Druckluftflasche

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6-Liter-Flasche aus glasfaserverstärktem Kunststoff mit Schutzhülle an einem Atemschutzgerät

Die Druckluftflasche (auch Pressluftflasche) ist ein Vorratsbehälter für komprimierte Luft. Anwendungen sind etwa die Nutzung als Atemgasvorratsbehälter oder als Energiespeicher und Ausgleichsbehälter für technische Anlagen und Maschinen.

Verwendungszwecke[Bearbeiten]

In der Industrie und in Gewerbebetrieben werden Kompressoren zur direkten Drucklufterzeugung verwendet werden. Wo dies nicht möglich ist oder auch wenn große Mengen in kurzer Zeit benötigt werden, zum Beispiel beim Anlassen großer Verbrennungsmaschinen (Dieselmotor / Gasturbine) werden Druckluftflaschen eingesetzt.

Außerdem sind Druckluftflaschen ein Bestandteil von Drucklufttauchgeräten für Taucher und von umluftunabhängigen Atemschutzgeräten für die Feuerwehr und viele andere Anwender. Spezielle Atemgasgemische werden auch in Druckluftflaschen gelagert und transportiert. Diese nennt man, obwohl es sich um den gleichen Behälter handelt, Nitrox-, Sauerstoff- oder Trimix-Flasche, je nach Inhalt.

Druckluftflasche aus Stahl bei der Feuerwehr (alte Farbgebung)

Die Druckluftflasche besteht aus einem Druckbehälter aus Stahl, Aluminium oder aus einem Kompositverbund, einem dünneren Stahlinnenkörper, der mit Faserverbundkunststoff verstärkt ist.

Druckluftflasche für Atemgeräte[Bearbeiten]

Die Flaschenkörper von Druckluftflaschen für Atemgeräte besitzen ein kleinkonisches (veraltet) oder zylindrisches Flaschengewinde, in das das Absperrventil eingeschraubt wird. Das kleinkonische Gewinde wird mit Teflonband abgedichtet, das zylindrische mit einem O-Ring. An dieses Absperrventil wiederum wird der Atemregler oder eine Brücke zur Verbindung mehrerer Druckluftflaschen angeschraubt. Diese Ventile sind in verschiedenen Ausführungen gebräuchlich:

  • als Einzelventil für einen Atemregler
  • als Doppelventil mit zweitem Anschluss für einen Reserveatemregler (Oktopus)
  • als Brückenventil zur Verbindung von in der Regel zwei Flaschen zu einem Paket.

Das Atemgas steht bei einer vollen Flasche in der Regelunter einem Druck von 200 Bar. Es gibt auch spezielle Druckbehälter, welche bis 300 Bar gefüllt werden. Diese haben ein anderes, längeres Gewinde, welches sich aber immer mehr als Standard im europäischen Raum durchsetzt. Zudem sind 300-Bar-Regler abwärtskompatibel zu 200-Bar-Geräten.

Bei der Feuerwehr und beim THW werden Geräte aus zwei 4-Liter-Flaschen (200 Bar) oder einer 6-Liter-Flasche bzw. 6,8-Liter-Flasche (300 Bar) verwendet. Die Doppelflaschengeräte mit 4-Liter-Flaschen sind allerdings in der Zwischenzeit veraltet und werden von den neueren 6-Liter-Geräten oder 6,8-Liter-Geräten abgelöst. Dazu ist zu erwähnen, dass die 6-Liter-Flaschen genauso aus Stahl sind wie die 4-Liter-Flaschen und daher zwar veraltet, aber nach wie vor beliebt bei Anwendungen, bei denen einen hohe mechanische Belastung nicht ausgeschlossen werden kann, sind. Sie gelten als robuster als die neuen Kompositflaschen. Mittlerweile werden von den Herstellern auch 9-Liter-Kompositflaschen angeboten. Diese 9-Liter-Flaschen sind ca. 50 mm höher und dicker als die üblichen 6,8-Liter-Flaschen. Sie können in den herkömmlichen Atemschutzgeräten anstelle der 6,8-Liter-Flasche eingesetzt werden.

10 Liter Tauchflasche für maximal 200 Bar mit DIN-Ventil der Firma Aqua Lung

Bei Tauchern haben sich 10- und 12-Liter-Flaschen durchgesetzt. Es sind auch kleinere oder größere Flaschen mit z. B. 15 Liter erhältlich. Ebenso werden Doppelflaschen eingesetzt.

Andere Verwendungen[Bearbeiten]

Neben den oben erwähnten Verwendungen werden Druckluftflaschen auch beim Paintballsport und zur Befüllung von Sinkkastenschnellverschlüssen, Kanalabsperrblasen und Hebekissen verwendet. Beim Paintballsport dienen sie dazu die Markierer zu betreiben. Diese Flaschen fassen in der Regel zwischen 0,8 l und 1,1 l und werden mit 200 bis 300 Bar befüllt.

Zum Anlassen von Schiffsmotoren sind Flaschen von mehreren hundert Litern Volumen und einem Druck von bis zu 250 bar durchaus üblich. Diese sind dann fest verbaut.

Fälschliche Bezeichnung als Sauerstoffflasche[Bearbeiten]

Oft wird fälschlicherweise im Zusammenhang mit dem Gerätetauchen von Sauerstoffflaschen gesprochen, wenn Druckluftflaschen gemeint sind. Taucher verwenden in der Regel keine Sauerstoffflaschen unter Wasser. Die Atmung von reinem Sauerstoff wirkt ab einer Tauch-Tiefe von mehr als 6 Meter toxisch, da ab dieser Tiefe der Partialdruck von Sauerstoff über der kritischen Grenze von 1,6 Bar liegen würde. Die Folge wäre eine Sauerstoffvergiftung. Beim Technischen Tauchen wird jedoch reiner Sauerstoff in 6 m Tiefe für eine begrenzte Zeit als Dekompressionsgas geatmet.

Sauerstoffflaschen werden allerdings regelmäßig in der Medizin und im Rettungswesen verwendet um das Atemgas – etwa von Verletzten – mit Sauerstoff über eine Mund oder Nasen-Maske anzureichern. Ebenfalls reiner Sauerstoff, jedoch unter deutlich verringertem Umgebungsdruck wird in der unsanften Hochgebirgsbergsteigerei, bei hohen Ballonaufstiegen und der Weltraumfahrt verwendet. Die Gemini- und Apollo-Raumkapseln hatten eine reine Sauerstoff-Atmosphäre, die zum fatalen Brand von Apollo 1 (unter Normaldruck auf der Erde) führte. Heutzutage wird nur noch bei einem Weltraumspaziergang im Raumanzug aus Gründen der Beweglichkeit reiner Sauerstoff unter stark reduziertem Druck eingesetzt. Vor dem Einsatz atmet der ISS-Astronaut eine "Nacht" Sauerstoff, um Stickstoff abzuatmen (ähnlich der Dekompression eines Tauchers).

Vorschriften, Normierung und Gesetze[Bearbeiten]

Je nach verwendetem Gas muss die Druckluftflasche evtl. und durch Gefahrgutaufkleber gekennzeichnet werden, die das verwendete Gasgemisch anzeigen. Diese Kennzeichnung ist auf der Flaschenschulter aufzubringen. Als farbliche Kennzeichnung für Druckluft kann gemäß EN 1089-3 zusätzlich entweder eine leuchtgrüne Schulter bei technischer Druckluft oder eine weiße Flaschenschulter mit einem schwarzen Ring, der die untere Hälfte des Flaschenhalses überdeckt, bei Druckluft für Atemzwecke eingesetzt werden. Der zylindrische Flaschenkörper kann farblich frei gestaltet werden. Durchgesetzt hat sich diese Regelung aber bis heute nicht. So beschaffen beispielsweise Feuerwehren weiterhin Druckluftflaschen mit gelb-schwarz-weißen Schultern. Einzig verbindlich bleibt der Gefahrgutaufkleber.

Zur Sicherheit bei Lagerung und Transport ist im gewerblichen Bereich ein Ventilschutz vorgeschrieben, z. B. belüftete Ventilschutzkappen. Dies wird durch das Europäische Übereinkommen über die Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße (ADR) europaweit und durch die Gefahrgutverordnung Straße, Eisenbahn und Binnenschifffahrt (GGVSEB) in Deutschland geregelt. In Österreich ist neben dem ADR die StVO, das KFG und die Kraftfahrdurchführungsverordnung im Straßenverkehr maßgeblich.[1] Anzumerken ist, dass diese Gesetze und Vorschriften für Privatpersonen in den verschiedenen Ländern bindend sein können. Beim Transport im privaten PKW ist manchmal nur auf die Ladungssicherheit nach der jeweiligen Straßenverkehrs-Ordnung zu achten, manchmal gilt allerdings auch das ADR.

Alte, ausgesonderte Druckluftflaschen unterschiedlicher Größe auf einer Tauchbasis

Nach §15 (7) der deutschen Betriebssicherheitsverordnung müssen Tauchgeräte und Atemschutzgeräte alle 2,5 bzw. 5 Jahre geprüft werden; Flaschen, die diese Überprüfung nicht bestehen, dürfen nicht mehr gefüllt werden.

Flaschenanschlüsse[Bearbeiten]

Bei technischen Anwendungen kommen verschiedene Anschlüsse zum Einsatz, die von den jeweiligen Zertifizierungbehörden genehmigt werden müssen. Im Tauchsport gibt es Grundsätzlich zwei verbreitete Varianten des Flaschenanschlusses: International am weitesten verbreitet ist der sogenannte INT-Anschluss. (englisch: A-clamp oder yoke) Obwohl dieser Anschluss nach ISO 12209-3 beziehungsweise ISO 12209:2013[2] genormt ist, ist die Herkunft dieser Abkürzung unklar. Vorwiegend im deutschen Sprachraum und unter technischen Tauchern ist der nach DIN EN 144-2/3 und ISO 12209-2[2] genormte, sogenannte DIN-Anschluss sehr beliebt. Im Gegensatz zum INT-Anschluss ist der DIN-Anschluss für einen Flaschendruck von bis zu 300 Bar, statt nur bis zu 232 Bar geeignet.[3] Atemschutzgeräte weisen meist einen DIN-Anschluss auf.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Transportsicherung für die Beförderung von Atemluftflaschen (Pressluftflaschen) in Fahrzeugen (PDF; 1,1 MB) des ÖBFV vom 21. Dezember 2010 abgerufen am 25. Oktober 2012
  2. a b ISO 12209:2013, iso.org: Gas cylinders – Outlet connections for gas cylinder valves for compressed breathable air, zugegriffen: 3. September 2013
  3.  Thomas Kromp, Hans J. Roggenbach, Peter Bredebusch: Praxis des Tauchens. 3 Auflage. Delius Klasing Verlag, Bielefeld 2008, ISBN 978-37688-1816-2, S. 237–238.

Weblinks[Bearbeiten]

Praxisgerechte Informationen gibt es u.a. beim Industriegaseverband e.V.

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