El Cerrejón

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El Cerrejón Mine

El Cerrejón ist eine Steinkohlemine im nördlichsten Teil von Kolumbien. Sie erstreckt sich über ein Gebiet von insgesamt 69.000 ha und ist die größte Steinkohlemine in Lateinamerika sowie einer der größten Steinkohletagebaue der Welt[1].

Lage und wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten]

Die Mine liegt auf der Halbinsel Guajira im Nordosten von Kolumbien. Ihre Förderleistung betrug 2008 31,3 Millionen Tonnen Kohle und somit gut 42 % der gesamten Kohleproduktion Kolumbiens. 90% der Kohle werden über langfristige Verträge verkauft und exportiert. Die Kohle aus El Cerrejón wird vor allem nach Nordamerika und Europa sowie in zunehmendem Maße aber auch nach China verkauft.[2] Mit dem Kohleexport werden etwa 2,5 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet, was 0,4 % des Bruttoinlandsprodukts Kolumbiens ausmacht. In der Mine waren im Jahr 2008 5.116 Personen beschäftigt; mit Zulieferern und Subunternehmen bietet sie über 9.200 Menschen Arbeit.[3] Bis 2017 soll die Förderung in El Cerrejón auf jährlich 60 Millionen Tonnen ausgeweitet werden.Vorlage:Zukunft/In 3 Jahren[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Im Dezember 1976 gründeten das kolumbianische Staatsunternehmen Carbones de Colombia SA, Carbocol und Intercor, eine Tochterfirma von ExxonMobil, das Joint Venture El Cerrejón Norte. Das Minengelände wurde ab 1977 erforscht, 1980 begannen die Bauarbeiten an der Mine und 1986 begann der Abbau im Nordteil der Mine. 1999 verlängerte der kolumbianische Staat die Schürfrechte für dieses Gebiet bis 2034.

Im zentralen Gebiet der Mine wurde ab 1981 von verschiedenen Unternehmen Kohle geschürft. 1995 erwarb die Firma Glencore die Schürfrechte und gründete das Unternehmen Carbones del Cerrejón, S.A.. 1997 wurden Unternehmensanteile an Anglo American verkauft, 2.000 weitere Anteile an BHP Billiton. In einer zweiten Grube in diesem Gebiet wurde von einem Joint Venture zwischen dem kolumbianischen Staat und Carbones del Caribe Kohle gefördert. 1995 verkaufte dieses seine Schürfrechte an das Unternehmen Oreganal, S.A.', welches sie 1999 an Carbones del Cerrejón verkaufte. Im Jahr 2000 kauften Anglo American, BHP Billiton und Glencore die Anteile an El Cerrejón Norte von Carbocol, 2002 auch die Anteile von Intercor im Wert von US$ 366 Millionen. Die Firmen Carbones del Cerrejón, S.A. und Cerrejón Norte wurden dann zur Cerrejón Coal Company verschmolzen[5].

Die Förderrechte für das dritte Abbaugebiet, das 32 ha große Patilla-Gebiet, wurden 2001 vergeben.[6]. Das vierte Abbaugebiet im Süden der Mine wurde 1997 an ein Konsortium aus Tochterfirmen von BHP Billiton, Anglo American und Xstrata vergeben und wird derzeit erkundet[5].

Geologie und Reserven[Bearbeiten]

Kohleabbau in El Cerrejón

Die Reserven des Cerrejón sind schwefelarm und deshalb gut für die Energieerzeugung und für die Stahlproduktion geeignet. Ca. 950 Millionen Tonnen Gesamtfördermenge werden bis 100 m Tiefe, 2.000 Millionen Tonnen bis 200 Meter und 3.000 Millionen Tonnen bis 300 Meter Tiefe geschätzt. 2009 wurden auf dem Gelände der Mine Wirbel der ausgestorbenen Riesenschlange Titanoboa entdeckt [7].

Qualität der Kohle[Bearbeiten]

Die Produktion besteht aus hochvolatiler "bituminous B"-Kohle. Das Fördergut wird so gemischt, dass es eine einheitliche Export-Qualität erreicht (Eigenschaften: Feuchtigkeit: 11.0 %; Asche: 7.5 %; Schwefel: 0.7 %; Brennwert: 27.2 MJ/kg (11,700 BTU/lb))

Produktion und Infrastruktur[Bearbeiten]

Die Kohle wird in der Cerrejón in sieben Übertage-Gruben gefördert. Abfälle der Produktion werden über zwölf P&H 2800 bewegt. Die Kohle wird mit dem Bulldozer mechanisch abgetragen und nur dort gesprengt, wo das Gestein zu hart ist. Über 95% der Arbeiter und Angestellten in El Cerrejón sind Männer und über 80% der Mitarbeiter sind gewerkschaftlich organisiert [6].

Die Mine ist über eine firmeneigene 150 km lange Normalspur-Bahnstrecke mit dem Karibikhafen Puerto Bolívar verbunden. Zwei bis zu 130 Wagen lange Güterzüge transportieren 48.000 Tonnen in vier Fahrten pro Tag. Der Hafen kann bis zu 6.000 Tonnen pro Stunde verarbeiten und kann mit einem einzigen Ladesteg Schiffe beladen. Zudem befindet sich ein firmeneigener Flugplatz auf dem Gelände der Mine und ein weiterer in Puerto Bolívar [8].

Kritik[Bearbeiten]

Wegen der mit dem Tagebau verbundenen Umsiedlungen kommt es immer wieder zu Protesten der einheimischen Bevölkerung. Zudem beklagt die Minenarbeitergewerkschaft Sintracarbón wiederholt Verletzungen der Arbeitnehmerrechte [9][10] sowie von Morddrohungen gegen ihre Mitglieder und gegen Gemeindevertreter.[11][12] Kolumbien ist Deutschlands größter Kohlelieferant; deutschen Kohleimporteuren (u.a. RWE, E.ON und STEAG) wird daher von Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen vorgeworfen, ungenügende Umwelt- und Menschenrechtstandards zu tolerieren.[13]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Cerrejón – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. What we do auf www.cerrejoncoal.com (Englisch)
  2. BHP, Anglo y Xstrata, con carbón a China, in: la.migalhas.com, 15. März 2010. Abgerufen am 15. Oktober 2013.
  3. Informe de Sostenabilidad 2008 (Nachhaltigkeitsbericht) des Unternehmens (spanisch, PDF; 5,29 MB)
  4. Peter Buerstedde: Kolumbien im Kohlerausch (PDF; 85 kB), Bundesanstalt für Außenwirtschaft 2008. Abgerufen am 22. März 2010.
  5. a b Nuestra historia auf www.cerrejoncoal.com (spanisch)
  6. a b Informe de Sostenabilidad 2008 (Nachhaltigkeitsbericht) des Unternehmens (spanisch)
  7. Roberta Kwik: Scientists find world's biggest snake, in: Naturenews, 4. Februar 2009. Abgerufen am 22. März 2010
  8. Instalaciones y servicios de soporte auf www.cerrejoncoal.com (spanisch)
  9. [1] Sintracarbón: Colombia: Attack on Labour rights by contracting agency for El Cerrejon mine, 9. Juli 2009. Abgerufen am 22. März 2010
  10. International Federation of Chemical, Energy, Mine, and General Workers' Unions: Union, Contract Workers Continue Fight for Work Rights at Cerrejón in Colombia, 11. Januar 2010. Abgerufen am 22. März 2010.
  11. Frauke Manninga: Keine zufälligen Opfer: Die Gewerkschaften in Kolumbien suchen nach Mitteln gegen die Repression, lateinamerikanachrichten.de, Text: Frauke Manninga Ausgabe: Nummer 402 - Dezember 2007
  12. FIAN-FoodFirst Informations- und Aktions-Netzwerk e.V.: Nach Vortragsreise in Europa - Kolumbianischer Gemeindevertreter mehrfach bedroht, 18. Januar 2010. Abgerufen am 22. März 2010
  13. Bitter Coal. urgewald und FIAN, abgerufen am 10. Oktober 2013 (PDF; 1,4 MB).

11.089491666667-72.675141666667Koordinaten: 11° 5′ 22″ N, 72° 40′ 31″ W