Ein Schiff wird kommen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ein Schiff wird kommen ist der Titel eines Schlagers von Lale Andersen aus dem Jahr 1960, der auf einer griechischen Filmmusik beruht und zum Evergreen wurde.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Lale Andersen war bekannt geworden durch ihre Seemanns- und Heimwehlieder. Ihre erste Platte Seemanns Schnadahüpferln (#10 416) entstand im August 1935 für die Deutsche Grammophon. Im Juni 1939 wechselte sie erstmals zu Electrola, wo im selben Monat ihre Single Backbord ist links (EG #6823) auf den Markt kam. Ihr größter Hit war bei Electrola das am 31. Juli 1939 aufgenommene und im August 1939 erschienene Soldatenlied Lili Marleen, das als erster deutscher Millionenseller gilt und 2 Millionen Exemplare umsetzte.[1]

Nach dem Krieg wechselte sie häufiger die Plattenfirmen, bis sie im Mai 1952 zu Electrola zurückkehrte. Bereits im Juni 1952 war sie bei Polydor unter Vertrag, dann ging sie 1955 wieder zu Electrola (Du bist mein erster Gedanke, Mai 1955; EG #8176). Keine der vielen Singles erreichte jemals die deutsche Hitparade.

Auf den zwischen dem 4. und 20. Mai 1960 in Cannes stattfindenden 13. Filmfestspielen wurde der griechische Film Ποτέ την Κυριακή („Pote tin Kyriaki“; deutscher Filmtitel Sonntags… nie!) gezeigt. Drehbuch, Produktion und Regie lagen in der Hand von Jules Dassin, dessen spätere Frau Melina Mercouri (Heirat 1966) im Film die Hauptrolle spielte. In einer Szene legt sie eine Platte auf und singt auf dem Bett liegend mit verrauchter Stimme das Lied Τα Παιδιά του Πειραιά („Ta Paidia Tou Piraia“; Die Kinder von Piräus). Das Stück stammte aus der Feder von Manos Hadjidakis, der für die Szene auch die Partitur schrieb. Bereits am 25. Mai 1960 fand die Premiere in Paris statt, und am 9. September 1960 kam der Film in Deutschland in die Kinos.

Aufnahme und Erfolg[Bearbeiten]

Lale Andersen — Ein Schiff wird kommen

Fini Busch erhielt den Auftrag, als Subtexterin eiligst einen deutschen Text zu schreiben. Dieser handelte — wie im Film — von der erwartungsvollen Sehnsucht einer Prostituierten, die im Hafen von Piräus auf Schiffe mit Kunden wartet, in der sehnsüchtigen Hoffnung, irgendwann würde darunter ein Mann sein, der zu ihr passt und sich ihrer annimmt und sie zu seiner (Ehe-)Frau macht. Bereits am 11. September 1960 stand die inzwischen 55-jährige Sängerin Lale Andersen mit ihrer Altstimme im Kölner Electrola-Tonstudio vor dem Mikrophon und nahm das zu ihr passende Seemannslied Ein Schiff wird kommen / Manchmal träum‘ ich vom Kornfeld (Electrola #21 615) mit dem Orchester Friedel Berlipp und dem Bernd Hansen-Chor auf. Im Mittelpunkt ihrer Version steht ein gesprochener Text mit großer Unmittelbarkeit.[2] Der Aufnahmetag lag somit 2 Tage nach der deutschen Kinopremiere.

Veröffentlicht noch im September 1960, erreichte der Titel am 22. Oktober 1960 Rang 1 der deutschen Hitparade für 10 Wochen und wurde innerhalb der ersten sechs Wochen über 250.000 Mal verkauft, 750.000 Exemplare waren Ende Januar 1961 verkauft,[3] insgesamt setzte die Platte weit über 1 Million Exemplare um.[4] Damit wurde Ein Schiff wird kommen zu Lale Andersens zweitgrößtem Erfolg mit weltweit 1,2 Millionen verkauften Exemplaren. Die parallele Veröffentlichung zum Kinofilm hat den Verkaufserfolg sicherlich unterstützt.

Coverversionen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Noch im selben Jahr erschienen fünf Coverversionen von Caterina Valente, Dalida, Melina Mercouri[5], Lys Assia und eine Instrumentalversion von Don Costa. Auch Caterina Valentes Coverversion drang nach Veröffentlichung im Oktober 1960 bis auf Rang 1 der Hitparade vor. Mercouri konnte mit dem sehnsuchtsvollen Lied den achten Rang erreichen. Es wurde ebenfalls im September 1960 mit dem Orchester Erwin Halletz eingespielt.[6] Lale Andersen sagte zu ihrem Erfolg: „Eine Platte, zu der ich stehe und über die ich glücklich bin“. Andrea Berg griff den Evergreen auf ihrem Album Machtlos (Mai 2003) noch einmal auf. Insgesamt existieren 26 Versionen.

Für ihre Interpretation des Hits Ein Schiff wird kommen und als beliebteste deutsche Schlagersängerin des Jahres 1960 wurde Lale Andersen am 3. März 1961 auf dem Luxusdampfer United States der Silberne Löwe von Radio Luxemburg überreicht.[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Joseph Murrells, Million Selling Records, 1985, S. 28
  2. Ingo Grabowski/Martin Lücke, Die 100 Schlager des Jahrhunderts, 2008, S. 181
  3. Billboard-Magazin vom 30. Januar 1961, German Newsnotes, S. 54
  4. SWR4 vom 22. März 2005, Rainers Nachschlag: Lale Andersen
  5. Melina erhielt eine Auszeichnung als beste Darstellerin im Film „Sonntags nie“, die Preise für Beste Regie und Bestes Drehbuch gingen an Dassin
  6. Ingo Grabowski/Martin Lücke, a.a.O., S. 180
  7. Litta Magnus-Andersen, Lale Andersen – Die Lili Marleen: Das Lebensbild einer Künstlerin, 1991, S. 214