an der Wupper war bis 1959 durch die Straßenbahnlinien 3 und 4 an die benachbarten Städte Solingen und Remscheid angebunden. Eine eigene Brücke über die Wupper verband die beiden Straßenbahnlinien. Diese wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und nicht wieder aufgebaut. Stattdessen legte man auf der Solinger Seite eine Kuppel-Endstelle an. Die Straßenbahn wurde 1959 stillgelegt und durch eine Oberleitungsbuslinie ersetzt.

Das enge Tal der Wupper ließ an der zwar 40 Meter langen, aber nur acht Meter breiten Umsetz-Endhaltestelle der Straßenbahn nicht den Raum für eine Wendeschleife zu. Als problematisch erwies sich insbesondere die beengte Lage zwischen dem Fluss und einem Steilhang. Daher wurde – nach den beiden oben erwähnten Vorbildern aus Großbritannien – für die damalige Obuslinie 3 alternativ eine automatisch betriebene Drehscheibe mit einem Durchmesser von 7,5 Metern installiert. Für den damals ausschließlich eingesetzten Obus-Typ ÜHIIIs war dies ausreichend. Ursprünglich wurde die Anlage vom Fahrer mittels einer Handkurbel manuell bedient.

Ab 1968 ergab sich das Problem, dass die neuen, mit 12.000 mm etwas längeren Wagen des dreiachsigen Typs Trolleybus Solingen (TS) nicht auf der Linie 3 eingesetzt werden konnten. Auf dieser kamen deshalb noch bis zum 27. Dezember 1974 die längst veralteten ÜHIIIs-Wagen zum Einsatz. Erst nachdem die Drehscheibe einen Verlängerungs-Aufsatz erhielt, konnte sie auch von den TS-Wagen benutzt werden. 1985 wurde sie komplett erneuert und dabei auf zwölf Meter Durchmesser erweitert.

Aufgrund des begrenzten Durchmessers der Drehscheibe Unterburg war die Linie 683 bis Mitte November 2009 die einzige Obus-Linie im Solinger Netz, auf welcher keine Gelenkobusse eingesetzt werden konnten. Die Linie 683 war daher die letzte Linie, auf der die veralteten Solowagen des Typs MAN SL 172 HO zum Einsatz kamen. Eine Vergrößerung der Drehscheibe wäre nur mit großem technischen und finanziellen Aufwand möglich gewesen.[4]

Mitte November 2009 wurde die Linie 683 schließlich vollständig auf moderne Swisstrolley-Gelenkwagen des Herstellers Carrosserie Hess umgestellt. Diese Fahrzeuge verfügen über einen verstärkten Diesel-Hilfsantrieb und verkehren ab der Haltestelle Burg Seilbahn, wo an- beziehungsweise abgedrahtet wird, im Dieselbetrieb durch Unterburg bis zum ehemaligen Bahnhof der Wermelskirchen-Burger Eisenbahn-Gesellschaft. Dort wurde für die Linie 683 und andere Omnibuslinien ein neuer Busbahnhof errichtet. Die ehemalige Haltestelle Burg Brücke, die sich in der kurzen Sackgasse zwischen der Solinger Straße und der Drehscheibe befand, wurde auf die andere Seite der Wupper verlegt.

Zukunft[Bearbeiten]

Die planmäßig nicht mehr benötigte Drehscheibe Unterburg soll für Sonderfahrten des Obus-Museums Solingen e. V. dauerhaft erhalten bleiben. Begünstigend hinzu kommt, dass sie erst Mitte 2004 saniert wurde und somit noch eine Lebensdauer von zehn bis fünfzehn Jahren hat. Eine endgültige Entscheidung über die Zukunft der weltweit einzigen verbliebenen Obusdrehscheibe ist nach Auskunft des Betreibers SWS aber noch nicht gefallen.[5]

Galerie[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bournemouth Picture Gallery
  2. Former trolleybus turntable, Longwood, near Huddersfield
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatAllen Morrison: The Trolleybuses of Latin America in 2011. März 2010, abgerufen am 18. Juli 2011 (englisch).
  4. Solinger Tageblatt: O-Busse bis zum Burger Bahnhof
  5. Dipl.-Ing. Jürgen Lehmann – Neues vom Obus, Oktober 2005, Ausgabe Nr. 62

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Drehscheibe Unterburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

51.13741677.1470718Koordinaten: 51° 8′ 15″ N, 7° 8′ 49″ O