Ventil

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Dieser Artikel beschreibt das Ventil als technische Vorrichtung; für weitere Verwendungen von „Ventil“ siehe Ventil (Begriffsklärung).
Schema eines Absperrventils: 1 - Stellantrieb, 2 - Buchse, 3 - Verschlussteil, 4 - Gehäuse

Das Ventil (lat. ventusWind‘) ist ein Bauteil zur Absperrung oder Regelung des Durchflusses von Fluiden (Flüssigkeiten und Gasen). In Ventilen wird ein Verschlussteil (z. B. ein Kegel oder eine Kugel) nahezu parallel zur Strömungsrichtung des Fluids bewegt. Die Strömung wird reduziert oder unterbrochen, indem das Verschlussteil über einen gesamten Umfang auf einer passend geformten Öffnung angepresst wird.

Ventile können so gefertigt werden, dass diese im Gegensatz zu anderen Absperrorganen (z. B. Absperrschieber, Absperrklappe, Kugelhahn) über den gesamten Stellbereich, ein im Strömungsquerschnitt gleichmäßiges Strömungsbild besitzen. Deshalb eignen sich Ventile neben dem reinen Absperren von Stoffströmen auch gut für Regelaufgaben.

Ventilarten[Bearbeiten]

Schrägsitzventil als Erstabsperrung einer häuslichen Trinkwasserleitung
Ventil zum Regeln des Druckes in einer Gasleitung
Ventileinsatz aus PKW-Rad
Blitz- oder Dunlopventileinsatz eines Fahrrades
Bodenauslaufventil für einen emaillierten verfahrenstechnischen Apparat

Unterschiedliche Ventilarten werden nach folgenden Aspekten unterschieden:

Unterscheidung nach Ventilform[Bearbeiten]

Ventile können nach ihrer geometrischen Form eingeteilt werden in:

  • Durchgangsventil (Ein- und Austritt liegen in einer gemeinsamen Richtung), wobei der Durchgang „reduziert“ (mit Querschnittsreduzierung) oder „egal“ (ohne Querschnittsreduzierung) ausgeführt sein kann.
  • Eckventil (Ein- und Austritt schneiden sich im rechten Winkel)
  • Schrägsitzventil (der Absperrkörper ist (meist) 45° zur Strömungsrichtung geneigt)
  • Drei-Wege-Ventile für das kontrollierte Mischen von Fluidströmen, wie sie beispielsweise zur Temperaturregelung für Heizwasser in der Heizungstechnik verwendet werden

Unterscheidung nach Betätigungsart[Bearbeiten]

Ventile lassen sich aber auch nach der Art der Betätigung unterteilen in:

  • Handbetätigte Ventile. Meist ist dafür ein Handrad vorgesehen. Es gibt Ausführungen mit steigender oder nicht steigender Spindel. Bei großen Nennweiten ist ein Getriebe zwischengeschaltet. Ebenso kann die Handbetätigung nur als Notbetätigung vorgesehen sein, falls der normale motorische Antrieb nicht verfügbar ist.
  • Elektromagnetisch betätigte Ventile
  • Mediumbetätigte Ventile, die pneumatisch oder hydraulisch gesteuert werden, zum Beispiel Quetschventile. Bei den mediumbetätigten Ventilen kann man wiederum in eigenmediumbetätigte und fremdmediumbetätigte Ventile unterscheiden.
    • eigenmediumbetätigte Ventile: zum Beispiel Rückschlagventile
    • fremdmediumbetätigte Ventile: zum Beispiel alle indirekt gesteuerten Ventile. Weil sie auch Teil eines mehrstufigen Ventils sein können, sollen die fremdmediumbetätigten oder indirekt gesteuerten Ventile separat behandelt werden:

Unterscheidung nach Ventilstufen[Bearbeiten]

Ein Ventil wirkt durch eine relativ kleine Eingangsenergie und beeinflusst damit eine Fluidbewegung, die meist mehr Energie aufweist. Der Verstärkung sind aber in einem einstufigen Ventil Grenzen gesetzt. Mit zunehmendem Durchmesser steigt bei direktgesteuerten Ventilen die statische Druckkraft, zu deren Überwindung dann eine entsprechend größere Steuerkraft (zB. Magnetkraft) erforderlich ist. Reicht sie nicht aus, werden mehrere Ventile hintereinandergeschaltet. Man spricht dann von mehrstufigen Ventilen. Einzeln betrachtet ist das erste direkt und die anderen indirekt gesteuert bzw. vorgesteuert. Beispiele:

  • Zwangsgesteuerte Ventile: Eine Membrane oder ein Kolben, der mit dem Magnetkern gekoppelt ist, dient dem Abdichten des eigentlichen Ventilsitzes. Nach dem Einschalten des elektrischen Stromes zieht der Kern an und öffnet den Hilfsventilsitz in der Membrane oder dem Kolben. Das auf der Membrane oder dem Kolben stehende Medium kann abströmen. Dadurch entstehen ausgeglichene Druckverhältnisse im Ventil, und über die Kopplung Kern/Membrane oder Kern/Kolben wird der Hauptventilsitz geöffnet. Bei dieser Ausführung ist kein Differenzdruck erforderlich. Der Nenndruckbereich beginnt beim Druck null.
  • Vorgesteuerte Ventile: Vorgesteuerte Ventile haben ein 3/2-Wege-Pilotmagnetventil. Eine Membrane oder ein Kolben dient dem Abdichten des eigentlichen Ventilsitzes. Bei geschlossenem Vorsteuerventil kann sich über eine Drosselbohrung auf beiden Seiten der Membrane der anstehende Mediumsdruck aufbauen. Solange zwischen Eingang und Ausgang ein Druckunterschied besteht, wirkt aufgrund der größeren Fläche auf der Oberseite der Membrane eine Schließkraft. Wenn das Pilotventil geöffnet wird, baut sich der Druck oberhalb der Membrane ab. Die dadurch größer werdende Kraft an der Unterseite hebt nun die Membrane nach oben und öffnet das Ventil. Vorgesteuerte Ventile benötigen eine Mindestdruckdifferenz, um ein einwandfreies Öffnen und Schließen zu gewährleisten.

Unterscheidung nach Aufgabe[Bearbeiten]

Ventile erfüllen in einem pneumatischen oder hydraulischen System unterschiedliche Aufgaben. Es bietet den Fluiden (Flüssigkeiten und Gasen) abhängig von verschiedenen Faktoren eine Barriere. Es gibt folgende 4 Fälle:[1]

  1. Das Fluid kann einfach beim Durchströmen in beide Richtungen behindert werden (Stromventile),
  2. oder abhängig von der Strömungsrichtung (Rückschlagventile),
  3. es kann abhängig vom Druck behindert werden (Druckventile),
  4. oder das Durchströmen kann gleichzeitig auf mehreren Leitungen gesteuert werden. (Wegeventile, 3/2 oder höher)

Sperrventile und Stromventile[Bearbeiten]

Stromventile reduzieren den Durchflussquerschnitt oder sperren ganz ab. Siehe Hauptartikel Stromventil. Beispiele:

  • Drosselventil
  • Verzögerungsventil
  • Wechselventil (ODER-Element)
  • Zweidruckventil (UND-Element)
  • Schnellschlussventil: Ein Schnellschlussventil erlaubt die schlagartige Unterbrechung einer Rohrströmung. Zum Beispiel kann bei plötzlicher mechanischer Entlastung eines Generators (Lastabwurf) die Dampfzufuhr schlagartig unterbrochen werden. So lässt sich ein „Durchgehen“ der Turbine verhindern.
    In der chemischen Industrie werden Schnellschlussventile eingesetzt, um im Fehlerfall Rohrleitungen möglichst schnell zu trennen.
  • Durchgangsventil, Stromschaltventil oder 2/2-Wege-Ventil: Absperrventile mit einem Eingang und einem Ausgang. In Ruhestellung drückt die Kernfeder, unterstützt vom Mediumsdruck, die Dichtung auf den Ventilsitz und schließt den Durchgang. Nach dem Einschalten wird der Kern mit der Dichtung in der Magnetspule bis an die Polfläche gezogen, das Ventil öffnet. Die elektromagnetische Kraft ist größer als die Summe aus Federkraft, statischer und dynamischer Druckkraft.

Rückschlagventile[Bearbeiten]

Rückschlagventile sperren nur in einer Durchflussrichtung ab. Siehe Hauptartikel Rückschlagventil. Spezielle Rückschlagventile:

Druckventile[Bearbeiten]

Druckventile behindern das Fluid in Abhängigkeit vom Druck. Sie werden im Normalfall erst in einem bestimmten Druckbereich aktiv. Siehe Hauptartikel Druckventil. Beispiele:

Wegeventile[Bearbeiten]

Dreiwegeventile, Vierwegeventile oder Wegeventile höherer Ordnung behindern oder ermöglichen den Durchfluss wie Stromventile, also nicht abhängig von Druck oder Richtung. Sie beeinflussen aber gleichzeitig mehrere Fluidströme, sie haben also mindestens 3 Arbeitsleitungsanschlüsse. Siehe Hauptartikel Wegeventil. Sie können weiter nach den Schaltstellungen unterschieden werden, also diskret (Wegeventil als Schaltventil) und kontinuierlich (Wegeventil als Stetigventil). Siehe Hauptartikel Wegeventile. Beispiele:

  • Proportionalventil (Wegeventil als Stetigventil)
  • Regelventil (Wegeventil als Stetigventil)
  • Servoventil (Wegeventil als Stetigventil)
  • Direktgesteuertes 3/2-Wege-Ventil (Wegeventil als Schaltventil): 3/2-Wege-Ventile haben drei Anschlüsse und zwei Ventilsitze. Wechselseitig bleibt immer ein Ventilsitz geöffnet oder geschlossen. Je nach Anschluss des Betriebsmediums an den verschiedenen Arbeitsanschlüssen ergeben sich unterschiedliche Funktionen. Der Druck steht unter dem Ventilsitz an. Eine Feder presst im stromlosen Zustand die untere Kerndichtung auf den Ventilsitz und sperrt das Ventil. Die Leitung am Anschluss A wird über R entlüftet. Nach dem Einschalten des elektrischen Stromes zieht der Kern an und dichtet den Ventilsitz am Anschluss R über eine federnd gelagerte Dichtung ab. Das Medium hat Durchgang von P nach A.

Unterscheidung nach der Bauart des Absperrkörpers[Bearbeiten]

Ventile können auch nach der Bauart des Absperrkörpers unterteilt werden. Beispiele sind:

Andere Unterscheidungsmerkmale[Bearbeiten]

Weiterhin können pneumatische Ventile nach Dichtwerkstoffen (hart/weichdichtend) sowie Position der Dichtung (auf dem Kolben/im Gehäuse) und dem Dichtungsaufbau unterteilt werden [2]. Allgemeinere Unterscheidungskriterien sind Nennweiten, Nenndruckstufen und Medien. Ein Ventil kann zusätzlich zwischen steigenden oder nichtsteigenden Spindeln unterschieden werden. Steigende Spindeln haben den Vorteil, dass die Ventilstellung von außen ersichtlich ist, was ansonsten nicht der Fall ist.

Anwendung[Bearbeiten]

Durch Ventile lassen sich Durchflussmengen in einer Rohrleitung präzise dosieren, sowie sicher gegen die Umgebung abschließen. Sicherheitsventile dagegen sind dahingehend konzipiert, große Massenströme zuzulassen, um unzulässige Druckverhältnisse (z.B. in einem Behälter) rasch ausgleichen zu können. Ventile haben stets einen gewissen Strömungswiderstand, wodurch sie für manche Anwendungen nicht geeignet sind. Außerdem ist es sehr schwierig, die Betätigungseinheit absolut dicht zu halten.

In der überwiegenden Zahl von Fahrzeugen wird heute als Antrieb ein Ottomotor in Viertaktbauweise eingesetzt, bei dem Ventile in der Ventilsteuerung dazu dienen, den Gasfluss zu steuern.

Ventile, insbesondere Magnetventile, werden in der Industrie oft und vielfältig eingesetzt: im Bereich der Fabrikautomation zum Bewegen von Zylindern, Greifsystemen oder Auswerfern, in der Medizintechnik für Beatmungsgeräte oder Dialyse, in der chemischen Industrie, der Lebensmittelindustrie, Wasseraufbereitung und vielen weiteren Gebieten.

Auch die Segelklappen am Herzen von Säugetieren und die Taschenklappen in den Venen haben die Funktion von Ventilen.

Häufig wird der Begriff Ventil als Überbegriff verwendet. Je nach Bauart werden synonyme Bezeichnungen wie Hahn, Schieber oder Klappe verwendet.

Gebräuchliche Ausführungen[Bearbeiten]

Schaltsymbole und Schaltpläne[Bearbeiten]

Eine umfangreiche Auflistung von Schaltzeichen für Ventile sowie für deren Betätigungsart in der Fluidtechnik findet man in folgender Liste der Schaltzeichen (Fluidtechnik). Komplette pneumatische Schaltpläne enthalten u. a. Stellglieder (Ventile) zur Steuerung der Arbeitsglieder (Zylindern).

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ölhydraulik - Handbuch für die hydrostatische Leistungsübertragung in der Fluidtechnik von Dietmar Findeisen, ISBN 978-3-540-30967-3, Seite 558
  2. Kolbenschieberventil, Sitzventil - mögliche Magnetventile im technischen Vergleich von P. Wahl

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Valves – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Ventil – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikiquote: Ventil – Zitate